Ein Smartphone liegt auf einem Holztisch, umwickelt von einer schweren Kette mit einem Zahlenschloss.
Wenn es bloss so einfach wäre! (Towfiqu barbhuiya, Pexels-Lizenz)

Eine Auszeit vom iPhone nehmen

Was tun, wenn wir die Finger nicht vom Smart­phone lassen können? Drei zu­neh­mend ra­di­kale Tricks zur Selbst­dis­zi­pli­nierung.

Es ist schwierig, die Finger vom Smartphone zu lassen. Apple hält mehrere Methoden für Disziplinierungsversuche bereit:

  1. Via Bildschirmzeit richten wir App-Limiten ein. Ich versuche auf diesem Weg, die Nutzung der sozialen Medien auf ein verträgliches Limit zu senken.
  2. Es gibt die Fokus-Einstellung. Die steuert, was auf dem Homescreen zu sehen ist. Wir richten uns also einen Fokus ein, der nur die unbedingt notwendigen Apps bereithält.
  3. Und es gibt die Funktion Auszeit: Sie sperrt alle Apps, bis auf ganz wenige.
Bildschirmfoto der iPhone-Auszeitfunktion. Optionen: «Auszeit bis morgen aktivieren» und «Geplant», das geplant ist, eine
Hier lässt sich die Auszeit ein- und auch wieder ausschalten.

Hier soll es um diese letzte Möglichkeit gehen. Denn was mich angeht, funktionieren die Methoden 1 und 2 nur bedingt: Wenn ich zum iPhone greife und mein Limit für Bluesky und Mastodon bereits ausgeschöpft habe, nehme ich Zuflucht zu einem Spiel. Diese könnten wir separaten Beschränkungen unterwerfen. Doch wenn keine Spiele zur Verfügung stehen, surfen wir halt oder stellen ChatGPT irgendwelche Fragen. Ein Fokus löst dieses Dilemma nicht. Denn via Task-Switcher sind die wichtigen Apps greifbar, selbst wenn sie vom Homescreen verbannt wurden.

Hilft in solchen Fällen radikale dritte Methode? Theoretisch vielleicht, aber praktisch ist die Auszeit (Englisch: Downtime) nicht vernünftig zu benutzen – zumindest, was mich angeht. Ich fände es nützlich, wenn sie ad hoc für eine bestimmte Dauer aktiviert werden könnte: Wir könnten das Telefon für die Dauer eines Nachtessens mit der Familie, einem Freund oder einer Freundin ausser Gefecht setzen – oder dann, wenn wir eine Fernsehsendung verfolgen möchten, aber den Versuchungen des Second Screens erliegen.

Das gröbste Manko der Auszeit ausbügeln

Doch genau dafür taugt sie nicht. Sie lässt sich nicht für eine bestimmte Zeitdauer aktivieren. In den Einstellungen bei Bildschirmzeit > Auszeit wird sie sich über die Option Geplant an allen oder bestimmten Tagen für eine gewisse Zeitspanne einrichten. Es gibt hier zwar auch den Knopf Auszeit bis morgen aktivieren. Aber der ist für den spontanen Gebrauch zu wenig leicht zugänglich. Denn wenn man ihn mal brauchen könnte, erinnert man sich typischerweise nicht mehr so genau, wo man ihn suchen müsste.

Screenshot eines iPhones mit der geöffneten Kurzbefehle-App. Im Fokus sind zwei Befehle: «prefs:root=SCREEN_TIME&path=DOWNTIM
Dieser Kurzbefehl führt vom Homescreen direkt zum Auszeit-Schalter.

Für dieses Problem verrät uns Reddit eine Lösung: Wir richten einen Shortcut auf dem Homescreen ein, der direkt zur besagten Einstellung führt. Und so geht es:

  1. Wir öffnen die App Kurzbefehle und tippen aufs Plus-Symbol.
  2. Bei Aktion suchen geben wir URL ein und fügen diese Aktion unserem neuen Kurzbefehl hinzu.
  3. Im Textfeld hinterlegen wir folgende Adresse: prefs:root=SCREEN_TIME&path=DOWNTIME
  4. Dann fügen wir die Aktion URLs öffnen der Aktion hinzu.
  5. Über das Dropdown-Menü im Titel geben wir dem Kurzbefehl einen passenden Namen.
  6. Und im gleichen Menü betätigen wir den Befehl Zum Home-Bildschirm.

Das vereinfacht es massiv, eine Auszeit zu nehmen: Wir starten den Kurzbefehl und tippen auf Auszeit bis morgen aktivieren. Und das wars schon.

