Wenn im Frühling die Daten spriessen

Neulich bin ich einem Tweet mit einer lustigen Animation begegnet. «25 years of phone sales, in 15 seconds» hiess die, und sie versprach nicht zuviel. Man sieht die Verkäufe von mobilen Telefonen über 25 Jahre hinweg als veränderliches Balkendiagramm. Während 15 Sekunden steigen Bälkchen von Nokia und Motorola in die Höhe, um abrupt wieder abzusacken und in der Rangliste nach hinten sortiert zu werden. Am Schluss dominieren, wenig überraschend, Samsung, Apple und Huawei.

Die Visualisierung ist natürlich Quatsch. Da pro Jahr weniger als eine Sekunde bleibt, hat man keine Gelegenheit, die Veränderungen im Detail zu studieren. Und weil die Achse mit den totalen Verkäufen immer auf hundert Prozent gezoomt wird, fehlt einem jegliche Chance, das Wachstum zu erfassen. Eine statische Darstellung mit Linien wäre fürs Verständnis viel hilfreicher.

Aber klar: Der Animationsschnickschnack ist spektakulär, und darum geht es. Und zwei Botschaften werden eindrücklich vermittelt: Der Markt ist ständig in Wandlung. Und: die Platzhirsche von heute sind die Absteiger von morgen. Wenn es nicht auf die Details ankommt, ist gegen diese Animation nichts zu sagen. „Wenn im Frühling die Daten spriessen“ weiterlesen

Mit diesen Tricks wird der Daumen grün

Das Smartphone hat die Fähigkeit, uns das Leben zu erleichtern. Das gilt speziell für jene Bereiche, wo wir uns betätigen, obwohl wir keine Ahnung haben. Ein Beispiel aus meinem Alltag: Es gibt hier im Haushalt ein paar Pflanzen, obwohl (und damit trete ich hoffentlich niemandem zu nahe) keiner von uns einen grünen Daumen und besonders viel Ahnung von der Aufzucht floraler Mitbewohner hat.

Aber zum Glück leben wir in technisierten Zeiten: Hilfsmittel gleichen derlei Mankos aus und machen uns zwar nicht zum Chefgärtner, retten aber immerhin ein paar Topfpflanzen das Leben.

Ich habe seinerzeit einen Sensor namens Parrot Flowerpower vorgestellt, der unser Olivenbäumchen vor unseren Behandlungsfehlern bewahrt hat. Mit entscheidendem Erfolg: Petros gedeiht  nach wie vor auf unserer Loggia, wohingegen er ohne den Sensor ziemlich sicher vertrocknet wäre, weil wir den Wasserbedarf seiner Gattung massiv unterschätzt haben.

Schade allerdings, dass der Sensor nur Bluetooth und kein WLAN hat. So werden Daten nicht regelmässig synchronisiert, sondern nur, wenn man daran denkt. Deswegen treten Lücken in der Überwachung auf.

Ich empfehle den Sensor nach wie vor, bin mir allerdings nicht sicher, ob er noch produziert wird oder nur noch in Restbeständen erhältlich ist. Eine Alternative ist jedenfalls der Xiaomi Flower Care: „Mit diesen Tricks wird der Daumen grün“ weiterlesen

Der Weinkeller als Netzdiagramm

Das hier ist der zweite Beitrag in der Rubrik Lesertipp. (Und ja, ich habe mir überlegt, ihn LeserInnentipp zu nennen.) In letzter Zeit gibt es vermehrt Hinweise von Leuten, die mir eigene Projekte vorstellen. Im ersten Teil war das die schöne App Sun Locator. Und auch wenn ich nicht versprechen kann, alle Vorschläge zu berücksichtigen, so werde ich sie doch wohlwollend prüfen. Bessere Chancen haben Leute, die nicht einfach ein Massenmail an jeden dahergelaufenen Hobbyblogger raushauen, sondern zum näheren oder entfernteren Leserkreis meines Blogs oder meiner journalistischen Arbeit gehören.

Heute geht es um visual.wine: René schreibt mir, was ihn zu diesem Projekt bewogen hat:

Um einen Paradigmenwechsel in der eher traditionellen Weinbranche einzuleiten, habe ich mit meinem Webdesigner die Plattform entwickelt, die Weine in ihrer Harmonie objektiver darstellt.

Man soll Weine, die einem schmecken, rascher und mit einer höheren Trefferquote finden. Damit muss man weniger lang suchen und stösst schneller den Wein der Wahl.

Nun bin ich, was Wein angeht, leider das Gegenteil von dem, was man einen Kenner nennt. „Der Weinkeller als Netzdiagramm“ weiterlesen

Ein Wimpernschlag für ein ganzes Buch

Ihr habt vielleicht schon von Blinkist gehört: Das ist ein Dienst für Leute wie dich und mich, die wir einfach nicht genügend Zeit für all die Dinge haben, die wir gerne tun möchten. Zum Beispiel fürs Lesen von Sachbüchern.

