Die AR-Brille von Apple ist eine Schimäre

Gedanken zum Apple-Event vom Montag: Warum es noch lange Zeit dauern wird, bis die AR-Brille kommt. Und warum die Fusion zwischen Mac OS und iPad OS überfällig ist.

Diese Woche hat wieder eine dieser ominösen Apple-Veranstaltungen stattgefunden. Es gab eine bunte Mischung von Neuerungen: ein anpassbarer Lockscreen, das Macbook Air mit dem M2-Prozessor, die Möglichkeit, das iPhone als Webcam am Computer zu benutzen (EpocCam lässt grüssen), iOS 16, iPad OS 16, WatchOS 9, sowie Mac OS Ventura.

Bemerkenswert ist, was am Apple Event alles nicht thematisiert worden ist: „Die AR-Brille von Apple ist eine Schimäre“ weiterlesen

Gründe für ein Ja bei Lex Netflix

Die Schweiz stimmt ab, ob Streaming­dienste vier Prozent des Umsatzes hierzu­lande investie­ren sollen und ob es eine Quote für europä­ische Inhalte braucht. Überle­gungen, warum beides sinnvoll ist.

Bei uns in der Schweiz wird in zehn Tagen über das Lex Netflix abgestimmt. Es geht um das Bundesgesetz über Filmproduktion und Filmkultur, das zwei Dinge vorschreiben wird. Erstens müssen die Anbieter vier Prozent ihres hierzulande erzielten Umsatzes in Schweizer Filme und Serien investieren. Zweitens gibt es eine Quote von dreissig Prozent für europäische Inhalte.

Das Schweizer Stimmvolk darf sich zu diesem Gesetz äussern, weil die Jungparteien von FDP, SVP und GLP das Referendum ergriffen haben. Die haben die Befürchtung, die Preise fürs Streaming könnten dadurch ansteigen. Ausserdem halten sie es von einem marktliberalen Standpunkt aus nicht für opportun, dass die Politik den Unternehmen ins Geschäft pfuscht.

Für mich war schnell klar, dass ich ein Ja einlegen würde – auch wenn ich Verständnis dafür habe, dass manche Leute aus meiner Streaming-Bubble überzeugt Nein stimmen werden: „Gründe für ein Ja bei Lex Netflix“ weiterlesen

Wir blonden, blauäugigen Ignoranten

Eine Replik auf die bei Über­medien geäus­serte Behaup­tung, die Medien­bericht­erstat­tung über die Ukraine sei so rassis­tisch und igno­rant, dass einem die «Spucke wegbleibt».

Auch in der zweiten Woche des Ukraine-Kriegs habe ich meine Gefühle nicht auf der Reihe – trotz einer im Radio ausgestrahlten Gruppentherapiesitzung, in der meine Nerdfunk-Mitstreiter und ich versucht haben, uns in einer Auslegeordnung Klarheit zu verschaffen. Das beseitigt das Gefühl der Hilflosigkeit nicht – aber das muss so sein. Denn wer nicht abgestumpft ist, kann angesichts von Krieg und Leid nicht einfach zur Normalität zurückkehren.

Diese Woche lag mir ein weiterer Stein auf der Seele. Im Beitrag Von Kriegsopfern erster und zweiter Klasse hat sich der Autor Emran Feroz auf dem Medienportal «Übermedien» über Rassismus in der Berichterstattung ausgelassen. Feroz sieht ihn überall, in allen Medien, von der BBC, ITV über den «Daily Telegraph» bis hin zum ZDF und ARD: «Bei so viel Rassismus und Ignoranz bleibt mir die Spucke weg», schreibt er.

Ein Vorwurf, den ich ernst nehme, wenn er von «Übermedien» kommt: „Wir blonden, blauäugigen Ignoranten“ weiterlesen

Der Realitätsschock und die sozialen Medien

Seit Donnerstag zehrt die Aktualität an den Nerven, und durch Twitter zu blättern, ist eine gefühlsmässige Achterbahnfahrt. Sollte man sich eine Auszeit gönnen – oder bringt es etwas, sich dem sozialmedialen Wahnsinn zu stellen?

