In einem hellen Konferenzraum präsentiert eine fröhliche Frau in einem bunten Pullover, während die Zuhörer applaudieren. Im Hintergrund ist eine Grafik zur Performance auf dem Bildschirm zu sehen.
So kann man es natürlich auch machen: Bei diesem Pullover ist die Gestaltung der Powerpoint-Folien völlig egal (Windows, Unsplash-Lizenz).

Claude als Folien-Assistent? Wie sich mittels KI Präsentationen bauen lassen

Aus einem Ablauf­plan erstellt Anthro­pics Sprach­modell die brauch­ba­re Roh­fas­sung einer Power­point- oder Google-Slides-Prä­sen­ta­tion, die sich mit über­schau­barem Nach­bear­bei­tungs-Auf­wand per­fek­tio­nieren lässt. Eine An­leitung und Tipps, welche Vor­ar­beiten die meiste Zeit sparen.

Meine Abneigung gegen Powerpoint trage ich gern zur Schau. Vielleicht haltet ihr das für übertrieben. Doch selbst wenn das der Fall sein sollte, ist es möglich und sogar wahrscheinlich, dass das Foliengebastel nicht zu euren Lieblingsbeschäftigungen zählt. Denn diese Tätigkeit verschlingt immer gefühlt zehnmal so viel Zeit, wie vernünftig wäre. Erstens, weil die Programme nicht auf effiziente Arbeit ausgelegt sind. Zweitens, weil der Perfektionismus sich Bahn bricht und man sich in die Verschönerung sinnloser Details versteigt.

Lässt sich dieser Prozess beschleunigen und die Mühsal verringern? Bei meinem Anlauf neulich stiess ich auf eine halb befriedigende Lösung: Mit dieser Methode entsteht aus einem Ablaufplan in Textform ein Rohentwurf, in dem die wesentlichen Elemente erhalten sind. Die Gestaltung erfordert trotzdem Handarbeit und führt nicht selten zum beschriebenen toxischen Folienoptimierungswahn.

Es ist offensichtlich, dass dieser erste Ansatz zu kurz gedacht war. Und es geht anders: Die Idee kam mir, als ich im April herausfand, wie sich Präsentationen mit minimalem Aufwand übersetzen lassen. Ich stellte fest, dass Claude Präsentationen anhand eines offenen Formats direkt bearbeiten kann. Da liegt es auf der Hand, dass Anthropics Modell sie auch von Grund auf erstellt.

Diagramm mit drei Symbolen und Erklärungen zu typischen Schwächen in der Kommunikation, die KI adressiert. Themen: erster Eindruck, veraltete Begriffe und alternative Einstiegssätze.
Eine Beispiel-Folie: Gestalterischer Durchschnitt, der sich mit kleinen Eingriffen (z. B. anderen Symbolen) leicht verbessern lässt.

Das Ausgangsmaterial: ein Ablaufplan, plus eine gestalterische Vorlage

Um die Möglichkeiten auszuloten, legte ich in Textform einen sauberen Ablaufplan für eine Präsentation an. Dieser enthielt Vorgaben, was zu vermitteln wäre. Doch er enthielt keine Vorgaben, was auf den einzelnen Folien zu sehen sein sollte: Diese Arbeit würde die KI im Idealfall selbst erledigen.

Im Prompt beschränkte ich mich darauf, formale Vorgaben zu machen¹: kurze, prägnante Folien, wenig Text, aufs Wesentliche reduziert, schlicht formuliert und visueller Schnickschnack nur, falls sinnvoll. Selbstverständlich kann man eine andere Richtung einschlagen und eine üppigere Gestaltung, visuellen Pomp und so viele grafische Elemente verlangen, wie auf eine Folie passen. Jeder, wie er will.

Die eigentliche Herausforderung besteht darin, Claude zu vermitteln, welches Erscheinungsbild gewünscht ist. Im geschäftlichen Umfeld sollen die Folien nicht frei gestaltet werden, sondern das Erscheinungsbild des Unternehmens (das Corporate Design) einhalten. Um der KI auf die Sprünge zu helfen, hängte ich die Präsentationsvorlage meines Arbeitgebers an. Das ist ein umfangreiches Dokument mit geschlagenen 102 Vorlagefolien.

