Der Adler ist in der Podcast-App gelandet

Der 50. Jahrestag der Apollo 11 Mission ist ein Grund für Freude. Nicht  nur, weil es noch immer beeindruckend ist, dass dieses waghalsige Unterfangen vor einem halben Jahrhundert tatsächlich geklappt hat. Sondern auch, weil es viele Möglichkeiten gibt, dieses grandiose Ereignis noch einmal zu erleben – oder überhaupt erst zu entdecken.

Eine schöne Website zum Thema habe ich vor Kurzem vorgestellt. Heute geht es nun um einen sehr hörenswerten Podcast. Er heisst 13 Minutes to the Moon (RSS) und stammt von BBC World Service, respektive von Kevin Fong. Er ist von Berufes wegen Anästhesist, gehört aber zu jener Gattung Mensch, die aus ihrer Begeisterung für die Raumfahrt keinen Hehl machen will. Und darum hat er sich auf eine Reise zu den Schauplätzen und Personen gemacht, die vor fünfzig Jahren Teil dieses Menschheitsabenteuers waren.

Im Zentrum stehen die letzten 13 Minuten vor der Landung, die besonders dramatisch verliefen. Der Computer funktionierte nicht, wie er sollte, sondern gab einen Fehlercode von sich – ein Code, der erst einmal gedeutet werden musste. „Der Adler ist in der Podcast-App gelandet“ weiterlesen

In Echtzeit auf den Mond

Es gibt diese Webseiten im Netz, auf denen man Stunden oder Tage verbringen könnte (wenn man Zeit hätte). Zu dieser Sorte gehört ohne Zweifel Apollo 11 in real time. Es geht um die erste Landung auf dem Mond. Die Nasa hat diese Mission vom 16. Juli 1969 bis zum 20. Juli 1969 durchgeführt. Und auch wenn sie noch in einer Zeit stattgefunden hat, wo nicht jede Sekunde digital festgehalten wurde, so ist doch erstaunlich viel Material erhalten geblieben.

Zum Beispiel Tausende von Fotos, Fernsehübertragungen und Missions-Filmmaterial. Und jede Menge Funkübertragungen. Nicht nur die Kommunikation zwischen den Astronauten im All und der Bodenstation wurde aufgezeichnet, sondern auch die Gespräche des Mission Control, also des Missionskontrollzentrums. (Übrigens ganz schön viel dokumentarisches Material, das man alles hätte fälschen müssen – falls noch irgend einer die Verschwörungstheorie der erfundenen Mondlandung glaubt.)

Die Website bündelt diese Datenmenge und stellt sie chronologisch sortiert zur Verfügung. Raumfahrt- und Mondlandungsfans können die ganze Mission in Echtzeit miterleben. „In Echtzeit auf den Mond“ weiterlesen

Für Architektur- und Blutmondfotografen

Neulich hat mich Rainer gefragt, ob ich seine App Sun Locator besprechen würde. Solche Anfragen gibt es ab und zu. Ich nehme sie sehr gerne entgegen, gebe aber keinerlei Garantie ab. Ob und wann eine Besprechung erfolgt. Und wo: Es kann somit passieren, dass die App den Auftritt hier im Blog hat und nicht in der Zeitung, beim Newsnetz oder im Patentrezept-Video. Andererseits kam es schon öfters vor, dass ich Besprechungen aus dem Blog für die grosse Bühne aufgegriffen habe. Man könnte sagen, dass das Blog zur Ochsentour gehört.

Woher kommen die Sonnenstrahlen? Und wo gehen sie hin?

Also, zu Sun Locator. Sie dient dazu, einem die Position von Sonne und Mond im Verlauf des Tages anzuzeigen. Das hilft Filmern und Fotografen, die Tageszeit für eine Aufnahmesession auszusuchen, in der das Licht aus der gewünschten Richtung kommt. Wenn man Architekturfotografie betreibt, möchte man wahrscheinlich, dass die Fassade des abzulichtenden Gebäudes nicht im Schatten liegt. Aber auch frontales Licht ist nicht unbedingt ideal. Ein bisschen Schattenwurf hilft, die räumlichen Dimensionen zu erfassen.

