Fehleinschätzungen und ihre Folgen

Manchmal neige ich zu krasser Selbstüberschätzung. Zum Beispiel dann, wenn ich mir vornehme, ein Thema wie die Datenrettung in einem dreiminütigen Patentrezept-Video erklären zu wollen. Um es vorwegzunehmen: Ich bin grandios gescheitert. Es ist eine zweiteilige Miniserie entstanden. In der geht es erst um die einfacheren Fälle und die etwas pflegeleichteren Programme. Und im zweiten Teil behandle ich die die gröberen Pannen und die etwas anspruchsvolleren Werkzeuge.

Aber ich finde, das passt. Denn wenn man die Methoden zur Datenrettung braucht, dann war irgend eine Form der Fehleinschätzung mit im Spiel. Mutmasslich hat man als Nutzer die Zuverlässigkeit seiner Datenspeicher oder anderer Hardware falsch eingeschätzt. Oder man hat sich überhaupt keine Gedanken über die Sicherheit der Daten gemacht.

Das kommt auch häufiger vor. Es hat natürlich mit der Wahrnehmung zu tun, dass Vergesslichkeit eine rein menschliche Angelegenheit ist. Sie ist, so das Bauchgefühl vieler Techniknutzern, den Computern völlig fremd. Was natürlich eine Fehleinschätzung ist.

Und einen Vorwurf mache ich auch den Softwareherstellern.  „Fehleinschätzungen und ihre Folgen“ weiterlesen

Weil Fernsehen noch nicht ganz passé ist

Ist fernsehen noch ein Ding? Ich habe neulich mit Digichris eine Nerdfunk-Sendung zu dieser Frage gemacht: Der Strassenfeger wurde weggefegt. Während der Vorbereitungen für die Sendung habe ich zum Nein tendiert. Netflix hat unser Sehverhalten nachhaltig verändert. Live schalten wir noch zum Tatort ein und einmal im Jahr zum Concours eurovision de la chanson. (Ja, ich bin so alt, dass ich den nicht Eurovision Song Contest nenne.)

Doch während der Sendung habe ich gemerkt, dass meine Meinung nicht in Stein gemeisselt ist: Der Ereignischarakter der «Strassenfeger», die es heute kaum mehr gibt – die haben etwas für sich. Sie haben etwas Verbindendes für die Fernsehnation. Und diese Klammerfunktion ist etwas, das die Kreise mit dem No-Billag-Vernichtungswunsch nicht erkannt haben oder geringschätzen. Aber es geht ja nicht nur ihnen so: In meiner Jugend herrschte in meiner Familie die (nicht ganz einhellige) Meinung, das Fernsehen sei ein Verdummungsmedium.

Ausdruck dieses Zeitgeistes war Neil Postmans Buch Wir amüsieren uns zu Tode, das ich seinerzeit in der Schule gelesen habe. Ich erinnere mich, dass mich mein Lehrer explizit aufgefordert hat, es kritisch zu lesen und die Aussagen zu hinterfragen. „Weil Fernsehen noch nicht ganz passé ist“ weiterlesen

Eine vielversprechende InDesign-Alternative

Im Beitrag Ernsthafte Bildbearbeitung mit dem iPad habe ich Affinity Photo des englischen Softwareherstellers Serif vorgestellt. Der hat bekanntlich das ambitionierte Ziel, gegen Adobe anzustinken. Bei der Bildbearbeitung ist ihm das ganz gut geglückt, finde ich. Darum stellt sich die Frage: Klappt das beim Layout? Serif arbeitet an einem Programm namens Affinity Publisher. Das wird sich als günstigere Alternative zu InDesign positionieren, die nicht gemietet werden muss, sondern gekauft werden kann.

Damit wäre dieses Programm genau das richtige für mich: Ich schätze InDesign sehr. Doch ich brauche die Software zu selten, als dass sich der Abo-Preis von 23.70 Franken pro Monat rechtfertigen würde. Wie viel das Programm letztendlich kosten wird, wenn es fertig ist, wissen wir natürlich nicht – im Moment ist es gratis als Beta-Version zu haben. Doch wenn sich der Preis im ähnlichen Rahmen wie bei Affinity Photo bewegt, dann landen wir bei einer Grössenordnung von um die 50 Franken. Unter uns gesagt: Auch das Doppelte wäre völlig okay.