Claude muss sich ziemlich abrackern

Dann ging es los. Und es ist bemerkenswert, Claude bei einer solchen Tätigkeit zuzusehen: Wie bei den Reasoning-Modellen üblich, kommentierte das Sprachmodell jeden Arbeitsschritt. Es ging so systematisch an die Arbeit heran, wie ich es getan hätte, wenn ich mein eigener Folienknecht und Präsentations-Handlanger gewesen wäre. Das LLM nahm zuerst die Vorlage auseinander und erkannte, dass es Standardfolien für unterschiedliche Zwecke gibt: Titelfolie, Einstieg, Agenda, Übersicht, Aufzählungen, Zitatfolien, hervorgehobene Kernpunkte und so weiter. Es identifizierte das Farbschema und erstellte einen Plan, welche Inhalte auf die einzelnen Folien verteilt und was für eine Vorlage dazu verwendet werden soll.

Bildbeschreibung: Eine Übersicht der Folienstruktur einer Präsentation mit Farbdetails und Themen der einzelnen Folien, aufgelistet in nummerierter Form. Farbcodes sind erwähnt.
Bei der Analyse der Präsentationsvorlage identifiziert Claude die «Brand colors».

Diese Arbeit dauerte ungefähr sieben Minuten. Zwischendurch lief Claude in ein «Nutzungslimit für ein Tool», was keinen sichtbaren Schaden anrichtete. Das Resultat war eine Powerpoint-Präsentation, die sich öffnen, bearbeiten und in Google Slides importieren lässt.

Ohne manuelle Nachbesserungen geht es nicht

Ist das der Moment, an dem wir aufatmen, weil wir ab sofort nie wieder selbst in die verschachtelten Menüs der Präsentationsprogramme abtauchen müssen?

Vermutlich nicht. Ob man die KI-generierte Präsentation eins zu eins verwenden möchte, hängt von den eigenen Ansprüchen und dem viel zitierten Perfektionismus ab. Was mich angeht: Ich bin leider zu wenig willensstark, um über die Schwächen hinwegzusehen und nicht selbst Verbesserungen anzubringen. Zumal die fragliche Präsentation tatsächlich zum Einsatz kommt und nicht bloss dem Versuchszweck diente.

Screenshot eines digitalen Interfaces mit einer Meldung über ein Überlappungsproblem und einem Hinweis auf einen erreichten Nutzungslimit. Im Vordergrund ein Symbol für Ladeprozesse.
Bei der Beseitigung von Darstellungsproblemen gerät Claude an seine Grenzen.

Das sind die hauptsächlichen Probleme der KI-generierten Präsentationen:

  • Claude ist dem PPTX-Format nicht völlig gewachsen.
    Beim Öffnen der exportierten Präsentation in Microsofts Format beklagt sich Powerpoint, es gebe strukturelle Probleme. Der automatischen Reparatur gelingt es, diesen Mangel zu beheben.
  • Claude nimmt den Wunsch nach schlichten Folien zu wörtlich.
    Auf manchen Slides steht nur ein einzelnes Stichwort zum aktuellen Themenfeld. Das ist selbst mir zu minimalistisch.
  • Mit der Auswahl der Vorlagen bin ich nicht überall einverstanden.
    Claude wählte teils Varianten, die nicht adäquat erscheinen.
  • Die Adaption der Vorlagen wirkt teils ungelenk und etwas amateurhaft.
  • Und da ich das Endprodukt in Google Slides benötige, Claude aber via Powerpoint-Format (PPTX) operiert, gibt es gewisse Reibungsverluste durch die Konvertierung.

Auf einen kurzen Nenner gebracht, hängt es davon ab, wie konkret und unverrückbar die eigene Vorstellung davon ist, wie die Präsentation auszusehen hat. Für maximale Kontrolle ist die eingangs erwähnte, KI-freie Methode effizienter.

Trotzdem bedeutet diese Methode eine Arbeitserleichterung. Vor allem die aufwändigeren Folien, in denen die KI die Schlüssel-Informationen festhält und visuell darstellt, sind ein Gewinn. Sie sind abwechslungsreicher, als wenn ich sie selbst gebastelt hätte.

