Wir haben das Jahr 2026, und es gibt noch immer keine einfache Methode, aus einem Textdokument eine Präsentation zu erstellen. Wie kann das sein?
Erlaubt mir, etwas auszuholen: Ich mache aus meiner Abneigung gegen Powerpoint keinen Hehl, aber ich kann sie auch gut begründen. Microsofts Präsentationssoftware leidet unter einem grundsätzlichen Konstruktionsfehler, den Google bei Slides unhinterfragt kopierte: Beide Programme stellen die Gestaltung in den Vordergrund. Wie bei einer Layout- oder Vektorgrafikanwendung werden Texte und Bilder in Rahmen gepackt.
Diese Elemente lassen sich nach Lust und Laune verschieben, vergrössern und verkleinern. Wir Nutzerinnen und Nutzer ordnen unsere Versatzstücke auf der Arbeitsfläche an, wie es uns beliebt – mit der potenziellen Möglichkeit, komplexe Meisterwerke herzustellen.
Aber ehrlich, wer hat die Zeit dafür? Ohne eine Statistik zu dieser Behauptung zu besitzen, bin ich überzeugt, dass die meisten Folien aus einem Titel und einigen Absätzen Text bestehen, vielleicht mit Aufzählungszeichen und ergänzt durch ein Bild oder eine Illustration. Dazu braucht es keine grossen Gestaltungsmöglichkeiten. Und sollten die einmal gefragt sein, wäre es kein Ding, eine statische Folie in eine frei veränderbare umzuwandeln. Oder man benutzt ein separates Tool und bettet die komplexe Darstellung ein.
Der völlig falsche Ansatz

So ist es leider nicht. Das Overengineering macht unnötig Arbeit. Wir müssen unsere Inhalte portionieren und häppchenweise in diese Rahmen abfüllen. Das macht eine Menge Arbeit, selbst wenn die Inhalte fixfertig in einem Textdokument vorhanden sind und wir bloss entscheiden müssten, wie wir sie auf die einzelnen Folien verteilen. Es ist nervtötend ineffizient, ständig die Textrahmen skalieren zu müssen und darauf zu achten, dass sie schön ausgerichtet sind.
Es existiert eine Lösung für dieses Problem. Die Schweizer Präsentations-App IA Presenter basiert nicht auf diesem Gestaltungs-Paradigma, sondern ist im Kern eine Textverarbeitung. Die Portionierung in einzelne Folien erfolgt über die Strukturierung mittels hierarchischer Titel, und simple Einrückungen entscheiden, was auf der Folie zu sehen ist und was nur in den Notizen erscheint.
Ich halte dieses Konzept für überlegen, und es ist so simpel, dass wir unsere Präsentationen sogar am iPhone erstellen. Es löst nebenbei das Problem des Erscheinungsbilds. Anhand der Stilvorlage wird sichergestellt, dass Präsentationen einheitlich daherkommen und dem Erscheinungsbild des Unternehmens entsprechen. Bei Powerpoint und Google Slides kommen Direktformatierungen zum Einsatz. Das ist völliger Unsinn, denn nur schon die Schriftart zu wechseln, ist umständlich und mühsam.
Wie es mit weniger Schmerzen klappt
Nun arbeite ich für ein Unternehmen, das sich für Google Workspace entschied. Ich muss meine Präsentationen in der Slides-App abliefern. Doch wie jeder vernünftige Mensch schreibe ich Konzepte und Ideen in Textform auf.
Das führt uns zurück zu Anfangsfrage: Gibt es einen Trick, Text in Folien zu verwandeln oder bleibt nur die händische Abfüllerei? Ich recherchierte und trug folgende Empfehlungen zusammen:
1) Enttäuschte Erwartungen beim Umweg via IA Presenter
Ich erfasse meine Konzepte oft in Markdown. Daher ist der Weg via IA Presenter naheliegend: Ich muss lediglich die Struktur anpassen, damit sich aus meinem Dokument Folien generieren lassen. Auch wenn das Ursprungsdokument in Google Docs oder Word vorliegt, lässt es sich in Markdown umwandeln. In Docs gibt es inzwischen einen nativen Exportbefehl.
