Wir schicken Word in Rente

Es scheint, dass sich (nach den RAW-Konverter-Auswüchsen dieses Jahres) eine neue Mission für dieses Blog abzeichnet: Nämlich eine übertrieben ausführliche Testreihe für Markdown-Editoren. Ich mache aber keine Versprechen – denn es ist durchaus möglich, dass mich die Lust dann doch vorzeitig verlässt. Denn es liegt auf der Hand, das Markdown-Editoren nicht ganz so fancy sind wie Programme, die unsere nicht über alle Zweifel erhabenen Fotos in wahre Wunderwerke verwandeln.

Also, lassen wir uns überraschen, ob das nun eine unendliche Serie wird oder ob ich gleich am Anfang ein so tolles Programm finde, dass sich jegliches weitere Suchen erübrigt. Bevor wir aber loslegen, eine kleine Einführung in Markdown. Es handelt sich um eine Auszeichnungssprache für Textdokumente. Formatierungen werden nicht per Wysiwyg hinzugefügt, sondern über Steuerzeichen.

Steuerzeichen? Die erinnern an die Texteditoren der ersten Stunde, die wir seinerzeit unter DOS oder bei noch archaischeren Betriebssystemen benutzt haben. Und ja, es ist anachronistisch und frappant rückwärtsgerichtet – wie die Analogfotografie und jene Leute, die ihre Vinylplatten vor die Tür stellen, um Platz für Tonträger auf Schellack zu machen.

Aber dieser Trend lässt sich leicht erklären: „Wir schicken Word in Rente“ weiterlesen

Einen fotografischen Anfängerfehler korrigieren

Neulich habe ich die Nikon Z6 getestet. Dabei ist mir ein peinlicher Anfängerfehler unterlaufen. Ich habe bei der Inbetriebnahme nämlich die Datums- und Zeiteinstellung nicht überprüft. Allerdings hat mich die Kamera auch nicht dazu aufgefordert, wie wohlerzogene Kameras das tun sollten. Vielleicht war sie als Journi-Testgerät schon vorkonfiguriert (bzw. verkonfiguriert). Oder sie verzichtete darauf, weil sie per GPS oder über die App automatisch mit der richtigen Zeiteinstellung versorgt werden könnte.

Wie auch immer: Wegen meines Versäumnisses behaupteten nun einige meiner Testbilder in den Metadaten, sie seien schon im Februar dieses Jahres aufgenommen worden. Das bringt jegliche Sortierung in irgend einer App durcheinander und ist allein deswegen inakzeptabel. Aber natürlich fordert ein Metadaten-Pedant wie ich schon aus Prinzip, dass Fotos ein korrektes Aufnahmedatum aufweisen.

In Lightroom kann man das Aufnahmedatum bekanntlich einfach korrigieren. „Einen fotografischen Anfängerfehler korrigieren“ weiterlesen

Tricks fürs Jagen und Sammeln im Web

Die Browser wandeln sich. Wenn wir uns zurück erinnern, wie sie früher ausgesehen haben, dann packt uns das nackte Grauen. Naja, mich wenigstens. Andere werden vielleicht sentimental – denn es gibt Leute, die Anstrengungen unternehmen, damit «Windows 10 im XP-Look erstrahlt» (echt jetzt, «PC-Tippp»?!)

Allerdings bleiben gewisse Funktionen unangetastet. Zum Beispiel die Lesezeichen, neudeutsch Bookmarks. Die gibt es, seit es Browser gibt. Doch meine Theorie ist, dass sie selten genutzt werden – zugegeben, die Theorie basiert auf anekdotische Evidenz, wobei ich mich auf mich selbst berufe.

Mit anderen Worten: Ich nutze kaum mehr Lesezeichen; und ich erkläre im Video hier auch, weshalb das so ist: „Tricks fürs Jagen und Sammeln im Web“ weiterlesen

Verhungere nicht. (Und zünde dich nicht an.)

