Wir schweigen nichts tot

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«Wie könnt ihr Medien dieses unschuldige kleine Radio nur sosehr hassen?» (Bild: Screenshot Youtube)

Letzthin bin ich dem Beitrag Warum die Schweiz beim Umstieg auf DAB+ ganz vorne mitmischt begegnet. Er analysiert die Frage, warum das Digitalradio nicht vom Fleck kommt. Der Text ist interessant und weitgehend sachlich. Mit Ausnahme des folgenden Satzes:

Ebenfalls wird das Thema DAB+ in der Printpresse tunlichst totgeschwiegen. Auch hier sind Konkurrenzgedanken der Verlagshäuser im Spiel.

Das ist eine Behauptung, wie man ihr häufig begegnet: Die kleinen Journalisten der grossen Medien unterdrücken absichtlich Informationen auf Geheiss «von oben». Es gibt geschriebene oder ungeschriebene Direktiven von der Chefredaktion, der Geschäftsleitung, den Inserenten, der Politik, der geheimen Weltregierung. „Wir schweigen nichts tot“ weiterlesen

Lachen statt essen

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Das ist wohl das, was man eine Mixed Message nennt. (Bild von chefkoch.de via amateurkochfotos.tumblr.com)

Manchmal drängt sich einem der Verdacht auf, das Internet sei nur zu einem einzigen Zweck erfunden worden: Nämlich zur Verbreitung von Hohn und Spott. Wer einen gewissen Grad an Prominenz und Publikumsinteresse vorzuweisen hat und dem Internet einen Anlass liefert, der wird der Lächerlichkeit preisgegeben. Clickbait-Medien greifen das dann gerne auf, und zwar mit immer der gleichen Schlagzeile. Sie lautet «So lacht das Internet über…» (Maradonna, David Cameron, Tim Cook, den «IS», Uli Hoeness, Holland, Magdalena Martullo-Blocher, die Fifa, das iPad Pro. Und so weiter.)

Nun ist es so, dass gewisse Leute den Spott ehrlich verdienen. „Lachen statt essen“ weiterlesen

Macht hinne!

Methodisch inkorrekt ist ein Podcast, der mir in letzter Zeit immer mal wieder begegnet ist. Er wurde in diversen anderen Podcasts erwähnt und neulich hat ihn auch mein Mitstreiter maege in der Folge Boom shakalaka des Digitalmagazins erwähnt. Es handelt sich um einen Wissenschaftspodcast, der «interessante aktuelle Forschung, Experimente und den Alltag» behandelt. Ein Thema, das mich sehr interessiert, dem ich hohe Relevanz beimesse und das sich fürs Podcaten bestens eignet. Ich höre zwar nicht regelmässig, aber doch ab und zu gerne Wissenschaft von Holger Klein und Florian Freistetter.

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Häh? (Bild: JD Hancock/Flickr.com, CC BY 2.0)

Grund genug für eine Besprechung. Ich habe mir die Folge 62 «Alles ist besser mit Alkohol» angehört und sie – weil ich sie hier besprechen wollte – auch zu Ende gehört. Es war aber schon nach einer halben Stunde klar, dass Nicolas Wöhrl, Reinhard Remfort und ich nicht harmonieren. „Macht hinne!“ weiterlesen

Mediennutzungsgewohnheitenwandel?


Wenn das Video nicht erscheint, bitte hier klicken

Letztes Wochenende stand das digitale Patentrezept im Dienst der neuen 12-App der Tamedia1. Ich finde den Ansatz spannend, da ich mich an vielen Newssites stört, dass sie eigentliche Durchlauferhitzer sind. Die Top-Meldungen rutschen nur so durch, damit man als Leser alle halbe Stunde etwas Neues vorfindet. „Mediennutzungsgewohnheitenwandel?“ weiterlesen

Formatradio ist das letzte

In diesem Blog wurde des Öfteren über das formatierte Radio von heute gelästert. (Nämlich hier, hier und hier). Der Zwang, jegliche Ecken und Kanten aus dem Programm zu entfernen, macht aus dem Radio, das von Haus aus das tollste Medium von allen sein könnte – etwas Langweiliges, Ödes, Nutzloses.

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Wer ihn nicht mag, lässt das Radio besser ausgeschaltet.

Nun bin ich neulich über die Site und-taeglich-gruesst-das-murmeltier.de gestolpert. Michael Vogel hat die Musikprogrammation von HR3 analysiert und statistisch ausgewertet. Die Daten zeugen davon, wie eintönig das Musikprogramm daherkommt, wenn es von der Marktforschung bestimmt wird. Einige Erkenntnisse:

Die 100 meistgespielten Interpreten steuerten 2014 bei HR3 mit 1189 Songs 48,75 Prozent aller Radioairplays bei. 2015 ist der am häufigsten gespielte Song «Blame it on me» von George Ezra. „Formatradio ist das letzte“ weiterlesen

Öffnung im digitalen Büchermarkt?

