Und wieder hat einer auf Facebook groben Unsinn geteilt

Ich unterziehe einen Beitrag von RT einer kritischen Prüfung. Und das Ergebnis ist für meinen Freund, der ihn auf Facebook geteilt hat, leider nicht schmeichelhaft.

Eine weitere Folge aus der beliebten Reihe Zeugs, das besser nicht gepostet worden wäre: Der Beitrag «The 1% blunder: How a simple but fatal math mistake by US Covid-19 experts caused the world to panic and order lockdowns» von RT.com. Ich gebe hier zu Dokumentationszwecken den Link an, natürlich mit Noreferrer und Nofollow-Attribut.

«Bitte lest das», verlangt mein Facebook-Freund. Das habe ich gemacht.

Ein Freund auf Facebook hat ihn gestern veröffentlicht. Er gibt dem Link in seinem Posting eine kleine Relativierung mit: Der Text sei «zumindest interessant». Doch die Relativierung wird auch gleich wieder relativiert, indem er angibt, auch ein befreundeter Arzt hätte ihn gepostet.

Jetzt könnte man es sich einfach machen und auf die Quelle verweisen: RT.com ist die Website zum gleichnamigen Fernsehsender, der ursprünglich «Russia Today» hiess.

Schon die Selbstbeschreibung weist auf zwei grundsätzliche Probleme mit dieser Informationsquelle hin. Es heisst auf der «About RT»-Seite Folgendes: „Und wieder hat einer auf Facebook groben Unsinn geteilt“ weiterlesen

Einmal Hetze, immer Hetze?

Eine Knacknuss für uns Freunde der angewandten Medienkompetenz: Darf man Desinformations- und Fakenews-Quellen global ächten – oder muss man bereit sein, begründete Ausnahmen zu machen?

Beitragsbild: Pegida Frankfurt April 2015 von Opposition 24/Flickr.com, CC BY 2.0

Hier im Blog ging es (hier, hier und hier) um Websites, die ihren Teil zur Vielfalt des Internets beitragen – bei denen ich aber Gegenposition einnehme, wenn sie mir in den sozialen Medien begegnen.

Denn ich finde, dass wir Nutzer von Facebook, Twitter und Co. die Beiträge sorgfältig auswählen sollten, die wir unseren Freunden und Followern unterbreiten. Es braucht einen kritischen Umgang mit den Quellen. Wir sollten die Motive kennen, die hinter einer Veröffentlichung stehen: Geht es um Information, Aufklärung, persönliche Meinung oder meinetwegen auch um Unterhaltung? Oder geht es um das Gegenteil?

Das Gegenteil von Information ist die Desinformation. Bei der spielen Fakten eine untergeordnete oder gar keine Rolle. Das Ziel ist, die öffentliche Meinung zu beeinflussen und in eine bestimmte Richtung zu lenken. Und daher ist die Gefahr gross, dass man durch eine Weiterverbreitung in den sozialen Medien die öffentliche Meinungsbildung nicht fördert, sondern behindert – und Leute mit Reichweite belohnt, deren Motive fragwürdig sind.

Und um das auch mal gesagt zu haben: Jeder meiner Freunde auf Facebook und Twitter darf den grässlichsten Mist posten – wenn er dafür einen guten Grund hat und ich erkennen kann, dass eine kritische Auseinandersetzung beabsichtigt ist. Auf jeden Fall ist auch eine Triggerwarnung sinnvoll: „Einmal Hetze, immer Hetze?“ weiterlesen

Wie Youtube von Verschwörungstheoretikern ausgetrickst wird

Inakzeptable Videos können bei Youtube gemeldet werden. Nur dumm: Manche Urheber rechnen von vornherein damit, dass ihre Machwerke gelöscht werden und haben eine Gegenstrategie.

Beitragsbild: Entschuldige, aber du hast da eine Videoplattform vor dem Kopf (Rachit Tank, Unsplash-Lizenz).

