Eine Person sitzt mit geschlossenen Augen und Kopfhörern, geniesst Musik und bewegt entspannt die Hände. Der Hintergrund ist in sanften, hellen Farbtönen gehalten.
Frau Spotify hat unser Trillern auf den Ohren – oder so ähnlich (Gustavo Fring, Pexels-Lizenz).

Wie Spotify nach der Pfeife von uns Usern tanzt

Zwei Web­an­wen­dungen fürs Musik­strea­ming: Tune my Music überträgt Song­be­stände und im­por­tiert Wie­der­ga­be­listen ab Text – zum Beispiel per KI ge­neriert. Soundiiz ver­frach­tet die Alben aus der loka­len Media­thek in die Spotify-Biblio­thek.

Tunemymusic.com ist ein Hilfsmittel für das Zeitalter des Musikstreamings – und obendrein dringend notwendiges. Die Webanwendung überträgt die Musikbibliothek zwischen den diversen Streamingdiensten, namentlich Spotify, Tidal, Apple Music, Youtube, Amazon Music und Deezer¹. Sie ist eine Alternative zur Songshift-App, die ich bisher für diesen Zweck empfahl. Es gibt weitere ähnliche Dienste wie soundiiz.com.

Diese beiden Apps fungieren als Vermittler und eröffnen interessante Möglichkeiten: teilweise naheliegende, die bislang an technischen Mitteln scheiterten. Zwei seien hier vorgestellt:

1) Tune my Music: Wiedergabelisten von der KI

Man muss kein KI-Aficionado sein, um auf die Idee zu verfallen, sich von einem Sprachmodell Wiedergabelisten erstellen zu lassen. Diese Idee liegt auf der Hand, zumal wir einem LLM überaus komplizierte Anforderungen vermitteln können. Zum Beispiel englische Rocksongs, die sich mit deutschen Philosophen beschäftigen.

Gemini stürzt sich auf diese Aufgabe und teilt mit, Friedrich Nietzsche sei für Black Sabbath, The Doors, Kanye West und Electrelane ein Thema gewesen, Karl Marx seinerseits für Randy Newman, The Gang of Four und die Manic Street Preachers. Immanuel Kant, Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Arthur Schopenhauer hätten ihrerseits Hawkwind und The Kinks inspiriert.

Das wollen wir uns natürlich anhören! Dabei hilft der erste der erwähnten Musikdienste. Tune my Music nimmt Musiklisten als Text, Datei oder via URL entgegen.

Screenshot der Website TuneMyMusic, auf der Nutzer Plattformen für den Musiktransfer auswählen können. Mehrere Logos von Musik-Streaming-Diensten sind sichtbar.
Tune My Music überträgt Musik zwischen Streamingdiensten und importiert auch ab Datei oder Texteingabe.

Für unseren Fall reicht eine simple Liste in Textform. Wir geben Gemini den Auftrag, aus seiner Auskunft eine Songliste in importierbarer Form zu erstellen². Tunemymusic.com nimmt das Resultat³ über den Knopf Text entgegen und wandelt es in eine Wiedergabeliste um. In einem nächsten Schritt geben wir den Zieldienst an, in meinem Fall Spotify. Daraufhin müssen wir die Berechtigung erteilen, dass Tune my Music mit unserem Konto beim Streamingdienst interagieren darf.

Ist das erledigt, sollte die Übertragung starten. Mit Firefox funktionierte es bei meinem Test nicht, aber mit Chrome verlief der Datenaustausch einwandfrei. Das Resultat könnt ihr euch hier anhören.

Alt-Text: Screenshot einer Spotify-Playlist mit dem Titel «Nietzsche, Marx und Hegel gehen voll darauf ab». Die Liste enthält acht Songs und deren Alben sowie Spielzeiten.
Siehe da: Die per Gemini generierte Wiedergabeliste ist erfolgreich in Spotify angekommen.

Ein Tipp für Fortgeschrittene: Ihr könnt eure ganze Hör-Historie von Spotify für die Erstellung massgeschneiderter Playlists heranziehen. Die Details beschreibe ich ausführlich in diesem Beitrag.

Ihr könnt anhand dieser Datenbasis eine Wiedergabeliste mit Songs erstellen, die beim Wechsel von der klassischen, lokalen Musiksammlung zum Streaming auf der Strecke blieben. Oder Musik hervorsuchen lassen, die länger ungehört blieb. Auch spannend: Lasst die KI nach euren musikalischen blinden Flecken suchen und eine Wiedergabeliste erstellen, die diese Lücken füllt.

Um die in Spotify zu hinterlegen, ist Tune my Music nicht zwingend nötig: Claude kann sich direkt mit dem Musikstreamingdienst verbinden und Wiedergabelisten anlegen. Diese Option ist über den Befehl Anpassen (in der Menüliste bei Suchen, Chats, etc.) zugänglich: Im Bereich Konnektoren finden sich nebst Spotify auch Figma, Github, Gmail, Google Calendar, Google Drive, Notion und Slack.

