Mozilla kündigte diese neue Funktion schon im letzten September an. Doch es dauerte bis Ende April, bis sie hierzulande in der mobilen Version von Firefox auftauchte. Die Meinungen dürften auseinandergehen, ob sich das Warten gelohnt hat. Manche werden Shake to Summarize für überflüssig oder sogar unerwünscht halten. Ich versprach mir einen gewissen Nutzen davon und war daher gespannt.
Der Name verrät (fast) alles: Wenn wir in Firefox eine Website geöffnet haben und das Smartphone schütteln, wird uns eine Zusammenfassung unterbreitet. Das Bild zeigt es: Die Website rückt nach unten und macht dem Bereich Platz, in dem diese Kurzfassung zu sehen ist. Wir können sie per Finger markieren und kopieren und am unteren Rand auf den noch sichtbaren oberen Rand der Website tippen, damit sie wieder hochrutscht und normal benutzt werden kann.
Manchmal nützlich – meistens weniger

Mein Eindruck, nachdem ich die Schüttel-Zusammenfassungen ein paar Tage lang benutzte: Um einen Nutzen aus ihnen zu ziehen, muss man ihre Möglichkeiten und Grenzen kennen.
Bei manchen Blogs oder generell weniger professionell aufbereiteten Quellen, auf marktschreierischen Websites oder (räusper) bei Mitteilungen von PR-Agenturen ist das Potenzial für Zeitersparnisse vorhanden. Es ist umso grösser, je schlechter eine Webseite aufbereitet ist. Das kommt oft vor, weil Leute ihre Inhalte mit allerlei formalem Ballast umgeben, Suchmaschinenoptimierung und Clickbaiting betreiben, statt den menschlichen Leserinnen und Lesern den Zugang zu erleichtern. Dann ist die Zusammenfassung auch eine Art Lesemodus, der auch inhaltlichen Ballast beseitigt.
Je professioneller und ordentlicher eine Website erschlossen ist, desto weniger greift dieser Effekt: Eine Website aus der idealen Welt braucht kein Shake to Summarize. Sie unterstützt uns in jeder Hinsicht, uns ein Bild zu machen, ob sie uns Wissenswertes anzubieten hat oder nicht. Es gibt einen schlüssigen und aufs Wesentliche beschränkten Vorspann und dafür fehlen Werbung, Teaser, aufgeblähte Navigation, Querverweise – und all das Zeugs, mit dem manche Leute auch das winzigste und banalste Informationshäppchen einrahmen.
Was ist der Punkt, der wirklich interessiert?
Das heisst, dass der Nutzen in der journalistischen Sphäre minimal ist. Beispiel «Lifehacker» im Beitragsbild: Die Zusammenfassung von Firefox entspricht fast wörtlich den «Key Takeaways», die in vier Sätzen die wesentlichen Punkte aufzählen: Indem man eine Bildschirmseite nach unten scrollt, kommt man zum gleichen Resultat.
Zweitens ist leider die Zusammenfassung nicht sonderlich gut. Sie ist zu wenig in der Lage, die wesentlichen Aspekte herauszugreifen und sie prägnant in ein paar Sätzen zu fassen. Stattdessen hangelt sie sich an der Originalquelle entlang – und verrührt oft Wesentliches mit Unwichtigem.
Das zeigt sich anhand eines Beispiels aus meinem Blog (sorry für diese Selbstreferenz – aber bei meinem eigenen Material erkenne ich die Probleme naturgemäss am schnellsten). Zu meiner Anleitung zum Betrieb eines lokalen KI-Modells enthält die Zusammenfassung eine Aufzählung der einzelnen Schritte.
Sie ist nicht zweckdienlich: Falls jemand die Anleitung tatsächlich umsetzen will, wird er sich auch die Zeit nehmen wollen, diese im originalen Wortlaut zu studieren. Immerhin wird auch das Fazit resümiert.
Trotzdem: Dass ein geübter Querleser Zeit spart, sollte Shake to Summarize sich auf die Kernbotschaft konzentrieren – bei der es sich in diesem Fall hier um das Fazit am Ende handelt – und alles andere weglassen.
Individuelle Vorgaben würden helfen
Leider gibt es bislang keine Möglichkeit, in die Erzeugung dieser Kurzfassung einzugreifen. Hätten wir die Möglichkeit, den Prompt anzupassen, könnten wir dort unsere persönlichen Vorlieben darlegen. Eine individuelle Übersicht wäre ein Gewinn gegenüber den Standard-Leads, ‑Teasern, ‑Bullet-Point-Zusammenfassungen, Abstracts und was es sonst noch für Orientierungshilfen gibt. Einen eigenen Prompt hinterlegen können wir derzeit nicht.
Das dürfte an den eingeschränkten Möglichkeiten des KI-Modells liegen. Firefox verwendet am iPhone das lokale Apple-Intelligence-Modell. Das spart Daten und die Notwendigkeit, eine Cloud-KI zu verbinden. Aber keine Geiss schleckt es weg, dass ein LLM, das klein genug ist, um in den Speicher des iPhones zu passen, den heutigen Anforderungen kaum mehr gewachsen ist.
Randbemerkung: Weil Shake to Summarize auf Apples KI aufsetzt, wird die Funktion für Android separat entwickelt. Gemäss dem Linkedin-Post von Ajit Varma ist seit gut zwei Wochen für Nutzer englischsprachiger Android-Telefone verfügbar und soll im Lauf des Jahres global erscheinen.


Deutsche Zusammenfassungen für fremdsprachige Webseiten
Das Fazit lautet, dass das Feature in der ersten Version ein Flop ist. Aber einen abschliessenden Tipp habe ich, der die Enttäuschung beträchtlich mildert:
In den Einstellungen von Firefox Mobile (zugänglich über das Drei-Punkte-Menü in der Befehlsleiste am unteren Rand) und der Rubrik Seitenzusammenfassungen können wir die Sprache einstellen. Standardmässig ist dort Sprache der Website hinterlegt. Wenn wir auf Deutsch umschalten, erhalten wir die Zusammenfassung übersetzt. Und das schliesslich ist eine echte Hilfe!