Was tun, wenn einem ein Video wirklich gegen den Strich geht? Ich habe neulich über im Beitrag So radikalisieren sich die Verschwörungstheoretiker über einen solchen Fall geschrieben. Und mich gefragt: Muss man so ein Video wirklich tolerieren?

Vermutlich muss man, wenn jemand das Video auf seiner eigenen Website platziert. Allerdings richtet es auch weniger Schaden an als auf einer grossen Videoplattform wie Youtube. Dort ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass Leute darauf stossen, die nicht explizit danach gesucht haben.

Denn wie ich von meiner eigenen Statistik weiss, ist der Vorschlagsalgorithmus von Youtube ein potenter Publikumslieferant: 46 Prozent der Zuschauer werden über die Funktionen zur Auswahl von Inhalten angeliefert. Das klingt etwas kryptisch. Youtube sagt, dahinter würden die «Zu­grif­fe über die Start­sei­te/den Start­bild­schirm, den Abo­feed und son­sti­ge Funk­tio­nen zur Aus­wahl von In­hal­ten» stecken. 13,8 Prozent der Klicks kommen über die Videovorschläge.

Man kann davon ausgehen, dass mehr als die Hälfte der Zuschauer durch die Plattform vermittelt wurden. „Wie Youtube von Verschwörungstheoretikern ausgetrickst wird“ weiterlesen

So radikalisieren sich die Verschwörungstheoretiker

Einer setzt immer noch eins drauf. Das gilt auch bei den Verschwörungstheoretikern, wie ein besonders illusteres Video zeigt.

Beitragsbild: Ein grosser Verschwörungstheoretiker wird man nach dem Matroska-Prinzip – indem man immer noch mal eins draufsetzt (Matryoshka Russian Dolls, Marco Verch/Flickr.com, CC BY 2.0).

Es tut mir leid, dass es schon wieder um diese Dinge geht, die sich im Internet ganz unten ablagern – um Lügen, Falschinformationen und Verschwörungsmythen. Aber es muss sein.

Ich habe nämlich letzte Woche ein Video zugespielt erhalten, das «KenFM» und die «Swiss Propaganda Research» geradezu vernünftig und differenziert aussehen lässt. Ich habe mir den Clip mit völligem Unverständnis angeschaut. Nach der Sichtung hätte ich Stein und Bein geschworen, dass es keinen Menschen auf diesem Planeten gibt, der auf solchen Humbug hereinfällt.

Doch es ist unverkennbar, dass der Mann im Video ein Publikum bespielt, das ihn als eine Art Aufklärer betrachtet. Er behauptet, es seien Millionen – was ich, wie eigentlich alles aus seinem Mund, nicht ohne handfeste, objektive Beweise glauben würde. Es liegt somit an meiner Fantasielosigkeit: Ich kann mir keine Welt vorstellen, in der sich Leute auf solchen Habakuk stürzen.

Doch sie tun es. Das bestätigt mir auch mein Freund aus den sozialen Medien: „So radikalisieren sich die Verschwörungstheoretiker“ weiterlesen

Ein Schweizer Liebling der Verschwörungstheoretiker

Nein, auch von der so genannte «Swiss Policy Research» solltet ihr keine Beiträge in sozialen Medien posten.

Beitragsbild: Und jetzt bitte einen Hut daraus basteln (Aluminum foil, close up von Marco Verch/Flickr.com, CC BY 2.0).

Neulich habe ich  zwei Gründe, keine Videos von KenFM anzusehen oder zu teilen ins Feld geführt. Das war erfolgreich Einen meiner Facebook-Freunde konnte ich dazu bewegen, seinen entsprechenden Post zu löschen.

Doch die Freude währte nur kurz. Letzte Woche hat er  wieder im Bodensatz des Internets gerührt und einen besonders illusteren Link nach oben befördert. Diesen Link haben wir,  also seine Internetfreunde, nämlich sogleich zur Begutachtung dargereicht bekommen.

Deshalb komme ich nicht darum herum, mich an dieser Stelle mit der Website zu beschäftigen, die – mit freundlicher Unterstützung von Facebook – weitere Kreise gezogen hat, als sie es verdient.

