Game of Thrones in der Farbe des Bernsteins

Ich bin im Moment wieder einmal einem Buchtrip, der mich zu Zeitreisen und alternativen Universen führt. Im Beitrag Wir sind die Anomalie habe ich Rewinder von Brett Battles besprochen. Ich habe hinterher gleich mit Destroyer nachgedoppelt. Das ist der zweite Band der Serie, bei dem die Menschheitsgeschichte total aus den Fugen gerät: Die wildgewordene Gegenspielerin von Denny Younger macht sich rückwärts in Zeit auf den Weg, um so viele historische Ereignisse zu verändern, dass nur eine komplette Zerstörung der Gegenwart, so wie wir sie kennen und (meistens) schätzen, die Folge sein kann. Sie sorgt dafür, dass die Nazis an der Macht bleiben und dass die Hunnen Europa überrennen. Wie soll Denny das alles jemals wieder rückgängig machen? Die Antwort erfährt man in diesem Teil leider nicht. Nachdem alles immer schlimmer wurde, endet das Buch mit einem Cliffhanger. Offensichtlich muss man für ein befriedigendes Ende auf Teil drei der Reihe warten. Das ist eine Geduldsprobe, der sich viele Käufer des Buchs nur unter Absonderungen gehässiger Kommentare bei Amazon unterwerfen – und auch ich finde dieser Trick zur Verkaufsförderung nicht sonderlich toll. Mehrteiler sind okay, aber jeder Teil sollte in sich geschlossen sein.

Jedenfalls war mein Bedarf an Geschichten dieser Art nicht gedeckt. Ich habe mich an Nine Princes in Amber (Amazon) – Deutsch Corwin von Amber (Amazon) von Roger Zelazny herangewagt, weil das zum Stichwort «Multiversum» häufig empfohlen wird.

Die Geschichte von beginnt vergleichsweise harmlos mit einem Mann, der ohne Erinnerung in einem Krankenhaus erwacht und versucht, sich seiner Rolle im Leben bewusst zu werden. Er besucht seine Schwester, wo spätestens beim Auftauchen eines von dämonenartigen Gestalten verfolgten Bruders klar wird, dass hier nicht alles so ist, wie es scheint. Carl Corey wird als Corwin angesprochen und seine Schwester Evelyn nennt sich Flora. Er findet ein Kartenset, das seine weitverzweigte Verwandtschaft zeigt.

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Eine Sippschaft, die sich nicht sonderlich mag. Wo gab es das neulich schon einmal? (Bild: Donato Giancola)

Carl alias Corwin und sein Bruder Random machen sich auf den Weg nach Amber auf, das für Corwin und den Leser zu diesem Zeitpunkt nicht viel mehr als ein Name ist. „Game of Thrones in der Farbe des Bernsteins“ weiterlesen

Verflixt, falsches Paralleluniversum

Mit einer gewissen Vorfreude habe ich mich neulich an die Rezeption von Parallels gemacht. Die Vorfreude rührt daher, dass dieser Film vom Plot her annähernd eine 1:1-Kopie von Sliders zu sein scheint.


Wie war nochmal mein Geburtstag?

Sliders (DVDs bei Amazon), ihr erinnert euch, ist eine Sciencefiction-Serie, die von Mitte bis Ende der 1990er Jahre in der Glotze lief: Ein Grüppchen von vier Leuten hüpft von Paralleluniversum zu Paralleluniversum. Der nerdige Physikstudent Quinn Mallory hat eine Maschine erfunden, die das ermöglicht. Doch er hat nicht bedacht, dass es nicht so einfach sein würde, die Ursprungs-Dimension wiederzufinden.

Ich finde die Ausgangslage grossartig: „Verflixt, falsches Paralleluniversum“ weiterlesen

Babbage hätte etwas Besseres verdient

Bei der Auswahl meiner Nerdbücher hatte ich in der letzten Zeit ein gutes Händchen: Den meisten habe ich nach dem Hören oder Lesen gerne drei Sterne oder mehr gegeben. Mein jüngstes Buch schlägt da leider aus der Reihe.

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Ein geheimnisvoller Stapel Lochkarten dient in der Geschichte als MacGuffin. (Bild: Science Museum London/Flickr.com)

Und das trotz dieser grossartigen Ausgangslage: The Difference Engine heisst es. Geschrieben worden ist es von William Gibson und Bruce Sterling. Es stammt aus meinem geheimen Lieblingsgenre, den Alternativweltgeschichten. Und es hat die grossartige Prämisse, dass Charles Babbage seine Analytical Engine nicht nur theoretisch ausgedacht, sondern auch wirklich gebaut hat. „Babbage hätte etwas Besseres verdient“ weiterlesen

Jahrzehntlich grüsst das Murmeltier

In meiner kleinen Lesereihe zu Zeitreisegeschichten (jetzt allerdings unterbrochen durch 3880 Seiten AGoT-ACoK-ASoS-AFfC (*)) komme ich auf «Replay» zu sprechen. Beim Roman von Ken Grimwood, der in deutsch die Unterzeile «Das zweite Spiel» verwendet, sind Parallelen zum Film «Groundhog Day» unverkennbar. Statt einen Tag zu wiederholen, erlebt der Protagonist Jeff Winston jedoch den Teil zwischen 18 und seinem 43. Geburtstag mehrfach. Er tut das im vollen Bewusstsein seiner früherigen Leben, aber ohne Wissen um den Grund seiner Ehrenrunden. Und (vorerst) ohne eine Ahnung zu haben, ob diese Wiederholungen nun bis in alle Ewigkeiten andauern werden.

Jeff Winston tut, was wir alle in seiner Situation auch tun würden: Er legt es darauf an, sich mit seinem Wissen über die Zukunft Vorteile zu verschaffen und stinkreich zu werden. Das gelingt, ist aber nicht sehr befriedigend. Also versucht er es mit selbstzerstörerischen Drogen- und Sex-Exzessen, mit heiler Welt, mit Einflussnahme in den Lauf der Dinge… und scheitert, bis zum Moment „Jahrzehntlich grüsst das Murmeltier“ weiterlesen

Was wäre wenn im grossen Stil

Ich bin auf einem kleinen Streifzug durch die Zeitreisen-Literatur. Ich habe mir zu diesem Thema «11/22/63» zu Gemüte geführt, ausserdem «Replay» und «Der letzte Tag der Schöpfung».

Dieses Buch stammt von dem mir bis dato nicht bekannten deutschen Autor Wolfgang Jeschke. Es geht die Thematik im grossen Stil an. Es geht nicht um die einsame Mission eines Einzelkämpfers wie in «11/22/63» (oder fast so einsam in «Replay»), sondern darum, was eine Supermacht tun würde, wenn sich ihr plötzlich die Möglichkeit eröffnen würde, die Vergangenheit zu manipulieren. Die Supermacht ist die USA, und natürlich würde die nicht darauf verzichten wollen, die Gegebenheiten ein bisschen zu den eigenen Gunsten zu verändern. Ohne zu viel zu verraten – es werden Hunderte von Leuten und Tonnen von Material fünf Millionen Jahre in die Vergangenheit geschickt, um dort den Arabern das Öl «unter dem Hintern wegzupumpen».

Selbstverständlich geht das schief. „Was wäre wenn im grossen Stil“ weiterlesen