Ein Junge steht lässig neben einem weissen Lieferwagen, bekleidet mit einem orangefarbenen Hemd und einer gemusterten Krawatte. Im Hintergrund sind weitere Autos und eine Person im Fahrzeug sichtbar.
Und gleich geht es voll Karacho auf die Datenautobahn (Annie Spratt, Unsplash-Lizenz).

Willkommen in den 1970ern: Firefox neuer, etwas hässlicher Retro-Look

Mozilla ver­passt Firefox 157 mit dem Nova-Design ab­gerun­dete Formen und ein psyche­de­lisches Farb­schema. Modern ist das nicht – sondern eher eine (viel­leicht un­ab­sicht­liche) Re­mi­niszenz an das Jahrzehnt von Pril­blumen und Polyester. Zum Glück gibt es eine Methode, den hal­lu­zi­no­genen Effekt zu ent­schärfen.

Wäre ich abergläubisch, würdet ihr an dieser Stelle eine Abhandlung darüber lesen, dass die Zahl 57 im Mozilla-Universum maximales Unglück bedeutet. Die Version 57 von Firefox zwang 2017 mich dazu, fast sämtliche meiner tollen Browser-Erweiterungen zu ersetzen. Und jetzt, fast zehn Jahre später, ist die Version 157 visuell gelinde gesagt eine Zumutung.

Das am 29. September lancierte Update bringt das Nova-Design. Es umfasst Rundungen an allen Ecken und Enden – und ja, es ist klar, dass die Metaphernpolizei mir für diese Formulierung eine Busse ausstellen wird. Standardmässig ist die Oberfläche mit einem Farbverlauf hinterlegt und die Seitenleiste wurde optisch modernisiert.

Screenshot der Firefox-Browser-Oberfläche. Der Bereich für Themes verwalten ist sichtbar, mit Optionen für helle und dunkle Themes sowie Symbolen für aktivierte und installierbare Designs.
Firefox 157 mit den Einstellungen zu den Themes, wo sich eine etwas weniger extravagante Optik aktivieren lässt.

Juhuu, der kompakte Modus ist zurück

Die sieht jetzt tatsächlich hübscher aus als vorher, ist funktionell jedoch weiterhin widersprüchlich. Ich begrüsse, dass es den kompakten Modus wieder gibt – er wird in den Einstellungen bei Erscheinungsbild → Dichte des Fensters aktiviert –, denn mir kann die Benutzerschnittstelle nicht dezent und unauffällig genug sein.

Abgesehen von diesen zwei erfreulichen Neuerungen hadere ich mit dem Design. Das sind die Gründe:

  1. Mozilla übertreibt es mit den Bögen, Krümmungen und Wölbungen. Die angehefteten Reiter erscheinen nun kreisrund, was nicht gut mit eckigen Website-Icons (Favicons) harmoniert.
  2. Der Verlauf im Hintergrund ist komplett überflüssig. Wirklich, wenn wir in den dreissig Jahren grafischer Benutzeroberfläche etwas gelernt haben, dann die Tatsache, dass die Programmoberfläche nicht mit den angezeigten Inhalten in Konkurrenz treten sollte.
  3. Ein echtes Problem bezüglich Benutzerfreundlichkeit ist der Umstand, dass die Reiter kaum mehr als solche erkennbar sind.

Historisch gesehen ist die optische Metapher die Registerkarte; also ein aus einem Papierstapel herausragendes Trennelement. Natürlich kann man argumentieren, dass die meisten Nutzerinnen und Nutzer die Funktion inzwischen so verinnerlicht haben, dass Skeuomorphismus nicht mehr nötig ist. Sprich: Man weiss Browser-Tabs auch zu benutzen, wenn sie optisch nicht an das Blatt einer Kartei erinnern. Allerdings sehen sie jetzt der Adressleiste so ähnlich, dass ich bei einem Browserfenster mit nur einem offenen Reiter mehrfach auf einen Reiter klickte, weil ich dort meine URL eintippen wollte.

Fazit: Leider hat Mozilla übers Ziel hinausgeschossen. Das «Nova-Design» forciert die optische Veränderung für meinen Geschmack zu sehr. Nach Windows Vista, Windows 8, dem Liquid Design in iOS 26 und Mac OS 26 und anderen abrupten Stilwechseln kann ich dem Manöver nicht mehr viel abgewinnen, sich durch einen neuen Look ins Gespräch zu bringen.

Warum riecht es plötzlich so streng nach Marihuana?

Mehr noch stört mich allerdings, dass dieses Design, das explizit modern sein will, auf mich wahnsinnig retro wirkt: Ohne das im Detail festmachen zu können, verbreitet dieser neue Firefox Vibes aus den 1970er-Jahren: Die braun-violett-pastelligen Farbverläufe und die Klecks-artigen Bedienelemente sind eine Art Widerhall der psychedelischen Poster und der ausladenden Mode von damals. Bei den angehefteten Websites befällt mich die Assoziation zum Videosphere, dem legendären Kugel-Fernseher von JVC Nivico. Man könnte sich an den Ball Chair und an das Atomic Age-Design erinnert fühlen.

Screenshot einer urbanen Landschaft mit modernen und historischen Gebäuden. Oben rechts steht die Uhrzeit: 15:09, Donnerstag, 1. Oktober. Es sind gängige Browserdaten sichtbar.
Mit dem Deepdark-Theme kann ich leben. Hier auch zu sehen: die Tabliss-Erweiterung für neue Tabs.

Das ist eine Form der Nostalgie, der ich nicht komplett abgeneigt bin, die ich aber nicht mit meinem Browser zelebrieren will – dazu ist sie zu zwiespältig.

Natürlich werde ich mich an Nova gewöhnen. Und vielleicht finde ich doch noch ein Theme in Mozillas Galerie, das Flashback abmildert. Ein heisser Kandidat ist Deepdark: Dieses Theme bringt den Verlauf und die halluzinogene Farbgebung zum Verschwinden und reduziert die Sehnsucht nach dem alten Look beträchtlich.

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