Eine Hand hält ein USB-Kabel, das zur Ladevorrichtung führt. Im Hintergrund ist ein Smartphone auf einem Tisch sichtbar, unscharf abgeschnitten. Blurry Lichterscheinungen deuten eine Umgebung an.
Das USB-Kabel mit Schalter gegen Juice Jacking, von mir höchstselbst im Tamedia-Newsroom fotografiert.

Damit wir uns beim Handyladen keine Schadsoftware einhandeln

Das Onit-USB-Kabel hat sich eine aus­führ­li­che Wür­di­gung hier im Blog red­lich ver­dient: Es überträgt nicht nur grosse Daten­mengen und viel Strom, sondern för­dert oben­drein die Daten­sicher­heit.

Eine Rezension über ein USB-Kabel? Das klingt nach arg viel Ehre für ein banales digitales Accessoire. Doch sie ist berechtigt. Denn das fragliche Kabel gehört seit vier Monaten zur Ausstattung meiner Laptop-Tasche, und es hat sich bewährt.

In meinen Besitz gelangte es ohne mein Zutun. Es war ein Weihnachtsgeschenk des Schweizer Versandhändlers Brack, der damit seine Eigenmarke Onit in Erinnerung rufen wollte – zumal dieser Trick bei mir schon einmal funktionierte: Vor zwei Jahren liess man mir einen Lüfter fürs Smartphone zukommen. Anfänglich fand ich allein den Gedanken absurd, doch der Test überzeugte mich.

Viel Strom, jede Menge Daten

Vorneweg: Das ist bei diesem Kabel genauso der Fall: Es erweckt den Eindruck, dass es von Leuten konzipiert wurde, die es natürlich verkaufen, aber auch selber verwenden wollen. Konkret:

  • Es ist 1,5 Meter lang, sodass man es auch verwenden kann, wenn man seine Geräte mit einer Steckdose oder -Leiste am Boden verbinden muss. Wenn kürzer auch in Ordnung ist, ist ein Kabelbinder zum Aufrollen mit dabei.
  • Es überträgt bis hundert Watt (zwanzig Volt bzw. fünf Ampere) und lädt nicht nur das Handy, sondern auch den Laptop und die Kamera.
  • Im Datenmodus unterstützt es USB 3.1 und bis zu zehn Gbps. Das reicht locker, um Monitore mit 4k zu bespielen.
  • Und es gibt einen Schieberegler, über den sich die Datenübertragung unterbinden lässt.

Dieser sogenannte Datenblocker-Schalter sollte auf Off gesetzt werden, wenn wir unsere Geräte an fremden USB-Buchsen aufladen möchten. Das ist eine sinnvolle Sicherheitsmassnahme. Das sogenannte Juice Jacking ist eine Angriffsmethode, bei der via Ladestationen Daten abgezogen oder Malware einschleusen. Das iPhone erlaubt Datenverbindungen zwar nur, nachdem der Nutzer seine Einwilligung gegeben hat und auch sonst habe ich keinen dokumentierten Fall gefunden, wo auf diese Weise ein Datendiebstahl gelungen wäre. Doch wie zu lesen war, gelang es einem Doktorand, diese Verbindungsanfrage automatisch zu seinen Gunsten zu beantworten. Dieser Trick nennt sich seinerseits Choice Jacking.

Dialogfeld auf einem Smartphone, das um Zugriff auf Fotos und Videos bittet. Es zeigt die Optionen «Nicht erlauben» und «Erlauben» an.
Der Schalter hilft, damit dieser Dialog am iPhone nicht nach jedem Anstöpseln aufpoppt.

PS: Können wir das bitte nicht «USB-Kondom» nennen, Digitec und 20 Minuten? Der Vergleich von Malware mit einer Geschlechtskrankheit ist zwar knapp akzeptabel, aber bekanntlich dienen Präservative auch der Empfängnisverhütung. Und an dieser Stelle bricht die Analogie.

Nervige Dialogboxen unterbinden

Ich lernte den Schalter schätzen, obwohl ich das Kabel meistens im sicheren Umfeld verwende: Wenn ich mein Telefon im Büro an der Dockingstation auflade und etwas nachsehen will, will nach jedem Anstöpseln die Freigabe zur Datenübertragung bestätigt werden (beim iPhone: «Darf dieses Gerät auf Fotos und Videos zugreifen?»). Das ist auf Dauer lästig, darum steht der Schalter standardmässig auf Aus¹.

Fazit: Nachträglich Danke an Brack für dieses Weihnachtsgeschenk, das ich auch nach den journalistischen Standesregeln annehmen darf – und darum ohne schlechtes Gewissen verwende. Für Leute, die es kaufen müssen: Es kostet 20 Franken.

Fussnoten

1) Man kann auch umschalten, während ein Gerät angeschlossen ist. Allerdings lässt sich Windows dadurch hochgradig verwirren: Es erscheint dann im Minutentakt eine Meldung, ein angeschlossenes USB-Gerät würde nicht mehr wie vorgesehen funktionieren.

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