Der über seinen Darm stolpert

Stephen King hat einige seiner Bücher bekanntlich unter dem Pseudonym Richard Bachman geschrieben. Laut Wikipedia, weil er nicht als Vielschreiber wirken wollte, und weil es ihn interessierte, ob die Bücher nur wegen dem Namen King auf dem Cover, oder wegen ihrer selbst gekauft würden.

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Arnie in der Haut von Ben Richards.

Da es in meiner Familie zwar keinen König, aber grossmütterlicherseits Bachmänner bzw. -frauen gibt, habe ich mich nach «11/22/63» und «The Stand» («Das letzte Gefecht») nun «Menschenjagd» in Angriff genommen. Ich habe mich beim Hörbuchfundus meiner Frau bedient und die übersetzte Fassung, gelesen von David Nathan gehört, obwohl ich bei King eigentlich die englischsprachigen Originale vorziehe, weil sich King einfach schlecht übersetzen lässt. Aber nachdem wir schon die beiden anderen Bücher jeweils doppelt in beiden Sprachen gekauft hatten, wollte ich mich für dieses mal mit der deutschsprachigen Variante begnügen. „Der über seinen Darm stolpert“ weiterlesen

Eyjafjalla in einer Nebenrolle

Anfangs Jahr hat es uns nach Island verschlagen. Wegen der Nordlichter, die sich uns aber verweigert haben, aber auch, um wieder einmal einen richtigen Winter zu erleben und in der blauen Lagune zu liegen. Und um uns in die passende Kulisse zum neuesten Werk von Michael Ridpath zu begeben, das wiederum in Island spielt und das ich mir erst für den Kindle besorgt hatte, um es dann als Hörbuch zu hören – weil Sprecher Seán Barrett eine knarrende Stimme hat und auch das Isländisch, soweit ich das beurteilen kann, richtig ausspricht. Bei den deutschen Hörbuchfassungen isländischer Bücher ist das nicht der Fall, was bei den Büchern von Arnaldur Indriðason gründlich den Spass verdorben hat. Es ist mir schon klar, dass es nicht allzu viele deutsche Sprecher gibt, die Isländisch beherrschen. Etwas Aussprachetraining könnte man den Sprechern indes schon angedeihen lassen, sodass sie wenigstens Reykjavík, Geysir und Eyjafjallajökull richtig über die Lippen bringen.

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Der Krimi zur Islandreise – denn zufällig hat der Kommissar beim Skógafoss nach Indizien zu suchen.

Letzterer spielt im Buch «Meltwater» eine wichtige Rolle. „Eyjafjalla in einer Nebenrolle“ weiterlesen

Mittelerde à la Stephen King

Über Weihnachten und Neujahr war ich mit einer Pandemie von unerhörtem Ausmass konfrontiert. Ich spreche nicht von der diesjährigen Grippe, die auch in mir ein williges Opfer gefunden hat. Ich spreche von Captain Trips, der tödlichen Supergrippe, die als Folge eines ausser Kontrolle geratenen Virenexperiments fast die ganze Menschheit ausrottet. Das übrig gebliebene Häufchen versucht zu überleben und sich gegen das personifizierte Böse zu wehren, das in der Gestalt von Stephen Kings Lieblingsdämon Randall Flagg in Erscheinung tritt.

Genau, Stephen King. Der steckt hinter dieser Geschichte, die 1978 zum ersten Mal in einer gekürzten Fassung veröffentlicht worden war. King hat sie 1995 in der ursprünglichen Version neu aufgelegt und 2012 ist bei Audible eine vollständige Lesung erschienen, wunderbar gelesen von Grover Gardner, der nicht nur eine angenehme Stimme hat, sondern auch die Figuren mit ihren Dialekten und sprachlichen Eigenheiten (M-O-O-N, that spells Tom Cullen) zum Leben erweckt.

Ich hatte so meine Skrupel, nach «11/22/63» schon wieder ein King-Werk in Angriff zu nehmen – und obendrein eines, das noch deutlich länger ist. Fast 48 Stunden lang läuft die Lesung, und auf so ein Abenteuer lässt man sich nicht leichtfertig ein.
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Mittelerde, aber mit Humor

Am 21. September 1937 erschien der fantastische Roman «Der kleine Hobbit» von John Ronald Reuel Tolkien. Mit dieser Geschichte – der Vorgeschichte zum «Herrn der Ringe» – entwarf der englische Schriftsteller eine wundersame Fabelwelt, die bis heute Millionen von Menschen fasziniert. Der Morgomat beschäftigte sich im September 2009 mit dem kleinen Hobbit und J.R.R. Tolkien.

