2010 war die Handywelt noch in Ordnung

… oder auch nicht. Neulich ist mir mein iPhone 4 (MC605FD/A) in die Finger geraten. Ich gehöre nämlich zu den Leuten, die alte Geräte nicht zum Recycling geben, sondern in einer Schublade verstauen. Der prähistorische Sammeltrieb hat sich offensichtlich in die Moderne gerettet.

180803-iphones.jpg
Wie ein SUV neben einem Fiat Cinquecento.

Das iPhone 4 ist 2010 auf den Markt gekommen. Es zeichnet sich durch eine rückseitige Glasscheibe aus, die genauso kaputtgehen kann wie die Front, wenn man das Telefon unglücklich fallen lässt. Immerhin: Eine gesplitterte Rückseite stört nicht sosehr wie das Spinnenmuster auf dem Display. Im Gegenteil; man kann ihr sogar attestieren, dass sie einem Telefon Charakter und Individualität verleiht. Die Splitter bei meinem Gerät stammen von unseren Azoren-Ferien 2011, wo ich das Telefon im Hotel aus zwanzig Zentimetern Höhe auf die Steinplatten habe fallen lassen. Damals hat auch meine Spiegelreflexkamera, die D70s bei einem Walbeobachtungstrip zu viel Wasser abbekommen und das mit Aussetzern quittiert. Es war, aus Sicht des Equipments, keine glückliche Reise. Anderweitig aber schon.

Wie auch immer. „2010 war die Handywelt noch in Ordnung“ weiterlesen

Als Facebook noch eine Unbekannte war

180221-facebook-icon.jpg
Facebook: Seit zehn Jahren da und nicht gewillt, wieder zu verschwinden. (Bild: LoboStudioHamburg/pixabay.com, CC0)

Facebook ist 2004 gegründet worden. Hierzulande hat man Ende 2007 angefangen, vom sozialen Netzwerk Notiz zu nehmen. Der Tagesanzeiger hat am 26. September 2007 zum ersten Mal über die Plattform geschrieben: «Facebook entwickelt sich zu einem der gesuchtesten Partner im Internet. Die Plattform ist mit weltweit über 42 Millionen eingetragenen Nutzern nach Myspace die grösste soziale Kontaktbörse.» Wenn man der Mediendatenbank SMD glauben darf, war das erste Medium, das Facebook überhaupt wahrgenommen hat, die NZZ. Claude Settele schrieb dort am 28. April 2006:

Erfolgreich sind auch die Studenten-Plattform Facebook oder Googles Orkut, die fast zu drei Vierteln von Brasilianern bevölkert wird. Hierzulande gehören MSN Spaces, Youths.ch und Meinbild.ch zu den frequentierten Adressen, aufstrebend ist die im Februar gestartete Site Klassenfreunde.ch, die 170 000 Mitglieder zählt.

meinbild.ch gibt es übrigens noch und Klassenfreunde heisst jetzt stayfriends.ch. Ich kann mich erinnern, dass ich die auch irgendwann Ende 2007 auf Facebook gestossen bin. Ich habe die Sache beobachtet, bin irgendwann im Verlauf von 2008 beigetreten und hielt am 27. Oktober 2008 die Zeit für gekommen, Facebook als Tipp der Woche vorzustellen: «Facebook hilft, weltweite Kontaktnetze zu knüpfen», hiess der Titel:

Facebook.com hat sich seit dem Start im Jahr 2004 zu einer der grössten Kontaktplattformen im Web gemausert. Im August feierte der Gründer und Selfmade-Milliardär Mark Zuckerberg den 100-millionsten Teilnehmer. Grösser ist nur Myspace.com, eine vergleichbare Community für Teenager und junge Nutzer.

Es war damals nötig, genau zu erklären, wie die Sache funktioniert:
„Als Facebook noch eine Unbekannte war“ weiterlesen

Corel? Die gibt es noch?

Neulich bin ich durch Zufall auf einer Webseite gelandet, wo CorelDraw 2017 feilgeboten wurde. Spontaner Verblüffungsmoment: «Die gibt es noch?»

170720-coreldraw-2017.jpg
Nach 22 Jahren und x Versionen immer noch vertraut.