«Don’t starve, bitte nicht verhungern», ist ein guter Ratschlag für viele Regionen dieser Erde. Bei uns müsste er mutmasslich eher «Überfriss dich nicht» heissen. Aber das ist eine moralische Betrachtungsweise, die für das Thema nicht angebracht ist. Denn wenn man mit Moral ans Werk gehen möchte, wäre die Empfehlung wahrscheinlich: «Willst du nicht lieber an die frische Luft gehen, statt schon wieder am Smartphone/Computer abzuhängen?»

Da ich ein Stubenhocker bin, wäre die Antwort auf diese Frage sowieso ein klares Nein. Es geht um ein Spiel, das man auf allen möglichen und unmöglichen Plattformen spielen kann. Windows, Mac und Windows bei Steam, iPhone und iPad und Android, um nur einige zu nennen. Der Preis variiert je nach Plattform und Darreichungsform (Bundles) und beläuft sich irgendwo zwischen 10.50 Franken und 99 Rappen. Ich glaube, ich habe 4.50 dafür bezahlt.

In «Don’t starve» regnet es häufig, und die Hauptfigur hat dementsprechend schlechte Laune. Sie irrt durch eine karge Welt und muss sehen, wie sie nicht vom Fleisch fällt. Dazu sammelt sie Beeren, Blütenblätter und andere Dinge. Manche lassen sich direkt vertilgen, doch wer mit der menschlichen Natur (oder Minecraft) vertraut ist, der weiss natürlich, dass es damit nicht getan ist. Man möchte die Welt um einen herum verändern, gemütlicher machen und seine Existenz vom nackten Überlebenskampf in ein angenehmes Dasein verlagern.

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Fehleinschätzungen und ihre Folgen

Manchmal neige ich zu krasser Selbstüberschätzung. Zum Beispiel dann, wenn ich mir vornehme, ein Thema wie die Datenrettung in einem dreiminütigen Patentrezept-Video erklären zu wollen. Um es vorwegzunehmen: Ich bin grandios gescheitert. Es ist eine zweiteilige Miniserie entstanden. In der geht es erst um die einfacheren Fälle und die etwas pflegeleichteren Programme. Und im zweiten Teil behandle ich die die gröberen Pannen und die etwas anspruchsvolleren Werkzeuge.

Aber ich finde, das passt. Denn wenn man die Methoden zur Datenrettung braucht, dann war irgend eine Form der Fehleinschätzung mit im Spiel. Mutmasslich hat man als Nutzer die Zuverlässigkeit seiner Datenspeicher oder anderer Hardware falsch eingeschätzt. Oder man hat sich überhaupt keine Gedanken über die Sicherheit der Daten gemacht.

Das kommt auch häufiger vor. Es hat natürlich mit der Wahrnehmung zu tun, dass Vergesslichkeit eine rein menschliche Angelegenheit ist. Sie ist, so das Bauchgefühl vieler Techniknutzern, den Computern völlig fremd. Was natürlich eine Fehleinschätzung ist.

Und einen Vorwurf mache ich auch den Softwareherstellern.  „Fehleinschätzungen und ihre Folgen“ weiterlesen

Weil Fernsehen noch nicht ganz passé ist

Ist fernsehen noch ein Ding? Ich habe neulich mit Digichris eine Nerdfunk-Sendung zu dieser Frage gemacht: Der Strassenfeger wurde weggefegt. Während der Vorbereitungen für die Sendung habe ich zum Nein tendiert. Netflix hat unser Sehverhalten nachhaltig verändert. Live schalten wir noch zum Tatort ein und einmal im Jahr zum Concours eurovision de la chanson. (Ja, ich bin so alt, dass ich den nicht Eurovision Song Contest nenne.)

