Eine grosse, lila Hand skulpturiert aus Blöcken erhebt sich auf einem Boot im Wasser. Im Hintergrund ist die Landschaft Prags mit historischen Gebäuden und Bäumen im Herbst zu sehen.
Diese Skulptur würde sich hervorragend vor dem Meta-Hauptsitz machen. Sie stammt vom tschechischen Künstler David Černý und wurde am 21. Oktober in Prag fotografiert (Jindřich Nosek (NoJin)/Wikimedia, CC BY 3.0).

Ist das KI oder kann das weg?

Noch vor Wochen schien es, als ob Flut an KI-ge­ne­rier­tem Müll in den so­zia­len Medien den letzten Rest an Authen­ti­zi­tät ver­drängen würde. In­zwi­schen wird die Ge­gen­be­wegung sichtbar. Die Anti-Slopper halten mit der ketze­ri­schen Frage «Ist das KI?» da­ge­gen. Und die Slop-Satire ent­wickelt sich zu einer eigenen Kunst­form.

Wie steht es um den AI Slop? Ihr wisst schon, das ist der KI-generierte Müll, dem man 2025 in den sozialen Medien kaum entrinnen konnte.

Mein Eindruck ist, dass die Flut der künstlich generierten Bilder in meinen Social-Media-Kanälen zurückging. Dummerweise lässt sich daraus keine allgemeingültige Aussage ableiten, weil uns ein algorithmischer Feed keine repräsentative Abbildung der Geschehnisse in den sozialen Medien zeigt. Wir kriegen das präsentiert, von dem die Plattform glaubt, dass wir es sehen wollen. Sollte es mir also nicht gelungen sein, meine Abneigung gegen den Slop zu verheimlichen, hält Facebook ihn heute von mir fern.

Unbestreitbar ist hingegen, dass eine Gegenbewegung existiert. Die Slop-Gegnerinnen und -Gegner gründeten zwar keine Partei und lancierten (bislang) keine Volksinitiative gegen undeklarierte KI-Veröffentlichungen. Aber sie leisten Protest auf eine einfache und gerade deshalb erstaunlich wirksame Weise.

Ein neues, geflügeltes Wort

Sie tun das, indem sie die lakonische Frage «Ist das KI?» («Is this AI?») zu einem geflügelten Wort erhoben. Es wird routinemässig als Kommentar unter Beiträge in den sozialen Medien gesetzt.

In einem Kunstunterricht blickt ein strenger Lehrer auf Schüler, die an Zeichentafeln arbeiten. Eine Tafel verkündet: «AI Slop wird mit zehn Stockhieben bestraft.» Die Stimmung ist angespannt.
Ein selbst hergestelltes Beispiel für das Thema, um das es hier geht. (Schuld an diesem Produkt hier trägt ChatGPT.)

Viele verwenden die stehende Wendung gerade auch dann, wenn etwas offensichtlich keine KI ist. Und siehe da: Dann wirkt die Botschaft umso stärker. Es demonstriert, wie der Slop unsere Wahrnehmung der Realität untergräbt und dazu führt, dass wir medial quasi erblinden. Wenn wir auch bei Aufnahmen aus der richtigen Welt das KI-Gefühl nicht mehr abschütteln können, dann katapultiert uns das zurück in eine Zeit, in der wir die Welt fast ausschliesslich durch unsere eigenen Augen erlebten. Damals gab es grob gerasterte Schwarzweissbilder in der Zeitung und ein paar unscharfe Aufnahmen in der «Tagesschau». Heute strömt eine unaufhörliche Bilderflut auf uns ein. Doch mit zunehmender Slop-Durchsetzung verwandelt die sich selbst in eine irre, irreale Fieberfantasie.

Eine Person sitzt im Freien und bürstet zwei Möpse. Im Hintergrund sind Pflanzen und traditionelle Gebäude zu sehen. Es ist ein sonniger Tag, die Stimmung wirkt entspannt und freundlich.
«Guten Morgen, liebe Bratwurstpatrioten!»

Die neue Spielart der Slop-Satire

Das findet vermutlich nicht einmal Mark Zuckerberg toll. Darum bin ich Mitte 2026 ein µ optimistischer als vor einem halben Jahr. Es gibt nämlich weitere Protestformen der Slop-Gegner. Eine besonders originelle würde ich Slop-Satire nennen.

Bei der werden die Mittel der Deepfakes auf so überdrehte Weise angewandt, dass sie sich selbst ad absurdum führen. Die BBC sammelte vor ein paar Wochen Beispiele, darunter den (hier im Blog bereits vorgestellten) Twitter-Account Insane AI Slop. Zu nennen wären überdies Italian brainrot mit Figuren wie Ballerina Cappuccina, Lirili Larila und Bombardiro Crocodilo – allein schon die Namen sind grossartig.

Ein tolles Beispiel ist schliesslich leonie_22_deutsch_ bei Threads. Der Account legt es offensichtlich darauf an, AfD-Wähler zu trollen. Der Slop ist bei dieser Aktion ein integraler Bestandteil, und er lässt keine Wünsche offen – wie hier mit den zwei Möpsen. Bemerkenswert ist, dass die meisten Leute den Braten riechen. Doch zumindest bei zwei reagierenden Personen besteht der Verdacht, dass sie Leonie für echt halten.

Er meint vermutlich die beiden Hunde.
Alt-Text: Ein Kommentar von einem Nutzer mit einem Porträtbild. Der Nutzer wünscht einen guten Morgen und sendet liebe Grüsse aus MV. Ein Herz-Emoji ist ebenfalls enthalten.
Er lässt sich vielleicht sogar absichtlich versloppen.

Kurzer Aufruf an dieser Stelle: Ich möchte weitere Beispiele sammeln. Falls euch ein exquisiter satirischer Slop-Einsatz auffällt, dann bitte ich um eine Meldung. Es wäre toll, wenn sich daraus ein Listicle für die Zeitung ergäbe.

Ein Funke Genialität in all dem Unsinn

Ist das der Moment, an dem wir aufhören können, uns über die gefälschten KI-Bilder Sorgen zu machen? Eine Autorin von «MIT Technology Review» beschrieb ihre Einsicht, es handle sich um eine «neue Art von Popkultur», deretwegen sie sich nicht gräme:

Manche [der Clips] wiesen im Unsinn sogar einen verborgenen Funken Genialität auf. (Some even had a grain of brilliance buried in the nonsense.)

Man kann und darf ein falsches Dilemma vermuten. Es ist vermutlich beides wahr: Es gibt ihn, den schädlichen KI-Schrott – und gleichzeitig sind einige der scheinbaren Slop-Kreationen doppelbödig wie Leonie mit ihren beiden Möpsen. Aber eines ist inzwischen klar: Die Freundinnen und Freunde der KI-unverfälschten Realität werden sich nicht kampflos geschlagen geben. Und was die Kreativität angeht, sind sie den Sloppern um Läääängen voraus.

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