Als ich ein Kindergartenkind war, pflegte mein Vater mich Geppetto zu nennen. Wie er auf diese Idee kam, hat sich mir nie erschlossen. Die Schnitzerei zählte nicht zu meinen Hobbys. Eventuell war ich bereits als Vierjähriger etwas altklug. Wie auch immer, habe ich seitdem eine besondere Beziehung zu der schönen Geschichte von Carlo Collodi.
So kam es, dass ich Pinokio ausprobierte. Von der falschen Schreibweise liess ich mich nicht abhalten (Pinocchio wäre richtig). Auch die hohe Einstiegshürde war kein Hinderungsgrund – Sinn und Zweck dieses Softwareprodukte erschliessen sich nicht sofort. Aber das ist ihr Grundgedanke:
Pinokio ist eine Umgebung für netzwerkfähige Anwendungen, die lokal betrieben und in der eigenen digitalen Sphäre benutzt werden. Nach der Installation der Software, die es für Windows, Linux und Mac OS gibt, steht sie als Server in Heim- und Firmennetzen zur Verfügung. Ich habe Pinokio auf dem Macbook Pro in Betrieb und kann über die lokale IP-Adresse vom Handy und meinem Windows-Laptop darauf zugreifen. Mit den üblichen Tricks wäre es möglich, sie via Internet zu verwenden.
Eine bunte Palette an Anwendungen
In Pinokio betreiben wir eine eigene private Cloud. Eine beträchtliche Anzahl Apps steht zur Verfügung. Es gibt …
- diverse KI-Sprachmodelle
- Assistenten für die Code- und Softwareentwicklung,
- Wissenssysteme wie die eigene Vektordatenbank oder das RAG (siehe dazu hier),
- Text-to-Speech-Systeme,
- Video- und Audio-Generatoren,
- Automatisierungstools und einiges mehr.
Die Installation ist simpel: Wir blättern uns mit der Pinokio-Software, die nebenbei ein Browser ist, durch den Katalog, entscheiden uns für ein Modul und klicken auf den Knopf One-Click Install. Daraufhin lädt die Software alles, was zur Ausführung notwendig ist, d. h. sie löst die Abhängigkeiten auf, wie man es von einer Paketverwaltung erwartet (inzwischen sogar als Windows-User).
Drei Fehlschläge, ein Treffer
Das Positive daran ist, dass wir uns nicht mit den Details der Installation solcher, in aller Regel anspruchsvoller Server-Anwendungen herumschlagen müssen. So pflegeleicht wie eine klassische Anwendung ist die Pinokio-Umgebung dennoch nicht. Grösstes Hindernis: Es ist nicht garantiert, dass die heruntergeladene Anwendung auf unserer Hardware funktioniert.
1) Ich probiere es erst mit facepoke: Bei dieser Spielerei sollte ein Selfie oder ein anderes Bild einer Person so animiert werden, dass der Kopf dem Mauszeiger folgt und anderen Schabernack treibt. Bei mir erscheint bloss eine Fehlermeldung. Selbst schuld; ich hatte überlesen, dass dafür Nvidia-Hardware vorhanden sein muss.
2) Der zweite Versuch ist kein kompletter Fehlschlag. Moshi ist ein Sprachmodell, mit dem man sich eine Unterhaltung führen können sollte. Es hört via Mikrofon zu und gibt per Lautsprecher Antwort. Das klappt – allerdings nur für den Bruchteil einer Sekunde. Ich bringe das Modell dazu, «Good day» zu sagen – mehr nicht. Ich vermute, dass der Mac ihm nicht gewachsen ist: Die Aktivitätsanzeige gibt an, dass Python fast 16 GB Speicher belegt (so dick ist das Modell auch auf der Festplatte). Das Macbook hat 18 MB unified memory.

3) Der dritte Versuch findet mit dem SongGeneration Studio statt. Anstelle schöner Musik gibt es eine Fehlermeldung bei der GPU Detection.