Doch während der Sendung habe ich gemerkt, dass meine Meinung nicht in Stein gemeisselt ist: Der Ereignischarakter der «Strassenfeger», die es heute kaum mehr gibt – die haben etwas für sich. Sie haben etwas Verbindendes für die Fernsehnation. Und diese Klammerfunktion ist etwas, das die Kreise mit dem No-Billag-Vernichtungswunsch nicht erkannt haben oder geringschätzen. Aber es geht ja nicht nur ihnen so: In meiner Jugend herrschte in meiner Familie die (nicht ganz einhellige) Meinung, das Fernsehen sei ein Verdummungsmedium.

Ausdruck dieses Zeitgeistes war Neil Postmans Buch Wir amüsieren uns zu Tode, das ich seinerzeit in der Schule gelesen habe. Ich erinnere mich, dass mich mein Lehrer explizit aufgefordert hat, es kritisch zu lesen und die Aussagen zu hinterfragen. „Weil Fernsehen noch nicht ganz passé ist“ weiterlesen

Eine vielversprechende InDesign-Alternative

Im Beitrag Ernsthafte Bildbearbeitung mit dem iPad habe ich Affinity Photo des englischen Softwareherstellers Serif vorgestellt. Der hat bekanntlich das ambitionierte Ziel, gegen Adobe anzustinken. Bei der Bildbearbeitung ist ihm das ganz gut geglückt, finde ich. Darum stellt sich die Frage: Klappt das beim Layout? Serif arbeitet an einem Programm namens Affinity Publisher. Das wird sich als günstigere Alternative zu InDesign positionieren, die nicht gemietet werden muss, sondern gekauft werden kann.

Damit wäre dieses Programm genau das richtige für mich: Ich schätze InDesign sehr. Doch ich brauche die Software zu selten, als dass sich der Abo-Preis von 23.70 Franken pro Monat rechtfertigen würde. Wie viel das Programm letztendlich kosten wird, wenn es fertig ist, wissen wir natürlich nicht – im Moment ist es gratis als Beta-Version zu haben. Doch wenn sich der Preis im ähnlichen Rahmen wie bei Affinity Photo bewegt, dann landen wir bei einer Grössenordnung von um die 50 Franken. Unter uns gesagt: Auch das Doppelte wäre völlig okay.

Was erwarte ich von so einem Programm? Ich werde keine riesigen Magazine, Zeitungen oder Bücher mit Tausenden von Seiten damit gestalten.  „Eine vielversprechende InDesign-Alternative“ weiterlesen

Container für Webseiten

Firefox hat neuerdings die Erweiterung Multi-Account Containers im Programm. Ist die installiert, hat man die Möglichkeit, geöffnete Webseiten, bzw. die dazu gehörenden Browser-Reiter, in so genannte «Umgebungen» zu verschieben. Die Standard-Umgebungen heissen Arbeit, Banking, Einkaufen und Facebook (wobei Facebook laut diesem Tweet von Facebook Container stammt). Das erinnert an die Möglichkeit der Reitergruppen, die ich seinerzeit im Beitrag Sich beim privaten Surfen nicht erwischen lassen beschrieben und ganz gern genutzt habe. Doch diese Funktion wurde eliminiert – da ist es unwahrscheinlich, dass sie nun in neuer Form wiederaufersteht.

Im Hilfebeitrag Tab-Umgebungen mit Multi-Account Containers beschreibt Mozilla die Sache wie folgt:

Tab-Umgebungen funktionieren wie normale Tabs, aber die in einer Tab-Umgebung besuchten Websites erhalten Zugriff auf ein separates Segment des Browserspeichers. Das bedeutet, dass Ihre Website-Einstellungen, protokollierten Sitzungen und die Trackingdaten nicht in die neue Umgebung übertragen werden. Ebenso wirkt sich das Surfen in der neuen Umgebung nicht auf Ihre eingeloggten Sitzungen oder die Trackingdaten der anderen Umgebungen aus.