Es handelt sich um die so genannte «Swiss Policy Research»  (swprs Punkt org). (Ursprünglich «Swiss Propaganda Research»; siehe Fussnote¹.) „Ein Schweizer Liebling der Verschwörungstheoretiker“ weiterlesen

Treten wir alle gegen Fakenews und Verschwörungstheorien an!

Wir müssen uns nicht nur mit dem Lockdown herumschlagen, sondern auch mit der ganzen Flut an Fehlinformationen, die nonstop ins Internet abgelassen wird. Warum es wichtig ist dagegenzuhalten!

Neulich habe ich mich über die Zunahme an verschwörungstheoretischem Quark in meiner Facebook-Timeline aufgeregt und mir in einem Blogpost Luft gemacht. Doch damit war die Sache noch nicht erledigt. Denn erstens lesen offenbar nicht alle Nutzer von Facbeook mein Blog – der Strom an Unseriösem, Irreführendem und Fragwürdigen ist nicht abgerissen. Und zweitens gibt es noch andere Quellen für derlei Zeugs: Andere Social-Media-Kanäle. Und vor allem auch die Messenger wie Whatsapp.

Darum habe ich mich entschieden, ein Patentrezept-Video zum Thema aufzunehmen. Das hat zwei Aufgaben: Erstens soll es die Leute dazu bewegen, selbst keine Verschwörungstheorien und keine Kettenbriefe weiterzuverbreiten. Und zweitens will ich die Zuschauer motivieren einzuschreiten, falls jemand in ihrem Umfeld das tut.

Und das hier ist das Video: „Treten wir alle gegen Fakenews und Verschwörungstheorien an!“ weiterlesen

Zwei Gründe, keine Videos von KenFM anzusehen oder zu teilen

Warum posten derzeit so viele vernünftige Leute total unvernünftigen Quatsch auf Facebook? Und wie könnte man mit den Videos von Verschwörungstheoretikern sinnvollerweise umgehen?

Verschwörungstheoretiker und ihr toxischer Output sind ein reales Phänomen. Damit habe ich mich abgefunden und an dieser Stelle schon diverse Male auseinandergesetzt.

Was mich betrübt und auch sauer macht, ist eine Beobachtung, die ich in machen musste, als es mit der Coronakrise ernster wurden. Es zeigt sich nämlich, dass die Thesen und Behauptungen in Krisenzeiten infektiöser sind als in einer normalen Situation. Das war während der Nobillag-Abstimmung zu beobachten. (Wobei man sich natürlich fragen darf, ob aus heutiger Sicht diese Periode das Attribut «Krise» verdient.) Und es ist wird in diesen Tagen sehr deutlich.

In meinem Social-Media-Umfeld ist die Situation typischerweise so: Es sind die einschlägig bekannten Figuren, die Fragwürdiges aus der Ecke der Aluhutträger in Umlauf bringen. Man kennt sie, schaltet sie stumm, wenn sie einem zu sehr auf die Nerven gehen – aber es sieht so aus, als ob die Szene in ihrem eigenen Saft vor sich hin köcheln würde.

In der letzten Zeit hat mir Facebook mehrere Posts in meine Timeline gespült, die von Leuten stammen, die ich erstens alle persönlich kenne. Und die ich zweitens alle als vernünftige, nüchterne Personen einschätze. Drittens ging es immer um Videos von KenFM. „Zwei Gründe, keine Videos von KenFM anzusehen oder zu teilen“ weiterlesen

Dieses Meme hättest du besser nicht gepostet

Berühmt, weil sie medienwirksam rummotzt.

Facebook hat die unangenehme Eigenschaft, einem ungefragt Dinge ins Gesicht zu schleudern, die man dort nicht haben will: Verschwörungstheorien, Fakenews, Memes und stockdummer Quatsch.