4) Alldieweil klappt der vierte Anlauf: Ich installiere OpenAudio und bin in der Lage, auf dem Mac Text in Audio zu verwandeln. Das Klonen einer Stimme anhand eines zehnsekündigen Audioschnipsels ist ebenso möglich. Immerhin!

Drei Fehlschläge bergen Frustpotenzial. Das ginge besser: Hilfreich wären eine Übersicht mit Einstiegsanwendungen und eine bessere Dokumentation mit den Anforderungen.
Darum gibt es an dieser Stelle keine Empfehlung, sondern eine Warnung: Pinokio ist ein Stundengrab und ihr solltet mit dieser Software nur unter der Voraussetzung experimentieren, dass ihr nichts Besseres zu tun habt oder selbst eine ernsthafte Anwendung entwickeln möchtet. Dafür sind die üblichen Coding-Agenten eingebaut (Claude Code, Crush, Gemini CLI, OpenAI Codex und Qwen Code). Ich finde die Idee hervorragend, aber zur Förderung der digitalen Souveränität auf breiter Basis fehlt es massiv an Benutzerfreundlichkeit. Nichstdestotrotz werde ich meine Experimente mit Pinokio fortsetzen. Allfällige Erfolgserlebnisse werden in diesem Blogpost ergänzt.
Etwas weniger „klickibunti“, aber ausgereifter, wäre der Docker Model Runner. Dieser unterstützt auf macOS neu auch vLLM. Ansteuern kann man die Modelle per Open WebUI (sieht aus wie ChatGPT). Da die API mit der von OpenAI kompatibel ist, kann man auch ziemlich jeden anderen Client verwenden.
Dein Vorschlag bringt mich dazu, die Anschaffung eines Macs in Betracht zu ziehen. Eine Grafikkarte mit 64 GB RAM ist weitaus teurer als ein Mac mini mit 64 GB RAM. Und der Mac braucht massiv weniger Strom. 🙂
Ich bin immer froh, wenn du meinen Klickibunti-Empfehlungen die seriösen Tipps entgegenhältst. Die Docker-Variante klingt sehr spannend, aber ich spare mir die für die Ferien auf. 😉
Es sollte kein Vorwurf sein! 😀
Ich bin nur etwas vorsichtig bei solchen „One-Click-Installern“. In meinem Umfeld interessieren sich immer mehr Leute für „self-hosting“. Das ist natürlich sehr erfreulich. Aber oft stossen sie auf Tools, mit denen man sehr einfach diverse Dienste auf einem RasPi installieren kann und noch ein Dashboard dazu bekommt. Das muss nicht schlecht sein, aber leider verlieren die Entwickler oft früher oder später das Interesse an ihren Tools. So werde ich mit Nextcloud-Instanzen und weiteren Diensten konfrontiert, die sich nicht mehr aktualisieren lassen. Das ist schade und sorgt für Frust.
Deshalb empfehle ich solche Tools nur, um sich einen schnellen Überblick über die „Selfhosting-Welt“ zu verschaffen, und nicht für den Produktivbetrieb. Sie sind eher wie die Knoppix-Live-CD als der SuSE-Installer. 😀
Glücklicherweise muss man sich nicht mehr einen Linux-Server mit PHP, MySQL etc. einrichten, um eine gute Plattform zu haben. Mit Docker bekommt man die meisten Dienste installiert, ohne Stunden mit der Konfiguration zu verbringen. Man sollte einfach die richtigen Container verwenden. Da empfehle ich die vom Hersteller oder sonst von LinuxServer.io. Diese werden gut gepflegt.
Das Thema wäre aus meiner Sicht eine Artikelserie wert. Natürlich für den Tagi, dann müssten nicht die Ferien dafür aufgewendet werden. 😀
Ein paar Stichworte zum glustig machen:
– docker compose
– Dockhand
– Nginx Proxy Manager
– NetBird
Ich brauche einen Mac, der tut was er soll und nicht ein neues Hobby mit mehr Fehlschlägen als Treffern.