Ich habe seinerzeit, 1995 muss es gewesen sein und wahrscheinlich mit der Windows 95-Euphorie zu tun gehabt haben, CorelDraw 6.0 erstanden. Falls mich die Erinnerung nicht täuscht, habe ich dafür 360 Franken hingelegt. Das war ein dickes Paket mit der Vektorgrafiksoftware Draw, dem Bildbearbeitungsprogramm CorelPaint und den typischen Dreingaben, für die Corel so berüchtigt ist: Also Schriften en masse und Tonnen von ClipArts. Der Kauf hatte stattgefunden, als mein Computer noch nicht am Internet hing. Darum hielt man diese Sammlungen damals für besitzenswert, weil man nicht einfach mal kurz online gehen und sich eine Schrift oder ein passendes Foto besorgen konnte.

Was ich mit dieser Software so getrieben habe, ist mir im Detail nicht mehr präsent. Abgesehen von einer Sache: Den grossartigen Clickomania-Hintergrund habe ich in CorelDream 3D selbst gerendert.

CorelDraw ist so ein Fall. „Corel? Die gibt es noch?“ weiterlesen

Digitale Midlife Crisis


Wenn man das Brett bohrt, kommt so etwas dabei heraus.

Ich glaube, ich werde alt.

Da bin ich neulich per Zufall über diesen Artikel hier gestolpert. Vor 13 Jahren, im August 2004, habe ich auf vier Druckseiten Blender vorgestellt. Das ist ein monumentales Werkzeug aus dem Bereich der freien Software fürs Rendern von dreidimensionalen Bildern und Filmen. Ich habe mich damals offensichtlich intensiv mit ihr auseinandergesetzt. Es gibt da nämlich sogar ein Illustration mit einer dreidimensional gerenderten Schweizer Karte, auf der kleine Autos herumfahren.

Da dachte ich, es wäre doch mal wieder an der Zeit, einen frischen Blick auf Blender zu werfen: Sehen, was man damit inzwischen anstellen kann. Ein bisschen Spass haben, wie wir Nerds das so tun.

Aber wisst ihr was? Es lief ganz anders: Software herunterladen, öffnen… den Kopf schütteln, Software schliessen und löschen!
„Digitale Midlife Crisis“ weiterlesen

Aus der Not eine Untugend gemacht

Frage: Stell dir vor, du wärest ein Softwareentwickler und hättest ein Programm geschrieben, das etwas langsam startet. Was tust du, damit der Benutzer nicht wie wild aufs Icon klickt, weil er denkt, er hätte das Programm nicht gestartet – und damit das Problem noch verschärft?

170303-splash-word-6-0.png
Autsch!

Deine logische Antwort lautet natürlich: Ich schaue zu, dass mein Programm schneller startet.

Doch das ist nicht, was passiert ist. Irgend ein fauler Softwareingenieur – oder auch sein Chef – hat die Idee ausgebrütet, stattdessen einen Pausenfüller anzuzeigen. Der nennt sich technisch Splash Screen oder Startbildschirm. Er lässt den Benutzer wissen, dass sein Programm dabei ist zu starten und er sich gefälligst gedulden soll.
„Aus der Not eine Untugend gemacht“ weiterlesen

Ein Hoch auf den Fortschritt!

Der heutige Screenshot stammt nicht von mir selbst. Das ist im Grunde eine Verletzung der ungeschriebenen Gesetze dieser Rubrik. Doch da die Gesetze ungeschrieben sind und ich Herr über die Rubrik bin, kann ich tun und lassen, was ich will. Und gegen Ende kommt ja dann noch ein eigener Screenshot.

170120-pagemaker.png
Leider ist der Screenshot leicht verkleinert – aber ungefähr so gross waren die Computerbildschirme damals.

