Was taugt das neue, günstige iPad? Die Quintessenz vorneweg: Die Aufgaben eines «Familien-Tablets» erfüllt es ausgezeichnet. Um Videos anzuzeigen, Musik abzuspielen, Lern-Apps sowie digitale Aufgabenblätter anzuzeigen und die üblichen Casual Games auszuführen, braucht es keinen Hochleistungs-Chip und keine Apple Intelligence. Es fällt positiv ins Gewicht, dass Apples Tablets seit jeher robust und langlebig gebaut und auch von Kindern einfach zu bedienen sind.
Kurz: Für die «normalen» Einsatzfälle braucht es nicht das iPad Air und schon gar nicht das iPad Pro – das iPad Mini wäre eventuell eine Option, aber für die besagten Aufgabenblätter ist grösser dennoch besser. Darum kommen wir mit dem iPad A16 (auch 11. Generation oder iPad 2025 genannt) bestens über die Runden. Es kostet bei Amazon um die 300 Euro, in der Schweiz ist es für 300 Franken bei den Elektronikhändlern zu haben. Das gilt für die hier getestete Variante in Silber mit 128 GB und ohne Mobilfunk (Modell MD3Y4TY/A).
Geht es nicht etwas grüner?
Mein grösster Wermutstropfen besteht darin, dass dieses iPad das brandrote Energielabel G hat. Apple sollte den Ehrgeiz haben, das zumindest ins Mittelfeld herunterzubringen. Allerdings ist es tatsächlich so, dass Geräte mit relativ grossen Displays es schwer haben, in den gelben oder grünen Bereich zu kommen.
Zur Vorgeschichte dieses Testberichts: Der Vorläufer des neuen Tablets war das iPad der 6. Generation von 2018. Das hatte bereits vor zwei Jahren seinen Zenit überschritten. Die Speicherausstattung war mit 32 GB nicht mehr zeitgemäss. Der direkte Nachfolger damals besass doppelt so viel, nämlich 64 GB. Das war mir zu wenig, zumal dieses iPad wiederum mindestens fünf Jahre halten sollte. Die Speicherstufe von 128 GB, in der unser neues Tablet angesiedelt ist, gab es damals nicht. Doch das 256-GB-Modell war schlicht viel zu teuer.

Apples Einsehen wurde mit diesem Neukauf belohnt. Im direkten Vergleich zum Vor-Vor-(…)-Vorgänger gefällt mir das deutlich grössere Display bei gleicher Baugrösse. Die grösste Umgewöhnung ist bei der Entsperrung nötig. Das alte Gerät hat einen klassischen Homeknopf mit Touch-ID. Beim neuen iPad steckt der Sensor in der Weck- und Sperrtaste an der oberen schmalen Kante.
Wo ist dieser vermaledeite TouchID-Sensor?
Mir gelingt es nicht, diese Taste intuitiv und ohne Nachdenken zu treffen, zumal man das Tablet jetzt in allen vier Ausrichtungen verwenden kann (zweimal Hochformat, zweimal Querformat). Das kann auch an mir liegen. Das iPad Pro halte ich ebenfalls immer so, dass die Entsperrung via Face ID nicht klappt, weil ich meinen Arm oder die Hand vor der Kamera habe. Die einfachste Lösung wäre mutmasslich ein Sensor unter dem Display, dessen Position durch Aufleuchten markiert werden könnte. Doch auch da bleibt das Problem, dass man ihn schlecht trifft, je nachdem, wie herum das Gerät gehalten wird. Würde ein Sensor mitten auf dem rückseitigen Apple-Logo helfen? Einen Versuch wäre es wert.
Bei der Orientierung hilfreich kann eine Hülle sein: Die gibt einen Hinweis, wie herum wir das Tablet eigentlich in den Händen halten. Das ist bei der Falthülle der Fall, die wir für das iPad gekauft haben und die den schönen Namen «Pipetto Origami» trägt. Für das iPad 2025 braucht es das Origami No1 Original Case, wobei es das anscheinend auch in einer (inkompatiblen) Variante für das iPad Air gibt. Was mich angeht, ist der Smartphone- und Tablet-Hüllenkauf eine Wissenschaft, von der ich mich überfordert fühle.
Bei USB könnte Apple etwas weniger knauserig sein
Ein paar abschliessende Bemerkungen:
- Die Batterielaufzeit gibt Apple mit zehn Stunden der üblichen Tätigkeiten an. Ich komme nicht in die Verlegenheit, die ausreizen zu müssen. Wie vom iPad gewohnt, ist sie für die normale Nutzung absolut einwandfrei.
- Ein paar Einschränkungen des Billig-Geräts stören mich als Tech-Nerd und Poweruser. Aus Prinzip hätte ich gern Apple Intelligence. Und ich finde es bedauerlich, dass dieses iPad an einem externen Bildschirm sein Display bloss spiegelt und es nicht ermöglicht, einen zweiten Monitor separat anzusteuern. Das hätte ich sehr gern ausprobiert!
- Manche bemängeln die niedrige Bildwiederholfrequenz, die maximal 60 Hertz beträgt. Mich stört das nicht sonderlich – aber ich habe jahrelang mit einem flimmernden Monitor gearbeitet.
- Das via USB-C nur mit USB 2.0 übertragen wird, ist nicht mehr zeitgemäss. Ein echtes Problem im Alltag ist das selten – vielleicht dann, wenn wir das Gerät mit Filmen für die Offline-Nutzung bestücken möchten.
- Schliesslich ist die Kamera im Vergleich zu dem abgelösten Gerät deutlich besser. Es bleibt aber dabei, dass sich die Notwendigkeit einer Kamera im Tablet für mich nicht erschliesst.
Was mich nicht stört, ist der Prozessor. Der Apple‑A16‑Bionicstammt von 2022 und ist nicht mehr das, was man taufrisch nennen würde. Aber ich plädiere weiterhin dafür, keine übermotorisierten Geräte zu kaufen. Natürlich hängt das von den Vorlieben ab. Der entscheidende Punkt ist das Gaming: Wer topaktuelle Spieltitel verwenden will, der ist mit grösseren Hardware-Reserven und einer Anzeige mit höherer Bildwiederholrate (ProMotion) besser bedient. Was mich angeht, ist es leider tatsächlich so, dass ich noch immer Temple Run Oz und Relic Run auf diesem Tablet spiele …
Bei „günstiges Tablet“ kommt mir Android in den Sinn. Stimmt mein Eindruck, dass Tablets ein kleiner Markt sind und es in diesem Preisrahmen mit Android nur Billigtablets gibt, die bald nicht mehr mit Updates versorgt werden? Ich habe jedenfalls kaum Berichte über Android-Tablets wahrgenommen. Oder ist bei Kunden in DACH iOS einfach gesetzt, ausser es muss wirklich billig sein?