Eine nachdenkliche Person mit einem gepunkteten Haarband sieht nach oben. Sie hält eine Hand an ihr Gesicht und trägt ein graues T-Shirt. Der Hintergrund ist hell und neutral.
Sie überlegt auch schon die ganze Zeit, wie sie diesen tollen Trick hinbekommt (Tachina Lee, Unsplash-Lizenz).

Ein Online-Markdown-Editor, der einen auf Ideen bringt

Plate ist ein mo­der­ner, mit allen Was­sern ge­wa­schener Online-Mark­down-Editor. Und er hat eine wegweisende KI-Integration, die ich mir für den Browser wünsche – aber im Chrome-Web­store und im Fire­fox-Add-ons-Ver­zeich­nis ver­geb­lich suchte.

Ein Zufallsfund im Internet: platejs.org. Hier findet sich ein schicker, schlichter Markdown-Editor, der im Browser alle notwendigen Funktionen aufweist, die man für einen schnellen Text benötigt: Ideal, wenn man gerade kein lokales Programm wie Marktext oder Typora zur Hand hat.

Da stört es auch nicht, dass der Hauptzweck dieser Software nicht darin besteht, uns als Schreibhilfe zu dienen. Es handelt sich bei dieser Anwendung um ein Demonstrationsobjekt, das uns das Plate-Framework schmackhaft machen will. Mit dem baut man sich (ab 299 Euro) seinen eigenen Editor.

Auf alle Fälle ist es beeindruckend, was der Editor, bzw. das Framework von Haus aus alles kann:

  • Es importiert Markdown, Word und HTML und exportiert diese Formate, plus PDF und ein Faksimile (Bild).
  • Es unterstützt gemeinsames Arbeiten an einem Dokument (Collaborative Editing), Kommentare und Überarbeitungen. Es ist möglich, Mitarbeiter zu erwähnen.
  • Und wir können nebst Bildern auch Audio, Video und Gleichungen einfügen.

Der Grund, warum ich über Plate schreibe, ist die KI-Funktion. Sie wird durch die Tastenkombination Ctrl j oder durch Drücken der Leertaste an einem Zeilenanfang aufgerufen. Es erscheint ein Eingabefeld, das den Prompt entgegennimmt. Im Dropdown-Menü stehen einige Standardbefehle zur Verfügung (Comment, Generate MDX sample, Generate Markdown sample, Continue writing, Add a summary, Explain). Während ich diesen Text in diesem Editor verfasse, probiere ich es aus: «Füge eine Erklärung von MDX in einem Satz hinzu.»

Die KI macht das sogleich, doch es zeigt sich, dass die Betreiber mit ihrer Demo keine Kosten anhäufen wollen, indem sie ein kommerzielles Sprachmodell via API anbinden: Der eingefügte Text ist Pseudo-Latein.

Das wäre etwas für den Alltag!

Und ehrlich: Das ist wirkungsvoller, als wenn eine echte KI geantwortet hätte. Nachdem ich das ausprobiert hatte, verspürte ich den sehnlichen Wunsch, diese Funktion in meinem Browser zur Verfügung zu haben. Ich würde mir zwar auch weiterhin keine Texte ghostwriten lassen. Aber es gibt genügend andere Möglichkeiten: Übersetze diesen Text von Englisch auf Deutsch. Mach daraus eine Tabelle. Formatiere diese Links. Korrigiere meine Interpunktion. Gibt es einen Oberbegriff für dieses Wort? Was ist MDX in Stichworten (die ich selbst ausformuliere)?

Screenshot eines Online-Markdown-Editors mit verschiedenen Funktionen wie Textformatierung, KI-Integration und Optionen zur Zusammenarbeit. Der Text beschreibt die Vorteile und Anwendungsmöglichkeiten des Tools.
Im Plate-Editor ist es möglich, per KI direkt mit dem Inhalt des Textdokuments zu interagieren.

Denn da ich fast alle meine Texte im Browser verfasse, würde das meine Arbeitsweise womöglich nachhaltig verändern. Natürlich kann man die KI in der Seitenleiste nutzen oder solche Inhalte via Copy-Paste aus dem parallel geöffneten ChatGPT-Reiter holen. Aber die Informationen direkt dort abzuholen, wo man sie braucht, wäre eine Hilfe und eine Zeitersparnis.

1) Prompster

Ich suchte und stiess auf die Browser-Erweiterung Prompster für Firefox. Die tut ebenfalls etwas Nützliches, aber nicht das, was ich will: Sie hält vorgefertigte Prompts bereit, die sich über einen Tastendruck bei ChatGPT, Grok, Gemini und bei anderen Sprachmodellen einfügen lassen. Diese Prompts sind standardmässig alle in Englisch, aber wir dürfen sie natürlich ergänzen, anpassen und verändern.

