In zwei Anläufen zum traurig-schönen Happy End

«Insomnia» («Schlaflos») von Stephen King: Eine schöne und melancholische Geschichte, die viel Zeit braucht, um sich zu entfalten.

Ich hatte mir vorgenommen, meinen Durchsatz an King-Büchern zurückzufahren. Während den Ferien in Schweden bin ich diesem Vorsatz untreu geworden. Die Gelegenheit war aber auch zu günstig. Ich war Mitte der 90er-Jahre auf einer ausgiebigen Interrail-Reise durch Skandinavien, und ich hatte damals Insomnia (Deutsch: Schlaflos) von Stephen King dabei.

Ich habe das Buch damals nicht fertig gelesen. Dieses Versäumnis wollte ich nun wettmachen. Ich hatte die leise Vermutung, dass eine Verbindung zwischen den Erinnerungen ans Buch und den Erinnerungen an die damalige Reise entstehen würde – und die sich vielleicht gegenseitig befeuern würden.

Wenn einer in Maine plötzlich «Farben» sieht… (Bild: Jody Roberts/Flickr.com)

Das war leider nicht der Fall. Es sind tatsächlich nicht sehr viele Erinnerungen aufgetaucht. Weder an die Reise, noch ans Buch. Das liegt daran, dass mein Reisemodus damals ein ganz anderer war. Interrail – da hat man Monate Zeit, durch die Gegend zu tingeln. Ich war damals teils mit einer Freundin, teils allein unterwegs. Da gibt es viele Bekanntschaften, und man kann sich und seine Gedanken treiben lassen. Eine «erwachsene» Ferienreise ist hingegen zeitlich klar begrenzt (zehn Tage hatten wir) und entsprechend auch viel straffer geplant. Da mögen die Städte und Sehenswürdigkeiten dann die gleichen sein wie vor zwanzig Jahren – die Umstände und das Freiheitsgefühl sind es nicht.
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Halbherzige Wiedergutmachung

Mit «Doctor Sleep» wagt sich Stephen King an eine Fortsetzung eines seiner Meisterwerke, «The Shining». In den Nerd­li­tera­tur-Tipps geht es auch um fünf Bücher von Christopher Moore, nämlich «Fool», «Bloodsucking Fiends», «You Suck», «Bite Me» und «A Dirty Job».

Meine Pflichten als Literaturkritiker habe ich auf diesem Kanal in der letzten Zeit vernachlässigt. So skandalös das ist, will ich das Versäumnis jetzt auf halbherzige Weise wettmachen. Nämlich durch Kurzkritiken meiner letzten (Hör-)Bücher:

In meiner Stephen-King-Versessenheit habe ich mich auf Doctor Sleep gestürzt. Das ist der Nachfolger von dem 36 Jahre früher erschienen und von genial, aber nicht sehr vorlagentreu verfilmten The Shining. Da ich auch den Vorgänger nicht kannte, musste ich mich erst einmal diesem widmen.

Allein schon der Teppich ist gruselig! (Über dieses Muster ist Danny mit seinem Dreirad in der Verfilmung von Stanley Kubrick gefahren…)

«The Shining» ist zu recht ein Klassiker. Aber mit «Doctor Sleep» beweist Stephen King, dass er mit dem Alter noch zulegen kann. Ergreifend, wie aus dem Danny Torrance, dem Jungen mit dem Shining, ein alkoholkranker Versager und dann ein Kämpfer gegen die True Knot wird, der zusammen mit einem Mädchen, das seine Begabung teilt, nicht nur eine akute Bedrohung beseitigt, sondern auch (echte und nicht bloss halbherzige) Wiedergutmachung leistet. „Halbherzige Wiedergutmachung“ weiterlesen

King, King, Thor und Stephenson

Gleich vier (naja: dreieinhalb) Bücher in einer Besprechung: «Under the Dome» und «Joyland» von Stephen King, «Hidden Order» von Brad Thor und Snow Crash von Neal Stephenson.

Mein Hörbuchverbrauch in letzter Zeit ist sagenhaft. Dafür fühlt sich der Kindle vernachlässigt. Vielleicht ist es ein Zeichen von Dekadenz, dass ich mir immer häufiger vorlesen lasse, statt selbst zu lesen. Aber ich halte mich lieber an den positiveren Erklärungsansatz, nämlich: Ich lese sonst so viel, dass hören eine angenehme Abwechslung darstellt. Und eben: Um Bücher auf der #Velorunde und bei der Hausarbeit zu konsumieren, benötigt man sie in der Darreichungsform der Lesung.