Das klingt für meinen Geschmack etwas zu technisch, als dass ich unmittelbar in Begeisterung ausbrechen würde. Die konkreten Beispiele sind dann aber etwas einleuchtender:

Man kann sich mit unterschiedlichen Konten beim gleichen Dienst anmelden, selbst wenn der Dienst keine Unterstützung für Multi-Account zur Verfügung stellt. Das ist sehr sinnvoll – denn sogar mit Google, wo es die Multi-Account-Unterstützung gibt, kommt garantiert immer erst das private GMail-Konto, wenn man eigentlich das geschäftliche Konto benötigt hätte. Und vice versa.

Die zweite Funktion ist, Websites zu isolieren: „Container für Webseiten“ weiterlesen

Das geht unter die Alien-Haut!

Als Ergänzung zu den vielen hier getesteten Lightroom-Alternativen eignet sich Exposure X4 hervorragend. Das stammt aus Raleigh, der Hauptstadt des US-Bundesstaates North Carolina und von einem Softwareentwicker mit dem schönen Namen Alien Skin. Den gibt es seit 1993, und das Eye Candy-Plugin ist jedem ein Begriff, der sich irgendwann einmal mit Plugins für Photoshop herumgeschlagen hat.

Exposure X4 kommt entweder als separates Programm oder als Plugin für Photoshop und Lightroom zum Einsatz. Die Software stellt, wie hier in der Featureliste aufgeführt, die üblichen Verwaltungsfunktionen zur Verfügung. In der neuen Version sind die smart collections dazugekommen: Sie suchen anhand von Bewertung, Farmarkierungen, Exif-Daten, Schlagworten etc. die passenden Fotos zusammen.

Vielversprechend klingt auch das Lightroom Migration Tool: Es importiert Metadaten aus Lightroom: Markierungen, Bewertungen, Farblabels. Denn bei all den Lightroom-Alternativen stellt sich immer die Frage, wie man denn den Umstieg bewerkstelligen würde, wenn man Adobes Programm tatsächlich den Rücken kehrt. Bei der nichtdestruktiven Bildbearbeitung finden die Änderungen in beschreibender Art statt. Und auch wenn die meisten Programme ähnliche Regler anbieten, sind die Bearbeitungsschritte trotzdem abhängig vom Programm und dem Hersteller. Man hat somit die Möglichkeit, die Bilder in entwickelter Form zu exportieren, um sie in der neuen Software zu importieren.

Wählt man diesen Weg, verliert man die Möglichkeit, die Änderungen nachträglich zu bearbeiten oder zur Ursprungsversion zurückzukehren. „Das geht unter die Alien-Haut!“ weiterlesen

Die persönliche Datenspur kontrollieren und limitieren

Im Beitrag Wie man als Whistleblower anonym bleibt habe ich mir Gedanken dazu gemacht, wie man jemandem eine Datei zukommen lassen könnte, ohne nachverfolgbar zu sein. Das ist für viele von uns ein theoretisches Problem. Wir plaudern, so nehme ich an, selten Dinge aus, die irgendwer in unserem Unternehmen unbedingt geheimhalten möchte. Und wir verschicken auch keine anonyme Drohungen, Epressungen oder Verunglimpfungen – was ja ebenfalls Situationen wären, bei denen man nicht zurückverfolgbar sein möchte.

Das ändert aber nichts daran, dass man seine Dokumente, wie im Video erklärt, einmal durch die Mangel drehen sollte, bevor man sie Freunden, Bekannten, Geschäftspartnern oder der Öffentlichkeit zukommen lässt. Denn in digitalen Dokumenten steht oft mehr drin, als dass uns klar ist. Ein gutes Beispiel dafür ist Word: Da denkt man, man hätte alles gesehen, wenn man sein Textdokument im Programmfenster einmal von oben nach unten durchscrollt.

Doch dem ist nicht so: „Die persönliche Datenspur kontrollieren und limitieren“ weiterlesen