Roter «STOP»-Knopf auf grauem Hintergrund, montiert an einer Wand. Der Knopf wird durch eine graue Umrandung hervorgehoben und ist mit Schrauben befestigt.
Die hohe Kunst besteht darin, im richtigen Moment diesen Knopf zu drücken (Tanveer Mahendra, Unsplash-Lizenz).

Der «KI-Killswitch» für Firefox ist da

In der neuen Version 148 von Mozillas Browser gibt es einen Schalter, der die künst­li­che In­tel­li­genz voll­stän­dig blockiert. Neu ist es auch mög­lich, die lo­kalen Mo­delle zu ver­wal­ten. Und für über­zeugte KI-Ab­sti­nenz­ler bietet sich Water­fox als Alter­na­tive an.

In Firefox gibt es seit dem letzten Update neue Einstellungen für die KI. Sie hielt Einzug mit der Version 148.0, die am 24. Februar veröffentlicht wurde. Das sind die neuen Möglichkeiten:

1) Die KI ganz oder in einzelnen Bereichen abschalten

Die KI-Einstellungen (AI Controls) erhielten im Konfigurationsbereich, der über das Dreistrich-Menü und den Befehl Einstellungen zugänglich ist, eine eigene Rubrik.

Das zentrale Element ist der «KI-Killswitch». Über den Schalter KI-Verbesserungen blockieren werden sämtliche Features mit Bezug zu den mit künstlicher Intelligenz arbeitenden Funktionen abgeschaltet. Ein Supportbeitrag zählt die im Detail auf: Übersetzungen, Alternativtext für PDF-Bilder, KI-gestützte Tab-Gruppen und die (hier vorgestellte) Linkvorschau.

Screenshot der Firefox-KI-Einstellungen, der Optionen zum Blockieren von KI-Verbesserungen, nutzergenerierter KI und Chatbot-Anbietern in der Sidebar zeigt. Grafik in dunklem Design.
Die neuen KI-Einstellungen mit der Option, sämtliche Features, die mit künstlicher Intelligenz arbeiten, abzuschalten.

2) Die lokalen KI-Modelle verwalten und löschen

Für die simplen Aufgaben werden lokale KI-Modelle benutzt – ohne, dass die Cloud dafür notwendig wäre. Diese lassen sich ebenfalls verwalten und bei Nichtbedarf vom Gerät entfernen. Zu diesem Zweck klicken wir im Dreistrich-Menü auf Erweiterungen und Themes oder geben about:addons in die Adressleiste ein. Hier findet sich (nebst den Themes, Wörterbüchern und Sprachpaketen für den Browser) die neue Rubrik Geräteinterne KI. Aktuell sind hier drei Modelle aufgeführt, nämlich die folgenden:

Es gibt jeweils einen Knopf mit drei Punkten, über den ein Menü mit den Befehlen Entfernen und Verwalten zugänglich ist. Letzterer führt zu einer Seite mit Detailangaben, auf der auch ein Link zur KI-Community Huggingface aufgeführt ist. Dort wiederum finden sich die technischen Angaben, etwa, auf welcher Grundlage die jeweilige KI entwickelt wurde.

Screenshot der Firefox-Einstellungen, speziell der Add-ons-Verwaltung. Es sind Optionen für geräteinterne KI-Modelle aufgelistet, mit Informationen zu drei Modellen und deren Speicherplatzbedarf.
Hier lassen sich die lokal installierten Modelle einsehen und verwalten.

Vier Gründe, warum Mozillas KI-Ansatz richtig ist

Mir gefällt dieser Ansatz aus vier Gründen:

  1. Er überlässt den Nutzerinnen und Nutzern die Wahl, ob sie KI im Browser verwenden möchten oder nicht.
  2. Der Datenschutz wird hochgehalten, indem für die simplen Aufgaben lokale Modelle zum Zug kommen und die Cloud nicht benötigt wird.
  3. Es herrscht Transparenz darüber, wo welches LLM zum Zug kommt. Bei den Browser-Integrationen von Google, Microsoft, Perplexity und OpenAI ist das nicht der Fall.
  4. Mozilla hat eine solide Grundlage für die Weiterentwicklung gelegt.

