Eine erstaunlich schlechte Google-App

Ein Augenschein der Google-News-App zeigt: Die ist tatsächlich genau so undifferenziert, wie ich erwartet habe.

Ich gehöre zu den altmodischen Leuten, die sich aktuelle Informationen nicht ausschliesslich von Facebook und Twitter um die Ohren hauen lassen. Ich verwende nach wie vor und weiterhin aus Überzeugung einen Feedreader mit den selbst kuratierten Nachrichtenquellen. Es sind dies im Moment Inoreader (Hier wirst du gefüttert!) und Lire RSS (Das Nonplusultra für RSS-Fans).

Zusätzlich habe ich Blendle im Einsatz (Mit dem News-Fastfood aufhören) und würde auch Readly empfehlen (Zeitschriften zum Flatrate-Tarif), obwohl mein Abo dort Ende 2019 ausgelaufen ist.

Nie richtig warm geworden bin ich mit Google News. Ich verwende zwar ganz gerne die «News»-Option von Googles Suchmaschine. Aber mit news.google.com freunde ich mich nicht an – auch wenn ich mich bemühe. So richtig festmachen kann ich gar nicht, warum dem nicht so ist. Irgendwie ist mir die Seite zu unübersichtlich, die Auswahl der News zu wenig zwingend und zu durchsetzt von Zeugs, das mir egal ist. Aber zugegeben, ich bin auch wenig tolerant: Wenn man mir mit mehr als einer halben Sportmeldung pro Tag kommt, ist man bei mir unten durch.

Aber es könnte immerhin sein, dass die Google-News-App weniger schlecht ist als die Website. Es gibt sie für Android und für iPhone und iPad. Doch auch bei der App fällt mir auf, dass die Auswahl an Nachrichten nicht meinem Geschmack entspricht. „Eine erstaunlich schlechte Google-App“ weiterlesen

#StayTheFuckHome – und trotzdem reisst der Kontakt nicht ab

Keine Besuche bei Freunden, keine gesellige Runde in der Beiz – und trotzdem möchten wir nicht vereinsamen. Das Internet und die passenden Apps helfen uns dabei.

Eines der drängendsten Themen ist in diesen Zeiten der Corona-Pandemie die Kommunikation. Wie bleibt man mit Eltern, Freunden, Bekannten in Verbindung, wenn man sich nicht mehr treffen kann? Das ist für viele schwierig – aber besonders für die Grosseltern, die ihre Enkelkinder nicht mehr zu Gesicht bekommen.

Der Vorschlag, etwas zu diesem Thema zu machen, wurde von diversen Seiten an mich herangetragen, nachdem ich die Idee selbst schon gehabt hatte. Sie ist naheliegend – und gleichzeitig auch knifflig, finde ich. Denn das Problem ist nicht, die passende App zu finden. Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, um per Live-Video zu kommunizieren. Facetime fürs iPhone und iPad, Google Duo für Android und iPhone und den Videotelefonie-Klassiker Skype. Den gibt es für Android, iPhone, natürlich auch für Windows und Mac und sogar als Online-Version für den Browser.

Videotelefonieren kann man auch in manchen Messengern, zum Beispiel WhatsApp oder Signal. Und dann gibt es auch die Skype-Alternativen wie Zoom.us, das fürs Homeoffice eine gute Wahl ist.

Die Wahl der passenden App ist darum kein eigentliches Problem: „#StayTheFuckHome – und trotzdem reisst der Kontakt nicht ab“ weiterlesen

Die digitalen Wimmelbücher

Zwei Apps für Kinder, die die Neugierde wecken und den Entdeckertrieb anstacheln.

In Zeiten der Pandemie hat man, nebst vielen anderen Baustellen, auch die Aufgabe, die Kinder bei Laune zu halten. Und für diesen Zweck ist ein Tablet – und das sage ich nur mit einem kleinen bisschen übertriebenem Pathos – Gold wert. Denn das Tablet liefert Filme und Unterhaltung. Und eben auch Spiele, mit denen sich die Kleinen selbst beschäftigen, während die Erwachsenen versuchen, das Chaos im Homeoffice zu überblicken und einzudämmen.

Das «Winterthurer Wimmelbuch»

Eine App-Kategorie hat es meiner Tochter (und auch mir) besonders angetan. Ich habe sie erst vor Kurzem entdeckt. Es handelt sich um die digitale Variante des Wimmelbuchs. Meine Tochter mag die auch in klassischer Form. Zum Beispiel die Jahreszeiten-Wimmelbücher von Rotraut Susanne Berner. Oder das grossartige Winterthur-Wimmelbuch, bei dem nur das etwas offensive Sponsoring zu bemängeln ist.