Aber auch die Architektur nicht Gegenstand, sondern bloss Kulisse ist, will man wahrscheinlich eine bestimmte Stimmung erzielen. Ob Landschaft oder Portrait, die Sonne ist ein Einflussfaktor, den man genau bestimmen kann – viel einfacher als ein anderer Komparse, der mitunter überhaupt nicht mitspielt. „Für Architektur- und Blutmondfotografen“ weiterlesen

Nach den Wearables dann die Implantables

In diesem Blog ist in letzter Zeit häufig das Wort Feed gefallen. Auch heute ist das wieder der Fall. Doch während es meistens um RSS ging, kommt heute völlig überraschend die Rubrik Nerdliteratur zum Zug. Das Thema hier: Das Buch Feed von M.T. Anderson (Amazon Affiliate), das es leider anscheinend nicht in einer deutschen Übersetzung gibt.

Ich habe das Buch für meinen Tagi-Artikel Vier Bücher für den Durchblick im digitalen Zeitalter ausgesucht. Die anderen drei sind NSA und The Circle, die ich beide hier im Blog schon besprochen habe, plus Fahrenheit 451, das ich für eine ausführliche Rezension hier erst noch einmal lesen müsste. Obwohl es ein Buch für junge Erwachsene ist, passt es ausgezeichnet in die Reihe: Es erklärt ein Phänomen in fiktionalisierter Form besser, als das ein Sachbuch oder ein Erklärstück könnte.

Klar, der Einwand auf diese Behauptung liegt auf der Hand:  „Nach den Wearables dann die Implantables“ weiterlesen

Es gibt auch Nerd-Heldinnen

Die zähen, gewitzten Frauen, die sich so unbesiegbar wie ein Held männlichen Geschlechts durch ein Film- oder Buchabenteuer kämpfen, kann ich an einer Hand abzählen. Die prominenteste ist sicherlich Lisbeth Salander (siehe Lisbeth ist wieder da! und Der Geschmack von Lisbeths Intim-Piercings). Und jetzt ist eine neue hinzugekommen: Andy Weir hat der Welt Jasmine (Jazz) Bashara geschenkt.

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Allzuviel ist hier noch nicht los. Aber das wird sich in naher Zukunft ändern, wenn es nach Andy Weir geht. (Bild: James Stuby, NASA, Wikipedia, PD-NASA)

Andy Weir ist der Mann hinter «The Martian», dem fantastischen Erstling, der als Buch eingeschlagen hat und als Film ganz in Ordnung war, und der von mir im Beitrag Gestrandet auf dem roten Planeten besprochen wurde. In seinem neuen Buch Artemis ist besagte Jazz Bashara eine Kleinkriminelle, die sich auf Schmuggel spezialisiert hat. Doch nicht irgendwo – sondern auf der ersten Mondkolonie Artemis. Die gibt es lange genug, dass Jazz zu den Kindern gehört, die auf dem Mond zur Welt gekommen sind und für die die Hauptstrafe des ansonsten ziemlich gesetzlosen Fleckchens Mondstaub einen echten Knick in der Biografie bedeuten würde: Die Verwaltung von Artemis deportiert Straffällige nämlich auf die Erde, ganz gleichgültig, ob die jemals in der viel höheren Schwerkraft gelebt haben oder nicht.

Artemis ist ein Ort, der vom Tourismus lebt und von ein paar exzentrischen Milliardären bewohnt wird. „Es gibt auch Nerd-Heldinnen“ weiterlesen

Wissenschaft mit Einschlagskraft

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Damals hinterm… (Bild: Project Apollo Archive/Flickr.com)

Der Omega-Tau-Podcast, bereits hier und hier erwähnt, ist es wert, einmal ein bisschen ausführlicher besprochen zu werden. Nora Ludewig und Markus Völter produzieren ihn (Edit: Siehe Kommentare). Letzterer spricht – in Schwäbisch und in schwäbisch gefärbtem Englisch und es geht um technische und wissenschaftliche Themen. Das Spektrum ist breit gefasst. Es reicht von Internetthemen über die Weltraumfahrt und Aviatik bis hin zu natur- und sozialwissenschaftlichen Fragen. Davon interessiert mich nicht alles gleichermassen, sodass dieser Podcast zu denen gehört, bei denen ich nicht jede Folge herunterlade, sondern anhand der Shownotes auswähle. Ich nehme an, dass die variable Flughöhe dieses Podcasts zum Konzept gehört. Damit meine ich, dass manche Themenbereiche weit gefasst sind und allgemeinverträglich behandelt werden. Andere sind sehr spezifisch und werden ad nauseam vertieft, sodass nur Insider es so genau wissen wollen. Und auch der Umstand, dass englische und deutsche Episoden im gleichen Feed erscheinen, deutet nicht darauf hin, dass Völter auf eine maximale «Durchörbarkeit» abzielt. „Wissenschaft mit Einschlagskraft“ weiterlesen