Ist die Präsentation in IA Presenter vorzeigbar, lässt sie sich via Exportfunktion im Powerpoint-Format exportieren. PPTX-Dateien wiederum wandern via Importbefehl in Google Slides.
Ich spielte das Prozedere mit der Gliederung für eine meiner Präsentationen im Markdown-Format durch. Fazit: Es funktioniert grundsätzlich, aber das Resultat ist unbefriedigend. Die Gründe:
- Die Formatierungen bleiben weitgehend auf der Strecke. In Powerpoint werden auch die nichtfetten Textelemente fett angezeigt, was die Folien schwer lesbar macht. Hinterlegte Hyperlinks gehen verloren.
- Jede Textzeile steckt in einem eigenen Textrahmen. Das macht die nachträgliche Bearbeitung in Powerpoint oder Slides fast unmöglich.
- Da es in Powerpoint keine Absatzformate im klassischen Sinn gibt, ist es schwierig bis unmöglich, die Folien zu formatieren. Man kann einzeln pro Folie die Schriftart ändern, aber das ist eine Mühsal.
2) Nicht perfekt, aber brauchbar: Pandoc
Dieses Konvertierungsprogramm ist seit Jahren nützlich. Es wird lokal installiert oder via Browser unter pandoc.org/try verwendet.
Es beherrscht ungewöhnliche Kombinationen von Quell- und Zielformaten. Dazu zählt das Gespann aus Markdown als Quelle und Powerpoint (PPTX) als Ziel. Ein Testlauf mit meiner Markdown-Gliederung lässt sich zwar nicht 1:1 verwenden, benötigt indes nur relativ wenig Nachbearbeitung.

Damit sich dieser Aufwand in Grenzen hält, sind einige Hinweise zu beachten. Für die Gliederung und die Formatierung gilt:
- Pandoc erstellt eine neue Folie, sobald ein Titel der Hierarchiestufe 1 (
# Titel) im Dokument auftaucht. Auf diese Weise lässt sich die Präsentation nach Folien gliedern. - Die Folie enthält zwei Textblöcke. Der erste enthält das Titelelement der Stufe 1. Im zweiten findet sich alles Folgende (bis zum nächsten Titel 1).
- Formatierungen (fett, kursiv und hinterlegte Hyperlinks etc.) bleiben erhalten, ebenso Aufzählungen und nummerierte Abschnitte.
- Kommentare (
<!-- Kommentar -->) erscheinen nicht in der Präsentation. Auf diese Weise lassen sich Sprechernotizen im Dokument unterbringen.
Zu beachten sind folgende Einschränkungen bzw. Eigenheiten:
- Die Titel ab Stufe 2 werden allesamt gleich dargestellt, nämlich in normaler Schriftgrösse und fett. Sie unterscheiden sich nicht von einer normalen, fett ausgezeichneten Textpassage. Das schränkt die Gliederungsmöglichkeiten ein.
- Verloren geht die Formatierung für Hervorhebungen (
==Gelb markiert==). Wer auch die exotischen Bausteine der Markdown-Syntax verwendet, sollte vorab einen Testlauf durchführen, was verwendbar ist und was nicht. - Die Textelemente sind allesamt gross formatiert (Titel 1 mit Schriftgrad 33, alles andere mit Schriftgrad 24).

Wenn wir das im Hinterkopf behalten, liefert uns Pandoc mit überschaubarem Aufwand eine brauchbare Präsentation. Bei der Nachbearbeitung konzentrieren wir uns auf folgende Dinge:
- Der Import der PPTX-Datei in Google in Google Slides: Wir achten darauf, dass wir für den Import eine Vorlage unseres Arbeitgebers verwenden, welche die gewünschten Standardelemente (Farbflächen, Logos, Schriftdefinitionen etc.) hinterlegt hat. Beim Import sollte die Option Ursprüngliches Design beibehalten nicht angekreuzt sein.
- Bei diesem Schritt werden ungeordnete Listen in nummerierte Listen umgewandelt (der Export von Pandoc ist okay!). Das nötigt uns einen manuellen, überflüssigen Korrekturschritt ab.
