Person von hinten in Jeans und weissem T-Shirt, lehnt an grauer Wand. Hände in Hosentaschen, Aufdruck auf T-Shirt und Jeans sichtbar.
Beim Vergleich mit den Jeansschnitten repräsentiert Word die Baggy Pants, Google Docs die Boyfriend Jeans und Markdown ist Skinny Fit (Tamara Bellis, Unsplash-Lizenz).

Markdown sitzt. Und kneift an wenigen Stellen

Schlanke, sauber struk­tu­rierte Text­do­ku­mente statt chao­ti­scher For­mat­sa­lat wie bei Microsoft Word und Google Docs: Das ist nur einer der Vor­teile der Aus­zeich­nungs­sprache. Einen Nachteil hat sie leider. Aber mit den Tipps hier be­kom­men wir sie in den Griff.

Markdown ist eine Methode, um einen Text mit Formatierungen auszustatten¹. Seit ich im Oktober 2012 zum ersten Mal mit ihr in Berührung kam, lernte ich sie zunehmend schätzen – aus diesen sieben Gründen:

  1. Es gibt zwar Markdown-Apps, aber die sind optional. Falls wir die Syntax intus haben – was kein Elefantengedächtnis erfordert –, können wir genauso einen beliebigen Texteditor verwenden.
  2. Es gibt keine Hürden beim Dateiaustausch; die Textdokumente lassen sich beliebig zwischen den Programmen und Plattformen transferieren².
  3. Es herrscht eine klare Trennung zwischen Inhalt und Gestaltung: Während ich schreibe, brauche ich mir keine Gedanken darüber zu machen, wie der Text am Ende formatiert werden soll. Es ist jederzeit möglich, die Formatierungsvorlage zu ändern und die Darstellung für verschiedene Zwecke anzupassen.
  4. Die Konvertierung in viele andere Formate ist über die Editoren oder über Webanwendungen gewährleistet.
  5. Die Dateien sind sauber strukturiert und enthalten (anders als bei Microsoft Word oder Google Docs) keinen Ballast.
  6. Sie lassen sich deswegen hervorragend automatisiert verarbeiten. Die gängigen KI-Sprachmodelle verstehen und verwenden Markdown.
  7. Schliesslich ist der Markdown-Ansatz ideal für Apps, die uns dabei helfen, uns aufs Wesentliche zu konzentrieren – unsere Inhalte. Ein Beispiel dafür ist die Schweizer Präsentations-Apps IA Presenter.

Eine Erfolgsgeschichte!

Wir dürfen von einer Erfolgsgeschichte sprechen. Die Auszeichnungssprache hat zwar Formatierungs-Monster wie Word nicht hinweggefegt. Aber sie ist inzwischen im «Mainstream» angekommen, wie diese zwei Beispiele belegen:

1) Markdown bei Apple in der Notiz-App

In der Notiz-App am iPhone und iPad lassen sich Einträge im Markdown exportieren. Dazu betätigen wir den Teilen-Knopf und im Sharesheet den Befehl Als Markdown exportieren. (Mehr dazu in meinen Tipps zu iOS 26.)

2) Markdown in Google Docs

Noch toller: Google zeigt in den Office-Anwendungen Herz für Markdown-Freunde:

  • In Google Docs weisen wir Formatierungen via Markdown zu. Wir formatieren z.B. einen Absatz als Titel, indem wir ihn mit # einleiten. Damit das klappt, muss unter Tools > Einstellungen in der Rubrik Allgemein die Option Markdown aktivieren eingeschaltet sein.
  • Unter Datei > Herunterladen findet sich die Option Markdown (.md), die eine ballastfreie Version des Dokuments produziert. Nachteil: Eingebettete Bilder werden nicht als separate Dateien exportiert, sondern als data URI scheme in die Textdatei integriert (als data:image-Blob). Das ist unpraktisch.

Ich gebe inzwischen Markdown den Vorzug, wenn das praktikabel ist und ich davon ausgehen kann, während der Arbeit nicht an eine ärgerliche Limitation zu stossen.

