Ein Laptop zeigt eine geöffnete Wikipedia-Seite zur Anleitung «Neuen Artikel anlegen». Der Bildschirm ist zudem von Pflanzen im Hintergrund eingerahmt.

Eine Wikipedia-Seite für einen dahergelaufenen Blogger?

Ist es eine dum­me, eitle Idee? Oder im Ge­gen­teil der Schlüs­sel fürs Über­le­ben? Es geht um die Frage, ob man als in­ter­net­ak­ti­ver Mensch eine Seite auf Wi­ki­pe­dia braucht.

Während ich das hier schreibe, habe ich ein Engelchen auf der einen Schulter und ein Teufelchen auf der anderen. Das Engelchen sagt, ich sei ein eitler Sack und solle die Menschheit gefälligst nicht mit so einem Ego-Projekt belästigen. Das Teufelchen hingegen meint, Personal Branding sei heutzutage nicht nur gestattet und erwünscht, sondern geradezu eine Bürgerpflicht. Besonders für Journalisten: Die Nieman-Stiftung von der Harvard-Uni proklamiert sogar, auf dem heutigen Arbeitsmarkt sei die «eigene Marke der Schlüssel zum Überleben».

Weil ich weder dem Teufelchen noch der Nieman-Stiftung widersprechen wollte, überlegte ich mir also, wie ich zu einer Wikipedia-Seite kommen könnte. Sie selbst zu schreiben, wäre aber so anmassend, dass mir das Engelchen zu Recht eine Watsche verabreichen würde. Abgesehen davon würde das auch der Wikipedia-Regel widersprechen, dass Einträge von unabhängigen Autorinnen und Autoren beigesteuert werden sollen.

Wenig Begeisterung bei den Social-Media-Freunden

Ich bin daher auf die Idee verfallen, das Projekt auf Linkedin und Mastodon zu lancieren. Zu meiner Freude hat man mich dort nicht (offen) ausgelacht. Die Begeisterung war aber auch nicht so gross, dass jemand meinen Vorschlag sofort in die Tat umgesetzt hätte. Stattdessen kam sofort die Sache mit den Relevanzkriterien zur Sprache.

Natürlich völlig zu Recht: Einerseits ist die deutschsprachige Wikipedia dafür bekannt, rigoros auszumisten, wenn ein Beitrag nur schon von fern den Verdacht erweckt, den Relevanzkriterien zu widersprechen. (Mein Tagi-Artikel über das Ansinnen, den Wikipedia-Beitrag über die Digitale Allmend zu beseitigen, hat es ins Online-Lexikon geschafft – was so meta ist, dass es einem das Herz erfreut.)

Mehr Medienkompetenz für alle

Andererseits muss darüber diskutiert werden, wo man die Latte anlegt. Ich halte es für sinnvoll, wenn möglichst viele Journalistinnen und Journalisten im Lexikon vertreten wären – und meinetwegen auch Bloggerinnen, Podcaster, Youtuberinnen, Influencer, Internetpublizistinnen und Tiktok-Grössen. Das wäre eine Fördermassnahme für die globale Medienkompetenz und würde dabei helfen, vieles, was man online so liest, ins rechte Licht zu rücken.

Es gibt ein Gegenargument, das ebenfalls Berechtigung hat: Rechtsanwalt Martin Steiger weist darauf hin, dass Wikipedia-Seiten nicht nur angelegt, sondern auch gepflegt werden sollten. Das wiederum wäre eine Aufgabe gigantischen Ausmasses.

Fazit: keines. Ich fühle mich nicht berufen, zu entscheiden, wie hoch Wikipedia die Latte ansetzen soll. Darum ist es okay, wenn aus dieser Idee nichts weiter wird als dieser eine Blogpost hier. Falls ein Lexikon-Autor oder -Autorin die Überzeugung hat, das Teufelchen hätte recht, dann finden sich hier alle wichtigen Informationen.

5 Kommentare zu «Eine Wikipedia-Seite für einen dahergelaufenen Blogger?»

  1. Vielleicht nicht dumm aber doch eitel, meine ich. Warum? Ob es für eine Person einen Eintrag in einem Lexikon geben muss, entscheidet die Öffentlichkeit, nicht die Person. Erst recht nicht mit der Rechtfertigung als „Personal Branding Projekt“ – genau dafür ist die Wikidia nicht da. Und davon abgesehen funktioniert Personal Branding auch ohne Wikipedia sehr gut, eher sogar besser: Lieber sollte man die eigene Marke auf einer eigenen Seite pflegen, mit eigenen Inhalten wachsen lassen, anstatt die Erzählung anonymen AutorInnen zu überlassen, die die Person in eine neutrale, emotionslose Form pressen.

Kommentar verfassen