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Der deutsche Schriftsteller, Journalist und Radiosprecher Gert Heidenreich hat 2008 «Der Kleine Hobbit» neu als Hörbuch eingelesen. Das Niedliche wurde aus dem Titel entfernt, der lautet nun – wie im englischen Original – einfach «Der Hobbit». 10 CDs sind entstanden, insgesamt 654 Minuten lang. „Mittelerde, aber mit Humor“ weiterlesen

Mit den Ohren lesen

Die Rubrik Lies das wurde in der letzten Zeit in diesem Blog sträflich vernachlässigt. Das liegt daran, dass ich mich immer noch durch «A Song of Ice and Fire» kämpfe und da inzwischen in der Mitte des vierten Bandes angelangt bin.

Immerhin – der Hörbuchörerei fröne ich auch weiterhin mit Leidenschaft und habe darum nachfolgende Liste kompiliert, die kurze und knackige Tipps zu diesem Gerne enthält. In die Rubrik «Lies das» wird dieses Posting einsortiert, weil hörbuchantipathische Zeitgenossen die angegebenen Werke auch lesend rezipieren können…

Sebastian Fitzek habe ich das Buch Das Amokspiel zu verdanken, das mich deswegen interessierte, weil es beim Radio spielt. Zwar nicht bei Stadtfilter, denn zum einen spielt die Geschichte in Berlin. Und zum anderen hat der Mann, der zu einer öffentlichen Geiselnahme entschlossen ist, keinen alternativen, sondern einen massentauglichen Sender für seine Aktion ausgesucht.

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Kummerbox goes Ebook

Das neue Buch mit den gesammelten Kummerbox-Beiträgen ist da – dieses Mal nicht, wie seine fünf Vorgänger, in gedruckter Form, sondern als Ebook im Self-Publishing-Programm von Amazon.

Der Schritt vom «normalen» zum elektronischen Buch ist ein Experiment und ein Wagnis. Der Kundenkreis der Kummerbox besteht zum kleinsten Teil aus Nerds und Early Adopters, die sich voll aufs papierlose Buch eingeschossen haben. Sie werden keinen Kindle haben und vermutlich auch nicht wissen, dass man die Kindle-Bücher per iOS-App auch am iPad und iPhone lesen kann, dass eine Android-App existiert und dass man die elektronischen Bücher über den Cloud Reader auch einfach im Browser studieren kann. Für ein Nachschlagewerk wie das Kummerbox-Buch ist das nicht der schlechteste Weg.

Das Ebook ist ideal
Aber das Ebook drängt sich für einen Titel wie «Kummerbox Kompakt» auf. Und zwar aus mehreren Gründen.

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Ein Lied vom Kindle und dicken Büchern

An der Lektürenfront hat ich, wie letzte Woche erzählt, eine grössere Schlacht aufgetan. Ich konnte mich «A Song of Ice and Fire» als nerdkulturellem Ereignis nicht entziehen und habe inzwischen «A Game of Thrones» erfolgreich hinter mich gebracht. Gleichzeitig haben wir ein Auge in die erste Staffel der HBO-Serie geworfen und können Billigung vermelden. Televisionär wird die Geschichte zwar gerafft, aber originalgetreu erzählt und stimmig inszeniert. Die Fernsehbilder passen gut zu den Vorstellungen, die beim Lesen in meinem Kopf entstanden sind. Die Angst, die schlechte Visualisierung einer Film- oder Fernsehproduktion könnte meine eigene Vorstellung auslöschen, steckt mir seit den Michael-Ende-Verfilmungen von «Momo» oder «Die unendliche Geschichte» in den Knochen.