Nun liegt euch ein Einwand auf der Zunge: Der ganze Zinnober bringt nichts, weil ihr in aller Regel die Auszeit nur für eine bestimmte Dauer, jedoch nicht für den ganzen restlichen Tag, einschalten wollt. Das stimmt und geht mir auch so. Doch wenn die Auszeit läuft, lässt sie sich über den gleichen Kurzbefehl jederzeit beenden, und zwar über den gleichen Knopf, der nun Auszeit deaktivieren heisst.

Trotz allem nutzlos – oder?

Smartphone-Bildschirm mit App-Ordnern und einer Mitteilung: «Zugriffszeit. Du hast dein Limit für Fotos erreicht.» Oben sind
So sieht es aus, wenn sich das iPhone im Auszeit-Modus befindet.

Die Frage ist berechtigt, was die Funktion bringen soll, wenn sie sich so leicht aushebeln lässt. Auch während die Auszeit läuft, lässt sie sich in einzelnen Apps über den Knopf Limit ignorieren umgehen. Das ist ein Schlupfloch so gross wie ein Scheunentor. Ich frage mich, was sich die Entwickler bei dieser Sache gedacht haben.

Vermutlich wollten sie die Nutzerinnen und Nutzer nicht verärgern. Sicherlich wird auch eine Diskussion um Notfälle entbrannt sein: Zwar ist die Telefon-App auch während der Auszeit zugänglich, sodass das Argument, man müsse die Feuerwehr, den Krankenwagen und die Polizei rufen können, nicht zählt. Aber es sind andere Situationen denkbar. Vielleicht müssen wir unvermittelt herausfinden, wo sich die nächste Notfallapotheke befindet oder wie unsere AHV-Nummer lautet. Oder wir müssen dringend eine Twint-Transaktion auslösen. Ein hartes App-Limit wäre dann nicht tödlich, aber eine zusätzliche Widrigkeit in einer bereits schwierigen Lage.

Die Moralkeule hilft

Gibt es eine Lösung für dieses Dilemma? Ich finde die Forest-App nach wie vor toll: Sie arbeitet mit der Moralkeule. Wir können uns zwar über unsere eigenen Grenzen hinwegsetzen, aber wir zahlen einen Preis dafür: In der App sind unsere schwachen Momente in Gestalt verdorrter Bäume für alle Ewigkeit sichtbar.

Effektiver sind vermutlich physische Hemmnisse: Wir sperren unser Smartphone in der Schreibtischschublade ein und legen den Schlüssel woanders hin, sodass wir nicht so leicht an ihn herankommen. Ich suche nach einer Box, in der ich das Telefon einsperre. Idealerweise mit Zeitschaltuhr, dass ich nach der selbst verordneten Auszeit ohne grosses Tamtam wieder seiner habhaft werde. Auch sinnvoll wäre eine Lademöglichkeit in der Box und ein transparentes Gehäuse, dass man wichtige Mitteilungen dennoch einsehen könnte. Falls mir jemand einen guten Tipp hat, freue ich mich über einen Kommentar!

2 Kommentare zu «Eine Auszeit vom iPhone nehmen»

  1. Ich mag keine zeitlichen Limits. Stattdessen versuche ich, mich nicht in Versuchung zu führen. Verzicht ist oft einfacher als Mässigung. Deshalb, und aus anderen Gründen, verwende ich kein Social Media. (Auch stehen bei mir im Kühlschrank keine Süssgetränke. Kein Glas Cola ist einfacher als ein Glas Cola.)

    Benachrichtigungen erlaube ich nur sehr selektiv. Die App meiner Kopfhörer muss mir nicht mitteilen, wenn ich 100 Stunden Nutzungszeit und somit „ein neues Level“ erreicht habe. Ebenso wenig muss ich wissen, dass mich der Pizzakurier vermisst. Oder dass eine neue Zusammenstellung von Fotos aus meinen letzten Ferien verfügbar ist.

    Praktisch finde ich die Funktion „Notfallumgehung“: Damit kann ich während des Essens oder beim Filme schauen das Smartphone auf lautlos haben, bin aber für meine Familie trotzdem erreichbar.

  2. Die App «Locked» ist hierzu geradezu perfekt. Sie kann entweder via NFC-Schlüssel/Tag oder Timer die Nutzung einschränken. Einzig Safari ist eine grosse Lücke, die sich aber via Automation (if Safari open switch to X) und Sperrung der Kurzbefehlapp schliessen lässt.

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