Gegen die Panikattacke im Hipster-Kleiderladen

Ich mag ein Nerd sein. Aber ein Kleider- oder Modenerd bin ich nicht. Ich bin zufrieden, wenn ich fünf T-Shirts, drei Pullis, ein halbes Dutzend Unterhosen und genügend Sockenpärchen zum Durchwechseln habe. Doch weil Kleider nicht ewig halten, muss auch ich ab und zu Nachschub besorgen. Und dabei hat man es mit diversen Problemen zu tun. Eines der Probleme besteht darin, in diesen Hipster-Modegeschäften keinen Panikanfall zu bekommen und zu beschliessen, nur noch nackt herumzulaufen. Und ein anderes hat damit zu tun, dass es Kleidung in verschiedenen Grössen gibt.

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Am Anfang steht die Selbstvermessung – inklusive Anleitung, wo man das Massband ansetzt. (Und nein, ich werde euch meine Körpermasse nicht verraten.)

Ich denke, deses Problem wird mit der Zeit dem Fortschritt zum Opfer fallen. Wenn unsere Körper sich erst einmal per Bodyscanner exakt vermessen lassen, wird man seine Körpermasse in virtuellen und realen Shopping-Umgebungen hinterlegt haben. Das bedeutet, dass Online-Stores alle nicht passenden Kleidungsstücke erst gar nicht vorschlagen müssen. Und beim Gang durch ein richtiges Geschäft werden im Augmented RealityVisor nur jene Klamotten markiert, die man auch wirklich tragen kann. Nebst der automatisch überprüften Passgrösse wird man auch einige Geschmacksparameter hinterlegen können, sodass man den hässlichen Kram nicht mehr manuell aussortieren muss.

Das hat übrigens auch den Vorteil, dass man sich keine Kleidergrössen mehr merken muss – und einem somit auch die bittere Einsicht erspart bleibt, dass man schon wieder eine Kleidergrösse aufstocken muss. (Das Triumphgefühl, wenn man wieder in eine Nummer kleiner reinpasst, sollte einem aber keine technische Entwicklung vorenthalten!)

Doch bis es so weit ist, muss man eine vage Ahnung seiner Kleidergrössen haben, was bei mir leider nicht der Fall ist. Ich probiere es seit kurzer Zeit mit der App Favorelli (1 Franken nur fürs iPhone/iPad). „Gegen die Panikattacke im Hipster-Kleiderladen“ weiterlesen

Treffsichere Links

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Hier gehts lang! (Bild: pixabay.com, CC0)

Wer hat eigentlich den Hyperlink erfunden? Nicht ganz unbeteiligt war jedenfalls Ted Nelson, den ich neulich schon mal im Beitrag Andere Internetze gewürdigt habe. Seine Idee waren Zweiweg-Links, also Verknüpfungen, die in beide Richtungen funktionieren.

Am Hypertext und insbesondere auch an den Links beteiligt war auch Vannevar Bush. Seine Memex-Maschine ist eine Art Analogrechner, der mich schon früher faszinierte. Die FAZ hat ihm vor einiger Zeit ein ausführliches Portrait gewidmet:

Gleichwohl blieb es nicht bei der Vision. 1937 entstand mit dem «Rapid Selector» ein Prototyp, der es ermöglichte, in einer Mikrofilmbibliothek die gesuchte Information aufzufinden. Wichtiger aber war das intellektuelle Paradigma. Wenn das Weltwissen auf einem Schreibtisch abgelegt werden kann (zudem kopierbar ist), ist es nur logisch, dass man nicht nur das Suchen und Finden von Informationen, sondern auch die Art der Verknüpfung zum Gegenstand des Wissens macht. Folglich sind nicht nur die Dokumente, sondern auch die Pfade von Bedeutung, die von einem Gegenstand zum nächsten führen. Wenn diese Vorwegnahme des Hyperlinks noch in den achtziger und neunziger Jahren begeisterte Anhänger finden sollte, so deswegen, weil Vannevar Bushs Memex der Schrift ein Gedächtnis verleiht, ebenso wie es die Bibliothek zum Echo- und Erinnerungsraum ihrer Benutzung macht. In der Memex-Apparatur tritt die Wissenschaft als Kommunikationsraum hervor, der sich nicht im Gedächtnistheater und in der Performance erschöpft, sondern immer wieder neu erlebt werden kann: ein Arbeits- und Bildungsspeicher.

