Eine Person mit schulterlangen Haaren steht mit dem Rücken zur Kamera, trägt eine schwarze Jacke mit der Aufschrift «No Future». Im Hintergrund ist ein grünes Feld und bewölkter Himmel zu sehen.
Vielleicht wäre eine solche «No Future»-Jacke der Renner in einem Merch-Shop? Und ja, diese Idee ist mir erst jetzt, beim Schreiben der Bildlegende gekommen (Ilya Komov, Pexels-Lizenz).

Es steht schlecht um Plan A, und Plan B ist auch fast schon gestorben

Hat sich Online-Wer­bung über­lebt? Und was könnte die Al­ter­na­tive sein, um die ero­die­ren­den Ein­nahmen zu er­setzen? Das wollte ich in einer Um­frage von meinen Leserinnen und Lesern wissen. Das Re­sultat eröffnet wenig rosige Aus­sich­ten für die Blogo­sphäre und fürs freie Web.

Wie viel Zukunft hat Online-Werbung noch? Diese Frage stellt sich fürs ganze Internet, aber auch für mein Blog hier. Was letzteres angeht, stellte ich zwei Dinge fest: Die Werbung bringt mir je länger, desto weniger Geld ein. Gleichzeitig wird sie immer aufdringlicher. Sie beeinträchtigt die Lesbarkeit, und ich hörte von Leuten, die sich so genervt fühlten, dass sie überhaupt nicht mehr vorbeischauen.

Ist es das wert? Oder wäre es an der Zeit, auf die Werbung zu verzichten? Um das herauszufinden, hielt ich vor einem Monat eine Umfrage ab.

Als zweite Fragestellung wollte ich alternative Einnahmequellen ausloten. Das Blog soll mich nicht reich machen, denn wie aussichtslos dieses Unterfangen wäre, ist nicht erst seit gestern bekannt. Aber ich schätze das Taschengeld, mit dem sich die Unterhaltskosten bestreiten lassen, und ein paar Batzen in der Spesenkasse, die ich in testwürdige Apps, spannende Online-Dienste oder auch mal in ein Gadget investieren kann, um darüber zu schreiben.

Die Resultate dieser Umfrage sind bemerkenswert. Und ich mache keinen Hehl daraus, dass sie deutlich anders ausgefallen sind, als ich es erwartet habe.

Ein Kreisdiagramm zeigt eine Aufteilung in zwei Segmente: Rot (41%) und Blau (59%), die verschiedene Daten repräsentieren. Beschriftungen verdeutlichen die Werte.
Diese Umfrage zeigt, dass die Werbung weniger verpönt ist als vermutet: Deutlich weniger als die Hälfte (41 Prozent) wünscht sich ein werbefreies Blog, 59 Prozent stören sich nicht an Adsense.
Kreisdiagramm, das die Verteilung von Preisen für E-Books zeigt. Der grüne Bereich repräsentiert verschiedene Preisstufen bis maximal 15 Franken, wobei der grösste Anteil bei 79.5% für E-Books liegt.
Die E-Book-Idee wird von 80 Prozent der Leserinnen abgelehnt. Vom knappen Fünftel, das sich mit der Idee anfreunden kann, würde die Hälfte fünf Franken pro Buch zahlen.

1) Die Werbung stört weniger als gedacht

Die erste und grösste Überraschung: Die Werbung stört weniger, als ich vermutete.

Das liegt daran, dass viele Besucherinnen und Besucher mit Werbeblockern vorbeischauen. Das zeigte bereits eine frühere Umfrage, und ich nehme an, dass der Anteil während der letzten zwölf Monate noch grösser wurde. Auch das dürfte zum eingangs erwähnten Trend beitragen. Ausserdem strapaziert die Werbung nicht nur auf Clickomania die Nerven, sondern im ganzen Internet.

2) Meine E-Book-Idee löst keine Begeisterungsstürme aus

Die zweite Erkenntnis betrifft meinen Plan B. Ich überlegte mir, als neues Finanzstandbein einige der Beiträge hier zu E-Books zu bündeln. Denn über die Jahre wuchs das Blog zu einer Fundgrube an Tipps, Tricks, KI-Rundumschlägen und praktischen Hilfestellungen für viele Lebensbereiche heran. Auch abseits der Service-Themen kam einiges zusammen; namentlich mit den Recherchen zu den Schweizer Tech-Premieren. Mehrere einzelne Rubriken enthalten jeweils genug Material für ein Fachbuch, das (meiner bescheidenen Meinung nach) locker mit dem Angebot bei den einschlägigen Online-Händlern mithalten kann. Also ein attraktives Angebot: Als Käufer einer solchen Kompilation erhält man ein nützliches Nachschlagewerk und unterstützt mit dem Kauf das Blog.

Erstaunlicherweise (oder auch nicht) ist die Begeisterung in der Leserschaft nicht ganz so gross wie bei mir. Ein Grund liegt auf der Hand: Wieso sollte man für Inhalte bezahlen, die es hier bereits gratis gibt? Andreas Von Gunten ist ein Verfechter der Idee, dass Inhalte kostenlos sind, Leute indes für die Aufbereitung bezahlen. Es wäre toll, wenn dem so wäre. Doch das (bei weitem nicht repräsentative) Resultat meiner Umfrage spricht dagegen.

