Eine Person packt Kleidung sorgfältig in einen Koffer. Die Teile sind gerollt und ordentlich angeordnet. Im Hintergrund ist eine Kamera und eine helle Zimmerumgebung sichtbar.
Dieser Vorgang nennt sich komprimieren (Timur Weber, Pexels-Lizenz).

Der Mac macht einen 27 Jahre alten Rückstand wett

7-Zip wurde für Mac OS por­tiert. Das Open-Source-Pro­gramm ShichiZip be­findet sich der­zeit in einem frühen Entwick­lungs­stadium, bietet nichts­desto­trotz schon alle not­wen­digen Funk­tionen zum Aus­packen, Ar­chi­vieren und Ver­schlüsseln von Dateien.

Darauf hat die Welt gewartet – na ja, nicht die ganze Welt, aber zumindest jener Teil, der mit einem Mac arbeitet und Wert auf ein vernünftiges Dateimanagement legt.

Ich spreche von ShichiZip. Das ist eine Adaption des bekannten Komprimierungsprogramms 7-Zip für den Mac. Das Original existiert seit 27 Jahren. Es ist Open Source und gewinnt keinen Preis als allerbenutzerfreundlichstes Programm der Welt. Aber es wartet mit einem Funktionsumfang auf, der keine Wünsche übrig lässt.

Screenshot eines Dateimanagers, der den Inhalt eines ZIP-Ordners zeigt. Darin sind verschiedene Dateien mit Namen, Größen und Änderungsdaten aufgelistet.
ShichiZip: Die Ähnlichkeit zu 7-Zip ist nicht zu übersehen.

Und bevor ihr fragt: Ja, shichi bedeutet 7 auf Japanisch. Zumindest in der On-Lesung – aber ich werde hier nicht vorgeben, als hätte ich dieses Detail verstanden.

Klar hingegen ist, dass dieses neue Programm eine Lücke schliesst. Zwar existieren auch für den Mac Shareware-Programme wie Betterzip, das mir seinerzeit gute Dienste leistete. Aber genauso wie bei den kommerziellen Produkten für Windows (Winzip oder WinRAR) rechnen sich diese Bezahlprogramme nur bei intensiver Nutzung. Für den normalen Alltag geben wir uns mit der Komprimierungsfunktion des Finders zufrieden und bemühen, falls es nötig ist, für Spezialaufgaben das Terminal¹.

Alles da, alles funktioniert

ShichiZip liegt in einer sehr frühen Alphaversion vor. Gleichwohl macht die Software einen soliden Eindruck: Sie zeigt bereits deutsche Programmtexte an – wenngleich mit diversen Lücken –, und sie funktionierte bei meinem Test einwandfrei. Ich packte u.a. eine dicke vorhandene Testdatei mit einigen Hundert Dokumenten aus und erstellte ein passwortgeschütztes Archiv, das sich unter Windows problemlos auspacken liess.

Bildschirmaufnahme eines Dateiarchivierungs-Dialogs. Einstellungen für ein ZIP-Archiv, inklusive Kompressionsstärke, Passwortschutz und CPU-Threads sind sichtbar.
Es fehlt nichts: Der Dialog, mit dem ein Archiv mit Dateien bestückt wird.

Der Funktionsumfang wirkt vollständig. Beim Verpacken der Dateien haben wir ungefähr die gleichen Optionen zur Auswahl, wie bei Windows:

  • Diverse Formate (7z, zip, gzip, bzip2, xz, tar und wim)
  • Sieben Kompressionsstärken von unkomprimiert bis Ultra+.
  • Diverse Kompressionsverfahren.
  • Wählbare Wörterbuch- und Wortgrössen.
  • Speichernutzung
  • Aufteilung grosser Archive in Segmente
  • Relative, absolute und komplette Pfadangaben
  • Mehrere Aktualisierungsmethoden bei bestehenden Archiven (Hinzufügen und Ersetzen, Aktualisieren und Hinzufügen, vorhandene Dateien aktualisieren und Synchronisieren).
  • Es können selbst extrahierende Windows-Archive erstellt, die Mac-Ressourcen ausgeklammert, geöffnete Dateien einbezogen und die Originaldateien nach der Komprimierung gelöscht werden.
  • Und wie erwähnt: Es gibt die Option zur Verschlüsselung und je nach Format kann auch die Verschlüsselungsstärke gewählt werden.
Screenshot einer Software-Oberfläche zur Archivierung von Dateien. Einstellungen für das Zip-Archiv, einschließlich Kompressionsstärke, CPU-Threads und Verschlüsselungsoptionen sind sichtbar.
Zum Vergleich: So sieht der Dialog «Zu Archiv hinzufügen» bei Windows aus.

Fazit: In gewisser Weise ist die Beschäftigung mit solchen Dateihilfsprogrammen ein Flashback in die Blütezeit des Personal Computers, als es noch keine Cloud und schon gar keine künstliche Intelligenz gab und wir selbst darum bemüht sein mussten, in unseren Datenbeständen Ordnung zu halten. Da die Festplatten notorisch klein waren, gewöhnte ich mir rasch an, die abgearbeiteten Projekte in Zip-Dateien zu archivieren.

Fast wie Winzip 8 – nur besser

Das tat ich damals mit dem Klassiker Winzip, der schon 1991 auf den Markt gekommen war. Aus meiner Kurzmeldung im «Zürich Express» (heute wieder Tagblatt der Stadt Zürich) geht hervor, dass die Version 8 auf einem physischen Speichermedium und mit gedrucktem Handbuch für solide 78 Franken zu haben war. Erklärt das doch mal euren Kindern: Ein Programm für Dateien ausserhalb der Cloud! Auf CD-ROM! Mit gedrucktem Handbuch!

Fussnoten

1) Mit dem Terminal ist es bei Mac OS beispielsweise möglich, verschlüsselte Archive zu erstellen, was im Finder nicht möglich ist. Wir verwenden den Befehl zip und den Parameter e für Encrypt. Dann erst der Name des zu erstellenden Archivs und anschliessend die zu komprimierenden Dateien. Als zum Beispiel:

zip -e /Users/matthiasschussler/Desktop/geheim.zip /Users/matthiasschussler/Documents/Prompts.rtf

Weitere Parameter:

  • -r führt zu einer rekursiven Bearbeitung aller Unterverzeichnisse, bei der sämtlichen Dateien ins Archiv au
  • -x (eXclude) exkludiert bestimmte Dateien (z. B. -x "*.DS_Store").
  • -v steht für verbose und bringt die App dazu, Vorgänge durch detaillierte Statusinformationen zu protokollieren.
  • -q bewirkt das Gegenteil: Der Parameter quiet unterdrückt Statusangaben im Terminal.

3 Kommentare zu «Der Mac macht einen 27 Jahre alten Rückstand wett»

      1. Nein, aber mit Betterzip. Ich schreibe nicht, dass es bisher keine Archivierungsprogramme für den Mac gegeben hätte. Ich beziehe mich aufs Angebot an kostenloser, Windows und Linux ebenbürtiger Open-Source-Software – siehe vierter Absatz.

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