Gestrandet auf dem roten Planeten

Auf Empfehlung von Roddi in der Freak Show S131 habe ich mir The Martian von Andy Weir besorgt (Amazon englisch, Amazon Deutsch). Das Buch erzählt die Geschichte von Mark Watney. Er ist Teil der dritten bemannten Marsmission. Als Mitglied einer fünfköpfigen Besatzung ist er Botaniker, der Experimente mit Kartoffeln durchführen soll. Doch nichts läuft, wie es sollte. Ein Sandsturm bricht über die Ares-3-Mission herein. Er reisst eine Übertragungsantenne los, die zu allem Pech Watney trifft und ihn regelrecht aufspiesst. Der Biomonitor des Raumanzugs meldet Exitus. Commander Lewis entscheidet, die Mission abzubrechen und den Mars schnurstracks wieder zu verlassen.

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Ein Marskrater. (Allerdings nicht der Schiaparelli-, sondern, in Ermangelung eines hübschen Fotos, der Viktoria-Krater.) (Bild: Wikipedia.org)

Nachdem die Kollegen weg sind, stellt Watney fest, dass er Unglück im Glück im Unglück hatte. Er ist nicht tot – was ein Riesenglück bei diesem Unglück darstellt –, weil sein Blut das Loch im Anzug verstopft hat. Doch gleichzeitig hat er das Riesenpech, allein auf dem Mars zurückgeblieben zu sein. „Gestrandet auf dem roten Planeten“ weiterlesen

Schätzing erklärt den Nahostkonflikt

Seit «Der Schwarm» und trotz «Limit» (das ich, anders als viele andere, gern gelesen habe) hat Frank Schätzing bei mir den Status einer bedingungslosen Empfehlung. Will heissen: Wenn er ein neues Buch vom Stapel lässt (was nur etwa alle fünf Jahre vorkommt), dann kümmere ich mich erst gar nicht um Klappentext, Kurzbeschrieb oder Rezensionen, sondern klicke auf «Kaufen» und stürze mich drauf.

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Ich finde es toll, auf ein literarisches oder filmisches Abenteuer zu gehen, ohne den Hauch einer Ahnung zu haben, was mich erwartet. Ich gehe darum auch ganz gern ins Kino, ohne den Trailer gesehen oder eine Zusammenfassung gelesen zu haben. Einerseits vermitteln die sehr häufig ein komplett falsches Bild – wie so oft, wenn Marketing im Spiel ist. Es kommt ständig vor, dass mir eine gut klingende Story überhaupt nicht zugesagt. „Schätzing erklärt den Nahostkonflikt“ weiterlesen

Krimis aus dem hohen Norden

Als Island- und Krimifans lesen in diesem Haushalt alle gerne die Bücher von Arnaldur Indriðason. Ein Grund der Bewunderung für mich ist, dass er wie Stieg Larsson vorführt, wie man den Niederungen des Journalismus durch Krimiautorwerdung entfleucht.

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Auf dem Weg zum nächsten Abenteuer.

Wie jeder gute Krimi sind die Werke von Indriðason untrennbar mit ihren Schauplätzen verbunden. Sie spielen, wie man an dem seltsamen, d-ähnlichen Kringel im Namen des Autors schon erahnt, in Island und handeln weniger von Ponys und von Papageitauchern, als vielmehr von Leuten, die im Herbstnebel auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Nach vielen Jahren brechen exzessive Familiengeheimnisse auf, sodass Indriðasons Geschichten häufig mit Rückblenden arbeiten – weil das Unheil schon vor vielen Jahren geschah und erst dann ans Tageslicht kommt, wenn die Gletscher besonders stark schmelzen. Die Hauptfigur in Indriðasons Büchern ist Erlendur, der Kommissar mit den traurigen Augen. „Krimis aus dem hohen Norden“ weiterlesen