Und eben: Es gibt die Wimmelbücher auch in App-Form: Da gibt es in verschiedenen Szenen Details zu entdecken. Im Gegensatz zu den gedruckten Büchern sind die animiert: Man kann eine Figur antippen, worauf etwas passiert. „Die digitalen Wimmelbücher“ weiterlesen

Tipps für Medien für Kinder – und Kritik für Netflix

Kinder und das Smartphone – das sind zwei Worte, die man nicht in einem Atemzug nennen darf, wenn man Angst vor einer Kontroverse hat. Es wird erbittert darüber gesprochen, ob Smartphones unsere Kinder nun dicker und dümmer machen. Oder ob wir Eltern mit einer vernünftigen Vorbildfunktion ihnen einen gesunden Umgang beibringen können. Und es gibt für jede Position irgend einen Experten, der sie vehement vertritt.

Ich kann jede Haltung verstehen – mit Ausnahme der dogmatischen. Denn man muss seine hehren Erziehungsgrundsätze auch irgendwie mit dem Alltag in Einklang bringen. Und ja, ich bin kein gutes Vorbild, was meine Handy-Nutzung angeht. Da kann ich kaum glaubwürdig von meinem Kind konsequente Abstinenz verlangen. Aber natürlich will ich auch nicht, dass es den ganzen Tag nichts anderes macht, als Peppa Pig zu glotzen. Darum bleibt, wie so oft, ein vernünftiger Mittelweg.

Und der lässt sich dank der Einstellungsmöglichkeiten der modernen Betriebssysteme auch technisch recht gut durchsetzen. „Tipps für Medien für Kinder – und Kritik für Netflix“ weiterlesen

Whatsapp muss noch immer weg

Es ist ja nicht so, dass das Thema neu wäre. Wir alle wissen, dass Whatsapp sich überlebt hat. Und auch die Alternativen wären bekannt. Schon 2016 habe ich das Video Weg mit Whatsapp fabriziert.

Doch wie es so geht: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wenn eine App ihren Platz im Alltag gefunden hat, dann nutzt man sie – selbst wenn im Hinterkopf die ganze Zeit ein Männlein lärmt, man solle um Himmelswillen endlich einmal konsequent sein.

Was in solchen Fällen hilft, ist ein kleiner Schubs, der einem über den Moment der Trägheit hinweghilft. Es handelt sich um eine App, die meines Erachtens auch hervorragend geeignet ist, wechselunwillige Chat-Partner bei Whatsapp eines Besseren zu belehren. Denn was auch immer Whatsapps Mutter Facebook zu der Sicherheit dieses Messengers sagt: Wenn es so einfach ist, jemandem hinterherzuspionieren, dann muss man zu den Schutzbemühungen generell ein grosses Fragezeichen setzen. „Whatsapp muss noch immer weg“ weiterlesen

Nostalgie in App-Form

Manchmal führt eins zum anderen. Nachdem ich neulich über die lustige App VHS Camcorder gestolpert bin und die mit einemigem Spass im Beitrag Per App in die Achtzigerjahre bebloggt habe, drängte sich 8mm Vintage Camera auf. Die simuliert keinen Videocamcorder, sondern eine Schmalfilmkameria – Grund genug für mich, im Beitrag Nur das Rattern des Projektors muss man sich dazudenken ausführlich über diese Technik zu schwadronieren philosophieren.

Da lag es auf der Hand, ein Patentrezept-Video zu Retro-Apps zu machen. Denn nebst den Apps fürs Bewegtbild gibt es sie in Hülle und Fülle für die Fotografie. Bilder auf alt zu trimmen, ist ein simples ästhetisches Mittel – über dessen Sinn und Unsinn man sich natürlich streiten kann. Sollte eine Aufnahmen nicht die Zeit reflektieren, in der sie entstanden ist? Zumal wenn sie dokuentarischen Charakter hat, sollte sie das.

Allerdings haben Smartphone-Fotos – gerade auch, wenn sie über soziale Medien und Plattformen wie Instagram verbreitet werden – weniger einen dokumentarischen Anspruch. Sie sind näher an einer Wunschfantasie dran, die man über sich selbst vermitteln will. „Nostalgie in App-Form“ weiterlesen

Bildverfremdung nach dem Zufallsprinzip

Heute geht es um eine App, bei der mir nicht so ganz klar ist, was ich von ihr halten soll. Ist sie genial? Ist sie nutzlos? Man weiss es nicht.

Ein eher ungewöhnlichers Selfie.

Die App heisst Glitché. Es gibt sie für 1 Franken fürs iPhone und kostenlos für Android, wobei man allerdings die APK-Datei von irgend einem dubiosen Server ziehen muss – was ich nicht vorbehaltlos empfehle.

