Hand hält Sprühkerze, die in der Dunkelheit leuchtet. Im Hintergrund unscharfe Lichtpunkte.

Was dieses Jahr gezündet hat – und was nicht

Die Top-50-Liste mit den be­lieb­tes­ten Blog­posts von 2025 birgt Über­ra­schungen: Es gibt Über­flie­ger-Themen, die früher nie punk­ten konnten. Es gab indes auch un­er­war­tete Bauch­kla­tscher zu ver­zeich­nen.

Wie schlimm würde es werden? Die Befürchtungen waren gross, dieses Jahr könnten die Besucherzahlen einbrechen. Der Rückgang würde 80 Prozent betragen, unkte eine von «The Guardian» zitierte Studie im Juli. Ursache für das Debakel sind die AI Overviews und der KI-Modus bei Google. Diese beiden Neuerungen führen dazu, dass weniger Nutzerinnen und Nutzer auf die Quellen im Web vermittelt werden. Man könnte sagen, dass die Suchmaschine ihre primäre Bedeutung verliert – und Google nicht mehr das ist, was es einmal war.

Balkendiagramm zeigt monatliche Daten von Januar bis Dezember. Höchster Wert im Januar, geringster im September. Zwei Balken pro Monat in hell- und dunkelgrün.
Der Trend nach unten ist unverkennbar.

Was mich und mein Blog angeht, passt das Bild mit dem Wasserglas gut: Ein Optimist sieht es als halb voll. Es war zwar ein Rückgang zu verzeichnen, aber der fiel nicht so schlimm aus, wie man nach der Lektüre von «The Guardian» hätte befürchten müssen. Die Ausbeute des Jahres kann sich sehen lassen: Ich habe 2025 insgesamt 264 Beiträge veröffentlicht. Sie umfassen insgesamt 242’000 Wörter. Mein Ziel, kürzer zu bloggen, habe ich somit leider krachend verfehlt. Letztes Jahr waren es 18’000 Wörter weniger gewesen (immerhin, 2023 sogar 12’000 mehr).

Handfeste, verlässliche Informationen zählen

Für die fröhliche Stimmung sorgt die Top-50-Liste. Das hier sind die Beiträge, mit denen ich in diesem Jahr die Gunst des Publikums gewonnen habe:

Nr. Link
1 Zehn schräge, herzige und bizarre Tricks für ChatGPT
2 Warum ich mein NordVPN-Abo gekündigt habe
3 Der Comet-Browser von Perplexity im Test
4 26 Tipps für iOS 26
5 Warum ich mit «Zivadiliring» nicht warm werde (wurde)
6 Die neue Link-Vorschau in Firefox ist hochgradig praktisch
7 Wie gut sind die alten Objektive an meiner neuen Nikon-Kamera?
8 Die iPhone-Tastatur ohne Umlaute: Woran es liegt
9 Mit dem iPhone Telefonanrufe aufzeichnen
10 Vier Lieblings-Tipps für ChatGPT
11 ChatGPT ist ein überaus freundlicher Psychiater
12 So wird das nichts mit dem Schweizer ChatGPT-Killer
13 Affinity, die kostenlose gestalterische Allzweckwaffe
14 Die Rangliste der idiotischsten Deepfake-Motive auf Facebook
15 Firefox: Tipps für die aufgebesserte Seitenleiste
16 Eine massgeschneiderte KI für unsere E-Mail-Korrespondenz
17 Tipp: Den erweiterten Datenschutz für iCloud einschalten!
18 Dass bei Threema nichts Wichtiges abhandenkommt
19 Welches ist die beste KI? Tipps für zwölf Einsatzgebiete
20 Mehr Apps für den Tolino-E-Book-Reader
21 Ein dicker Hals wegen Disney+
22 Bei Windows gibt es jetzt eine eingebaute Texterkennung
23 Le Chat von Mistral brilliert beim Karin-Keller-Sutter-Test
24 «Schmeisst US-Tech aus dem Fenster!»
25 Der Agentenmodus von ChatGPT im Test
26 Facebook wird zum KI-Misthaufen
27 Fünf hübsche, neue Funktionen fürs iPhone
28 Via Siri Antworten von ChatGPT erhalten
29 Wie wir die beste KI für eine bestimmte Aufgabe finden
30 Nie wieder Sitzungsprotokolle!
31 Grok ist sehr unterwürfig, wenn es um Musk geht
32 Tipps und Tricks für Tab-Gruppen in Firefox
33 Atlas von OpenAI ist endlich ein KI-Browser, der etwas taugt
34 Was Googles Büroagenten können – und was nicht
35 So leicht spukt das Lama El Tony nicht in den Tee
36 Von Spotify verraten und verkauft
37 Copilot, mach dich vom Acker!
38 Game-Werbung ist inzwischen komplett irre
39 Die App für USA-Boykotte
40 Tahoe hat zwei gute Neuerungen zu bieten
41 Drei starke Tipps für die Notizen-App am iPhone
42 Die sterbende Kunst, sich ein Telefon richtig an den Kopf zu halten
43 Googles AI Overviews boykottieren
44 Ein Podcast wie ein Stich ins Herz
45 Soundcloud: Es ist noch viel schlimmer
46 Wie Gemini (fast) perfekte Transkriptionen liefert
47 Thunderbird für Android im Test
48 Warum erhitzt der UKW-Abschied die Gemüter bloss sosehr?
49 So sind alle wichtigen Ordner im Windows-Explorer automatisch offen
50 Schmerz, Einsamkeit und diese ständige Selbstjustiz