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Warum Füsse und Dokumente nicht auf den Desktop gehören

Es gibt sie zuhauf: Die Leute, die den Desktop mit unzähligen Dok-Symbolen vollpflastern. Ich bin überzeugt, dass diese Sorte Computernutzer einen grösseren Bildschirm kauft, wenn der virtuelle Schreibtisch voll ist. Wenn die wüssten, dass man (bei Windows) nur mit gedrückter Ctrl-Taste am Mausrad zu drehen braucht, um die Icons zu verkleinern und mehr Platz zu schaffen! Und wenn das nicht ausreicht, dann kann man via Registry den Abstand zwischen den Icons verringern. Einfach bei HKEY_CURRENT_USER\Control Panel\Desktop\WindowMetrics die Werte für IconSpacing und IconVerticalSpacing verringern.

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Siehe Titel. (Bild: Kamyar Rad/Pexels.com, CC0)

Hat man die Ironie herausgehört? Es ist mir seit jeher unklar, warum viele Leute den Desktop als Ablagefläche benutzen. Das ist unpraktisch, weil man erst die Fenster im Vordergrund minimieren muss, bevor man mit den Dokumenten arbeiten kann. Klar, dafür gibt es Tastaturkürzel wie Windows-Taste + d – aber ich würde mal behaupten, dass die Desktop-Vollmüller den meistens nicht kennen.

Natürlich gibt noch andere Gründe, die gegen den Desktop als Ablagefläche sprechen: Man unterläuft eine systematische Daten-Organisation. Gut, man kann sich auf den Standpunkt stellen, dass man die gerade aktuellen Dokumente auf dem Desktop hat und sie nach Vollendung quasi zur Archivierung in einen Unterordner versorgt. Kann sein, dass das für manche Leute praktikabel ist. Ich würde dann allenfalls eine Verknüpfung auf dem Desktop anlegen, aber die Datei gleich von Anfang an im richtigen Ordner versorgen.
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Kleine Browser-Helfershelfer für jede Surf-Lebenslage

Bookmarklets sind die kleinen Brüder der Browser-Erweiterungen: Das sind kurze Javascript-Codeschnipsel, die als Lesezeichen abgespeichert werden. Wenn man sie aufruft, nehmen sie eine Veränderung an der gerade aktiven Website vor – eben, wie eine Browser-Erweiterung, nur mit viel weniger Aufwand. Man muss sie nicht installieren und sie funktionieren (im Idealfall) in diversen Browsern – also auch mit dem, den man gerade benutzt.

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Lesezeichen können (im Browser) mehr als nur auf Textstellen verweisen. (Bild: Bookmark von Hernán Piñera/Flickr.com, CC BY-SA 2.0)

Man kann mit Bookmarklets eine Reihe von Dingen anstellen, wie diese Liste hier oder jene hier beweist. Eine seit längerem nicht mehr gepflegte, nichtsdestotrotz nützliche Übersicht gibt es auch hier. Und bei marklets.com findet man eine ausgewachsene Datenbank mit Suchfunktion.

Hier eine kleine Übersicht lustiger Bookmarklets. Da mein CMS mit BBCode arbeitet, wird der Javascript-Code leider unbrauchbar gemacht, wenn ich ihn direkt verlinke. Daher gebe ich Websites an, wo die Bookmarklets zu finden sind. Dort werden sie «installiert», indem man sie per Maus in die Leiste bzw. ins Menü mit den Lesezeichen zieht:
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Der kleine Datenspitzel

Auch beim Mac gibt es eine sehr überschaubare Zahl von sinnvoller Systemutilities. (Und nein, Mackeeper gehört nicht dazu.) Carbon Copy Cloner könnte man nennen, Phraseexpress oder Textexpander, Namechanger und Disk Inventory X, um einmal ein paar aufzuzählen. Es gibt sicherlich noch einige mehr, wenigstens eine Handvoll.