Brave Jungs und eine schamlose Frau

Vor einiger Zeit habe ich mir mit viel Vergnügen Paul Verhoevens «Starship Troopers» zu Gemüte geführt. Eigentlich ein schrecklicher Film, der gerade wegen des leicht faschistoiden Untertons beste Unterhaltung abgibt. Denn wegen des satirischen Untertons muss man den nicht so ganz ernst nehmen — ebenso wenig wie die sinnlose Gewalt. Die richtet sich nämlich gegen hässliche ausserirdische Käfer. Jedenfalls habe ich den Film zum Anlass genommen, mir den Urheber der Geschichte näher anzusehen. Robert A. Heinlein gehört mit zu den wichtigsten Autoren des Sciencefiction-Genres, und stand deswegen schon länger auf meiner To-read-Liste.

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Links: «Tunnel in the Sky» – der Protagonist, Rod Walker, ist eigentlich schwarz.
Rechts: «Fiday» – das Buchcover ist Programm.

Ich begann meine Heinlein-Exkursion mit A Tunnel in the Sky (als Hörbuch, bei dem die Dialoge der Hauptfiguren von separaten Sprechern gelesen werden) . Eine Gruppe von Teenagern wird auf eine Überlebensmission auf einen fremden Planeten geschickt. In der Zukunft dieses Buchs werden Planeten kolonisiert, und darum gehört die Fähigkeit, sich sofort auf eine unbekannte Umgebung einzustellen und inmitten der extraterrestrischen Flora und Fauna zu überleben, zum Lehrplan aller Schulen. „Brave Jungs und eine schamlose Frau“ weiterlesen

Nicht die Landung, sondern der ganze Mond ist gefälscht

Sechsmal Hirnriss in hoher Dosis. Oder: Dümmer geht es immer – und darum präsentiert Morgomatthias heute die sechs abstrusesten Verschwörungstheorien, mit denen internetaktive Blitzbirnen in den letzten Monaten ihre Gefolgschaft beglückt haben. Schnee aus Platik, bibelverändernde Marsianer, die Prophezeiungen der Siri und die Erkenntnis, dass nicht nur die Mondlandung, sondern der ganze Mond gefälscht ist. That simply makes too much sense!
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Das Weltall rückt ein Stückchen näher

Mit Microsofts Programm WorldWide Telescope erforscht man das Sonnensystem und das tiefe All. Die Erde und weitere Himmelskörper sind als 3-D-Objekte vorhanden und es gibt Bildmaterial von Boden- und Weltallgestützten Teleskopen zu erkunden.

Die Himmelskörper des Sonnensystems, entfernte Galaxien, schwarze Löcher und Sternenhaufen, Nebel und Supernovae – wer ein Teleskop auf dem Balkon stehen hat, kann nur erahnen, welche Phänomene in der Tiefe des Alls noch zu entdecken wären. Deutlich weiter ins All stösst man mit Microsofts kostenlosem Programm WorldWide Telescope vor: Es funktioniert als virtuelles Teleskop, das Bilder und Daten vom Hubble-Weltraumteleskop, dem Spitzer-Weltraumteleskop der Nasa, dem Röntgen-Teleskop an Bord des Nasa-Satelliten Chandra und weiteren botengestützten Teleskopen in einem Programmfenster zusammenführt. Die Software soll nicht nur die astronomischen Daten verfügbar machen, sondern auch das wissenschaftliche Interesse bei der jungen Generation wecken, heisst es auf der Website des Projekts unter worldwidetelescope.org.

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Himmelskörper des Sonnensystems in 3-D erkunden – hier der Jupiter-Mond Europa und der Jupiter im Hintergrund.
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Mal schnell den Mond von hinten ansehen

Liesse sich die Gravitation aufheben, dann könnten wir fliegen wie Superman oder schnell mal einen Ausflug zum Mond machen, um zu sehen, was auf der Rückseite ist. Jetzt gibt es Wissenschaftler – und zwar durchaus solche aus dem ernsthaften Lager und nicht dem der Spinner – die die Aufhebung der Schwerkraft für möglich halten und in diesem Bereich forschen. Und natürlich gibt es auch die Verschwörungstheoretiker, die der Meinung sind, die Antischwerkraftmaschine gehöre zu den Erfindungen, die von Erdöllobby und Regierungen unterdrückt werden würden…