Seit gestern stehe ich neben mir. Um mich herum ist zwar alles wie immer und auch an der normalen, täglichen Routine, mit der ich mich durch zwei Pandemiejahre gebracht habe, hat sich nichts verändert.

Trotzdem beherrscht mich dieses Gefühl, das ich erst erfolglos mit viel Doomscrolling einzuhegen versuchte – und dem ich heute mit zwei Podcasts wenigstens ansatzweise auf die Schliche gekommen sind: „Der Realitätsschock und die sozialen Medien“ weiterlesen

Facebook bleibt uns vorerst erhalten

Die Drohung von Meta, sich aus Europa zurückzuziehen, ent­puppte sich als Wort­hülse. Aber ist wenigs­tens etwas an der Behaup­tung dran, wir hätten uns wegen mangeln­der Eigen­ver­ant­wor­tung beim Schutz unserer Daten selbst in diese miss­liche Lage ge­bracht?

Dann geh doch, Mark Zuckerberg, war meine Spontan-Reaktion, nachdem ich gelesen habe, wie wenig Lust Meta hat, sich den europäischen Datenschutzwerten zu beugen. Bekanntlich ist das Safe-Harbor-Abkommen vom Europäischen Gerichtshof für ungültig erklärt worden, weil es den hiesigen Datenschutzvorstellungen zu wenig Rechnung trägt und es ermöglicht, Daten zwischen Gebieten auszutauschen, konkret zwischen den USA und europäischen Ländern.

Wenn es nicht bald zu einer neuen Regelung komme, sei Meta «wahrscheinlich nicht mehr in der Lage, eine Reihe unserer wichtigsten Produkte und Dienstleistungen,
einschliesslich Facebook und Instagram, in Europa anzubieten».

Diese Aussage war als Drohgebärde gedacht, hat sich aber als Rohrkrepierer erwiesen: „Facebook bleibt uns vorerst erhalten“ weiterlesen

Da werfe ich die Kohle halt Wikipedia in den Rachen!

All die Jahre wollte ich mich bei jedem Black Friday unüberlegten Kaufimpulsen hingeben. Doch ich bin immer krachend gescheitert. Darum habe ich mir für heuer eine todsichere Strategie und einen bombenfesten Plan B ausgedacht.

Aus dem fernen Amerika kommen oft interessante Dinge zu uns herübergeschwappt – nicht zuletzt viele der technischen Innovationen, über die zu schreiben für mich sowohl Beruf als auch Hobby ist. Die USA exportieren aber nicht nur spannende Novitäten, sondern auch allerlei Unfug. Spontan fallen mir QAnon, Trumpismus, die «Ren & Stimpy»-Serie sowie der Donut- oder Pizza-Burger, Spray Cheese, Corn-Dogs – und überhaupt die meisten Fastfood-Kreationen, die einen schon vom Ansehen einen Cholesterinschock versetzen.

«Pre Black Fiday Deals»? Wollt ihr mich vergackeiern?

Eine dieser Erfindungen, die auch bei uns Fuss fasst, ist der Black Friday. Gemäss Wikipedia markiert er seit 1952 den Start zum Weihnachtsgeschäft. Seit 2007 nehmen auch hierzulande Geschäfte die Gelegenheit wahr, durch Rabatte ihre Lager zu leeren, damit genügend Platz für den ganzen Grümpel vorhanden ist, den die Leute bis zum 24. Dezember kaufen sollen.

Ich gehe nicht so weit, den Black Friday den ganz schlimmen US-Erfindungen zuzuschlagen. Aus gutem Grund: „Da werfe ich die Kohle halt Wikipedia in den Rachen!“ weiterlesen

Eine Schweigeminute für die TV-Sitcom

Ein Requiem auf eine der vielen seltsamen Unterhaltungsformen, die das Fernsehen im Lauf der Zeit erfunden hat: Die TV-Seifenoper, in der es billige Witze zu Lachern ab Band gab – und die ich jetzt irgendwie trotzdem vermisse.

Bitte seht es mir nach, wenn ich nicht schon wieder über Facebook schreiben mag – nachdem ich nicht umhingekommen bin, die Entscheidung, die Gesichtserkennung zu kippen, mit einem Kommentar zu würdigen (Warum Facebook so dumm war, in diese Falle zu tappen, Abo).