Was erwarte ich von so einem Programm? Ich werde keine riesigen Magazine, Zeitungen oder Bücher mit Tausenden von Seiten damit gestalten.  „Eine vielversprechende InDesign-Alternative“ weiterlesen

Container für Webseiten

Firefox hat neuerdings die Erweiterung Multi-Account Containers im Programm. Ist die installiert, hat man die Möglichkeit, geöffnete Webseiten, bzw. die dazu gehörenden Browser-Reiter, in so genannte «Umgebungen» zu verschieben. Die Standard-Umgebungen heissen Arbeit, Banking, Einkaufen und Facebook (wobei Facebook laut diesem Tweet von Facebook Container stammt). Das erinnert an die Möglichkeit der Reitergruppen, die ich seinerzeit im Beitrag Sich beim privaten Surfen nicht erwischen lassen beschrieben und ganz gern genutzt habe. Doch diese Funktion wurde eliminiert – da ist es unwahrscheinlich, dass sie nun in neuer Form wiederaufersteht.

Im Hilfebeitrag Tab-Umgebungen mit Multi-Account Containers beschreibt Mozilla die Sache wie folgt:

Tab-Umgebungen funktionieren wie normale Tabs, aber die in einer Tab-Umgebung besuchten Websites erhalten Zugriff auf ein separates Segment des Browserspeichers. Das bedeutet, dass Ihre Website-Einstellungen, protokollierten Sitzungen und die Trackingdaten nicht in die neue Umgebung übertragen werden. Ebenso wirkt sich das Surfen in der neuen Umgebung nicht auf Ihre eingeloggten Sitzungen oder die Trackingdaten der anderen Umgebungen aus.

Das klingt für meinen Geschmack etwas zu technisch, als dass ich unmittelbar in Begeisterung ausbrechen würde. Die konkreten Beispiele sind dann aber etwas einleuchtender:

Man kann sich mit unterschiedlichen Konten beim gleichen Dienst anmelden, selbst wenn der Dienst keine Unterstützung für Multi-Account zur Verfügung stellt. Das ist sehr sinnvoll – denn sogar mit Google, wo es die Multi-Account-Unterstützung gibt, kommt garantiert immer erst das private GMail-Konto, wenn man eigentlich das geschäftliche Konto benötigt hätte. Und vice versa.

Die zweite Funktion ist, Websites zu isolieren: „Container für Webseiten“ weiterlesen

Das geht unter die Alien-Haut!

Als Ergänzung zu den vielen hier getesteten Lightroom-Alternativen eignet sich Exposure X4 hervorragend. Das stammt aus Raleigh, der Hauptstadt des US-Bundesstaates North Carolina und von einem Softwareentwicker mit dem schönen Namen Alien Skin. Den gibt es seit 1993, und das Eye Candy-Plugin ist jedem ein Begriff, der sich irgendwann einmal mit Plugins für Photoshop herumgeschlagen hat.

Exposure X4 kommt entweder als separates Programm oder als Plugin für Photoshop und Lightroom zum Einsatz. Die Software stellt, wie hier in der Featureliste aufgeführt, die üblichen Verwaltungsfunktionen zur Verfügung. In der neuen Version sind die smart collections dazugekommen: Sie suchen anhand von Bewertung, Farmarkierungen, Exif-Daten, Schlagworten etc. die passenden Fotos zusammen.

Vielversprechend klingt auch das Lightroom Migration Tool: Es importiert Metadaten aus Lightroom: Markierungen, Bewertungen, Farblabels. Denn bei all den Lightroom-Alternativen stellt sich immer die Frage, wie man denn den Umstieg bewerkstelligen würde, wenn man Adobes Programm tatsächlich den Rücken kehrt. Bei der nichtdestruktiven Bildbearbeitung finden die Änderungen in beschreibender Art statt. Und auch wenn die meisten Programme ähnliche Regler anbieten, sind die Bearbeitungsschritte trotzdem abhängig vom Programm und dem Hersteller. Man hat somit die Möglichkeit, die Bilder in entwickelter Form zu exportieren, um sie in der neuen Software zu importieren.

