Die App für gute und schlechte Erinnerungen

Die Timehop-App gräbt alte Social-Media-Sünden aus, zeigt Fotos aus glücklicheren Tagen (oder von Hochzeiten, die man schon verdrängt hat) und ist der beste Freund von allen Netznutzern mit einer nostalgischen Ader.

Fotos aus der Foto-App – und der Corona-freien Vergangenheit.

Unlängst ging es im Beitrag Zwischen Twitter-Nostalgie und Offline-Realität darum, wie man am einfachsten in die sozialmediale Vergangenheit eintaucht. Denn auch wenn die meisten von uns Twitter, Facebook und Instagram mit einem aktuellen Bezug verwenden, so taugen die Plattformen auch für den nostalgischen Blick zurück.

Ich mag das: Man lässt sich vor Augen führen, womit man sich vor einem, fünf oder zehn Jahren beschäftigt hat. Und es ist immer eine Überraschung, wie man das Vergangenheits-Ich erlebt: Als originell und erfrischend. Oder doch eher als das Gegenteil. Letzteres kann dem Ego zwar einen Dämpfer versetzen. Aber man kann sich trösten, dass man sich weiterentwickelt hat und über dieses Vergangenheits-Ich hinausgewachsen ist.

Bei Facebook funktioniert diese Zeitreise mit der Erinnerungs-Seite ganz simpel. Bei Twitter gibt es hingegen keine eingebaute Funktion dafür. Doch als Reaktion auf meinen Beitrag habe ich zwei Tipps bekommen, die ich hier für andere Social-Media-Nostalgiker gerne vorstelle: „Die App für gute und schlechte Erinnerungen“ weiterlesen

Die Hitparade wartet!

Obwohl ich kein Fan der modernen Methoden zur Gesangsmanipulation bin, habe ich Voloco getestet. Sie korrigiert falsche Töne und lässt uns alle singen wie die sprichwörtliche Nachtigall. Bleibt nur noch die Frage: Funktioniert das auch?

Es gibt in der Musik mehrere Methoden, um die menschliche Stimme zu verfremden. Zwei sollen hier erwähnt werden¹. Doch ich muss vorausschicken, dass ich beide, in unterschiedlichem Mass, unerfreulich finde.

Erstens der Vocoder: Für den hege ich eine moderate Abneigung.

Der Vocoder ist, wie ich von Wikipedia gelernt habe, eine militärische Erfindung. Die Absicht damals war, bei der verschlüsselten Übertragung von menschlicher Stimme Bandbreite zu reduzieren.

Heute ist der Vocoder ein Stilmittel für die Musik. Ein Signal besteht aus einem Carrier und einem Modulator. Der Carrier ist eine Schallquelle, die durch den Modulator gefiltert bzw. verändert wird. Dieser Modulator liefert Dynamik und Tonfärbung.

Als Carrier dient meistens die Stimme eines Sängers oder einer Sängerin, und der Modulator ist zum Beispiel ein Synthesizer. Auf diese Weise klingt die Stimme wie ein künstliches Instrument.

Zweitens Autotune. „Die Hitparade wartet!“ weiterlesen

Thunderbird jetzt mit eingebauter Verschlüsselung

Beim Mailprogramm von Mozilla gibt es nun endlich direkt eingebaut OpenPGP und S/Mime. Das ist eine gute Gelegenheit, auf Gmail herumzuhacken und sich zu überlegen, wie man das E-Mail neu erfinden könnte.

Letztes Jahr habe ich nach einer längeren Evaluation von diversen Mailprogrammen (Mailbird, Em Client, Mailspring und The Bat) entschieden, meine private Korrespondenz mit Thunderbird abzuwickeln. Ich bin sogar so weit gegangen, diesen Entschluss zu begründen. Woraufhin ich mir die Frage gefallen lassen musste, weswegen man im 21. Jahrhundert überhaupt noch ein lokales Mailprogramm würde verwenden wollen. Weil GMail doch bekanntlich das Nonplusultra sei – und überhaupt.

Aber wie auch schon dargelegt: Ich nutze Google nur dann, wenn es unvermeidlich ist und suche nach Alternativen, wo es Sinn ergibt. Bei Gmail fällt mir das besonders leicht. Erstens, weil ich Googles Webmail als umständlich und als nicht sehr funktional erachte. Und zweitens, weil diese Webanwendung in Firefox trotz aller Tricks so träge ist, dass man vermuten muss, Google wolle einem die Benutzung von Chrome schmackhaft machen.

Ausserdem finde ich es nach wie vor sinnvoll, das Mailarchiv auch lokal vorzuhalten. Darum bleibt es beim lokalen Programm und bei Thunderbird. „Thunderbird jetzt mit eingebauter Verschlüsselung“ weiterlesen

Wie man der Eiskönigin einen neuen Schnitt verpasst

Lossless Cut ist ein flinker und einfach zu bedienender Video-Editor, der Fernsehaufnahmen in Form bringt und auch den Videografen nützliche Dienste leistet.