Stattdessen würde ich lieber auf eine Frage eingehen, die mich neulich beschäftigt hat. Sie dreht sich ums Fernsehen und darum, welche Auswirkungen die Streamingdienste auch auf die Inhalte haben.

Mein Eindruck ist – und korrigiert mich bitte, wenn ich falsch liegen sollte –, dass die klassische Sitcom tot ist. Ein letztes Aufbäumen haben wir mit Modern Family und The Big Bang Theory erlebt, wobei erstere gar keine Sitcom im eigentlichen Sinn war: „Eine Schweigeminute für die TV-Sitcom“ weiterlesen

Die norwegische Deklarationspflicht für Bildretuschen

In Norwegen müssen Werber und Influencer deklarieren, wenn Personen auf Fotos retuschiert worden sind. So einleuchtend das auf den ersten Blick ist – ich habe einen besseren Vorschlag.

In Norwegen müssen Retuschen an Fotos neuerdings deklariert werden, berichtet Vice.com. Demnach verbietet es ein Gesetz, solche Aufnahmen ohne einen entsprechenden Hinweis zu veröffentlichen.

Das neue Gesetz ist eine Massnahme gegen unrealistische Schönheitsstandards und das Fortschreiten der Dysmorphophobie. Letzteres ist eine Wahrnehmungsstörung, die gemäss Wikipedia dazu führt, dass sich Betroffene als hässlich oder entstellt wahrnehmen.

Grundsätzlich eine gute Idee – denn es wirkt vermutlich tatsächlich entspannend, wenn man als Konsument solcher Bilder erfährt, dass der Wirklichkeit ein bisschen nachgeholfen wurde.

Doch je länger ich darüber nachdenke, desto mehr frage ich mich, ob sich die beabsichtigte Wirkung einstellen wird. „Die norwegische Deklarationspflicht für Bildretuschen“ weiterlesen

Windows 11 langweilt mich jetzt schon

Diese Woche ist die nächste Version von Microsofts Betriebssystem durchgesickert. Und auch wenn wir kaum die finale Version zu sehen bekommen haben, so straft sie die grossen Worte vom «grössten Update des Jahrzehnts» dennoch Lügen. Microsoft ist vor allem damit beschäftigt, das Rad zurückzudrehen.

Am kommenden Donnerstag findet Microsofts Veranstaltung statt, an der das «grösste Windows-Update des Jahrzehnts» vorgestellt werden soll, wie sich der Firmenchef Satya Nadella ausgedrückt hat.

Was dort gezeigt wird, sollte eine Überraschung sein. Doch nun ist die eigentliche Bombe schon im Vorfeld geplatzt. Über die chinesische Website Baidu ist eine Vorabversion von Windows 11 durchgesickert, sodass die grosse Ankündigung bereits bekannt ist: Die Nummer hinter dem Namen wird um eins hochgezählt.

Natürlich ist die Veranstaltung deswegen nicht obsolet: Über die Details ist noch nichts bekannt. Dabei ist der Informationsbedarf gross: „Windows 11 langweilt mich jetzt schon“ weiterlesen

Die grosse Vaxxie-Kontroverse

Ist man ein privilegierter, ignoranter Unsympath, wenn man ein Foto postet, wie man die Spritze gegen Covid-19 erhält?

Kafi Freitag hat in ihrem schönen Podcast (Hansdampfinnen in der Podcastgasse) in der Folge Impfen gegen den Rest der Welt eine Tirade gegen mich höchstpersönlich vom Stapel gelassen. Kafi fand, ich sei ein «gruusiger Ignorant», und es sind noch ein paar andere Vokabeln gefallen, an die ich mich nicht mehr erinnere. Aber es war nicht schön.

Die Attacke, die übrigens nicht an mich direkt, sondern an meinesgleichen gerichtet war, hatte sich an dem entzündet, was man gemeinhin als «Vaxxie» bezeichnet: Fotos, auf denen man zeigt, wie man gerade geimpft wird. „Die grosse Vaxxie-Kontroverse“ weiterlesen