Wie schlimm würde es werden? Die Befürchtungen waren gross, dieses Jahr könnten die Besucherzahlen einbrechen. Der Rückgang würde 80 Prozent betragen, unkte eine von «The Guardian» zitierte Studie im Juli. Ursache für das Debakel sind die AI Overviews und der KI-Modus bei Google. Diese beiden Neuerungen führen dazu, dass weniger Nutzerinnen und Nutzer auf die Quellen im Web vermittelt werden. Man könnte sagen, dass die Suchmaschine ihre primäre Bedeutung verliert – und Google nicht mehr das ist, was es einmal war.

Was mich und mein Blog angeht, passt das Bild mit dem Wasserglas gut: Ein Optimist sieht es als halb voll. Es war zwar ein Rückgang zu verzeichnen, aber der fiel nicht so schlimm aus, wie man nach der Lektüre von «The Guardian» hätte befürchten müssen. Die Ausbeute des Jahres kann sich sehen lassen: Ich habe 2025 insgesamt 264 Beiträge veröffentlicht. Sie umfassen insgesamt 242’000 Wörter. Mein Ziel, kürzer zu bloggen, habe ich somit leider krachend verfehlt. Letztes Jahr waren es 18’000 Wörter weniger gewesen (immerhin, 2023 sogar 12’000 mehr).
Handfeste, verlässliche Informationen zählen
Für die fröhliche Stimmung sorgt die Top-50-Liste. Das hier sind die Beiträge, mit denen ich in diesem Jahr die Gunst des Publikums gewonnen habe:
Diese Liste zeigt, dass allen Unkenrufen zum Trotz das Erfolgsrezept meines Blogs (wenn man es denn so nennen will) bis auf Weiteres nicht in die Mottenkiste gehört. Es sei vor allem der Evergreen Content, der durch die KI in der Google-Suche überflüssig würde, las ich in diesem Jahr des Öfteren. Es handelt sich um Inhalte, die nicht unmittelbar an die Aktualität geknüpft sind und ihre Gültigkeit nur langsam verlieren. Mein Blog lebt seit jeher von solchen Inhalten: von Anleitungen, Tipps und Tricks, Besprechungen von Gadgets, Apps und Programmen, Büchern, Filmen und Serien, sowie Einordnungen, die einen grossen Bogen spannen und darum ihre Gültigkeit für eine gewisse Zeitspanne behalten können.
Verlässlicher, als es ChatGPT je sein wird
Derlei Inhalte seien gefährdet, weil es sich dabei oft um simple Auskünfte handle, die direkt bei Google erteilt werden könnten, sodass sich die Webnutzerinnen und -nutzer nicht zu einer Website durchklicken würden, lautet die Argumentation. Meine Erfahrung ist eine andere: Ich recherchiere oft zu komplexen technischen Themen und stelle fest, dass ein klassisch hergestelltes Erklärstück um Welten besser ist als eine per KI zusammengemantschte Service-Sauce. ChatGPT hat beispielsweise bis heute nicht begriffen, dass sich Software mit jeder Version verändert und man darum dem Umstand Rechnung tragen muss, ob jemand mit Windows 95 oder iOS 26 arbeitet.
Ich darf ausserdem erfreut feststellen, dass es einige Beiträge aus der Nerdkultur-Ecke in die Jahreshitparade schafften: Diese Beiträge haben es notorisch schwer – aber mit dem Timing-Glück zu «Zivadiliring» ist heuer eine Podcast-Besprechung sogar in den Top Ten vertreten.
Erfreulich auch: Es geht nicht nur um die künstliche Intelligenz. Auch der Teeologe hat es mit einer Eloge auf El Tony in die Liste geschafft – ebenso meine bitteren Abrechnungen mit Spotify und mit Soundcloud. Schade, dass nicht auch die Beanstandung an Sixt und meine Recherche zu den seltsamen Praktiken von Trustfactory aus Mannheim hier landen konnten. Und ja, einige meiner persönlichen Lieblings-Blogposts sind nicht in der Top-50- und nicht einmal in der Top-100-Liste vertreten. Etwa die poetische Seite der Cyberkriminalität oder die dümmsten Social-Media-Phrasen. Und bis heute ist mir ein Rätsel, warum meine computerhistorischen Beiträge in der Publikumsgunst ganz am unteren Ende rangieren – trotz des Herzbluts, mit dem ich sie jeweils schreibe.
Die bange Frage lautet: Setzt sich der Abwärtstrend fort?
An dieser Stelle könnte der Blogpost beendet sein. Das wäre die Gelegenheit, das Blogging-Jahr zu einem versöhnlichen Abschluss zu bringen. Doch leider gibt es auch die Sichtweise des Pessimisten, der das Glas als halb leer betrachtet. Denn wenn der Abwärtstrend sich 2026 und darüber hinaus fortsetzen wird, dann wird hier bald tote Hose herrschen. Wie vor ein paar Wochen analysiert, ist die «Einschaltquote» zwar von vielen Faktoren abhängig. Aber der kontinuierliche und gleichmässige Rückgang, den ich 2025 sehe, könnte als Anzeichen für die Veränderungen bei den Nutzungsgewohnheiten gewertet werden. Und dem hätten wir Verfechterinnen und Verfechter des freien Webs auf Dauer nichts entgegenzusetzen.
Trotzdem: So weit ist es bislang nicht! Ich hoffe, euch alle auch im neuen Jahr zum Kreis der treuen Leserinnen und Leser zählen zu dürfen! Ich wünsche einen guten Rutsch ins neue Jahr!
Beitragsbild: Hauptsache, niemand verbrennt sich die Finger (energepic.com, Pexels-Lizenz).
Mir würde was fehlen, wenn Du den Blog einstellst, auch wenn ich lang nicht alle Artikel lese.