Suchfeld mit einem Vorschlagsdropdown, das verschiedene Optionen wie «Debate Coach», «Dentist» und «Diagram Generator» anzeigt. Der Hintergrund ist dunkel, der Text hell.
Die Prompster-Erweiterung reicht vorgefertigte Prompts an ChatGPT, Grok, Gemini und Claude weiter. Hilfreich – aber nicht das, was mir vorschwebt.

2) Phraseexpress

Als Nächstes fiel mir ein, dass ein seit Jahren genutztes Programm eine KI-Funktion aufweist. Es handelt sich um meine Textbausteinverwaltung Phraseexpress. Sie stellt eine Textbearbeitungsfunktion per künstlicher Intelligenz bereit. Damit das funktioniert, muss man in den Einstellungen unter Optionen → OpenAI-Textbearbeitung einen API-Schlüssel hinterlegen. Möglich, dass mich dieser Punkt bei einem früheren Versuch abschreckte. Inzwischen benutze ich die API-Schnittstelle routinemässig. Dieser Weg wäre praktisch, scheiterte aber wohl am zu hohen Alter meiner Softwareversion. Die neue Version ist mir mit 90 Franken allein für einen Test leiter zu teuer.

3) Firefox-Erweiterung Clico

Ein Textfeld auf einem Bildschirm zeigt die Aufforderung «Übersetze mir das auf Französisch» an. Der Hintergrund ist dunkel, und es gibt ein kleines Symbol für eine Übersetzungsfunktion.
Das Add-on Clico stellt im Browser KI-Features zur Verfügung.

Bei einem dritten Versuch gelange ich zur Erweiterung Clico, die es für Firefox und Chrome gibt. Über ein Tastaturkürzel zeigt sie ein Eingabefenster an, in dem wir unseren Prompt eingeben, der mit dem markierten Text ausgeführt wird. Das ist nahe dran, aber leider nicht so elegant wie bei Plate. Vier Dinge stören mich:

  • Es braucht eine Anmeldung bei tryclico.com.
  • Das Interface mit einem klotzigen Overlay ist viel zu penetrant.
  • Das Ergebnis wird in die Zwischenablage gestellt und muss von Hand eingefügt werden. Das ist ein Arbeitsschritt zu viel. Warum nicht die markierte Stelle sofort ersetzen oder die KI-Antwort an der Cursorstelle einfügen? Und zwar am liebsten so, dass ich weiterschreiben kann, während die Antwort noch erzeugt wird.
  • Clico verwendet keine Schnittstelle, sondern erfordert ein Abo für 20 oder 50 US-Dollar. Aber natürlich will ich mein Abo für ChatGPT oder Claude bzw. meinen eigenen API-Schlüssel verwenden.

4) AI Blaze für Chrome

Eine letzte Möglichkeit wäre AI Blaze (für Chrome), doch auch hier wäre wiederum eine Abogebühr ab drei Dollar pro Monat zu entrichten.

Fazit: Viermal daneben ist auch vorbei

Fazit: Leider endet dieser Blogpost nicht mit einer knackigen Empfehlung zu einem Wunderhelfer für den Browser, sondern mit der Erkenntnis, dass es bei der Integration der KI in unsere Arbeitsgewohnheiten noch Luft nach oben gibt. Aber der Plate-Editor bleibt ein heisser Tipp. Und wer weiss? Vielleicht versteht jemand aus der Leserschaft den Wink mit dem Zaunpfahl und entwickelt diese Erweiterung. Ich wette, die würden auch andere Leute sehr gern benutzen!

2 Kommentare zu «Ein Online-Markdown-Editor, der einen auf Ideen bringt»

  1. Zaunpfahl? Gerne! 🙂

    Der Zufall will es, dass ich kürzlich von Codex testweise eine Firefox-Erweiterung entwickeln lassen habe. Diese soll die unsäglichen Clickbait-Titel in Schweizer Medien, denen man auch als Abonnent ausgesetzt ist, durch sinnvolle Titel ersetzen. Dazu soll der Artikel gelesen und daraus ein Titel generiert werden.

    Firefox kann LLMs lokal ausführen (davon habe ich, wenn ich mich richtig erinnere, in diesem Blog erfahren). Die Models sind nicht per JavaScript von Websites, aber von Erweiterungen aus ansteuerbar. Das ist sehr elegant, denn so hat man keine Datenschutzprobleme und keine API-Kosten.

    Meine Erweiterung funktioniert noch nicht. Nicht, weil das Model nicht angesteuert werden kann, sondern weil ich es noch nicht dazu gebracht habe, sich ausreichend kurz zu fassen.

    Will heissen: Nach zwei Stunden mit Codex hast Du Deine Erweiterung. 🙂

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