Den Stecker gezogen

In den Wahlunterlagen für die Kantons- und Regierungsratswahlen im Kanton Zürich vom 3. April 2011 fand sich dieses Zettelchen in schmuckem Magenta:
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Natürlich würde man auch gern etwas über die Gründe erfahren. In einem Artikel im Der Landbote steht folgendes:

Aus Sicherheitsgründen kann bei den (gemeindeübergreifenden) Wahlen seit 2010 nämlich nicht mehr elektronisch abgestimmt werden. Weil dieses Jahr, je nach Gemeinde, bis zu sechs von sieben Abstimmungstermine Wahltermine sind, wollte man den Stimmbürgern das Hin und Her ersparen. «Die Situation wäre zu verwirrlich», sagt etwa der Gemeideschreiber von Männedorf, Hannes Friess, auf Anfrage. (Der Landbote, 15.01.2011, Seite 27)

Dumme Stimmbürger?
Wirklich? Wäre der Stimmbürger wirklich überfordert, wenn in den Unterlagen ein Zettel in schmuckem Magenta beiliegen würde, auf dem stehen könnte: «Elektronische Stimmabgabe bei diesem Wahlgang aus technischen Gründen nicht möglich»? Ich glaube nicht.
Im Tagi steht nebst dem gleichen noch ein anderer Grund: „Den Stecker gezogen“ weiterlesen

Was aus der Klangwolke fällt

SoundCloud.com ist eine interessante Website für Audio. Sie ist für Musiker gedacht, die via Internet zusammenarbeiten wollen. Dafür kann man sekundengenaue Kommentare oder Bearbeitungswünsche platzieren. Dateien lassen sich im Browser anhören oder im Original, beispielsweise als fettes WAV herunterladen.
Eigene Dateien behandelt man nach allen Regeln der Web-2.0-Kunst: Man hängt ihnen Tags an, weist ihnen eine Creative-Commons-Lizenz zu, deklariert sie als öffentlich oder privat, gibt ihnen ein Cover-Art-Bildchen und natürlich einen Titel, eine Beschreibung und eine Kategorie.
Und selbstverständlich gibt es Apps für alle möglichen und unmöglichen Plattformen: „Was aus der Klangwolke fällt“ weiterlesen

Weg mit dem Mailprogramm

Es gibt Leute, die finden Webmail so toll, dass sie ihrem angestammten Mailprogramm abschwören und nur noch via Browser mailen. Einen Nachteil hat die Sache indes: Die Betriebssysteme räumen einem keine Möglichkeit ein, das mailto-Protokoll, über das Interaktionen mit dem lokalen Mailclienten stattfinden, auf die Webanwendung umzuleiten.
Auf Umwegen geht es trotzdem, wie eine kleine Recherche zeigt. Das sind einige der Hacks, die im Web kursieren: „Weg mit dem Mailprogramm“ weiterlesen

Wider den Checkin-Stress

Nerds sind doch ein komisches Völkchen. Eines ihrer unbestreitbaren Talente besteht darin, sich selbst einen Heidenstress zu machen. Zum Beispiel, indem sie glauben, sich bei Diensten wie Gowalla und Foursquare einloggen zu müssen, sobald sie ihren Aufenthaltsort um einige Meter verändern. Was das bringen soll, weiss keiner. Allerdings schadet es auch nicht, wie zum Beispiel die Website pleaserobme.com einen glauben machen will. Wenn man sich um acht Uhr morgens an seinem Arbeitsort einloggt, verrät man damit nicht wirklich ein Geheimnis. Und ich gehe davon aus, dass die meisten Nutzer so klug sind, sich nicht unbedingt im Bordell ihres Vertrauens oder beim Konkurrenzunternehmen einzuloggen, wenn sie Top-Secret-Abwerbungsgespräche führen. Und übrigens: „Wider den Checkin-Stress“ weiterlesen

Mein Leben als Strom

Vor Kurzem habe ich hier beschrieben, wie man sich mit den Yahoo-Pipes ein Mashup aller seiner Web-Hinterlassenschaften bastelt. Das hat gut funktioniert, war letztlich aber doch nicht so befriedigend. Und ausserdem: Warum soll man sich die Mühe machen und das Rad neu erfinden, wenn es doch längst Dienste gibt, die das viel schöner, besser und vor allem auch performanter erledigen?
Also habe ich mich aufgemacht und die Dienste unter die Lupe genommen, die das Web zum Stichwort «Lifestream» zu bieten hat: „Mein Leben als Strom“ weiterlesen