Auch Roland, der die Umfrage kommentierte, sieht wenig Erfolgschancen:

Seit 2022 und der Einführung von KI sind die Buchverkäufe, besonders von Sachbüchern, massiv eingebrochen. Dies bestätigt dir auch der Blogartikel von Tim Ferries, der Millionen von Büchern verkauft hat. Mit Büchern (speziell Non-Fiction) etwas Geld zu verdienen, ist in Zukunft schwierig.

Ein Nebenschauplatz zu möglichen Fehlentscheidungen der Vergangenheit

Kreisdiagramm, das vier Segmente zeigt: «Nichts davon» (46.2%) in Schwarz, «Spende» (35.9%) in Hellgrün, «Patreon» (17.9%) in Grün und einen kleinen weissen Bereich.
Das Resultat zur Frage nach weiteren Unterstützungsmöglichkeiten: 36 Prozent würden spenden, knapp 18 Prozent nannten Steady und Patreon und 46 Prozent lehnen alle Optionen ab.

An dieser Stelle liessen sich diverse Fässer aufmachen: War mein Konzept von Anfang an undurchdacht, Inhalte gratis anzubieten? Hätte ich stattdessen besser auf einen kostenpflichtig abonnierbaren Newsletter umstellen sollen? Ist die Gratiskultur schuld und kommen wir nicht umhin, Flattr nachzuweinen? Ihr erinnert euch, das war jene Lösung, bei der man nicht vorab für Inhalte bezahlt, sondern hinterher ein monetäres Dankeschön entrichtet, wenn man zufrieden war.

Doch es bringt nichts, vergossener Milch nachzuweinen. Wir müssen unsentimental feststellen, dass die alternativen und idealistischen Monetarisierungs-Ideen allesamt gescheitert sind und es 2026 nicht nach einem Revival aussieht. Abos werden für Streamingdienste, Apps und Software-as-a-Service auf breiter Basis akzeptiert. Nur bei den grossen und kleinen Medien scheint der Gratisanspruch unverrückbar zu sein. Und für Anbieter in der Nische, deren Output kein Abo und keine Steady- oder Patreon-Unterstützung rechtfertigt, bleiben nicht einmal Krümel.

Fazit: Mal sehen!

Nun, so weit waren wir schon vor fünf Jahren. Das Hauptproblem scheint darin zu bestehen, dass es mir schwerfällt, diese unerfreulichen, aber nicht wegzudiskutierenden Gegebenheiten zu akzeptieren. Trotz erodierender Einnahmen  bleibt euch und mir die Werbung vorerst erhalten. Doch wie versprochen habe ich sie dezenter konfiguriert. Ich hoffe, dass Leute ohne Werbeblocker weniger genervt werden und die Leserinnen und Leser zurückkehren, die sich davon haben abschrecken lassen.

Ein peinliches Geständnis dazu: Ich habe seit Längerem nur mit dem Smartphone mein Adsense-Backend aufgesucht. Dort fehlen aber wesentliche Einstellungsmöglichkeiten. Deshalb waren die Einstellungen zur «automatischen Optimierung» zu aggressiv eingestellt. Ich habe das angepasst und hoffe, dass es den gewünschten Effekt hat, ohne dass die Einnahmen völlig einbrechen.

Das E-Book-Projekt ist nicht beerdigt. Den Unkenrufen und des wenig ermutigenden Umfrageresultats zum Trotz gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass hier ein Potenzial brachliegt. Der Clou wird sein, den Aufwand gering zu halten, sodass sich der Aufwand selbst bei überschaubarem Ertrag rechnen wird. Last but not least resultierten aus der Umfrage ein paar Inputs, die ich in den kommenden Tagen aufgreifen werde: Dafür herzlichen Dank. Und ein besonderes Merci für die Spenden, die ebenfalls eingedrudelt sind!

Abgesehen davon hoffe ich, dass sich der Abwärtstrend nicht im gleichen Tempo fortsetzen wird. Ich würde es verkraften. Doch fürs freie Netz würde es bedeuten, dass die Luft für Nischenangebote noch viel dünner wird, als sie ohnehin schon ist.

Ein Kommentar zu «Es steht schlecht um Plan A, und Plan B ist auch fast schon gestorben»:

  1. Sehr spannende Gedanken, lieber Matthias.

    Im Nachhinein lässt sich leicht klugscheissen. Ich denke, die grossen Medienhäuser haben massiv unterschätzt, was es bedeutet, alles gratis zur Verfügung zu stellen. Hätte man die Kunden von Anfang an daran gewöhnt, dass nicht nur ein paar Nerds Inhalte generieren, sondern dass diese Menschen ihre Familien ernähren müssen, hätten wir heute nicht diesen Zustand.

    Ich bin der Meinung, auch wenn das unpopulär ist, dass Arbeit anständig bezahlt werden soll. Kostenlos sollte es nur so weit geben, wie es sich finanzieren lässt. Alles andere macht für mich keinen Sinn.

    Ich merke das an meinem eigenen Kundenverhalten: Seit die Medieninhalte nicht mehr kostenlos sind, habe ich EIN Abo. Bei anderen Medien lese ich nur die Headlines. Aber wenigstens wird ein Medienhaus für seine Arbeit bezahlt.

    So sehe ich das auch bei Journalisten wie dich und andere, deren Inhalte ich schätze. Dafür wäre ich bereit, ein kleines Abo abzuschliessen.

    Und Umfragen finde ich immer sehr, sehr schwierig. Natürlich werden alle sagen, ja, ich möchte dafür nicht bezahlen. Ich würde das einfach versuchen und schauen dann, was passiert.

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