Grund für Ärger gibt es trotzdem

Dem Lob für Markdown zum Trotz passiert das leider gelegentlich. Das sind die häufigsten Schwachstellen. Neudeutsch würde man von Pain Points sprechen:

  • Die Unterstützung für Tabellen ist rudimentär. Es fehlt die Möglichkeit, Elemente in der Zelle auszurichten (rechts, links, oben, unten) oder mehrere Zellen zu verschmelzen.
  • Geschützte Leerzeichen lassen sich natürlich via Unicode eingeben (bei Windows, indem wir bei gedrückter Alt-Taste 00160 auf dem Ziffernblock tippen). Das dürfte einfacher gehen.
  • Die Position und Grösse von Bildern lassen sich nicht steuern.
  • Der Standard wird nicht durchgängig einheitlich umgesetzt – siehe Kommentar von Simon.
  • Es gibt zwar ein Format für Zitate (Blockquotes) und Programmcode, aber keines für Bildunterschriften.
  • Und vor allem ist die Definition eigener Absatzformate nicht vorgesehen.

Dieses letzte Manko ist meines Erachtens das grösste. Selbst bei simpel strukturierten Dokumenten gibt es bestimmte Elemente, die für die Gliederung des Textes und eine konsistente Struktur speziell ausgezeichnet werden müssten. Ich denke an Dinge wie …

  • die Zusammenfassung am Anfang (auch Abstract, Exzerpt oder im journalistischen Kontext Lead genannt),
  • Marginalien und Randnotizen,
  • Kästen oder Boxen,
  • Beispiele, Fussnoten, Definitionslisten,
  • Kommentare, die nicht in der publizierten Fassung erscheinen sollen,
  • Glossare, Erklärungen, Definitionen und
  • Wörter, die im Index erscheinen sollen.

Für diese formalen Aspekte gibt es ein Hintertürchen. Wir dürfen bei vielen Markdown-Editoren auch HTML-Tags im Text unterbringen. Bei Typora, meinem angestammten Editor für Windows, ist das ohne Weiteres möglich: Um dort z. B. ein Exzerpt zu platzieren, könnten wir den HTML-Tag strong mit der passenden Klasse benutzen:

<strong class="excerpt">Das hier ist wichtig</strong>

Eine Box mit mehreren Abschnitten liesse sich über einen div-Block einfügen. Manche Programme unterstützen auch die Erweiterung Fenced Divs, mit der solche Blöcke über mehrere Doppelpunkte eingefügt werden.

In Typora lassen sich die Antworten mit den Formatierungen speichern.

Ist das sinnvoll oder verwässert das die Idee der simplen, aufs Wesentliche reduzierten Auszeichnungssprache? Die Antwort darauf hängt, natürlich, von persönlichen Vorlieben ab. Für Nerds eröffnet sich auf alle Fälle ein Tummelfeld ungeahnten Ausmasses. Denn Markdown lässt sich bei Bedarf hervorragend spezifischen Bedürfnissen anpassen. Das zeigt die Variante R Markdown für Statistikerinnen, wovon wir auch im R Markdown Cookbook einen Eindruck erhalten …

Ein abschliessender Tipp: Mit dem erwähnten Editor Typora ist es keine Sache, Dokumente von Google Docs oder Microsoft Word zu übernehmen. Es gibt zwar keine Importfunktion, aber via Zwischenablage klappt es gut. Die meisten (aber leider nicht immer alle) Formatierungen kommen mit, und der Ballast bleibt auf der Strecke.

Fussnoten

1) Für eine Passage in Fett setzen wir zwei Sterne an den Anfang und ans Ende (**Fett**), ein Titel wird je nach Hierarchiestufe mit einem oder mehreren Rauten am Anfang ausgezeichnet (# Überschrift Ebene 1) und für eine Aufzählung braucht es nur einen Stern am Anfang eines Listeneintrags (* Aufzählungspunkt in ungeordneter Liste). Eine ausführliche Dokumentation findet sich hier.