Die neue Tweitelkeit

Gerade lese ich den Blog-Post von @dworni, der ein Twitter-Avatar-Rating durchgeführt hat. Er gibt gute Tipps, wie man sich auf seinem Föteli in ein gutes Licht rückt und hat auch drei Listen mit guten, netten und ganz schlimmen Avataren (oder Avatars? Avatäre?) anzubieten.
Das ist eine lustige Idee, die gleichzeitig einige Fragen aufwirft. Zum Beispiel die: Haben eitle Leute auch eitle Avatare? Oder: Wird man nun nicht mal mehr im Internet davon verschont, an seiner äusseren Erscheinung gemessen zu werden? Und wann gibt es die Wahl der Miss Avatar und wie kriegt man den Bikini-Auftritt anständig auf den Thumbnail? „Die neue Tweitelkeit“ weiterlesen

Einmal alles durch die Röhre, bitte

Dank Fussball habe ich dieser Tage mal wieder Zeit, mich mit einem meiner Lieblingsspielzeuge zu beschäftigen: Mit Yahoo Pipes.
Das ist ein lustiges Instrument für Mashups. Diesen Trend habe ich im Tagi 2007 unter dem Titel «Grosses Puzzle-Spielen mit Versatzstücken aus dem Web» so beschrieben:

Das Internet hat seinen neuen Super-Trend: Mashups. Das sind neue Webdienste, die komfortable Schnellstrassen durch den Datendschungel schlagen wollen.

So super war der Trend dann doch nicht. Es gibt zwar viele dieser Aggregator-Sites, aber einen wirklichen Lustgewinn bescheren die einem selten.
Aber als geistige Anregung während eines Fussballspiels kann ich Yahoos Röhren wärmstens empfehlen – allerdings nur vor dem Fernseher in der heimischen Wohnzimmer; beim Public Viewing ist die Ablenkung doch zu gross. Mein kleines Projekt während der letzten Matches war der Clicko Aggregator. Er führt meine auf verschiedenen Sites im Netz zu findenden digitalen Hinterlassenschaften an einer Stelle zusammen.
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„Einmal alles durch die Röhre, bitte“ weiterlesen

Crawler peep show

If you run your own website, you are used to find a lot of bots in the log of your server. On some websites, the traffic from the bots and crawler amounts to more than 60 or 75 percent of all the traffic. This raises the questions: What are those bots doing on my page?
Some of them are nice and pleasing. The bots of the search engine keep the search results on Google and Bing up to date. A lot of crawlers are on a spam mission and keep looking for mail addresses or forms to fill with their crap.
I recently came across Googles Webmaster Tools. They reveal some of the activities the bots conduct. Even on this very site of no particular importance, Google comes by every day and takes a look at 500 pages in average, about 13 megabytes each day. „Crawler peep show“ weiterlesen

Vielleicht doch etwas wässerig

Google Wave! Fast so ein grosses Wunder wie iSlate. Pardon, das iPad. Bzw. der iTampon, wie ganz böse Zungen zischeln.
Allerdings ist es nach der Aufregung im letzten Jahr verdächtig ruhig geworden um die Wunderwelle. Ist sie schon verebbt, fragt man sich. Die Flaute hat eventuell damit zu tun, dass jeder, der will, inzwischen bei der Wave mit dabei sein kann. Es ist zwar immer noch so, dass man für den «limited preview» eine Einladung braucht. Aber die bekommt man locker, wenn man via Twitter oder Facebook danach fragt. Das schmeichelnde Gefühl fällt weg, einem Geheimbund anzugehören bzw. Teil der Elite zu sein, die Zukunft heute schon sieht. Dafür werden die ständigen Abstürze und Fehler zunehmend lästig.
Abgesehen davon frage ich mich (ein bisschen wie beim iPad), ob es wirklich funktioniert, wenn man aus bekannten Versatzstücken ein neues Produkt baut – und dafür in Anspruch nimmt, die Welt zu revolutionieren. Bei der Wave gibt es viele Dinge, die einleuchten, praktisch, nützlich sind. Es gibt aber mindestens ebenso viele Dinge, die unerwartet funktionieren oder irreführend benannt sind. Aus Sicht der Benutzerfreundlichkeit ist die Wave eine bare Katastrophe. „Vielleicht doch etwas wässerig“ weiterlesen

Zehn Glasnost-Punkte zu verdienen

Google, der Datenstaubsauger, die Datenkrake das Datenmonster. Neulich bin ich über die Angabe gestolpert, dass Google einen Datendurchsatz von 20 Petabyte hat – pro Tag. Kein Wunder, dass den Leuten dafür solch albtraumhafte Monsterbezeichnungen einfallen.
Da ist es natürlich interessant zu hören, dass Google der Transparenz und dem Datenschutz Vorschub leisten will. Dafür gibt es neuerdings das Google Dashboard. Es führt alle Dienste auf, die man mit seinem Google-Konto nutzt und zeigt an, welche Daten gespeichert sind. Man sieht die Datenbestände bei Mail, den Kontakten, die Aktivitäten bei Youtube und Orkut, sein Webprotokoll und sein Profil bei «Google Health». „Zehn Glasnost-Punkte zu verdienen“ weiterlesen