Die Spielmechanik von Geoguessr (iPhone und iPad und Android) ist maximal simpel: Das Game katapultiert uns auf irgendeinen Punkt auf dieser Erde – auf eine Strasse, einen Platz oder auch einen Feldweg.

Wir blicken uns um, halten Ausschau nach Hinweisen wie Tafeln, Geschäftsnamen, Werbeplakaten oder Flaggen. Oder wir fühlen uns an eine Ferienreise erinnert und wissen sofort, wo wir sind. Dann tippen wir auf den Lösungsknopf und navigieren auf einer Weltkarte zum Ziel, das wir mit einer Stecknadel kennzeichnen. Die App verrät uns daraufhin, wie genau wir uns an den gesuchten Punkt herangetastet haben. Sind es Kilometer oder nur ein paar Meter? Oder haben wir uns im Land oder sogar beim Kontinent geirrt?
Wie der Filmheld mit Gedächtnisverlust
Das macht erstaunlich viel Spass. Einerseits erinnert es an die Romane und Filme, in denen der Held ohne jede Erinnerung an frühere Geschehnisse in einem Hinterhof aufwacht und erst einmal herausfinden muss, wo er sich befindet und was Sache ist. Einerseits schult es die Beobachtungsgabe: Der Gesamteindruck verrät meist die Weltregion und sagt uns, ob wir uns in einem nördlichen oder südlichen, armen oder reichen Land befinden, und die Details helfen, die Vermutungen zu verfestigen und die grobe Verortung zu verfeinern.

Natürlich hilft es, wenn man mit der Geografie, den Flaggen, Sprachen und den Sehenswürdigkeiten der Länder dieser Erde vertraut ist: Die Weltenbummler unter uns haben einen unbestreitbaren Vorteil. Trotzdem macht es auch Kindern Spass. Ich habe mit meiner Tochter viele Runden gespielt – mit Tipps und kleinen Fingerzeigen wächst das Verständnis für die entscheidenden Details. Und wenn der Globus in Reichweite steht, auch das Wissen für unseren Planeten.
Die App verschafft uns beim Start leichte Erfolgserlebnisse: Es gibt jeweils klare Indizien, auch wenn wir uns um die eigene Achse drehen müssen, weil wir mit dem Rücken zum Tadsch Mahal standen. Die meisten Orte stammen aus den Hauptstädten der Länder – aber schnell wird es schwieriger. Wo ist das Tal der Könige genau? Und Stonehenge? Irgendwo im Süden Englands ist nicht genau genug.
Das Ende des Countdowns ist nicht das Ende des Levels
Die App zeigt einen Countdown. Der Clou ist aber, dass nach Ablauf der Zeit das Level nicht verloren ist. Stattdessen verlieren wir die Möglichkeit, uns in Google Streetview – denn daher stammen die Impressionen – weiterzubewegen: Wir müssen versuchen, die Aufgabe anhand der letzten Position zu knacken.

Nebst dem hier beschriebenen Classic-Spielmodus hält Geoguessr auch einen Multiplayer-Modus und den Partymodus bereit. Bei Letzterem liefern wir uns ein Duell gegen einen Spieler im gleichen Raum, der sich über einen Invite-Code dazugesellt. Natürlich gibt es einen Store. In dem schalten wir für 23.90 Franken im Jahr oder 3.50 Franken pro Monat das Pro-Mobile-Abo frei, mit dem wir mehr Tickets, also zusätzliche Spielmöglichkeiten, erhalten und als Host eigene Partien ausrichten. Es gibt für 35.90 Franken pro Jahr oder 4.95 Franken auch ein Abo, mit dem sich Geoguessr im Browser und via Steam spielen lässt. Tickets lassen sich auch einzeln kaufen.
Auch für die Ferienplanung hilfreich
Fazit: Eine naheliegende Spielidee, solide umgesetzt. Die Kritik aus Sicht von Nutzerinnen und Nutzern bezieht sich auf das Abomodell, das sich für so einen Titel nicht aufdrängt – ein Einmalkauf für fünf Franken wäre angebracht. Zum Glück lässt sich auch die Gratisvariante bestens nutzen.
Und wer nicht weiss, wo er die nächsten Ferien verbringen will, holt sich Geoguessr und reist in das erste Land, das er nicht erraten hat!
Beitragsbild: Das Weisse Haus, damals noch mit dem (nicht sichtbaren) East Wing, von mir höchstselbst 1992 fotografiert. Im Geogessr-Spiel muss man sich umdrehen, um es zu entdecken.
Zum Einmalkauf Meiner Meinung nach ist hier ein Abo ausnahmsweise akzeptierbar. GeoGuessr muss ja auch für Google Maps Lizensgebühren an Google zahlen.Das rechtfertigt das meiner Meinung nach das Abo obwohl es natürlich schön wäre wenn man nur die Gebühren bezahlen müsste und man sonst einen Einmalkauf machen kann aber wir leben im Kapitalismus…
Guter Hinweis, danke!
Die Aargauer Zeitung hat unter punktlandung.ch vor einigen Jahren ein ähnliches Spiel betrieben. Es war im Browser und ohne Registrierung spielbar. Leider ist die Website nicht mehr erreichbar.
Ein solches Spiel würde sich als Aufgabe für ein Vibe-Coding-Projekt eignen. Falls mal jemand einen Artikel darüber schreiben wollte… 🙂