Schon der Name deutet auf die grossen Ambitionen und den Kunstbezug hin. (Wenn ich Künstler wäre, würde ich meinen Namen schliesslich auch als Mattyăs Schußlèr schreiben.) Das schräge Icon trägt zum Eindruck bei, ebenso die – für mich annähernd unverständliche – Benutzeroberfläche.

Das Konzept ist mir immerhin klar: Es geht darum, glitches, also Störungen in seine Bilder einzubauen. Diese Störungen sollen nicht wie normale Artefakte wirken, sondern einen künstlerischen Reiz haben. Das ist eine Idee, der ich etwas abgewinnen kann. „Bildverfremdung nach dem Zufallsprinzip“ weiterlesen

Foodporn für die Krankenkasse

Meine Krankenkasse hat eine App namens Sanitas Active (iPhone/Android), die Bewegung mit Münzen belohnt, die sich in Gutscheine, zum Beispiel von Digitec umwandeln lassen. Dazu wird meine tägliche Schrittzahl erfasst. Auch Schwimmen und Velofahren wird berücksichtigt.

Ich habe die App vor bald drei Jahren im Beitrag Wie gross wird die Reue sein? vorgestellt. Und um die Frage im Titel zu beantworten: Bis jetzt habe ich es nicht bereut. Ich denke, sie übt einen gewissen Ansporn auf mich aus, das Ziel zu erreichen, das mir die App setzt. (Es sind 10’000 Schritte, wobei man die Zahl mit Schwimmen oder Velofahren entsprechend reduzieren kann.)

Die Datenschutzbedenken sind in der Zeit nicht komplett gewichen – aber wie auch im Beitrag Die Schweissmasche ausgeführt, ist meine Schrittzahl keine sonderlich intime Information. Es gibt kein wirkliches Missbrauchspotenzial. „Foodporn für die Krankenkasse“ weiterlesen

Nur das Rattern des Projektors muss man sich dazudenken

Im Beitrag Per App in die Achtzigerjahre habe ich die App VHS Camcorder vorgestellt, die einer digitalen Videoaufnahme einen analogen Look verpasst. Wenn man mit der App filmt, sieht es aus, als ob die Sequenz aus einer Videokamera stammen würde und in den Jahren seit der Aufnahme ziemlich gelitten hätte.

Eine Rolle mit (unbelichtetem?) Film (Jakob Owens/Unsplash, Unsplash-Lizenz).

Nun ist VHS nicht die ultimative Hipster-Technologie – und in der Geschichte der Bewegtbild-Aufnahmemöglichkeiten auch nur eine Fussnote und kein eigenes Kapitel. Denn über viel längere Zeit und mit viel charmanterem Resultat hat man als Amateur seine Erinnerungen auf Schmalfilm gebannt.

Super 8 war weit verbreitet und kam auch in meiner Sippschaft zum Einsatz. Mein Onkel hat bei hohen Anlässen gefilmt und die Drei-Minuten-Rollen mit einer Klebepresse geschnitten. Und wir haben auch mit Stopmotion experimentiert. Die Kamera beherrschte nämlich die Einzelbildbelichtung, sodass man mit Legofigürchen Animationssequenzen inszenieren konnte.

Auch Zeitlupe und Zeitraffer waren möglich. Ebenso Montagetricks: „Nur das Rattern des Projektors muss man sich dazudenken“ weiterlesen

Die Illusion von Offenheit bei Android

Es gibt ein paar Dinge, denen man ab und zu begegnet – und bei denen man sich jedes Mal vornimmt, sich mal genauer damit zu beschäftigen. Irgendwann – wenn man mal Zeit hat. Ein solches Ding ist, in meinem beruflichen Leben, die Open Handset Alliance. Und heute habe ich Zeit, mich damit zu beschäftigen.

Der Ausgangspunkt: Ich weiss natürlich das, was bei Wikipedia steht: Es ist eine Organisation, die irgend etwas mit Googles Handy-Betriebssystem Android zu tun hat. Auf dem Papier ist es eine sehr eindrückliche Organisation: 84 Unternehmen aus der ganzen Tech-Branche haben sich zusammengeschlossen: Telkos, Gerätehersteller, Softwareunternehmen – sogar Noser Engineering findet man auf der Liste. Das ist das Unternehmen von Ruedi Noser, einem der beiden Zürcher Ständeräte.

Die Open Handset Alliance, oder kurz OHA, hat eine Website, die für ein Tech-Konsortium aber einen sehr angestaubten Eindruck hinterlässt – ebenso, wie die News-Sektion, wo der neueste Eintrag vom 18. Juli 2011 datiert. Auf dieser Website liest man ein flammendes Bekenntnis zur Offenheit: „Die Illusion von Offenheit bei Android“ weiterlesen