Gelbes Verkehrsschild mit U-Turn-Symbol vor Bäumen. Strasse macht eine scharfe Kurve. Klarer Himmel im Hintergrund.
Im Web kommt es häufig vor, dass wir rechtsumkehren wollen (Jim Wilson, Unsplash-Lizenz).

Ein Tastaturkürzel, das das Surfen enorm erleichtert

Der «Undo»-Befehl für den Brow­ser: Eine Tas­ten­kom­bi­na­tion holt ver­se­hent­lich ge­schlos­sene Brow­ser-Reiter zurück. Plus: Eine aus­führ­li­che An­leit­ung, was ihr tun könnt, falls ein Tas­ta­tur­kür­zel unter Win­dows nicht funk­tio­niert.

Der Tipp: Geschlossene Browsertabs wieder öffnen

Screenshot eines Browser-Menüs mit zuletzt geschlossenen Tabs. Es zeigt eine Liste von Webseiten, die kürzlich besucht wurden, mit Optionen zum Wiederöffnen der Tabs.
Über dieses Menü lassen sich Reiter reaktivieren – eine umständliche Methode.

Dieser Blogpost startet harmlos: mit einem schönen Trick für euren Alltag im Internet. Er besteht in einem simplen, aber durchschlagenden Tastaturkürzel für den Browser. Das bewirkt, dass die zuletzt geschlossene Webseite wieder geöffnet wird. Ihr betätigt Ctrl Shift t bei Windows, bzw. Cmd Shift t beim Mac, und die Wiederauferstehung des entsprechenden Reiters nimmt ihren Lauf.

Das Schöne an der Sache ist, dass er in allen gängigen Browsern funktioniert, d. h., nicht nur in Firefox, sondern genauso in Chrome und Safari. Und klar, wir können den zuletzt geschlossenen Reiter auch übers Menü zurückholen (via Dreistrich-Menü und den Befehl Chronik > Kürzlich geschlossene Tabs oder durch einen Rechtsklick auf die Reiterleiste und Geschlossenen Tab wieder öffnen bei Firefox).

Aber für meinen Geschmack ist das zu umständlich. Zumal es mir andauernd passiert, dass ich Websites verfrüht beseitige. Schuld ist mein Bedürfnis, die Zahl der offenen Reiter auf ein überschaubares Mass zu beschränken. Mitschuld trägt die Tastenkombination Ctrl w. Sie geht locker von der Hand und schliesst – wiederum in allen Browsern – den Reiter mit dem Fokus.

An dieser Stelle könnte der Blogpost bereits zu Ende sein. Ich nehme es keineswegs übel, wenn ihr die Lektüre  einstellt. Aus Gründen muss ich jedoch einen langen Epilog anfügen.

Epilog: Konflikte bei Tastaturkürzeln auflösen

Schuld ist eine seltsame Begebenheit. Denn während ich das Reiter-Wiederbelebungs-Tastaturkürzel bei Mac problemlos nutzen konnte, funktionierte das Gegenstück bei Windows nicht. Gleichgültig, wie oft ich Ctrl Shift t drückte, es passierte nichts. Was mich unweigerlich dazu brachte, einem uralten Windows-Manko hinterherzurecherchieren.

Bei Microsofts Betriebssystem fehlt die globale Übersicht aller Tastaturkürzel. Die wäre für diesen Fall hier entscheidend. Die Ursache, wenn ein Shortcut weder in Firefox, noch in Chrome oder Edge liegt darin, dass er auf globaler Ebene reserviert wurde: Systemweite Tastaturkürzel haben Vorrang vor den Tastenkombinationen in einer Anwendung.

Nun sollte man denken, es sei kein Problem, den Übeltäter zu eruieren. Wir drücken die Taste und warten, was passiert. Denn anstelle der erwarteten und erwünschten Aktion müsste logischerweise irgendetwas anderes passieren. Dieses Ereignis würde uns sofort auf die Spur des Programms bringen, das auf dem begehrten Tastaturkürzel hockt. Doch Pustekuchen. Ich drückte und drückte, und es passierte gar nichts.

Was in jedem Zusammenhang (🚽) ärgerlich ist. Wie Licht ins Dunkel bringen? Es gibt einschlägige Tipps im Netz. Auf Superuser wird die Causa diskutiert, und es gibt Lösungsvorschläge:

  1. Wir versuchen unser Glück mit dem Programm Hotkeyslist.
  2. Wir wagen einen Versuch mit dem Malware-Detektions-Programm Openark.
  3. Ein Visual-Basic-Script hilft uns auf die Sprünge.