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Da flitzen die Daten über den grossen Teich…

Ein Utility, auf das viele Macianer schwören und das ich schon lange einmal ansehen wollte, ist Little Snitch. Das ist eine Firewall, die mich an Zone Alarm erinnert – die gottähnliche Serverinstanz im Datenhimmel möge dieses Produkt selig haben. Wie andere Programme seiner Art verfolgt es zwei Hauptaufgaben. Erstens zeigt es auf, was auf den Datenschnittstellen so alles läuft, konkret: Welche Programme zu welcher Zeit Pakete mit dem Web austauschen. Zweitens ermöglicht es Blockaden: Man kann per Mausklick Datentransfers abklemmen.

Und das allein ist für manche Computernutzer Grund genug, Little Snitch einzusetzen. „Der kleine Datenspitzel“ weiterlesen

Bild. Punkt.

Es passiert mir ab und zu, dass ich Programme auf meiner Festplatte finde, ohne zu wissen, wie die dorthin gekommen sind. Vielleicht wurden sie mir von einem Hacker untergejubelt. Womöglich habe ich sie aber auch selbst heruntergeladen, mit der Absicht, einen Softwaretest abzuhalten. Doch wie es so geht – es kommt etwas dazwischen, der Softwaretest findet nicht statt, aber das Programm bleibt an Ort und Stelle liegen.

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Bitte ohne Blinzeln 30 Sekunden lang in dieses Auge schauen. (Originalbild: Skitterphoto/pexels.com, CC0)

Das ist mir neulich mit dem Programm Vectoraster 6 so ergangen. Nach einer zufälligen Wiederentdeckung habe ich mich entschlossen, das Programm hier zu besprechen. Es befriedigt zwar ein ziemlich spezielles Bedürfnis. Aber es tut es auf eine so befriedigende Weise, dass sich eine Besprechung allemal lohnt. Nachdem ich also diverse Screenshots angefertigt und einen ausführlichen Test abgehalten hatte, stellte ich durch Googeln fest, dass die Version 6 nicht mehr aktuell ist und man nun die Version 7 benutzen müsse. Tja, Künstlerpech.

Also, Vectoraster 7 gibt es für den Mac. Die Vollversion kostet 42 US-Dollar. Und die Aufgabe des Programms ist es, Pixelbilder in Vektorraster umzuwandeln. Das klingt ein bisschen so, als ob es dem hier besprochenen Webdienst Konkurrenz machen würde. Dem ist aber nicht so. „Bild. Punkt.“ weiterlesen

Damit ein Absturz keine Blogpostings holt

Gestern ging es darum, wie Firefox 57 in einen praxistauglichen Zustand versetzt werden könnte. Firefox 57, auch bekannt als Quantum, wird am 14. November veröffentlicht und soll doppelt so schnell, beim Speicher viel sparsamer als der alte Firefox und viel schöner als Chrome sein. Ich verwende seit einiger Zeit die Beta und was die «Schönheit» angeht, lässt sich darüber nicht streiten. Das Dark Theme (zugänglich übers Hamburger-Menü und Anpassen) finde ich aber so okay, dass ich meinen Browser inzwischen meistens in Dunkel verwende.

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Er schreibt in sein Notizbuch und nicht direkt ins CMS, weil keinen absturzbedingten Textverlust erleiden will. (Bild: Startupstockphotos.com, CC0)

Aber eben, wie beklagt, wirft Firefox 57 die allermeisten der schönen Erweiterungen zum alten Eisen, die ich täglich nutze. Darum will ich noch vor dem offiziellen Start die wichtigsten nicht mehr kompatiblen Erweiterungen ersetzen. Heute und hier Form History Control II: Diese Erweiterung ist bei mir erst seit Mai in Betrieb. Damals hat sie Lazarus abgelöst.

Diese Erweiterungen sichern den Inhalt von Webformularen: „Damit ein Absturz keine Blogpostings holt“ weiterlesen

Nach Hause finden

Ich habe in der letzten Zeit immer mal wieder en passant Dyn-DNS-Dienste erwähnt (Wecki wecki! und schon früher, zu Zeiten der Raspberry-Pi-Basteleien, hier: My Intranet is my castle). Darum ist es mal an der Zeit, etwas ausführlicher zu werden.