Also, kurz und bündig der jüngste Durchlauf:

«Under the Dome» von Stephen King

Rechtzeitig zum Start der Fernsehserie habe ich das (leider von Audible.com in der Schweiz nicht verkaufte) und von Raúl Esparza gelesene Hörbuch hinter mich gebracht. „King, King, Thor und Stephenson“ weiterlesen

Der über seinen Darm stolpert

Richard Bachman alias Stephen King hat mit «The Running Man» ein Buch abgeliefert, das mit Arnold Schwarzenegger verfilmt worden ist, aber nicht ganz so schlecht gealtert ist wie die Kino-Adaption.

Stephen King hat einige seiner Bücher bekanntlich unter dem Pseudonym Richard Bachman geschrieben. Laut Wikipedia, weil er nicht als Vielschreiber wirken wollte, und weil es ihn interessierte, ob die Bücher nur wegen dem Namen King auf dem Cover, oder wegen ihrer selbst gekauft würden.

Arnie in der Haut von Ben Richards.

Da es in meiner Familie zwar keinen König, aber grossmütterlicherseits Bachmänner bzw. -frauen gibt, habe ich mich nach «11/22/63» und «The Stand» («Das letzte Gefecht») nun «Menschenjagd» in Angriff genommen. Ich habe mich beim Hörbuchfundus meiner Frau bedient und die übersetzte Fassung, gelesen von David Nathan gehört, obwohl ich bei King eigentlich die englischsprachigen Originale vorziehe, weil sich King einfach schlecht übersetzen lässt. Aber nachdem wir schon die beiden anderen Bücher jeweils doppelt in beiden Sprachen gekauft hatten, wollte ich mich für dieses mal mit der deutschsprachigen Variante begnügen. „Der über seinen Darm stolpert“ weiterlesen

Mittelerde à la Stephen King

«The Stand», zu Deutsch «Das letzte Gefecht»: Ein grossartiger Überlebensroman von Stephen King, mit deutlichen Anleihen bei J. R. R. Tolkien.

Über Weihnachten und Neujahr war ich mit einer Pandemie von unerhörtem Ausmass konfrontiert. Ich spreche nicht von der diesjährigen Grippe, die auch in mir ein williges Opfer gefunden hat. Ich spreche von Captain Trips, der tödlichen Supergrippe, die als Folge eines ausser Kontrolle geratenen Virenexperiments fast die ganze Menschheit ausrottet. Das übrig gebliebene Häufchen versucht zu überleben und sich gegen das personifizierte Böse zu wehren, das in der Gestalt von Stephen Kings Lieblingsdämon Randall Flagg in Erscheinung tritt.

Genau, Stephen King. Der steckt hinter dieser Geschichte, die 1978 zum ersten Mal in einer gekürzten Fassung veröffentlicht worden war. King hat sie 1995 in der ursprünglichen Version neu aufgelegt und 2012 ist bei Audible eine vollständige Lesung erschienen, wunderbar gelesen von Grover Gardner, der nicht nur eine angenehme Stimme hat, sondern auch die Figuren mit ihren Dialekten und sprachlichen Eigenheiten (M-O-O-N, that spells Tom Cullen) zum Leben erweckt.

Eine Lesung von 48 Stunden – dieses Abenteuer geht man nicht leichtfertig ein

Ich hatte so meine Skrupel, nach «11/22/63» schon wieder ein King-Werk in Angriff zu nehmen – und obendrein eines, das noch deutlich länger ist. Fast 48 Stunden lang läuft die Lesung, und auf so ein Abenteuer lässt man sich nicht leichtfertig ein.
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Back to the Future für Erwachsene

Stephen Kings neues Buch «11/22/63» («Der Anschlag») ist ein Muss für Fans von Zeitreisen: Eine erst ausgedehnter, dann gehetzer verzweifelter Versuch, die Ermordung von JFK zu verhindern.

Während ich mich beruflich mit Windows 8 herumschlage, habe ich mich privat mit einer Zeit beschäftigt, in der es weder Personalcomputer noch PC-Betriebssysteme gab, Musik noch analog war und das einzig jemals existierende Mobiltelefon still und heimlich im See versenkt wurde. Es geht um die wunderbare Geschichte, die Steven King in seinem neuen Buch 11/22/63 (zu Deutsch: Der Anschlag) erzählt, das ich mir in den letzten Wochen via Kindle zu Gemüt geführt habe.

Der DeLorean des Marty McFly ist dem Mr. Amberson ein Ford Sunliner.

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