Wählt man diesen Weg, verliert man die Möglichkeit, die Änderungen nachträglich zu bearbeiten oder zur Ursprungsversion zurückzukehren. „Das geht unter die Alien-Haut!“ weiterlesen

Die persönliche Datenspur kontrollieren und limitieren

Im Beitrag Wie man als Whistleblower anonym bleibt habe ich mir Gedanken dazu gemacht, wie man jemandem eine Datei zukommen lassen könnte, ohne nachverfolgbar zu sein. Das ist für viele von uns ein theoretisches Problem. Wir plaudern, so nehme ich an, selten Dinge aus, die irgendwer in unserem Unternehmen unbedingt geheimhalten möchte. Und wir verschicken auch keine anonyme Drohungen, Epressungen oder Verunglimpfungen – was ja ebenfalls Situationen wären, bei denen man nicht zurückverfolgbar sein möchte.

Das ändert aber nichts daran, dass man seine Dokumente, wie im Video erklärt, einmal durch die Mangel drehen sollte, bevor man sie Freunden, Bekannten, Geschäftspartnern oder der Öffentlichkeit zukommen lässt. Denn in digitalen Dokumenten steht oft mehr drin, als dass uns klar ist. Ein gutes Beispiel dafür ist Word: Da denkt man, man hätte alles gesehen, wenn man sein Textdokument im Programmfenster einmal von oben nach unten durchscrollt.

Doch dem ist nicht so: „Die persönliche Datenspur kontrollieren und limitieren“ weiterlesen

Nach dem Shot ist vor der Bearbeitung

Euch ist aufgefallen, dass ich an der Produktkategorie der RAW-Entwickler einen Narren gefressen habe. Und ja, ich kann es nicht verleugnen. Denn heute ist schon wieder ein solches Programm dran: After Shot von Corel. Denn ja, Corel gibt es noch. Und da die von Bildbearbeitung auch ein bisschen etwas verstehen, lohnt sich ein Blick auf dieses Programm. Gerade weil es anscheinend nicht als erstes genannt wird, wenn man nach Alternativen zu Adobe Lightroom fragt.

Beim Start fällt störend auf, dass man ein Corel-Konto erstellen muss, wenn man das Programm nutzen möchte. Die Zeit, wo die Anbindung an ein Online-Benutzerkonto freiwillig war, scheint endgültig vorbei zu sein. Ich nehme an, dass das der schlechte Einfluss von Adobe ist. Bei Corel ist das deswegen seltsam, weil einem nicht erklärt wird, was man von dieser Registrierung hat. Beim Einloggen ins Konto sieht man früher getestete Produkte und Rubriken wie «Auftragsstatus und -entwicklung». Aber nichts, was unmittelbar zwingend erscheint.

Die Anwendung, getestet in der Version 3, erscheint mit schwarzer Oberfläche und der hinlänglich bekannten Aufteilung mit Leisten am linken und rechten Rand und einem grossen Bereich für die Bilder dazwischen. Es fällt auf, dass Corel keine Einteilung nach Modulen vornimmt. Man muss also nicht wie bei Lightroom zwischen Bibliothek, Entwickeln, Karte, Buch, Diashow, Web, etc. umschalten. Das wirkt weniger spektakulär, erfüllt den Zweck aber auch. „Nach dem Shot ist vor der Bearbeitung“ weiterlesen

Browserbenachrichtigungen? Nein danke

Die Benachrichtigungen am Smartphone sind höchstens in der Hälfte der Fälle nützlich. Geschätzt sind die lästigen Benachrichtigungen eher in der Merhzahl. Darum frage ich mich, ob es eine gute Idee war, auch die Browser mit der Möglichkeit auszustatten, solche Benachrichtigungen anzuzeigen. Technisch sind die durchaus spannend: Denn diese Benachrichtigungen werden selbst dann angezeigt, wenn die benachrichtigende Website gar nicht geöffnet ist.

Benachrichtigungen
Nein, bitte nein! Wirklich, ich möchte nicht! Jetzt nicht, später nicht, niemals! (Über das Pfeilchen nach unten verhindert man weitere Nachfragen.)

