Es entbehrt nicht einer gehörigen Portion Ironie: Vor ein paar Tagen wollte ich bei Winfuture einen Artikel über den Kampf von Youtube gegen Werbeblocker lesen. Und was sehe ich? Eine unfreundliche Fehlermeldung, die den Artikel komplett zum Verschwinden bringt. Sie setzt mich darüber in Kenntnis, dass etwas schiefgelaufen sei: «Bitte deaktivieren Sie Funktionen, die die Website beeinträchtigen könnten». Die Funktion, die Winfuture beeinträchtigt, ist mein Werbeblocker¹.

Ich bin es gewohnt, dass mitunter die Aufforderung erscheint, meinen Werbeblocker zu deaktivieren. Gelegentlich wird sie in Kombination mit der Möglichkeit unterbreitet, stattdessen finanzielle Unterstützung zu leisten. In aller Regel gibt es einen kleinen, unscheinbaren Link, der die Möglichkeit einräumt, die Webseite ohne weitere Massnahmen zu besuchen. Der fehlt hier – die einzige Möglichkeit, die Seite zu lesen, besteht darin, den Lesemodus zu aktivieren, bevor die Fehlermeldung zuschlägt.
Die Frage steht im Raum: Ist diese Verhaltensweise klug?
Natürlich ist sie nachvollziehbar. Wer sein Webangebot über Werbung finanziert, der fürchtet um seine Einnahmen. Man könnte argumentieren, es sei ein Gebot der Fairness, Leute mit Adblocker auszusperren. Sie verschaffen sich einen unsportlichen Vorteil gegenüber jenem Teil des Publikums, der sich den Banner aussetzt.
Der Werbeblocker schützt auch vor Tracking
Leider ist es nicht so einfach: Der Wunsch, nicht mit Konsumaufforderungen behelligt zu werden, ist nicht der einzige Grund, einen Werbeblocker zu verwenden. Ein zweiter ist der Schutz vor Tracking. Über die eingebundenen Komponenten werden nicht nur Banner ausgespielt, sondern auch Informationen über Surferinnen und Surfer gesammelt. Welche Ausmasse das annimmt, war öfter Thema hier im Blog. Bei einem besonders krassen Beispiel sollten mir Hunderte von Drittanbieter-Cookies untergejubelt werden. Ebenso Microsoft: In Outlook werden um die 700 «Partner» mit Nutzerdaten versorgt (siehe hier und hier).
Was den konkreten Fall hier angeht, wird der Dialog jeweils von html-load.com ausgespielt. Da ich ihn nicht nur bei Winfuture.de, sondern auch bei persoenlich.com, computerbild.de, pons.com und einigen anderen Websites angetroffen habe, ist davon auszugehen, dass er zu einem weit verbreiteten Werbenetzwerk gehört.
Es kommt ein wichtiger Punkt hinzu. Nämlich die Frage, ob die Angst um Einnahmen gerechtfertigt ist. In vielen Fällen erhält der Betreiber einer Website lediglich dann Geld, wenn jemand tatsächlich auf ein Banner klickt. Dass die Online-Anzeige bloss ausgespielt wird, hat keinen Umsatz zur Folge. Das heisst: Bei Leuten, die sich Werbung grundsätzlich verweigern, ist nichts zu holen – gleichgültig, ob sie mit oder ohne Schutzsoftware unterwegs sind.
An dieser Stelle ist der Einwand gerechtfertigt, dass es auch andere Werbeformen gibt – auch solche, die anhand der reinen Impressionen Einkünfte generieren². Das stimmt – aber diese Werbung ist eher bei den reichweitenstarken Plattformen zu finden, bei denen ich den Dialog von html-load.com bislang nicht gesehen habe.
Eine Form des digitalen Selbstschutzes
Für mich überwiegen letztlich die folgenden Argumente für diese Form der Selbstverteidigung:
- Datenschutz ist ein Grundrecht.
- Es ist ein legitimes Anliegen, sich vor Spotankäufen schützen zu wollen. Wer sich Konsum nicht leisten kann oder will, sollte nicht dazu gezwungen werden, seine Zeit mit Botschaften zu verbringen, denen er sich aktiv verweigern muss.
Was die html-load.com nutzenden Websites betreiben, ist eine passiv-aggressive Verweigerungshaltung. Sie zeugt von einer Geringschätzung des Publikums³. Statt die Leute, die ihren Unmut gegenüber der Werbung aktiv zum Ausdruck bringen, mit dem Ausschluss zu bestrafen, wäre es sinnvoll, ihre Botschaft ernstzunehmen. Sie lehnen Werbung ab, die in der Tat oft aufdringlich und übergriffig ist und manchmal nötigenden Charakter hat – illustriert sei diese Tatsache anhand der Auswüchse, die wir bei der Werbung in Games sehen.
Ein Tipp für Betroffene
Abschliessend die Frage: Wie umgehen wir die Blockade von html-load.com – abgesehen vom oben geschilderten Trick mit dem Lesemodus? Unseren Werbeblocker deinstallieren wollen wir natürlich nicht.