Es kommt der Moment, an dem man als Eltern von der Realität eingeholt wird – und man erkennen muss, dass man nicht verschont bleibt. Das passiert dann, wenn unerwartet die Begeisterung für Barbies einsetzt. Oder wenn die Tochter anfängt, von Anna und Elsa zu schwärmen.

Als Anfänger im Bereich der Elternschaft fragt man sich dann, um wen es sich bei diesen beiden Frauen handelt. Mit etwas googeln erfährt man, dass das die beiden Heldinnen aus «Frozen» sind; dem Disney-Blockbuster von 2013, der hierzulande Die Eiskönigin – Völlig unverfroren heisst.

Da wir nicht der Meinung waren, dass unsere Tochter sich schon mit 2½ Kinofilme ansehen sollte, haben wir das Hörspiel auf Spotify angehört: Hier gibt es den ersten Teil mit Bonus, hier das Sequel.

Und immerhin war die Erkenntnis, dass das Hörspiel gar nicht so schlimm ist. Im Gegenteil: „Wie man der Eiskönigin einen neuen Schnitt verpasst“ weiterlesen

Eine Internettelefonie-Software nicht nur für Buddisten

Da heute jeder seinen eigenen Podcast hat, brauchen auch alle Leute eine Software, um Gespräche via Internet zu führen und sie in perfekter Qualität aufzuzeichnen. Und dafür habe ich heute einen Tipp, nämlich Zencastr.

Ich hatte das Vergnügen, neulich bei Martin Rechsteiner alias Pokipsie in einer Folge seines Podcasts Geektalk zu Gast zu sein. Die werde ich an dieser Stelle verlinken, sobald sie online ist – Die ist hier online. Und natürlich ist das eine echte Hörempfehlung, weil das Gespräch, so glaube ich, kurzweilig geworden ist und auch ein paar Einsichten bereithält. Jedenfalls ging es mir so.

In diesem Blogpost hier soll es aber um die Software gehen, die Martin unser Gespräch verwendet hat. Wir sassen nicht im gleichen Raum, was derzeit sowieso nicht opportun ist, sondern haben uns via Internet unterhalten. Dafür kam Zencastr zum Einsatz.

Die Software hat gewisse Gemeinsamkeiten mit StudioLink, jenem Produkt, das wir vom Nerdfunk für die Aufzeichnung unserer Folgen aus dem Homestudio einsetzen. Ich habe sie im Beitrag Mit Studio-Link klingt Radio besser vorgestellt.

Doch Zencastr weist einige Merkmale auf, die es von StudioLink abheben und die mich dazu bringen, auf das Thema zurückzukommen: „Eine Internettelefonie-Software nicht nur für Buddisten“ weiterlesen

Ein kurzer Tipp zu einem mässig lästigen iPhone-Problem

Manche Links öffnen iOS und iPad OS ungefragt in einer App statt im Browser. Warum das so ist – und was man dagegen tun kann.

Der heutige Tipp hängt mit einem Ding zusammen, das man meines Wissens universelle Links nennt. Apple hat sie mit iOS 9 eingeführt, und sie sind eine im Grunde geniale Angelegenheit. Sie verknüpfen das Web mit der passenden App.

Ein Beispiel: Hier an dieser Stelle gibt es einen Link auf meinen Twitter-Account @MrClicko. Wenn er am iPhone von einem Nutzer angetippt wird, der die Twitter-App installiert hat, wechselt iOS zur Twitter-App und öffnet dort den passenden Inhalt. Wenn die App auf dem Gerät nicht vorhanden ist, erscheint er hingegen in Safari (bzw. ab iOS 14 im Standardbrowser).

Sehr schön lässt sich das auch bei Wikipedia beobachten: Links zu einem Eintrag im Online-Lexikon werden in der Wikipedia-App geöffnet, falls die installiert ist. Falls nicht, erscheint die normale, mobile Website.

Das ist in den meisten Fällen sinnvoll. Doch eben nicht immer. Es kommt vor, dass man einen Inhalt lieber im Browser als in der App konsumieren möchte. „Ein kurzer Tipp zu einem mässig lästigen iPhone-Problem“ weiterlesen

Zwei heisse Tipps für fehlerfreie Texte

Language Tool ist eine hervorragende Rechtschreibprüfung, die es für Android und den Browser gibt. Im Browser macht sie gelegentlich Ärger – was sich aber vermeiden lässt.

Die Browsererweiterung Language Tool verwende ich seit bald einem Jahr in Firefox, und in dieser Zeit hat sie sich bestens bewährt. Es handelt sich um eine Rechtschreib- und Grammatikkorrektur, mit der zusätzlichen Möglichkeit, sich Synonyme anzeigen zu lassen – die Details erkläre ich  im Beitrag Ein Lektor direkt im Browser.