Es drängt sich natürlich die Vermutung auf dass diese Push-Möglichkeit wie beim Smartphone eingesetzt wird: Die Webseitenbetreiber sehen in ihr eine praktische Möglichkeit, den Nutzern das eigene Informationsangebot in Erinnerung zu rufen – ganz gleichgültig, ob der Nutzer an irgend etwas Wichtigem dran ist und nicht durch eine Banalität gestört werden möchte. Ich habe es bei der Vorstellung von iOS 12 ausgeführt: Die Browser müssten die Umstände miteinbeziehen, um beurteilen zu können, ob der Nutzer gestört werden soll oder nicht. Und man müsste auch den Informationsgehalt irgendwie beurteilen können. Dann könnte man den Wert eines Pushes mit einem dynamischen Schwellenwert vergleichen und so abschätzen, ob er durchdringen soll oder still in einer Benachrichtigungs-Historie verschwinden soll.
„Browserbenachrichtigungen? Nein danke“ weiterlesen

Die Welt durch die Augen des Google-Bots

Der User-Agent Switcher ist eine nützliche Erweiterung für Firefox, mit der man den User Agent umschalten kann. Je nach Einstellung gibt sich Firefox dann nicht mehr als Firefox unter Windows, sondern als Safari unter Mac OS, als Edge-Browser unter Windows oder als Android-Telefon oder sonst ein Gerät bzw. eine Software aus.

Das ist nützlich, wenn man Websites testen muss, die sich auf den einzelnen Geräten unterschiedlich verhalten sollen. Ich brauche diese Erweiterung aber aus einem trivialeren Grund: Ich betreue bei Publisher.ch bekanntlich den Downloadbereich. Da dort sowohl die Windows- als auch die Mac-Versionen der Programme angeboten werden, muss ich beides herunterladen. Viele Websites nehmen dem Nutzer die Arbeit ab, die passende Variante wählen zu müssen – mit dem unerfreulichen Nebeneffekt, dass ich die Mac-Version nicht herunterladen kann, wenn ich einen Windows-Computer benutze. Damit ich dazu keinen Mac bemühen muss, schalte ich einfach den User Agent um. Das klappt in den meisten Fällen hervorragend.

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Eine Schreckreaktion? So sieht Google aus, wenn man mit User Agent «Googlebot» surft.

Lustig ist nun, dass man die Einstellung bei User Agent nun auch auf exotische Dinge wie Google Bot einstellen kann. Und das, von Neugierde getrieben, auch sogleich tut. „Die Welt durch die Augen des Google-Bots“ weiterlesen

Jaaaaaaa!

Also, ich komme anscheinend nicht darum herum, einmal einen Blogpost nur über freie Bürosoftware zu schreiben. Und hier ein für alle Mal öffentlich festzuhalten: Jaaaaaa, ich kenne Open Office! Jaaaaa, ich habe auch schon mit Libre Office gearbeitet. Und jaaaaaa, ich finde es toll, dass es diese Programme gibt.

Und wenn ihr bei dieser Einleitung einen passiv-aggressiven Unterton herausgehört habt: Jaaaaa, gut gemacht!

Nein, im Ernst und in aller Freundschaft: Ihr wisst, dass ich ein Fan freier und offener Software bin. Ich kenne auch die Bedeutung von Open Office: Es wäre in der Blütezeit verheerend gewesen, wenn Microsoft diese Konkurrenz nicht gehabt hätte. Wir wissen, wie dominant Microsoft Office über Jahre war. Da war es dringend nötig, dass ein Stachel im Fleisch des Branchenführers steckte. Er hat die zur Überheblichkeit neigenden Software-Götter in Redmond daran erinnert, dass sie es nicht übertreiben dürfen. Denn ihre Produkte sind nicht alternativlos. Die Nutzer können, wenn es ihnen zu bunt wird, wechseln und sich jegliche Lizenzzahlungen an Microsoft sparen. Und viele Leute konnten und können sich die vergleichsweise teuren Produkte nicht leisten. Es ist toll, dass sie eine Ausweichmöglichkeit haben.

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Open office: Eine Software wie ein Trip zwanzig Jahre in die Vergangenheit.

Was mich etwas nervt, ist die Penetranz Hartnäckigkeit der Fans aus dem Lager der freien Software. Das gilt für die Verfechter von Linux (siehe hier). „Jaaaaaaa!“ weiterlesen