Diese Liste zeigt, dass allen Unkenrufen zum Trotz das Erfolgsrezept meines Blogs (wenn man es denn so nennen will) bis auf Weiteres nicht in die Mottenkiste gehört. Es sei vor allem der Evergreen Content, der durch die KI in der Google-Suche überflüssig würde, las ich in diesem Jahr des Öfteren. Es handelt sich um Inhalte, die nicht unmittelbar an die Aktualität geknüpft sind und ihre Gültigkeit nur langsam verlieren. Mein Blog lebt seit jeher von solchen Inhalten: von Anleitungen, Tipps und Tricks, Besprechungen von Gadgets, Apps und Programmen, Büchern, Filmen und Serien, sowie Einordnungen, die einen grossen Bogen spannen und darum ihre Gültigkeit für eine gewisse Zeitspanne behalten können.

Verlässlicher, als es ChatGPT je sein wird

Derlei Inhalte seien gefährdet, weil es sich dabei oft um simple Auskünfte handle, die direkt bei Google erteilt werden könnten, sodass sich die Webnutzerinnen und -nutzer nicht zu einer Website durchklicken würden, lautet die Argumentation. Meine Erfahrung ist eine andere: Ich recherchiere oft zu komplexen technischen Themen und stelle fest, dass ein klassisch hergestelltes Erklärstück um Welten besser ist als eine per KI zusammengemantschte Service-Sauce. ChatGPT hat beispielsweise bis heute nicht begriffen, dass sich Software mit jeder Version verändert und man darum dem Umstand Rechnung tragen muss, ob jemand mit Windows 95 oder iOS 26 arbeitet.

Ich darf ausserdem erfreut feststellen, dass es einige Beiträge aus der Nerdkultur-Ecke in die Jahreshitparade schafften: Diese Beiträge haben es notorisch schwer – aber mit dem Timing-Glück zu «Zivadiliring» ist heuer eine Podcast-Besprechung sogar in den Top Ten vertreten.

Erfreulich auch: Es geht nicht nur um die künstliche Intelligenz. Auch der Teeologe hat es mit einer Eloge auf El Tony in die Liste geschafft – ebenso meine bitteren Abrechnungen mit Spotify und mit Soundcloud. Schade, dass nicht auch die Beanstandung an Sixt und meine Recherche zu den seltsamen Praktiken von Trustfactory aus Mannheim hier landen konnten. Und ja, einige meiner persönlichen Lieblings-Blogposts sind nicht in der Top-50- und nicht einmal in der Top-100-Liste vertreten. Etwa die poetische Seite der Cyberkriminalität oder die dümmsten Social-Media-Phrasen. Und bis heute ist mir ein Rätsel, warum meine computerhistorischen Beiträge in der Publikumsgunst ganz am unteren Ende rangieren – trotz des Herzbluts, mit dem ich sie jeweils schreibe.

Die bange Frage lautet: Setzt sich der Abwärtstrend fort?

An dieser Stelle könnte der Blogpost beendet sein. Das wäre die Gelegenheit, das Blogging-Jahr zu einem versöhnlichen Abschluss zu bringen. Doch leider gibt es auch die Sichtweise des Pessimisten, der das Glas als halb leer betrachtet. Denn wenn der Abwärtstrend sich 2026 und darüber hinaus fortsetzen wird, dann wird hier bald tote Hose herrschen. Wie vor ein paar Wochen analysiert, ist die «Einschaltquote» zwar von vielen Faktoren abhängig. Aber der kontinuierliche und gleichmässige Rückgang, den ich 2025 sehe, könnte als Anzeichen für die Veränderungen bei den Nutzungsgewohnheiten gewertet werden. Und dem hätten wir Verfechterinnen und Verfechter des freien Webs auf Dauer nichts entgegenzusetzen.

Trotzdem: So weit ist es bislang nicht! Ich hoffe, euch alle auch im neuen Jahr zum Kreis der treuen Leserinnen und Leser zählen zu dürfen! Ich wünsche einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Beitragsbild: Hauptsache, niemand verbrennt sich die Finger (energepic.com, Pexels-Lizenz).

Ein Kommentar zu «Was dieses Jahr gezündet hat – und was nicht»:

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