2025 war ein ausgezeichnetes Tom-Hillenbrand-Jahr: «Lieferdienst» als «Snow Crahs»-Parodie lieferte im Januar einen gelungenen Auftakt. Mit «Thanatopia» bin ich im Sommer nicht richtig warm geworden, doch andere mochten das Buch aufrichtig. Und auch am Anfang des neuen Jahrs noch höchst bekömmlich ist Verhängnisvoller Champagner: der achten Folge aus der Reihe mit dem ermittelnden Starkoch aus Luxembourg, Xavier Kieffer.

Und ja: Die Geschichte prickelt, sie geht in den Kopf und hebt die Stimmung. Das liegt an den richtigen Zutaten. Es gibt einen glaubwürdigen Plot, der schön mit der Biografie der Hauptfigur verwoben ist. Er hat genügend Facetten für abwechslungsreiche Ermittlungen, und der sozialkritische Aspekt des modernen Taglöhnertums gibt ihm genügend Tiefe.
Die motorradfahrende Kommissarin bleibt hinter den Erwartungen zurück
Und wir treffen unsere Lieblings-Nebenfiguren wieder: Valérie Gabin, die Freundin von Xavier, den trinkfesten Finnen Pekka Vatanen und den «Küchen-Leonardo», den argentinischen Koch Leo Gutiérrez-Esteban mit dem losen Mundwerk, der sich in dieser Geschichte mal wieder selbstständig macht. Auch Commissaire Joana Lobato hat einen kurzen Auftritt, wobei sich die Stimmung zwischen ihr und Kieffer merklich abgekühlt hat – wo doch bei Band fünf (Gefährliche Empfehlungen) eine Affäre in der Luft lag. Das ist verzeihlich – vor allem, weil das Hörbuch (zum Glück) vom angestammten Sprecher Gregor Weber gelesen wird – wie gewohnt grossartig.
Wie der Titel des Buchs verrät, dreht sich die Geschichte um den Schaumwein, sowie die Marketing- und Manipulationsmöglichkeiten, die dieses edle Getränk bereithält. Wie bei den früheren Büchern hat Hillenbrand keine Skrupel, uns allfällige Illusionen zu rauben, was die Herstellung dieses Produkts angeht: Auch beim Champagner, Crémant und Konsorten wird gepanscht und getrickst, wie es das Gesetz und die Geschmacksnerven der Kundschaft zulassen. Der Ausgangspunkt ist der Todesfall eines alten Freundes, mit dem Kieffer eben noch verabredet war, und mit dessen Freundin Fabienne der Held der Geschichte vor Jahren kurz liiert war. Nun kommt der ehemalige Weggefährte in den Kellern seiner Winzerei unter einem riesigen Regal ums Leben. War es ein Unfall oder Mord? Die Entlarvung der Täterschaft war – für einmal – kein riesiges Geheimnis; ich hatte schon so etwas geahnt. Das tat dem Vergnügen keinen Abbruch, und ich ziehe Whodunit-Konstellationen mit einem plausiblen, aber nicht völlig überraschenden Ausgang den waghalsigen Konstruktionen vor, auf die man niemals gekommen wäre – aber denen man die Absicht des Autors, die Leserschaft in die Irre zu führen, deswegen deutlich anmerkt.
Der niederländische Gangster bleibt etwas blass
Fazit: Santé! Eine Leseempfehlung für Leute, die auf Krimis mit Lokalkolorit stehen. Wie immer gilt: Leute, die mit der Reihe nicht vertraut sind, fangen besser vorn an. Vorwissen aus früheren Büchern ist fürs Verständnis nicht zwingend notwendig, aber es erhöht das Lesevergnügen. Wenn etwas kritisiert werden müsste, dann die Wendung, bei der Kieffer vor seinem Lokal angegriffen und zusammengeschlagen wird. Diese Unbekannten – Achtung, jetzt folgt ein kleiner Spoiler – spielen im weiteren Verlauf keine wesentliche Rolle. Und obwohl sie eine Drohung gegen Valérie ausstossen, führen sie keine Spannungssteigerung herbei. Ja, nicht einmal Kieffer fühlt sich sonderlich bedroht.
Beitragsild: Es gibt Leute, die dafür morden (Alexander Naglestad, Unsplash-Lizenz).