Das passiert immer unerwartet und meistens im falschen Moment. Klar, wir sind auch selber schuld: Wir haben ohne viel Nachdenkens dieses Facebook geöffnet – oder Twitter, Instagram, Pinterest oder sonst irgend ein Verteilsystem für Internet-Bullshit. Wir wollten uns bloss ein paar Minuten vertreiben. Dabei hätten wir wissen können, dass oft genau dann irgend etwas im Feed erscheint, dass uns eine unangenehme Entscheidung abnötigt.

Die Auswahlmöglichkeiten bei dieser Entscheidung sind:

  1. Ignorieren.
  2. Eine klare, aber freundliche Replik schreiben.
  3. Eine unfreundliche Abkanzelung schreiben.
  4. Stummschalten. Entfreunden. Blockieren.

Ich bin normalerweise für Weg zwei. Der hat allerdings den Nachteil, dass er viel Zeit braucht – die man in jenen Momenten, in denen man es mit einem solchen Meme zu tun bekommt, absolut nicht hat. Darum hier dieser Blogpost: Ich schreibe ihn als Reaktion auf eine Diskussion, die ich bei Facebook neulich hatte. Aber vor allem auch als Reserve, damit ich ihn in ähnlichen Fällen als Kommentar unter eine solche Facebook-Veröffentlichung knallen kann.

Das Prinzip der präemptiven Kritik hat sich übrigens bestens bewährt: „Dieses Meme hättest du besser nicht gepostet“ weiterlesen

Diesen Link hättest du besser nicht gepostet

Das hier ist ein Beitrag, den ich für solche Fälle bereithalte wie der neulich bei Linkedin. Da hat ein Mann aus meiner Blase einen Link gepostet, den er besser nicht gepostet hätte. Ich kenne den Mann persönlich und schätze ihn in einem beruflich-fachlichen Kontext. Was er privat tut und für Ansichten hat, weiss ich nicht. Nun könnte man sagen, dass mich das auch nicht näher zu interessieren hat, weil unsere Beziehung rein professioneller Natur ist.

Soll mir dieser Mann erzählen, wie CO₂ und Klimawandel zusammenhängen?

Nun leben wir in einer Zeit, wo sich Privates und Berufliches immer mehr vermischt. Darum fand er es wohl okay, einen Link zu posten, der schlecht in dieses professionelle Umfeld passt. Es handelte sich um einen Beitrag von KenFM, in dem es ums Klima ging. Abgebildet war ein Mann, der so aussah, wie ich mir einen Waldschrat vorstelle. Jedenfalls nicht wie der typische Klimaexperte. Der Kommentar des Freundes: «Soeben gehört. Das Umweltproblem ist weit komplexer, als man es uns verkaufen will.»

Also, die Ausgangslage: Dieser Link gehört mit ziemlicher Sicherheit zu der Sorte, die eine Gegenrede provozieren müssten. Denn er stammt von KenFM. Das ist eine Website, die nach eigenem Anspruch als «medialer Mülltrenner» auftritt, was allein schon ahnen lässt, dass man sie dem «alterntiven» Lager zuordnen muss. Wikipedia formuliert es vorsichtig: „Diesen Link hättest du besser nicht gepostet“ weiterlesen

Wie der Browser vor Fakenews warnt

Microsoft hat vor einiger Zeit eine Partnerschaft mit einem Unternehmen angekündigt, das sich dem Kampf gegen Fakenews verschrieben hat. Inzwischen ist daraus eine Browser-Erweiterung namens Newsguard geworden, die ihren Weg in den Edge-Browser gefunden hat. Es gibt sie auch für Firefox und Chrome.

Die Erweiterung klinkt sich in die Symbolleiste ein und zeigt ein Schild an. Bei CNN, washingtonpost.com oder theverge.com ist das Schildchen grün: «This website generally maintains basic standards of accuracy and accountability», heisst es in der Beschreibung («Diese Website hält im Allgemeinen grundlegende Standards für Richtigkeit und verantwortliche Berichterstattung ein»). Bei einer Website wie «Info Wars» des professionellen Verschwörungstheoretikers Alex Jones heisst es dagegen: „Wie der Browser vor Fakenews warnt“ weiterlesen