Tune my Music überträgt 500 Songs gratis. Für mehr braucht es das Abo für 24 US-Dollar im Jahr oder 5.50 Dollar pro Monat.

2) Soundiiz: Die alte, lokale Musiksammlung hinterlegen

In Spotify gibt es in der Bibliothek eine Ansicht für Alben. Sie wäre prädestiniert dafür, die alte Musiksammlung ins Streamingzeitalter hinüberzuretten: Wenn hier unsere Lieblingsalben erscheinen wie seinerzeit in iTunes oder dem Windows Media Player, dann wählen wir wie früher aus, wonach uns der Sinn steht. Ihr erinnert euch: zu Zeiten der physischen Mediathek ging man die Regale durch und griff die Platte heraus, auf die die Lust am grössten war.

Dieser Plan krankt an zwei Dingen: Erstens leidet die Bibliothek an diversen Ungereimtheiten. Zweitens hat niemand Lust, eine Sammlung mit Dutzenden oder Hunderten Platten manuell dort zu erfassen. Gegen das erste Problem lässt sich nicht viel ausrichten, doch beim zweiten kann Soundiiz.com (mutmasslich) helfen:

Wir loggen uns ein und verbinden Spotify. Dann wechseln wir in der Oberfläche über die Menüleiste am linken Rand zu Deine Bibliothek und Alben. Des Weiteren klicken wir rechts oben auf den Knopf Alben importieren und wählen From file.

Screenshot einer Musikverwaltungs-App mit einer Liste von Alben, Künstlern und Titeln. Links sind Werkzeuge zum Importieren und Synchronisieren sichtbar. Übersichtliches, dunkles Design.
Soundiiz zeigt die in Spotify hinterlegten Alben an und ergänzt die Liste ab Textdatei.

Jetzt benötigen wir eine Liste unserer Alben. Ich erstelle sie unter Windows mittels Powershell und lade sie bei Soundiiz hoch. Das scheint zu funktionieren – aber bis zum Happy End gelange ich nicht, weil dieser Dienst meldet, an dieser Stelle sei ein Premium-Abo notwendig. Da es mir um die Machbarkeit und nicht um den tatsächlichen Import geht, breche ich ab. Aber falls ihr das Experiment bis zum Ende durchzieht, würde mich interessieren, ob es klappt wie erhofft.

Soundiiz Premium kostet 48 Franken pro Jahr oder sechs Franken pro Monat. Es wäre legitim, diesen Betrag für eine einmalige Übernahme für einen Monat aufzuwerfen. Wenn man den Hinweis wegklickt, erscheint ein Spezialangebot für 18 Franken für eine Woche. Worin der Reiz gegenüber dem Monatsabo bestehen soll, erschliesst sich mir nicht.

Fussnoten

1) Ferner auch Soundcloud, Yandex, Qobuz, Beatport, iTunes, Napster, Pandora, Anghami, KKbox, Last.fm, Soundmachine, Boomplay und Audiomack.

2) Prompt dazu:

Erstelle mir eine Wiedergabeliste aus diesen Vorschlägen. Formatiere sie folgendermassen:

  • Ein Titel pro Zeile:
    Interpret – Titel
  • Falls Verwechslungsgefahr besteht, gib optional in Klammern Album und Jahr an.

3) Das ist Googles Liste:

Black Sabbath – God Is Dead? (13, 2013)
Electrelane – This Deed (Tracks, 2005)
Randy Newman – The World Isn’t Fair (Bad Love, 1999)
Gang of Four – Natural’s Not In It (Entertainment!, 1979)
Manic Street Preachers – A Design for Life (Everything Must Go, 1996)
Hawkwind – Spirit of the Age (Quark, Strangeness and Charm, 1977)
The Kinks – A Well Respected Man (Kwyet Kinks, 1965)
Monty Python – Bruces’ Philosophers Song

4) Das ist der Befehl für die Powershell, zu der ihr die notwendigen Details im Beitrag Ein etwas kraftloser Einstieg in die Powershell nachlest:

Get-ChildItem "C:\Users\matth\Music\Music" -Directory | Get-ChildItem -Directory | Select-Object -ExpandProperty FullName > "$env:USERPROFILE\Desktop\alben.txt"

Den Pfad müsst ihr natürlich an die Gepflogenheiten auf eurer Festplatte anpassen, d. h. den Nutzernamen ändern. Die fertige Liste enthält diesen Pfad ebenfalls, aber der lässt sich mit Suchen-Ersetzen rauslöschen. Falls die Alben wie bei mir jeweils in einen Unterordner zum Interpret stecken, könnt ihr den Backslash durch einen Gedankenstrich ersetzen, um eine schön formatierte Liste zu bekommen.

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