Zwei Smartphones nebeneinander, linkes grösser als das rechte, beide mit verschiedenen Apps auf dem Bildschirm. Hintergrund unscharf.

Eine App für die Smartphone-Nostalgie

Eine fast perfekte Wie­der­auf­er­ste­hung von iOS 4: OldOS si­mu­liert das iPhone-Be­triebs­sys­tem von 2010 mit den meisten Apps und viel Liebe zum Detail.

Hier geht es um zwei Apps, von denen ich sehr hoffe, dass sie es in Apples App Store schaffen werden. Sie wecken warme Erinnerungen an die gute alte Zeit – wobei völlig klar ist, dass bei derlei Schwärmereien viel Verklärung im Spiel ist. Denn nüchtern betrachtet, war es nie so gut wie in der Gegenwart. Selbst für Leute, die mit dem neuen Liquid-Glass-Look von iOS noch immer nicht warm werden.

Die nostalgischen Gefühle habe ich OldOS von Zane zu verdanken. Das ist ein junger Entwickler, der sich der Wiedererweckung von iOS 4 von 2010 verschrieben hat. Er entwickelt sie als detailgetreue Nachbildungen für die heutige iPhone-Generation. Und sie wirken so authentisch, wie es angesichts der Fortschritte bei der Hardware (etwa Bildschirmgrösse und Auflösung) und der technischen Limiten (beispielsweise bei der virtuellen Tastatur) überhaupt möglich ist. Ich fühlte mich jedenfalls in die Zeit zurückversetzt, als das iPhone noch neu, ungewohnt und aufregend war.

Eine bittersüsse Reise in die unschuldige iPhone-Vergangenheit

Das ist bittersüss. Einerseits ist unbestreitbar, wie gross die Fortschritte sind. Ernsthaft würde ich nicht mehr mit dem iPhone 3G arbeiten wollen. Es gab keine iCloud, keine Mitteilungszentrale und nicht einmal iMessage. Andererseits zeigt sich bei manchen Apps eine Fokussierung, die über die Jahre verloren ging. Die Eleganz und Einfachheit wichen einer Funktionsvielfalt, die natürlich ihre Vorteile hat, aber nicht mehr sonderlich charmant ist. Besonders deutlich wird das bei der Musik-App, die seit der Einführung von Apple Music nicht mehr das ist, was sie einmal war.

Nun möchtet ihr natürlich wissen, wie ihr an die Apps herankommt: Wie angedeutet, sind sie nicht offiziell verfügbar. Ich konnte sie mir via Testflight beschaffen. Ich wurde 2022 auf OldOS aufmerksam und folgte Zane damals auf Twitter – wo er Einladungen für OldOS veröffentlicht. Das Kontingent dürfte inzwischen ausgeschöpft sein. Darum bleibt mir hier leider bloss, zwei Empfehlungen auszusprechen:

Erstens natürlich, auf Twitter Ausschau nach der nächsten Gelegenheit zu halten. Eine zweite Möglichkeit besteht darin, die App selbst anhand des Quellcodes zu kompilieren und via Xcode aufs Telefon zu bringen – diese Methode beschreibe ich hier, obwohl sie bei mir damals nicht funktionierte.

Eine Hand hält ein Smartphone, das ein Musikstück mit schwarzem Pfeffer-Design zeigt. Ein weiteres Smartphone mit Apps liegt auf dem Tisch. Im Hintergrund ist eine Computertastatur.
Musikhören wie früher – die iPod-App.

Alle Apps sind da – aber nicht alle sind voll funktionsfähig

OldOS umfasst Messages, Calendar, Photos, Camera, Youtube (natürlich mit dem Röhrenfernseher-Icon), Stocks, Maps, Weather, Notes, iTunes, App Store, Game Center, Settings und Contacts, sowie Phone, Mail, Safari und iPod im Dock – ja, tatsächlich, die hiess ursprünglich iPod und nicht Musik. Sie gibt es auch separat als Pod-App – woher ich die Testflight-Einladung für die erhalten habe, konnte ich auf die Schnelle nicht mehr rekonstruieren.

Einige abschliessende Beobachtungen:

  • Die Wetter-App zeigt keine aktuellen Daten an und erlaubt es auch nicht, nebst Cupertino und New York andere Städte hinzuzufügen. Verkraftbar!
  • Auf Deutsch umstellen lässt sich OldOS leider nicht.
  • Die Beschränkungen von iOS haben zur Folge, dass sich viele Optionen wie der Flugzeugmodus in den Einstellungen (Settings) nicht ändern lassen.
  • Immerhin lässt sich das Hintergrundbild ändern. Jetzt muss ich nur noch herausfinden, welches Bild ich 2010 auf dem Homescreen hatte. (Ich habe zwar noch einige Screenshots aus jener Zeit, aber anscheinend keinen vom Homescreen.)
  • Ich habe natürlich ausprobiert, ob sich in der Mail-App auch tatsächlich ein Mailkonto einrichten lässt. Spoiler: Nein, bedauerlicherweise nicht.
  • Youtube zeigt einen leeren Startbildschirm an. Und selbst wenn hier etwas zu sehen wäre – die vielen, seit 2010 verschwundenen Videos brächte OldOS nicht zurück.
  • Der Ordner Utilitys mit Uhr, Taschenrechner, Kompass und Sprachaufnahmen ist zwar vorhanden, lässt sich aber nicht öffnen. Ich hoffe sehr, dass dieses Manko in Version 3 von OldOS behoben werden wird.
  • Die iPod App funktioniert halb: Sie gibt den Blick auf die Mediathek frei. Sie zeigt den laufenden Song an, startet und stoppt die Wiedergabe und ändert die Lautstärke. Leider, leider klappt es nicht, Songs oder Wiedergabelisten auszuwählen. Das ist das entscheidende Manko. Denn auf diese App umzuschwenken, hätte maximalen Stil. Und es wäre eine Quittung für Apple für die Verhunzung der Musik-App.

Die zweite Empfehlung richtet sich an Apple: Ich hoffe sehr, dass der Herrscher über den App-Store sich dazu wird durchringen können, dieses Projekt offiziell zuzulassen. Es ist schliesslich eine Liebeserklärung ans iPhone.

Beitragsbild: Links das iPhone 15 mit imitiertem iOS 4. Rechts das iPhone 4 mit echtem iOS 7.

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