Kürzlich war unser Haushalt aus Gründen offline. So ärgerlich das war, gibt es mir Gelegenheit, eine wirklich nützliche Funktion von einigen Internetzugangsgeräten vorzustellen. Das ist die Möglichkeit, den Datenfluss via Mobilfunk wieder in Gang zu bringen.
Konkret funktioniert es so:
- Wir stöpseln das Mobiltelefon per USB-Kabel an den heimischen Router an.
- Am Mobiltelefon aktivieren wir den Personal Hotspot mit Tethering via USB.
- Am Router bzw. Modem wählen wir die Option Internetzugang via Mobilfunk.
Und voilà; schon ist wieder alles wie gewohnt – mit zwei Einschränkungen allerdings: Erstens dürfte der Datendurchsatz deutlich geringer ausfallen als normal. In meinem Fall ist die Verbindungsgeschwindigkeit stark gedrosselt, da Sunrise in unserer Wohnung gerade mal ein bis zwei Bälkchen zustande bringt.
Zweitens müssen wir aufs Datenvolumen achten. Denn wenn mehrere Familienmitglieder mit diversen Geräten auf Youtube, Spotify und Netflix unterwegs sind, könnte ein allfälliges Datenguthaben schneller schmelzen als der vielzitierte Schnee an der Frühlingssonne.

Hier einige Details zum Vorgehen:
Voraussetzung ist natürlich, dass sich der Router mit dem Mobiltelefon verbinden lässt. In meinem Fall war das möglich, weil ich ein passendes Modell griffbereit hatte¹. Den USB-Anschluss gibt es u. a. bei Fritz, ebenso bei Asus, Mikrotik und GL.iNet. Mein Test basiert auf der Fritzbox 5690 XGS.

Das iPhone will nicht
Im ersten Anlauf hänge ich das iPhone 14 an den Router. Mit dem klappt es nicht: «Das Mobilfunkgerät ist nicht bereit», bescheidet die Fritzbox. Ohne mich tief in die Materie eingearbeitet zu haben, scheint das eine Treiberfrage zu sein: Apple verwendet ein eigenes Protokoll, während Android, Windows und Linux aufs Microsoft-Protokoll RNDIS setzen. AVM Die Fritz GmbH erwähnt im Supportdokument diesen Umstand zwar nicht, erwähnt indes nur Android-Telefone.
So suche ich seufzend nach einem Auswurfstift, entferne die SIM-Karte aus dem iPhone und stecke sie ins Pixel 8. Und siehe da: Es funktioniert auf Anhieb. Die Konfiguration im Detail:
- Am Pixel ist in den Einstellungen bei Netzwerk & Internet unter Hotspot & Tethering die Option USB-Tethering einzuschalten.
- In der Fritzbox findet sich die Konfiguration in der Rubrik Internet unter Mobilfunk. Hier ist die Option Internetzugang über Mobilfunk aktiv einzuschalten.
Es gibt die Möglichkeit, den Mobilfunk als Sicherheitsnetz einzurichten: Dann wechselt der Router automatisch aufs Mobilfunknetz, wenn die Haupt-Internetverbindung wegbricht. Das wird unter Internet > Zugangsdaten > Ausfallschutz konfiguriert.

Diese Notlösung sollte man sich offenhalten!
Fazit: Eine extrem nützliche Sache – und ein triftiger Grund, beim nächsten Routerkauf auf den USB-Port und die Tethering-Möglichkeiten zu achten.
Oder auf die Möglichkeit, den Router via WLAN ans Mobiltelefon anzubinden. Bei manchen Internetzugangsgeräten (auch von Fritz) existiert die Option Internetzugang über WLAN: Mit der würde der Personal-Hotspot-Trick mit dem iPhone funktionieren. Bei der Fritzbox 5690 XGS suchte ich sie vergeblich; sie scheint bei neueren Modellen nicht mehr vorhanden zu sein. Einen Versuch werde ich mit dem Fritz Repeater 2400 unternehmen: Der könnte das Hotspot-Signal des iPhones an den Router weiterreichen – vielleicht.
Fussnoten
1) Mein alter und noch immer in Betrieb befindlicher Router ist die Fritzbox 5530. Ich hatte vor, zur Absicherung vor zukünftigen Router-Pannen ein neues Modell anzuschaffen und das alte in Reserve zu behalten. Nur dumm: Die als Ersatz auserkorene Fritzbox 5690 XGS hat zwar WLAN 7 und unterstützt Verbindungsgeschwindigkeiten bis zu zehn Gigabit pro Sekunde. Leider tut sie das nur bei einem XGS-PON-Glasfaseranschluss. Das Kürzel war mir nicht geläufig, sonst hätte mich die Produktbezeichnung vielleicht zu entsprechenden Abklärungen ermuntert – denn auf der Produktseite von Interdiscount war diese wichtige Einschränkung der Kompatibilität nicht aufgeführt.
Jedenfalls steht die Abkürzung für 10-Gigabit-capable Symmetric Passive Optical Network, und wie ich herausfand, ist dieser Standard inkompatibel zum Netz meines Anbieters, Init7. Er erklärt:
Die Strecke zwischen dem Fiber7-Pop in der Telefonzentrale und dem Fiber7-Kunden basiert auf Gigabit-Ethernet. Das ist eine dedizierte Punkt-Punkt Verbindung, d. h., jeder Fiber7-Kunde hat sein «eigenes Gigabit» und muss dieses mit niemandem teilen. Andere FTTH-Technologien, insbesondere im Ausland, basieren auf XGS-PON, wo die verfügbare Bandbreite auf mehrere Kunden aufgeteilt wird. XGS-PON kommt für Fiber7 nicht zur Anwendung.
Das hiess für mich: Den neuen Router seufzend zu retournieren, mit der Bitte, solche technische Details – die den meisten nicht netzwerktechnisch ausgebildeten Personen nicht geläufig sein dürften – auf der Produktseite gross und deutlich zu vermerken. ↩
Interessante Idee! Ich habe für solche Zwecke einen 4G-USB-Dongle. 5G gibt es mittlerweile auch, kostet aber dreistellig.
Wenn man einen Mobile-Router will, kann ich Teltonika sehr empfehlen. Die machen Industriegeräte, aber zu einem bezahlbaren Preis. Deren Router sehen nicht fancy aus und können nicht über eine App konfiguriert werden, dafür braucht man kein Benutzerkonto zur Installation. Und sie können SMS empfangen und versenden. Der Empfang ist praktisch, wenn man eine neue SIM-Karte in Betrieb nehmen will und den Aktivierungslink per SMS erhält. Den Versand könnte man verwenden, um sich über Internetausfälle benachrichtigen zu lassen.