Der letzte Punkt zielt auf die Frage ab, ob Firefox ein agentischer Browser sein soll oder nicht. Ich neige zu einem Ja, denn was mich angeht, sehe ich ein Potenzial, mir Routineaufgaben zu erleichtern – schliesslich habe ich schon über die Web-Automatisierung nachgedacht, als noch kaum jemand den Namen OpenAI gehört hatte. Aber ich will auch nicht meinen ganzen Bestand an privaten Daten einem Tech-Konzern in den Rachen werfen. Darum wäre es in meinem Sinn, nicht nur die Wahlfreiheit zu haben, ob ich die künstliche Intelligenz nutzen will oder nicht, sondern auch, für welchen Zweck und von welchem Hersteller. Darum hoffe ich, dass im Bereich Geräteinterne KI künftig auch eigene KI-Modelle für bestimmte Zwecke hinzugefügt werden können – und zwar wahlweise lokal und in der Cloud, je nach Aufgabe und Komplexität.

Für Verweigerer gibt es Waterfox, die KI-freie Firefox-Variante

Fazit: Mozilla leistet gute Arbeit. Trotzdem vermag die Stiftung nicht alle User zufriedenzustellen. Die Fundis wollen auch weiterhin keine KI in ihrem Browser. In den sozialen Medien reagierten einige Leute mit der Proklamation, sie seien auf Waterfox umgestiegen. Diese Firefox-Abspaltung (Fork) entfernt die KI, sodass sie nicht abgeschaltet werden muss. Einer der Initiatoren, Alex Kontos, begründet das wie folgt:

Ein Browser ist als Vertreter der Anwenderinnen und Anwender gedacht, genauer gesagt als Ihr Handlungsbeauftragter im Web. Er repräsentiert Sie und führt in Ihrem Namen Ihre Anweisungen aus. Er wird aus gutem Grund als User-Agent bezeichnet.

Wenn Sie eine potenzielle LLM-Ebene zwischen dem Benutzer und dem Web einführen, schaffen Sie etwas anderes: eine Art «User-Agent-User-Agent». Die KI wird zum neuen User-Agent, der zwischen Ihnen und dem Browser vermittelt und interpretiert. Sie reorganisiert Ihre Tabs. Sie schreibt Ihren Verlauf neu. Sie trifft Entscheidungen darüber, was Sie sehen und wie Sie es sehen, basierend auf einer Logik, die Sie nicht überprüfen oder verstehen können.

Ich verstehe die Überlegung, aber wenn man diesen Ansatz zu Ende denkt, müssten wir auch jegliche Arbeitsteilung abschaffen. Simples Beispiel: Ich bin Journalist und schreibe meine Artikel in meinem Namen. Trotzdem lasse ich es zu – und heisse es sogar explizit gut –, dass Kolleginnen und Kollegen meine Artikel gegenlesen und Änderungen einbringen und die tollen Leute vom Korrektorat Schreib- und Grammatikfehler beseitigen. Sie arbeiten ebenso als Ebene zwischen den Leserinnen und Lesern und mir. Doch das führt selten zu einer Verfälschung, sondern meistens zu einer Verbesserung.

Mich interessiert die Frage, wann und unter welchen Umständen die KI in der Lage ist, sinnvolle Handlungen in meinem Namen zu begehen. Ich werde weiterhin ergebnisoffen probieren, das herauszufinden. Gleichzeitig halte ich es für grossartig, dass das Konzept der freien Software allen die Wahlfreiheit gibt. Waterfox ist nicht mein Browser, aber ich begrüsse es, dass diese Alternative existiert. Und allein deswegen ist mir Waterfox eine kleine Empfehlung wert.

Diese Alternative basiert auf dem Extended Support Release von Firefox, das für Unternehmen gedacht ist und nicht jede Version ausliefert, sondern nur die stabilen Meilensteine. Sie verzichtet nicht nur auf die künstliche Intelligenz, sondern hat weitere interessante Features:

Fazit: Egal, wie man zur KI steht – freie Software ist grossartig!

Fussnoten

1) Was Fastly angeht, kenne ich dieses Unternehmen zu wenig, um ihm zu vertrauen. Ist mir für die Adressauflösung der DNS meines Providers oder von NextDNS lieber? Eine schwierige Frage – aber ich gehe davon aus, dass sich die Konfiguration in Waterfox anpassen lässt – ein geplanter Test soll diese Frage klären.

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