Die Zukunft ist eigentlich ein alter Hut

Als Mensch mit einer Affinität für Technik, der ab und zu seine Nase in ein Buch steckt, kommt man um Daniel Suarez nicht herum. Der Mann schrieb mit Daemon und «Freedom™» zwei Bücher, in denen technologische Errungenschaften eine Rolle spielen, die in unserer näheren Zukunft wahr werden könnten. Es gibt auch Beispiele, bei denen man behaupten könnte, Suarez’ Ideen seien von der Wirklichkeit eingeholt worden. Da sind die selbst fahrenden Autos, die zumindest als Prototypen schon auf unseren Strassen unterwegs sind. Das «Darknet» könnte demnächst mit Google Glass über uns hereinbrechen. Bei Kill Decision geht es um Drohnen und um Schwarmintelligenz. Diesem Titel habe ich mich verweigert, weil er das Potenzial birgt, sehr militaristisch zu werden – zumal Suarez in den ersten beiden Büchern beweist, dass er auch Armeefiguren und deren High-Tech-Spielzeug nicht abgeneigt ist. Auch im neuesten Buch gibt es ein bisschen davon, aber im erträglichen Rahmen.


Der Autor und Hörbuch-Sprecher beim Gespräch mit Leo Laporte.

Bei «Influx» geht es nun um den technischen Fortschritt an sich. „Die Zukunft ist eigentlich ein alter Hut“ weiterlesen

Sherlock zum Nulltarif

Kollega Jan Rothenberger hat mir neulich den Tipp gegeben, dass man sich bei Librivox diverse Geschichten von Sherlock Holmes bzw. Arthur Conan Doyle als kostenlose Hörbücher anhören kann.


Auf so einem hübschen Kopfhörer muss ein tolles Hörbuch laufen…

Mir ist eingefallen, dass ich Librivox vor Urzeiten vorgestellt hatte, nämlich am 23. April 2007 als «Tipp der Woche» – und eigentlich selbst wieder einmal nutzen könnte:

Auf der Website www.vorleser.net finden sich rund vierhundert Hörbücher im MP3-Format zum Gratis-Download. Das Angebot aus Leipzig ist legal. „Sherlock zum Nulltarif“ weiterlesen

Halbherzige Wiedergutmachung

Meine Pflichten als Literaturkritiker habe ich auf diesem Kanal in der letzten Zeit vernachlässigt. So skandalös das ist, will ich das Versäumnis jetzt auf halbherzige Weise wettmachen. Nämlich durch Kurzkritiken meiner letzten (Hör-)Bücher:

In meiner Stephen-King-Versessenheit habe ich mich auf Doctor Sleep gestürzt. Das ist der Nachfolger von dem 36 Jahre früher erschienen und von genial, aber nicht sehr vorlagentreu verfilmten The Shining. Da ich auch den Vorgänger nicht kannte, musste ich mich erst einmal diesem widmen.

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Allein schon der Teppich ist gruselig! (Über dieses Muster ist Danny mit seinem Dreirad in der Verfilmung von Stanley Kubrick gefahren…)

«The Shining» ist zu recht ein Klassiker. Aber mit «Doctor Sleep» beweist Stephen King, dass er mit dem Alter noch zulegen kann. Ergreifend, wie aus dem Danny Torrance, dem Jungen mit dem Shining, ein alkoholkranker Versager und dann ein Kämpfer gegen die True Knot wird, der zusammen mit einem Mädchen, das seine Begabung teilt, nicht nur eine akute Bedrohung beseitigt, sondern auch (echte und nicht bloss halbherzige) Wiedergutmachung leistet. „Halbherzige Wiedergutmachung“ weiterlesen

Spione und Zeitreisende

Nachdem die Spione die Schlagzeilen beherrschen und ich neulich Spass mit Mr. Bond hatte, wollte ich die Welt der fiktiven Agenten ausführlicher erkunden. Erstens mit Ken Follett und Eye of the Needle bzw. Die Nadel (Amazon Affiliate Englisch/Deutsch) – auch weil mir das Hörbuch neulich von Audible für einen Spottpreis hinterhergeworfen wurde. Zweitens mit Red Sparrow (Amazon Affiliate Englisch/Deutsch) von Jason Matthews.