Der erste Tipp klingt vielversprechend. Das Programm stammt von Nir Sofer, der hervorragende Windows-Utilities entwickelt und deswegen hier im Blog in den höchsten Tönen gelobt wird. Doch sein Programm hilft nicht weiter: Es zeigt eine Übersicht der registrierten Tastaturkürzel. Das hilft, eine freie Kombination aufzuspüren. Aber es zeigt nicht an, welches Programm (bzw. welcher Prozess) ein Kürzel in Verwendung hat.

Fenster der Software «HotKeysList» zeigt eine Liste von Tastenkombinationen mit den Spalten für Alt, Ctrl und Shift, hervorgehoben mit Sternen. Unten ein Link zu NirSoft Freeware.
Hotkeyslist zeigt an, welche Kürzel belegt sind – verrät aber nicht, wodurch.

Auch die zweite Option verpufft in der Luft. Es gibt zwar vielversprechende Screenshots von Openark, die eine schlüssige Tastaturkürzelliste zeigen. Das Programm selbst verschwand leider vor Wochen spurlos aus dem Netz.

Bleibt die dritte Option: Mit grosser Skepsis kopierte ich den angegebenen VBS-Scriptcode¹ in meinen Editor, änderte in der ersten Zeile die Konstante rootdir in den Pfad meines Benutzerverzeichnisses ab ("C:\Users\[Benutzer]") und liess es laufen.

Doch meinem Unglauben zum Trotz lieferte dieses archaische Stück Software einige Minuten später die Erklärung für das Problem: In meinem Startmenü² steckte eine Verknüpfung zu einem Programm, bei der die fragliche Kombination hinterlegt war.

Damit ist der Fall gelöst: Bei Windows ist es seit Urzeiten möglich, Anwendungen per Tastaturkürzel zu starten (siehe auch hier). Eigentlich eine gute Idee. Nur: Wenn die Anwendung selbst nicht mehr vorhanden ist, dann greift das Kürzel nicht mehr. Da die Verknüpfung weiter existiert, reserviert Windows es weiterhin. Es wird ausgeführt, aber ohne dass eine App gestartet würde. Auch eine Fehlermeldung bleibt aus.

Fazit: Ein Fall von Selbstsabotage

Wir stellen zwei Dinge fest:

Erstens ist das ein frappierender Konstruktionsfehler. Verwaiste Verknüpfungen sind bei Windows unvermeidlich, ärgerliche Probleme ebenso. Das ist Teil des uralten Problems, dass bei Microsofts Betriebssystem Software von Drittherstellern nicht sauber entfernt wird.

Zweitens habe ich mich offensichtlich selbst sabotiert. Immerhin ergibt sich aus diesem traurigen  Umstand eine lustige Pointe für diesen Blogpost. Die App, die ich früher per Tastaturkürzel gestartet hatte, an die ich mich nicht mehr erinnern konnte, ist natürlich eine, die mit T anfängt. Dreimal dürft ihr raten, welche es ist.

Und ja, Twitter ist richtig.

Fussnoten

1) Das ist der Code, den ich aus dem Grund hier dokumentiere, weil nützliche Dinge leicht aus dem Netz verschwinden:

Const rootdir = "c:\"

Set fso = CreateObject("Scripting.FileSystemObject")
Set wshell = CreateObject("WScript.Shell")

logname="test.txt"
Set logfile = fso.CreateTextFile(logname,True)
logfile.Write "Searching for shortcuts with hotkeys" & vbCrLf

recursedirs( fso.GetFolder(rootdir) )

logfile.Write "Done searching" & vbCrLf
logfile.Close

Sub recursedirs(dir)
    If trylistdir(dir) Then
        For Each subdir In dir.SubFolders
             recursedirs subdir
        Next

        For Each file In dir.Files
            extn = fso.GetExtensionName(file.Path)
            if LCase(extn) = "lnk" Then
               check(file.Path)
            end if
        Next
    End If
End Sub

Function trylistdir(dir)
  On Error Resume Next
  trylistdir = (dir.SubFolders.Count + dir.Files.Count >= 0)
End Function

Sub check(fname)

    Set lnk = wshell.CreateShortcut(fname)
    hk = lnk.Hotkey
    if (hk<>"") then
       logfile.Write fname & " : " & hk & vbCrLf
    end if

End Sub

2) Diese Verknüpfungen sind im Ordner C:\Users\[Benutzer]\AppData\Roaming\Micro­soft\Windows\Start Menu\Programs\ abgelegt.

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