Vielleicht kommt euch das Gefühl bekannt vor: Zwischen der letzten und vorletzten Preiserhöhung von Netflix, Disney und Amazon kam euch der letzte Rest der Streaming-Begeisterung abhanden. Ihr habt gekündigt oder seid kurz davor, das zu tun. Oder ihr findet das Angebot in letzter Zeit so wenig prickelnd, dass ihr dringend Abwechslung braucht.
In dieser Situation können euch die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Anbieter weiterhelfen. Oder ihr habt eine Festplatte mit audiovisuellen Inhalten herumliegen, die euch über die Netflix-Fatigue hinwegtrösten würde.
Das Problem an der Sache: Die Familienmitglieder und ihr selbst habt euch an den Komfort des Streamings gewöhnt. Ob im Kinderzimmer oder der Stube, in der Badewanne oder im Bett: Man erwartet, dass Filme und Serien augenblicklich auf jedem geeigneten Endgerät auftauchen. Bei einer lokal gespeicherten Mediathek ist das nicht der Fall, solange die besagte Festplatte in der Schublade liegt.
Server, Netzwerkfestplatte – oder Router mit USB-Anschluss
Die Serversoftware Jellyfin bringt die Inhalte auf smarte Fernseher, Smartphones und Tablets. Das tut sie auf komfortable Weise, doch mit zwei Nachteilen: Erstens ist die Konfiguration kein Pappenstiel. Zweitens benötigen wir passende Hardware wie eine Netzwerkfestplatte oder einen Raspberry Pi. Denn für die ständige Verfügbarkeit müssten wir ansonsten unseren Computer konstant laufen lassen. Das ist entweder unpraktikabel oder unerwünscht.
Doch bevor ihr euch in Unkosten stürzt, solltet ihr euren Router in Augenschein nehmen. Falls er einen USB-Anschluss besitzt, stehen die Chancen gut, dass ihr eure Festplatte nur dort anzuschliessen braucht. Dann, nach etwas Konfigurationsaufwand, ist der Kessel geflickt.
Es gibt eine Reihe von Routern, die als Medienserver fungieren können. Das gilt für Fritzbox-Modelle mit Fritz-NAS und für Asus-Internetzugangsgeräte mit Mediendiensten. Bei TP-Link heisst das Feature Media Server und müsste bei den meisten Archer-Modellen vorhanden sein. Analog kann die angehängte Festplatte auch als zentrale Dateiablage benutzt werden, die bei Windows, Mac und Linux (via Samba) als Netzlaufwerk in Erscheinung tritt und mit Trickserei sogar via Internet zugänglich ist. Darum soll es hier jedoch nicht gehen.
Ich habe das Prozedere mit der Fritzbox 5690 XGS erfolgreich durchexerziert. Das ging so geschmeidig ab, dass ich diesen Weg gern empfehle. Das gilt aber nicht für das fragliche Router-Modell: Das entpuppte sich als inkompatibel mit meinem Glasfaseranschluss und wurde zurückgeschickt. Die traurigen Details dazu lest ihr hier. Da mein angestammter Router keinen USB-Anschluss hat, kann ich die Vorgehensweise hier leider nur summarisch beschreiben. Mir fehlte die Zeit, sie ausführlich zu dokumentieren.
Ein paar Klicks führen zum Ziel
Damit es klappt, sind folgende Dinge zu beachten:
- Die Festplatte sollte mit einem «vernünftigen» Dateisystem formatiert sein; also nicht mit etwas Apple-spezifischem wie APFS oder HFS+. Gemäss Anleitung eignen sich NTFS und exFAT (die älteren FAT‑Varianten und die Linux-Varianten ext2 bis ext4 sind möglich, aber falls möglich, würde ich die Finger von denen lassen).
- In der Adminstrations-Umgebung der Fritzbox sollte die Festplatte unter Heimnetz bei USB / Speicher auftauchen. Damit die Inhalte gefunden werden, nehmen wir eine Indizierung vor.
- Die Konfiguration erfolgt im Bereich Heimnetz > Mediaserver. Je nachdem muss unter System ein Benutzer mit Passwort angelegt werden – das hängt von der Zugriffsweise ab.
- Nun sind viele smarte Fernseher in der Lage, diesen Server via UPnP-Protokoll aufzuspüren. Unnötig zu erwähnen, dass sie sich dafür im gleichen Netzwerk befinden müssen. Falls ihr euch das ansehen wollt, gibt es hier ein Video des Herstellers.
Um den Medienserver via Apple-TV anzusprechen, benötigt ihr eine passende App. Ich habe für diesen Zweck die Infuse-App reaktiviert. Die lässt sich gratis nutzen, doch das Abo für 15 Franken pro Jahr lohnt sich. Denn der Zugriff direkt via Fernseher ist nicht sonderlich attraktiv: Wir müssen uns durch Ordner klicken und versuchen, aus kryptischen Dateinamen schlau zu werden. Demgegenüber steht die Navigation von Infuse dem Netflix-Erlebnis in wenig nach. Sie identifiziert die Medien, stattet sie mit einer Beschreibung und Vorschaubildern aus, und lädt bei Bedarf Untertitel aus dem Internet nach. Was will man mehr!