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Gibt es etwas Traurigeres als einen heimatlosen Nerd? (Bild: annyboy89/pixabay.com, CC0)

Dynamisches DNS gibt es, weil die Provider uns Kunden gerne einen Aufpreis für statische IP-Adressen verrechnen möchten. So zumindest meine Interpretation. Wahrscheinlich war es früher, in Zeiten von Dial-Up sinnvoll, die Adressen durchzuwechseln. Damals hat man sich typischerweise ein-, zweimal pro Tag mit dem Netz verbunden. Und manche Leute auch nur alle drei Wochen. Warum also eine IP-Adresse konstant blockieren?

Heute, im Breitband-Zeitalter, wäre eine statische IP-Adresse kein übertriebener Luxus. Allerdings würde sie Überwachern ihre Überwachungstätigkeit nochmals deutlich erleichtern, sodass es doch ganz okay ist, wenn der Haushaltsrouter nicht jahrelang unter der gleichen IP-Adresse kommuniziert. „Nach Hause finden“ weiterlesen

Die neuen Formate von iOS 11

iOS 11 bringt bekanntlich neue Dateiformate. Das sind der High Efficiency Video Coding (HEVC), der neuerdings in den .mov-Dateien steckt, sowie das High Efficiency Image File Format (HEIF) für Fotos. Die Dateierweiterung für diese Fotos ist seltsamerweise .heic – warum da am Schluss ein C und kein F steht, ist mir noch nicht so ganz klar. Vielleicht ist das eine Container-versus-Codec-Feinheit, die wir Laien nicht verstehen müssen.

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Falls man in die Verlegenheit kommt, ein Heif-Bild auf einer Nicht-Apple-Plattform weiterverarbeiten zu müssen…

Ich wollte mir eine solche .heic-Datei näher ansehen, um herauszufinden, was man damit tun kann und was nicht. Stellt sich die Frage: Wie bekommt man sie vom Gerät? Denn natürlich ist das Betriebssystem so schlau, dass es eine automatische Konvertierung nach JPG vornimmt, wenn man die Datei vermailt oder auf den anderen gängigen Wegen weitergibt. Denn da es dieses Format erst bei iOS 11 und bei Mac OS X High Sierra gibt, würde es bei den allermeisten Empfängern sonst für Verwirrung sorgen und ungeöffnet bleiben. Selbst bei der Weitergabe an Apps auf dem iPhone scheint in vielen Fällen eine automatische Konvertierung stattzufinden. „Die neuen Formate von iOS 11“ weiterlesen

Programme auf Zack bringen. Oder entsorgen

Die Blütezeit der Windows-Utilities ist längst vorbei. Zu recht, denn man darf erwarten, dass ein System sich selbst aushält. Wenn man ein Auto kauft, dann ist es auch nicht so, dass erst die Komponente eines Drittherstellers das Fahren ermöglicht und die Fortbewergung, sicher, angenehm und zuverlässig macht…

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Abgesehen von den Problemen mit den langen deutschen Begriffen macht die Software ihren Job ganz ordentlich.

… wobei, doch eigentlich ist es so, dass man beim Auto zusätzlich zum Auto Dinge braucht, um autofahren zu können. Eine unverzichtbare Komponente, die von einem Dritten bereitgestellt werden muss, ist das Benzin. Und wenn man ein sauberes Auto haben möchte, braucht man einen Staubsauger, der auch nicht zur Grundausstattung gehört. Also, diese Analogie bringt uns nicht weiter. (Wie automobile Analogien einen übrigens selten weiterbringen.)

Wie auch immer: Die meisten Leute können tatsächlich auf Utilities und Hilfsprogramme verzichten. Der Grossteil der Programme, denen man im Netz begegnet, sind obsolet oder waren schon immer nutzlos. Oder sie sind dazu da, dem Nutzer das gute Gefühl zu verschaffen, alles für den Computer getan zu haben, was man als guter Nutzer tun kann.

Nun geht es mir darum, die Ausnahmen zu finden, die die Regel bestätigt: Jene Utilities, für die es auch heute noch gute Gründe gibt. „Programme auf Zack bringen. Oder entsorgen“ weiterlesen