Der Screenshot ist aus dem Internet geklaut, weil ich damals nicht so vorausschauend war, selbst einen zu machen. Er zeigt (leider eine französische Version von) Aldus Pagemaker, mutmasslich auf einem Macintosh Plus. Mit dem habe ich Ende der 1980er und anfangs der 1990er meine Liebe zum Desktop Publishing entdeckt. Seine Bildschirmauflösung war 512×342 Pixel. Die Arbeit mit einer seitenorientierten Layoutsoftware bestand daher vor allem im Zoomen und Scrollen in alle Richtungen. In der 1:1-Darstellung hat man bei einem drei- oder vierspaltigen Layout gerade mal eine Spalte lesen können. „Ein Hoch auf den Fortschritt!“ weiterlesen

Alte Games im Browser spielen

Ich weiss, ich habe schon letzte Woche einem Nostalgiethema gefrönt. Aber seis drum: Hier kommt noch einmal eins:

James Friend hat eine Macintosh-Plus-Emulation fabriziert, die im Browser läuft. Hier ist sie.

160329-emulator.png
Jawoll, liebe Kinder: So gross bzw. klein waren damals Computerbildschirme.

Man kann mit Mac OS 6.0.8 von 1988 spielen und diverse Programme wie das legendäre «Tetris», «Yazee» und andere Games ausführen.
„Alte Games im Browser spielen“ weiterlesen

Zeitverschwendung in den 90ern

Neulich haben sich die beiden alten Männer vom «Stay Forever»-Podcast in der Folge 52 über das Genre der interaktiven Filme unterhalten. Das war für mich ein Aha-Erlebnis: Denn während ich die sonst besprochenen Titel meistens nicht kenne, hatte ich an viele der hier erwähnten Spiele noch mehr oder weniger gute Erinnerungen. Offenbar war ich in den 1990er-Jahren ein Fan dieses Genres, ohne es mir so richtig bewusst zu sein:

The 7th Guest. Das Spiel hat mich sehr beeindruckt – obwohl es nach dem Kauf mindestens ein halbes Jahr ging, bevor ich es überhaupt spielen konnte. Ich glaube, das Problem lagt darin, dass die DOS-Version so viel Speicher brauchte, dass ich erst ausgeklügelte Optimierungen an config.sys und autoexec.bat vornehmen musste. Das war die grössere Herausforderung als alle Rätsel im Spiel.
„Zeitverschwendung in den 90ern“ weiterlesen

F wie Film. Oder Facepalm.

Der nachfolgende Blogpost ist mir schon jetzt peinlich. Doch meine Generation hat noch gelernt, dass einer, der einmal A gesagt hat, auch B sagen muss. Das ist mit ziemlicher Sicherheit eine jener Lebensweisheiten, die bei näherer Betrachtung völliger Unsinn ist: Denn wenn man im Verlauf von A klüger wird und sieht, dass B nicht nur überflüssig, sondern vielleicht sogar schädlich ist, sollte seine Pläne ändern. Was einem hier gelehrt wird, ist, stumpfsinnig an einmal gefassten Vorsätzen festzuhalten, statt das Leben flexibel – oder, wie das neuerdings heisst, «agil» – anzugehen. Aber wie das so ist: Die eingeimpften Verhaltensweisen lassen sich auch mit Vernunft nur schwer austreiben.

Und darum hier eine Fortsetzung meiner kleinen Blog-Reihe, in der es darum geht, Netflix auf die schlimmsten Filme hin abzuklopfen, die man dort zwecks Zeitverschwendung und Zelebrierung des schlechten Geschmacks in die gute Stube streamen lassen könnte. Es sind wieder einmal grauenhafte Filme. Aber wtf, nach A, B, C, D und E sage ich jetzt halt F.
„F wie Film. Oder Facepalm.“ weiterlesen

Hässlich wie die Nacht

151207-wmp.jpg
Das kommt heraus, wenn Microsoft auf lässig macht.

Ich habe Apple neulich wegen des App-Stores kritisiert. Etwas muss man dem Unternehmen aber zu Gute halten: Es hat mit seinen Gestaltungsvorgaben und seiner Geschmackspolizei dafür gesorgt, dass Apps (und im Schlepptau auch viele Desktop-Computerprogramme) ästhetisch ansprechender geworden sind.

Da könnte man tatsächlich vergessen, wie hässlich Computerprogramme früher waren. Mich hat Mikko Hyppönen, der Chefentwickler von F-Secure (siehe Video unten) neulich daran erinnert. „Hässlich wie die Nacht“ weiterlesen