Also, wer wie ich regelmässig Texte im Browser schreibt, der wird Language Tool schnell schätzen lernen. Die Fehlererkennung ist um Welten besser als die der in Firefox eingebauten Rechtschreibkorrektur. Mein persönlicher Lektor, dessen Lohn in Form einer Flasche mit hochprozentigem Inhalt noch immer auf die Übergabe wartet, wurde jedoch nicht komplett überflüssig.

Ich komme auf Language Tool zurück, weil ich zwei Tipps ergänzen möchte. Erstens einen kurzen und unkomplizierten: „Zwei heisse Tipps für fehlerfreie Texte“ weiterlesen

App Tracking: Es ist noch viel, viel schlimmer

Mithilfe der Exodus-Datenbank erfährt man mehr über die Art und Weise, wie Apps uns tracken. Und die Erkenntnis ist: Google steckt einfach überall.

Das Tracking im Netz ist ein konstantes Übel: Es kann nicht angehen, dass jegliche Daten über uns Nutzer gesammelt werden, nur weil das möglich ist. Es braucht eine Abwägung zwischen dem Bedürfnis dieser Nutzer, nicht zum gläsernen Surfer zu werden und berechtigten Anspruch der Betreiber, zumindest grundlegende Kenntnisse der Nutzer-Interessen zu haben.

Um dieses Thema ging es gestern im Beitrag Zur Hölle mit dem User Journey Mapping. Heute gibt es einen Nachtrag in Form eines Hinweises auf eine Website, die uns Nutzern hilft, uns ein Bild darüber zu verschaffen, wie gross das Interesse einer App an uns Nutzern und unseren Verhaltensweisen ist.

Die Website heisst Exodus und ist nach eigenen Angaben eine privacy audit platform for Android applications, also eine Plattform, auf der Android-Apps dahingehend überprüft werden, wie sie mit der Privatsphäre der Nutzer verfahren. Und ja: „App Tracking: Es ist noch viel, viel schlimmer“ weiterlesen

Diese Website ist ein Gedicht

Darum ist das Web so toll: Es gibt Websites, die einen begeistern, selbst wenn man mit dem dort abgehandelten Thema nichts anfangen kann.

Ich sags gleich, wie es ist: Gedichte sind nicht mein Ding. Lyrik ist mir zu anstrengend. Und wenn meine Texte sich hinten reimen müssten, dann wäre ich heute Gärtner. Oder Buchhalter.

Nichtsdestotrotz geht es in diesem Beitrag heute um Gedichte. Und um die erstaunliche Gegebenheit, dass es interessante Websites zu langweiligen Themen gibt. Ja, ich habe eine Website gefunden, die mir überaus gut gefällt, obwohl es dort nichts anderes als Gedichte zu finden gibt.

Die Website heisst lyrikline.org. Es gibt sie schon seit ewig – nämlich genauso lange wie diese Website hier, die seit 1999 das Web bereichert. Sie wurde, wie man bei Wikipedia erfährt, vom Haus für Poesie Berlin ins Leben gerufen. Sie sei ein «kulturelles Brückenprojekt» – was bedeutet, dass sie Grenzen und Sprachbarrieren überwindet und für jedermann zugänglich ist.

Die Beschreibung leuchtet ein: „Diese Website ist ein Gedicht“ weiterlesen

Wenn der Taschenrechner mit der Tabellenkalkulation ein Baby zeugt

Tydlig ist eine originelle Taschenrechner-App, die Excel nicht komplett, aber auf dem Smartphone annähernd überflüssig macht.

Ich bin im Moment dabei, Beispiele für Apps zu sammeln, die eine alte Aufgabe auf eine erfrischend neue Art und Weise lösen. Mein erstes Beispiel ist die Notiz-App Notion. Falls ihr mir zu diesem Thema weitere Tipps habt, nehme ich die gerne via Kommentare entgegen.

Die Rechnungen bleiben «lebendig» und lassen sich nachträglich jederzeit ändern.

Das zweite Beispiel, um das es heute geht, ist die App Tydlig, die es für 2 Franken fürs iPhone gibt. Sie behauptet von sich, den «Taschenrechner neu gedacht» zu haben, bzw. «eine komplett neue Taschenrechner-Erfahrung» zu bieten. Und ja, das sind Marketing-Plattitüden. Wie oft wurde in den letzten Jahren irgend etwas reinvented oder reimagined? Antwort laut Google: Ersteres ist 16,7 Millionen, letzteres sogar 24 Millionen mal passiert.

Nun hat die App aber tatsächlich einige spannende und originelle Funktionen zu bieten:

Beschriftung. Werte lassen sich mit Labels versehen, die in kleinerer Schrift darüberstehen. So lassen sich Berechnungen leichter nachvollziehen als nur anhand der nackten Zahlen.

Aktualisierung. Anders als der klassische Taschenrechner, der nur das Endresultat anzeigt, sieht man die ganze Rechnung. Aber nicht nur das.  „Wenn der Taschenrechner mit der Tabellenkalkulation ein Baby zeugt“ weiterlesen