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Eye of the Needle, Das Jesus-Video, Red Sparrow (den optischen Anleihen des Covers an James Bond wird der Inhalt nicht gerecht), Ein König für Deutschland (von oben nach unten und links nach rechts).

Die Geschichte von Follett war nett gemacht, mit mehreren Stimmen für die Dialoge. Dennoch hat mich die Geschichte nicht so richtig gepackt. Es geht um die Geschehnisse vor dem D-Day im zweiten Weltkrieg. „Spione und Zeitreisende“ weiterlesen

Die Knochensaison ist nicht meine Jahreszeit

In irgend einem der vielen Podcasts, die ich höre, hat neulich einer von The Bone Season von Samantha Shannon geschwärmt (zu Deutsch The Bone Season – Die Träumerin). Ich habe es mir angehört – und bin mit der Geschichte nicht warm geworden.

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Die Knochen sind da, aber beim Fleisch hapert es ein bisschen. (Foto Grégory Tonon/Flickr.com)

Dabei hat die Ausgangslage Potenzial. Es gibt ein dystopisches London, was mir schon einmal sehr gut gefällt. Es gibt eine junge Heldin, die ein Doppelleben führt. Und es gibt eine Autorin, die schon seit 15 Romane schreibt und mit 22 jetzt einen internationalen Treffer gelandet hat.

Und die Geschichte, in sieben Sätzen zusammengefasst, klingt viel versprechend – oder in manchen Ohren auch komplett wirr. Letzteres könnte jedoch auch an meiner Zusammenfassung liegen:
„Die Knochensaison ist nicht meine Jahreszeit“ weiterlesen

Nerdgasmus und Popkulturklimax

Aus einer notorisch gut informierten Quelle wusste ich, dass ich nicht darum herumkommen würde, mir «Ready Player One» von Ernest Cline zu Gemüte zu führen. Da wurde einem schliesslich nichts weniger als ein Nerdgasmus versprochen. Plus ein Klimax, was die Popkultur aus den Achzigern angeht – und überhaupt alle Dinge, die unsereins so erfreuen. Also Computerspiele, historische Computer wie den C64, Rollenspiele, und eben auch die Abkapselung in einer Parallelrealität. Da das Hörbuch im Original vom Evil Wil Wheaton-Darsteller Wil Wheaton gesprochen wird, war klar, dass die Geschichte in dieser Darreichungsform konsumiert werden musste.

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In der perfekten Computersimulation feiern die technisch primitiven Uralt-Games ihre Auferstehung. (Pac Man, Zork, Adventure, dann Dungeons of Daggorath, Joust und Tempest)
„Nerdgasmus und Popkulturklimax“ weiterlesen

Liebesgrüsse aus den muffigen Siebzigern

In Berlin hat es uns ins Kulturkaufhaus verschlagen. Ein ganzer Shopping-Palast nur mit Musik, Film, Büchern und digitalen Medien – das konnte nicht gut gehen. Beim Herausgehen hatten wir u.a. Marx & Engels intim, gelesen von Harry Rowohlt und Gregor Gysi und On se left you see se Siegessäule von Tilman Birr im Gepäck. Ausserdem das Hörbuch Diamantenfieber, gelesen von Oliver Siebeck.

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Kulturelle Ausbeute.

Dabei handelt es sich um den vierten Fall des berühmtesten Geheimagenten der Welt, den man vor allem aus der Verfilmung von 1971 kennt. Der Roman seinerseits ist schon 1960 erschienen und in der Lesung gut doppelt so lang (281 Minuten) wie der Film (120 Minuten). „Liebesgrüsse aus den muffigen Siebzigern“ weiterlesen