2) Einschränkung: Wie bei Textdateien üblich, können unterschiedliche Konventionen bezüglich Zeilenumbrüche oder Codierungen zu Problemen kommen. Es kann auch sein, dass nicht alle Editoren die Vorgaben exakt gleich interpretieren. Das liegt daran, dass die ursprüngliche Definition nicht in allen Bereichen exakt war. Mit den CommonMark-Spezifikationen sollte dieses Problem gelöst sein – dennoch ist auch heute denkbar, dass gewisse Erweiterungen der Syntax nicht in allen Programmen unterstützt werden.

7 Kommentare zu «Markdown sitzt. Und kneift an wenigen Stellen»

  1. @Matthias Ich mag Markdown auch sehr. Aber gerade wer über verschieden Editoren hinweg arbeitet nervt sich schnell an der Einheitlichkeit wie mit Zeilenumbruchen umgegangen wird. Auch das viele Webapplikationen die auf Markdown setzen keine Fussnoten unterstützen ist ein Unding. Anderseits müssen gerade dann auch die Fussnoten unterschiedlich eingegeben werden, was auch nervt.
    Damit Markdown sich noch mehr durchsetzt, bräuchte es a) einen genau definierten Standard und ja du hast recht b) ein paar mehr Formatierungsmöglichkeiten.
    Der Umweg via HTML (denn ich jetzt oft auch nehmen muss), sollte nicht mehr länger nötig sein.

  2. Ich mag Markdown und nutze es seit Jahren für wirklich alle meine Notizen, Texte, mein Wiki legt bspw. alles in Markdown ab. GERADE das ich vieles nicht machen kann, ist gut – weil du dann schnell wieder gegen das arbeitest, was mit dem Format eigentlich erreicht werden soll: dich auf Text konzentrieren. Bilder binde ich höchst selten ein; Tabellen ebenso – dafür gibt es andere Tools, andere Auszeichnungssprachen. Mir hilft Markdown dabei fokussiert zu schreiben. Das „Problem“ des Leads: einfach den ganzen Absatz mit einer der h- oder (so mach ich es) mit ** markieren. ¯\_(ツ)_/¯

  3. Don’t break it! Markdown ist gerade deshalb so toll, weil es eben all das Zeugs mit Tabellen, Marginalien und Fussnoten NICHT kann. Seien wir ehrlich: im schnellen Notizenalltag ist das alles nicht nötig. Und was die Trennung Inhalt – Design angeht, da wird es gerade bei den gewünschten Elementen schnell kompliziert und ausufernd.

    Ein Tipp noch zu Word: es gibt ein fantastisches Plugin namens Writage, mit dem man Markdown problemlos in und aus MS Word bringt.

  4. Was ich an Markdown liebe: es gibt soviel verschieden Standards.
    @Matthias

  5. Schon bei HTML hat man gemerkt, dass man die Formatierung vom Inhalt trennen sollte, und CSS entwickelt.

    Um Markdown-Dokumente schön zu formatieren, kann ich Typst empfehlen. Das „kompiliert“ PDFs aus Markdown.

    Ich stand kürzlich vor der Aufgabe, aus Vereinsprotokollen aus 50 Jahren ein Buch zu erstellen. Dank Visual Studio Code mit installierter Typst-Extension und passendem Template war das eine schnelle Sache. Mit Titelseite, Inhaltsverzeichnis, korrekten Seitenumbrüchen, Kapitelbeginn immer auf ungerader Seite etc.

    Typst ist so schnell, dass man eine Live-Vorschau hat.

    Zudem kann man Daten aus JSON- oder XML-Dateien laden. Es wäre möglich, die Inhalte dieses Blogs in XML zu exportieren und daraus ein Buch zu rendern. 🙂 (Professionell verwendet man das aber beispielsweise, um automatisiert Datenblätter zu erstellen.)

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