- Wir verkleinern die Schrift im zweiten Textblock so, dass alles auf eine Folie passt.
- Wir passen Formatierungen nach Bedarf manuell an, z. B., indem wir Titel der Stufe 2, 3, etc. manuell auf unterschiedliche Grössen oder Formatierungen bringen.
- Mit so wenig Aufwand wie möglich nehmen wir ein paar Anpassungen vor, damit die Präsentation nicht monoton wirkt und zum üblichen Look passt.
Perfekt ist dieser Weg nicht. Aber er bringt mit vertretbarem Aufwand ein brauchbares Resultat.
3) Unbrauchbar: Präsentations-Tools von Drittanbietern
Bei der Recherche bin ich auf md2googleslides gestossen. Das verspricht, es erzeuge Folien aus Markdown und HTML. Aber: Man müsste es via Befehlszeile ausführen und über die Slides-API benutzen. Das ist mir, und ich sage das ungern, für den Alltag zu nerdig. Das gilt desgleichen für Marp. Vielversprechend finde ich sli.dev. Das Tool lässt sich im Browser nutzen. Das sieht vielversprechend aus, doch bei meinem ersten Versuch bekam ich keine fertige Präsentation hin. Ein Fehler im Markdown brachte die App ins Stolpern und nach einem neuen Versuch mittels F5 startete die Anwendung nicht mehr.
Slidesgenerator klinkt sich über eine Erweiterung (ein Plug-in) in Google Docs ein und bietet dort die Dienste an. Allerdings macht diese Software aus jeder einzelnen Zeile eine separate Folie. Ich habe es nicht geschafft, dieses Verhalten via Einstellungen zu ändern. Mir ist nicht klar, in welcher Welt das Sinn ergibt. Das Resultat ist leider unbrauchbar.
4) Fast wie russisches Roulette: Wir bemühen die KI
Aber, werden sich viele fragen: Was ist mit der KI? Hilft die uns nicht aus der Bredouille?
Meine Antwort, nach einigen Experimenten, ist ein trauriges Kopfschütteln. Ich habe konkret folgende Dinge ausprobiert:
- Weder Gemini in Google Workspace noch Copilot in Microsoft Office ist der Aufgabe gewachsen. Diese beiden KIs können – wenn es hochkommt – einzelne Folien erstellen. Aus einem längeren Dokument eine ausgewachsene Präsentation herzustellen, überfordert die künstliche Intelligenz. Zumindest bis jetzt. Ich wäre nicht überrascht, wenn das in einem Jahr oder schon in ein paar Monaten möglich wäre. Hinweis zu Copilot: Diese App behauptet, mir eine Präsi zu generieren und zeigt nach längerem Hin und Her eine Datei an. Bloss lässt die sich nicht herunterladen.
- Es gibt spezialisierte KIs wie den hier getesteten Folienknecht für Powerpoint-Hasser. Er bekommt längere Präsentationen auf die Reihe. Doch das Endresultat lässt sich nur schlecht steuern. Die Arbeit, all die KI-generierten Extravaganzen wieder einzufangen, scheint mir unvertretbar gross.
- Was funktionieren könnte, wäre ein agentischer Workflow. Das heisst, wir verwenden einen Browser wie Atlas von OpenAI und instruieren die KI, uns anhand des Markdown-Dokuments manuell eine Präsentation zu bauen. Diesen Ansatz habe ich bislang nicht durchgespielt, aber falls ich Zeit finde, probiere ich es aus und erstatte Bericht.

5) Wer mag: Mit Appscript experimentieren
Gemini schlug mir vor, ein Appscript zu verwenden. Das ist Googles Programmiersprache für den Workspace. Gemini lieferte den passenden Code. Der Vorteil dieser Methode liegt auf der Hand: Wir geben an, wie unser Markdown-Dokument strukturiert ist und wie es umgewandelt werden soll.
Aus Zeitgründen beschritt ich diesen Weg bis dato nicht zum Ende. Eventuell hat er Potenzial. Leute, die häufig präsentieren müssen oder dürfen, sollten ihn im Auge behalten (ich werde es ebenfalls tun.)