Abschliessend zeigt sich, dass diese Arbeit auch für ein Sprachmodell wie Claude nicht trivial ist. So lange wie die Arbeit dauerte, stellt sich die Frage nach dem ökologischen Gewissen. Ist der Energieeinsatz sinnvoll? Ökonomisch betrachtet besteht kein Zweifel daran, dass die eigene Arbeitszeit teurer ist. Trotzdem lässt sich dieser Aspekt nicht ausklammern, wenn es um die KI als Effizienzbolzer geht.

Tipp: Etwas Vorarbeit beschleunigt die Sache

Dazu aber folgende Erkenntnis: Etwas Vorarbeit beschleunigt den Vorgang und verringert den Ressourcenverbrauch. Ich empfehle konkret folgende Dinge:

  • Ein maximal klarer Auftrag hilft. Es lohnt sich, die Einteilung nach Folien selbst vorzunehmen.
  • Pro Folie beschreiben wir den Inhalt oder geben sogar den Text vor. Das verhindert oder reduziert nachträgliche Umbauarbeiten an der Präsentation.
  • Es lohnt sich, pro Folie anzugeben, welche Vorlage Claude dafür verwenden soll. Dann muss Claude nicht selbst suchen und wir müssen Fehlgriffe nicht korrigieren.
  • Und noch besser: die Vorlage auf die eigenen Bedürfnisse zuzuschneiden. Statt das Template in voller Grösse hochzuladen, fertigen wir eine Kopie an und löschen alle Beispielseiten und Varianten raus, die wir nicht benutzen wollen.
  • Das können wir einmalig für alle unsere Vorlagen tun. Für eher kurze Präsis lohnt es sich, die Vorlage nochmals für den spezifischen Auftrag zu adaptieren.

Also: Ein Erfolgserlebnis. Ich bin gespannt auf die längerfristigen Erfahrungen. Im Idealfall bringt diese Methode nicht nur eine Zeitersparnis, sondern auch einen gesunden Pragmatismus: Statt ein Meisterwerk anzupeilen, gelingt es uns vielleicht, die KI-Rohfassung mit wenigen gezielten Eingriffen so zu verbessern, dass sie individuell genug und trotzdem abwechslungsreich und ansehnlich wirkt.

Fussnoten

1) Das war der Prompt:

Kannst du mir für das Training eine Präsentation zusammenstellen? Verwende dazu bitte die angehängte Vorlage für Farben, Schriften und Standard-Layouts. Konzentriere dich auf die wesentlichen Punkte, d. h. auf Folien mit relativ wenig Text. Halte sie schlicht und prägnant. Verzichte auf Schnickschnack, aber verwende visuelle Hilfsmittel, die die Botschaft wirkungsvoll unterstützen.

2 Kommentare zu «Claude als Folien-Assistent? Wie sich mittels KI Präsentationen bauen lassen»

  1. 100 Folien sind deutlich zu viel, das überfordert Claude. Als Vorlage sollten wenige Folien dienen, auf denen Claude dann aufbauen kann. Am Besten du hast wirklich nur zwei oder drei die konkret Vorlage sind und mit Beispieltext gefüllt. Damit erziele ich die besten Ergebnisse. Probleme wie das von dir beschriebene gibt es ab und an, wenn die Vorlagen zu komplexe Strukturen haben, oder bspw. komplexe Animationen. Dann baut Claude die nicht korrekt wieder zusammen nach dem Arbeiten.

    Ansonsten lasse ich mir mittlerweile recht häufig ein Grundgerüst mit Claude bauen. Ich nutze Claude Cowork auf dem Rechner, damit ist deutlich mehr möglich und erzielt deutlich bessere Ergebnisse, weil Claude das lokal bearbeiten kann.

    Auch hilft es, wenn du Strukturen vorgibst, Gedanken und Anweisungen ausführlicher formulierst. Das hilft Claude. Zudem: Beende deinen Prompt immer mit der Aufforderung, dass Claude dir Fragen stellen soll, wenn etwas unklar ist – oftmals hilft das, zu präzisieren, weil Claude in der Tat oftmals Rückfragen stellt, die recht „schlau“ sind in der Form, dass man sich ggf unklar ausgedrückt hat oder Dinge vergessen.

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