Das wäre eine gute Sache, denn man würde seinen Wissensstand aufbessern. Aber bei all den ungesehenen Netflix-Serien, den ungehörten Podcasts, den in der Warteliste aufgereihten Hörbüchern und den unter «später ansehen» abgespeicherten Youtube-Videos haben diese Sachbücher einen schweren Stand.

Blinkist (auch fürs iPhone und iPad und Android) will das Problem lösen, indem diese Bücher auf einen leicht verdaulichen Umfang eingedampft werden. Statt Stunden muss man eine Viertelstunde oder 20 Minuten mit einem Titel zubringen. In der Zeit werden einem die Kernbotschaften vermittelt. Das ganze Drumherum wird weggelassen.

Man fragt sich sofort zwei Dinge. Erstens: Funktioniert das? Und zweitens: Ist das nicht ein Sakrileg? Respektive ein Auswuchs unserer auf Effizienz getrimmten Gesellschaft, die uns einfach keinen Raum mehr für gar nichts lässt?

Ich bin hin- und hergerissen. „Ein Wimpernschlag für ein ganzes Buch“ weiterlesen

Glasnost bei Google

Ich habe mich neulich gefragt, wie viele Videos eigentlich bei Youtube verschwinden. Bei der Recherche zu dieser Frage bin ich auf den Google-Transparenzbericht gestossen. Transparenz und Google? wundert man sich. Das sind zwei Wörter, die man nicht im gleichen Satz erwarten würde. Denn wie Strassenumfragen zeigen, beklagen acht von zehn Schweizern die Intransparenz von grossen Tech-Unternehmen wie Google.

Da geht es dann allerdings um die Frage, was diese Tech-Unternehmen alles mit den eigenen Daten anstellen – und da ist es bekanntlich nach wie vor so, dass man als Nutzer (oft mit einem unguten Gefühl und manchmal sogar wider besseres Wissen) einen Vertrauensvorschuss leistet. Meine Lieblings-Anekdote dazu bezieht sich auf einen Besuch bei Google Schweiz, wo unter anderem an Technologien wie Google Maps und der fotografischen Dokumentation der ganzen Welt gearbeitet wird. Genau an diesem Ort wurde ich einmal uncharmant zurechtgewiesen, weil ich ungefragt ein Foto gemacht habe. Die werden wohl wissen, was man mit solchen Fotos alles anstellen kann.

Aber gut, ein bisschen Transparenz ist besser als gar keine. Und der Transparenzbericht ist durchaus aufschlussreich. Was Youtube angeht, erfährt man im Abschnitt YouTube-Community-Richtlinien und ihre Anwendung, dass von Oktober bis Dezember 2018 fast 2,4 Millionen Kanäle gelöscht worden sind. „Glasnost bei Google“ weiterlesen

Eine App für Orte, an denen man gerne ist

Aus unerfindlichen Gründen nutze ich noch immer die Swarm-App (für Android und iPhone/iPad). Die älteren unter euch erinnern sich vielleicht noch. Unter dem Namen Foursquare hat die seinerzeit für Furore gesorgt. 2010 war es, als diese Check-in-Apps aufkamen und damals für einigen Social-Media-Stress gesorgt hatten. Nebst Foursquare gab es auch Gowalla, das von Facebook 2011 übernommen und 2012 eingestellt wurde.

Die Idee war eigentlich einleuchtend: Man registriert seine Anwesenheit an einem Ort, sodass man von anderen dort gefunden werden kann. Wenn jemand dazustossen möchte, kann er das tun. Spontane Treffen, wie sie nur mit dem Internet möglich sind.

Ich weiss nicht, wie es euch geht – aber für mich hat diese Idee nicht funktioniert. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich dank einer dieser Apps jemals jemanden spontan getroffen hätte. Die Sache ist an mehreren Dingen gescheitert: „Eine App für Orte, an denen man gerne ist“ weiterlesen

Mit dieser Foto-App zeigt man Instagram den Meister

Heute geht es um Darkroom. Ich dachte erst, es handle sich um eine Tablet-Variante eines bekannten Open-Source-RAW-Konverters. Aber ich habe schnell gemerkt, dass ich den Namen verwechsle und jenes Programm Darktable heisst. Siehe: Auf die dunkle Seite wechseln? Das ist nun aber kein Grund, sie nicht zu besprechen. Auch wenn mich bei den Foto-Apps angesichts der schieren Zahl immer das Gefühl beschleicht, es gäbe noch mindestens zehn andere Produkte, die noch viel empfehlenswerter und besprechenswürdiger gewesen wären.