Der Anteil an E-Books wächst langsam – aber er wächst. Für die Schweiz habe ich keine schlüssigen Zahlen gefunden, aber für Deutschland ist er laut dieser Grafik von 0,5 Prozent 2010 auf 4,3 Prozent angestiegen. Der E-Book-Markt habe sich «vom Nischen- zum Massenmarkt entwickelt», heisst es auch im GfK-Bericht zum Buchhandel.

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Ohne DRM ginge es schneller aufwärts.

Einer der grössten Hemmschuhe in diesem Markt ist IMHO das DRM. Es macht die E-Books schwer zu benutzen und macht aus aus ihnen ein sehr zukunfts-unsicheres Medium. Denn ob man seine digital gekauften Bücher in fünf, geschweige denn 20 Jahren noch wird öffnen können, garantiert einem niemand.

Darum habe ich mich sehr über die Meldung von heise.de gefreut, dass Piper, Ullstein und Carlsen das harte DRM abgeschafft haben und stattdessen auf ein Wasserzeichen setzen. „Öffnung im digitalen Büchermarkt?“ weiterlesen

Das ewige Teasen reizt nicht mehr…

Das Sommerloch ist wie gemacht für ein bisschen Medienschelte. Oder sagen wir: Medienreflexion mit einem Hauch von Selbstkritik. Es geht um die Teaser. So nennt man Programmhinweise, die man, etwas weniger euphemistisch, auch Eigenwerbung heissen könnten.

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Taten statt Worte, Pro Sieben. Oder, wie der Engländer sagt: The proof of the pudding is in the eating.

Nun fangen wir den Beitrag an mit der Selbstkritik: Es ist nicht so, dass mir Eigenwerbung fremd wäre. Im Gegenteil: Dieses Blog hier betreibt Werbung für meine neue Videorubrik Digitale Patentrezepte beim Tagi: Da, eben ist es wieder passiert! Ich weise auf Twitter jeweils auf meine Radiosendungen hin und vertwittere meine Blogbeiträge. Im Internet herrscht ein erbitterter Kampf um Aufmerksamkeit und in dem Kampf ist es nicht so, dass sich Qualität automatisch durchsetzen würde. Beachtung findet tatsächlich, wer am lautesten schreit.

Das setzt nun aber leider eine Spirale in Gang, in der jeder versucht, den anderen zu übertönen – was ich im Beitrag So ein Kack! kritisiert habe. (War das etwa schon wieder ein Teaser?)

Aggressives Clickbaiting führt zu nichts. In der Vermarktung eigener Inhalte ist Mässigung angesagt. „Das ewige Teasen reizt nicht mehr…“ weiterlesen

SRF muss innovativer werden

Die Abstimmung vom 14. Juni zum Systemwechsel bei den Radio- und Fernsehgebühren hat auch eine Debatte um die SRG und den Service Public ausgelöst. Ich werde für die Revision des Radio- und TV-Gesetzes (RTVG) stimmen, weil ich das Haushaltsystem befürworte und die SRG für eine gute Sache halte.

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Jungtalente, bitte hier platz nehmen. (Bild: SRF)

Andererseits ist es tatsächlich sinnvoll, die SRG auf den Prüfstand zu stellen und anlässlich der Abstimmung zu fragen: Macht sie eigentlich einen guten Job? Ich habe in diesem Blog vor allem das Radio kritisiert. „SRF muss innovativer werden“ weiterlesen

Hab mich lieb, du doofer Leser

Die Pubertät gehört nun nicht zu den allerschönsten Abschnitten des menschlichen Lebens. Es gibt zwar durchaus bemerkenswerte Entdeckungen zu machen, aber man bekommt auch einige Lektionen fürs Leben mit, die nicht unbedingt die reine Freude sind. Eine solche Lektion ist zum Beispiel, dass es nichts bringt, um Liebe zu betteln. Entweder, man wird geliebt. Oder nicht. Und im zweiten, abschlägigen Fall bringt es nichts, Liebe einzufordern. Oder darum zu betteln. Oder sie passiv-aggressiv erstänkern zu wollen.

Diese Lektion haben präpubertäre Medien wie blick.ch oder focus.de leider noch nicht gemacht. Sie betteln ungeniert um die Zuneigung des Publikums: «Bitte schenkt uns doch ein Like auf Facebook!» Beziehungsweise, im schönsten Denglisch bei Blick: «Liken Sie Blick auf Facebook!»

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Nicht zum Liken: Das deutsche Verb «liken»
„Hab mich lieb, du doofer Leser“ weiterlesen

So ein Kack!

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Kack sells.

Im Beitrag Lies das! habe ich mich vor gut einem Jahr über die Marotten beim Verkauf von Online-Inhalten aufgeregt. Die müssen bekanntlich einen starken Klickanreiz aufweisen. Eine nüchterne Inhaltsangabe, Zusammenfassung oder emotionale Einstimmung reicht offenbar nicht aus. Es braucht Emotionalisierung, direkte Anrede des Lesers und den Versuch, ihn direkt zu involvieren. Ich habe im Beitrag damals geschrieben, dass man die Methoden in den USA bei den einschlägigen Sites sehr oft sieht, hierzulande mit Ausnahme von Watson.ch aber von allzu aufdringlichen Anbaggerversuchen aus dem Web aber verschont bleibt.
„So ein Kack!“ weiterlesen