Doch zum Glück haben hier Kulissenbauer und Besetzer gute Arbeit geleistet. Ein Lob geht auch an die Produzenten und Regisseure, weil bezüglich sexueller Inhalte keine Inszensierung daraus geworden (übrigens mein Vorschlag für den Duden: Eine Inszenierung, die gleichzeitig zensuriert). Wenn Tyrion sich im Bordell vergnügt, darf auf gar keinen Fall falsche Scheu herrschen, finde ich. „Ein Lied vom Kindle und dicken Büchern“ weiterlesen

Jahrzehntlich grüsst das Murmeltier

In meiner kleinen Lesereihe zu Zeitreisegeschichten (jetzt allerdings unterbrochen durch 3880 Seiten AGoT-ACoK-ASoS-AFfC (*)) komme ich auf «Replay» zu sprechen. Beim Roman von Ken Grimwood, der in deutsch die Unterzeile «Das zweite Spiel» verwendet, sind Parallelen zum Film «Groundhog Day» unverkennbar. Statt einen Tag zu wiederholen, erlebt der Protagonist Jeff Winston jedoch den Teil zwischen 18 und seinem 43. Geburtstag mehrfach. Er tut das im vollen Bewusstsein seiner früherigen Leben, aber ohne Wissen um den Grund seiner Ehrenrunden. Und (vorerst) ohne eine Ahnung zu haben, ob diese Wiederholungen nun bis in alle Ewigkeiten andauern werden.

Jeff Winston tut, was wir alle in seiner Situation auch tun würden: Er legt es darauf an, sich mit seinem Wissen über die Zukunft Vorteile zu verschaffen und stinkreich zu werden. Das gelingt, ist aber nicht sehr befriedigend. Also versucht er es mit selbstzerstörerischen Drogen- und Sex-Exzessen, mit heiler Welt, mit Einflussnahme in den Lauf der Dinge… und scheitert, bis zum Moment „Jahrzehntlich grüsst das Murmeltier“ weiterlesen

Was wäre wenn im grossen Stil

Ich bin auf einem kleinen Streifzug durch die Zeitreisen-Literatur. Ich habe mir zu diesem Thema «11/22/63» zu Gemüte geführt, ausserdem «Replay» und «Der letzte Tag der Schöpfung».

Dieses Buch stammt von dem mir bis dato nicht bekannten deutschen Autor Wolfgang Jeschke. Es geht die Thematik im grossen Stil an. Es geht nicht um die einsame Mission eines Einzelkämpfers wie in «11/22/63» (oder fast so einsam in «Replay»), sondern darum, was eine Supermacht tun würde, wenn sich ihr plötzlich die Möglichkeit eröffnen würde, die Vergangenheit zu manipulieren. Die Supermacht ist die USA, und natürlich würde die nicht darauf verzichten wollen, die Gegebenheiten ein bisschen zu den eigenen Gunsten zu verändern. Ohne zu viel zu verraten – es werden Hunderte von Leuten und Tonnen von Material fünf Millionen Jahre in die Vergangenheit geschickt, um dort den Arabern das Öl «unter dem Hintern wegzupumpen».

Selbstverständlich geht das schief. „Was wäre wenn im grossen Stil“ weiterlesen

Ufos, aber richtig

Bei «Independence Day» hängt der Himmel voller Raumschiffe. Bei «V» und beim Remake von 2009 kommen Ausserirdische, um zu bleiben.
Diese Geschichten fangen dramatisch an, um dann stark nachzulassen. Bei «Independece Day» gewinnt Will Smith gegen alle Aliens, weil er offenbar «War of the Worlds» gelesen hat und bei «V» macht sich quälende Langeweile breit (an der Ausserirdischen vermutlich irgendwann eingegangen sind). Jedenfalls wird man das Gefühl nicht los, dass sich aus dieser Ausgangslage mehr herausholen lassen müsste.

Als ich neulich dem Hörbuch «Childhood’s End» begegnet bin, wurde ich hellhörig: Am Anfang tauchen Raumschiffe auf, die über den irdischen Grossstädten hängen und keine Anstalten machen, wieder davonzufliegen. Arthur C. Clarke behandelte diese Idee nicht nur vor Emmerich und Co, (er schrieb die Geschichte 1953), nein, er macht auch das Beste aus ihr. «Childhood’s End» oder zu Deutsch «Die letzte Generation» ist wunderbare Sciencefiction. Klug, menschlich und am Ende zutiefst bewegend. Da kann Will Smith einpacken.


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