Darkroom ist eine App fürs iPhone und iPad. Sie ist kostenlos und bietet dafür einen soliden Basis-Funktionsumfang. Es gibt in App-Käufe fürs Freischalten der weitergehenden Werkzeuge. Für alle Tools zahlt man 10 Franken. Der Hersteller singt in der Beschreibung im App Store in den höchsten Tönen eine Lobeshymne auf sich selbst: „Mit dieser Foto-App zeigt man Instagram den Meister“ weiterlesen

Für Architektur- und Blutmondfotografen

Neulich hat mich Rainer gefragt, ob ich seine App Sun Locator besprechen würde. Solche Anfragen gibt es ab und zu. Ich nehme sie sehr gerne entgegen, gebe aber keinerlei Garantie ab. Ob und wann eine Besprechung erfolgt. Und wo: Es kann somit passieren, dass die App den Auftritt hier im Blog hat und nicht in der Zeitung, beim Newsnetz oder im Patentrezept-Video. Andererseits kam es schon öfters vor, dass ich Besprechungen aus dem Blog für die grosse Bühne aufgegriffen habe. Man könnte sagen, dass das Blog zur Ochsentour gehört.

Woher kommen die Sonnenstrahlen? Und wo gehen sie hin?

Also, zu Sun Locator. Sie dient dazu, einem die Position von Sonne und Mond im Verlauf des Tages anzuzeigen. Das hilft Filmern und Fotografen, die Tageszeit für eine Aufnahmesession auszusuchen, in der das Licht aus der gewünschten Richtung kommt. Wenn man Architekturfotografie betreibt, möchte man wahrscheinlich, dass die Fassade des abzulichtenden Gebäudes nicht im Schatten liegt. Aber auch frontales Licht ist nicht unbedingt ideal. Ein bisschen Schattenwurf hilft, die räumlichen Dimensionen zu erfassen.

Aber auch die Architektur nicht Gegenstand, sondern bloss Kulisse ist, will man wahrscheinlich eine bestimmte Stimmung erzielen. Ob Landschaft oder Portrait, die Sonne ist ein Einflussfaktor, den man genau bestimmen kann – viel einfacher als ein anderer Komparse, der mitunter überhaupt nicht mitspielt. „Für Architektur- und Blutmondfotografen“ weiterlesen

Die internationale Linie ist unterbrochen

Neulich konnte ich am Morgen im Zug nicht die tägliche Herausforderung bei der Microsoft Solitaire Collection in Angriff nehmen, weil die offline noch immer nicht funktioniert. Natürlich muss sich die Spiele-App die neuen Aufgaben aus dem Internet holen. Ich verstehe aber nicht, warum sie das nicht auf Vorrat tut, zum Beispiel schon um 0 Uhr in der Nacht. Oder meinetwegen drei Monate im Voraus.

Jedenfalls habe ich vermutet, dass das Login via Xbox live nicht funktioniert. Das funktioniert nämlich sehr oft nicht. In vielen Netzen ist der Dienst auch gesperrt, weil er offensichtlich die gleiche Wirkung hat wie Pornografie oder social media: Er lässt die Leute nämlich unnütz Zeit vertrödeln.

Doch dieses Mal war Xbox live unschuldig. Stattdessen hatte mein Mobilfunkbetreiber Salt einen Aussetzer. Und mir ist eingefallen, dass ich hier schon lange einmal allestörungen.ch vorstellen wollte.

Das ist ein praktischer Dienst, der für sehr viele Dienste aufzeigt, ob sie gerade funktionieren oder nicht.  „Die internationale Linie ist unterbrochen“ weiterlesen

Hier wirst du gefüttert!

Unvermittelt hat sich hier eine neue Blog-Saga zum Thema RSS ergeben. Der Beitrag Das Nonplusultra für RSS-Fans hat erfreulich viel Resonanz ausgelöst. Das ist Grund genug nachzuhaken.

Erstens bei Firefox. Mein Lieblingsbrowser musste kritisiert werden, weil Mozilla die RSS-Funktionen ausgebaut hat. Zweitens heute mit einer Empfehlung, die ich auf Facebook erhalten habe. Yves sagt, ich solle mir einmal Inoreader ansehen. Was ich umgehend gemacht habe.

Und schon nach einem ersten Augenschein denke ich, dass es mir so gehen könnte wie Yves – und ich Feedly untreu werde. Dort bin ich, seit Google den Google Reader beerdigt hat. Feedly ist und bleibt eine sehr gute Wahl – aber Inoreader scheint mir noch etwas runder, detailverliebter und flexibler bei der Nutzung und Konfiguration zu sein.

Vorausschicken muss ich, dass ich bei beiden Diensten die Gratisvariante nutze. Sowohl Feedly als auch Inoreader bieten kostenpflichtige Pläne an.  „Hier wirst du gefüttert!“ weiterlesen