Die Methode hängt von der eingesetzten Software ab. Bei manchen Schutzprogrammen lässt sich die fragliche Domain auf eine Ausnahmeliste setzen. Das wäre bei meiner Lösung, NextDNS, in den Einstellungen möglich.

Ich entschied mich für eine andere Methode. In Google Chrome – einem Browser, den ich normalerweise nicht verwende – aktiviere ich in den Einstellungen bei Datenschutz und Sicherheit > Sicherheit unter Erweitert die Option Sicheres DNS verwenden und setze beim Punkt DNS-Anbieter auswählen eine von Standardeinstellung des Betriebssystems abweichende Option. Welche, ist (fast) egal; wir können z. B. OpenDNS, Cloudflare oder Google Public DNS verwenden.
Das heisst: Ich muss entscheiden, ob mich eine Information so sehr interessiert, dass ich den Aufwand betreibe, Chrome zu bemühen. In den meisten Fällen komme ich zum Schluss, dass das nicht der Fall ist.
Fussnoten
1) Anmerkung dazu: Ja, ich verwende einen Werbeblocker, obwohl ich mich auf dieser Website hier über die Einnahmen freue, die ich über Werbung erziele. Das wirkt auf manche Leute widersprüchlich, bzw. heuchlerisch. Es ist meines Erachtens ein Ausdruck davon, dass wir nicht in einer perfekten Welt leben. Ich habe andere Monetarisierungsformen evaluiert, aber leider würde z.B. Patreon für mein Blog nicht funktionieren. Auf alle Fälle kann ich hervorragend damit leben, dass viele der Leserinnen und Leser meines Blogs selbst Werbeblocker in Betrieb haben.
Alles Weitere zu diesem Thema steht in meinem Rechenschaftsbericht. ↩
2) Konkret hängt es vom Werbemodell ab. Folgende Varianten sind üblich:
- CPM/vCPM (Cost per Mille): Bezahlung pro Tausend Impressionen. Geld fliesst auch ohne Klick.
- CPC (Cost per Click): Bei dieser Methode gibt es nur Geld, wenn jemand eine Werbung anklickt.
- CPA/CPL (Cost per Action/Lead): Hier gibt es nur Geld, wenn eine Aktion erfolgt bzw. ein Kontakt zustande kommt.
- CPV (Video-Views): Bezahlt wird für den Konsum eines Videos.
Es gibt auch Sponsoring- oder Pauschal-Kampagnen, bei denen die Reichweite im Zentrum steht. Die wird durch einen Werbeblocker naturgemäss verringert. ↩
3) Ich bin mir nicht sicher, ob alle der Websitebetreiber, die html-load.com eingebunden haben, wissen, dass sie einen Teil ihres Publikums aktiv vergraulen. Das wäre nicht vertrauenswürdig. Ich kritisiere obendrein, dass ich auf der (via Google Chrome besuchten) Website weder ein Impressum noch irgendwelche Informationen über den Betreiber finde. Immerhin: Über die angegebene E-Mail-Adresse habe ich schnell eine Antwort erhalten. Man würde mir tatkräftig helfen, meinen Werbeblocker zu deinstallieren – wozu ich allerdings Screenshots meiner Firefox-Konfiguration hätte einsenden müssen. An dieser Stelle lehnte ich dankend ab. ↩
@Matthias Ich habe mir angewöhnt, solche Seiten zu meiden.
Auch Seiten, die zwingend Javascript erfordern, damit sie überhaupt etwas anzeigen. Ich surfe generell mit aktiviertem NoScript und schalte es nur bei Bedarf ab.
Adblocker sind digitale Selbstverteidgung gegen überbordendes Datensammeln, Tracking und neuerdings auch Malware. Und wenn man betrachtet, mit welchem Aufwand und Penetranz die Unternehmen versuchen, an die/meine Daten zu kommen, bestärkt mich das umso mehr.
Remote-Antwort
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Ein Leben ohne Adblocker? Seit gefühlt 20 Jahren ist das aber nicht mehr möglich, weil Layerwerbung und Animationen mir den letzten Nerv rauben. Dazu stürzt z.B. Winfuture auf meinem alten iPhone ab, weil die Webseite nach 30 Sekunden so viel RAM braucht, dass der Browser abstürzt und vor lauter Werbung das iPhone richtig heiss wird. Das Datenvolumen will ich erst gar nicht messen und den Security-Impact durch all das Schmuddel-Javascript will ich erst gar nicht reden.
Man muss sich vielleicht die Frage stellen: Wem erlaube ich mich mit Informationen zu versorgen. Sind die Informationen von Winfuture wirklich so wichtig oder ist es einfach reine Unterhaltung? Ich will kein Konsum-Zombie sein, der 6 Stunden am Tag mit F5 vor dem Newsfeed sitzt und nur konsumiert. Gerade im KI-Zeitalter wird das immer wichtiger, weil man unendlich konsumieren kann.