Es kommt öfter vor, dass ich auf Youtube interessante Inhalte entdecke, die ich mir nicht ansehen, sondern lediglich anhören möchte – weil ich die Zeit nicht erübrigen kann, vor dem Computer zu sitzen, während des Joggens oder Pendelns jedoch offen für interessante Einsichten wäre. So ging es mir mit dem Gespräch von Jon Stewart mit KI-Legende Geoffrey Hinton. Oder mit dem Streitgespräch zwischen Spiegel-Journalistin Melanie Amann und «Welt»-Herausgeber Ulf Poschardt.
Daraus leitet sich eine konkrete Aufgabestellung ab: Wie bekommen wir die Tonspur des Videos komfortabel in unsere Kopfhörer hinein? Die naheliegende Lösung – ein Abo von Youtube Premium – soll jedoch demonstrativ gemieden werden. Der Grund ist der völlig überzogene Abopreis.
Selbst ist der Downloader!
Darum lautet die Devise: Selbst ist der Mann beziehungsweise die Frau. Für den selbstbestimmten Konsum laden wir das Video herunter, extrahieren die Tonspur und übertragen sie aufs Smartphone oder auf eine Smartwatch. Nebenbemerkung: Die Offline-Speicherung verstösst gegen die Nutzungsbestimmungen, aber es gibt triftige Gründe für einen Download. Neben unserem Anspruch auf einen selbstbestimmten Konsum, liegt es daran, dass Videos andauernd von der Plattform verschwinden. Allein, um bestimmte Sachverhalte zu belegen, müssen wir eine Privatkopie anfertigen.
Für jeden einzelnen Schritt gibt es diverse Methoden¹. Hier stelle ich die vor, die nach dem aktuellen Stand des Irrtums am schnellsten und zuverlässigsten funktionieren.
Der erste und der zweite Schritt lassen sich in einem Arbeitsgang erledigen – wenn wir gewillt sind, uns mit der Befehlszeile abzugeben. Das Programm yt-dlp ist Open Source, kostenlos auf Github für Windows, Mac und Linux erhältlich. Es lädt Videos nicht nur von Youtube, sondern auch von Hunderten anderen Websites (und ja, P*rnh*b ist auch mit dabei).
Dieses Befehlszeilen-Progrämmlchen erledigt den Job schnell und unkompliziert –, zumindest, nachdem wir einmalig die entsprechenden Vorarbeiten getroffen haben. Und so funktioniert es:
1) Video herunterladen
- Wir laden die passende Version von yt-dlp herunter. Wir erhalten direkt die ausführbare Programmdatei, die wir an passender Stelle im Dateisystem deponieren. Bei Windows ergänzen wir den Ordner in den Umgebungsvariablen beim Pfad, damit wir das Programm dann von beliebiger Stelle im Dateisystem aufrufen können².
- Um einen Download zu starten, öffnen wir die Eingabeaufforderung und verwenden yt-dlp, gefolgt von einem Leerzeichen und der Adresse. Also z.B.
yt-dlp https://www.youtube.com/watch?v=yp1k8pbc-O8 - Der Download erfolgt in den Ordner, aus dem wir den Befehl aufgerufen haben. Damit die fertige Videodatei auf dem Desktop erscheint, wählen wir vor dem Herunterladen den passenden Befehl. Mit
cd C:\Users\[Benutzer]\Desktoperscheint die Datei direkt auf dem Desktop. Siehe dazu Das kleine Befehlszeilen-Vademekum.

2) Tonspur extrahieren
Mit dieser Methode wird das Original-Video heruntergeladen. Um nur das Audio herunterzuladen, benötigen wir als erstes die Audio- und Videobibliotheken des freien FFmpeg-Projekts. Falls wir die nicht schon auf der Festplatte haben, laden wir sie von ffmpeg.org herunter. Auch diese Dateien müssen in den Umgebungsvariablen beim Pfad platziert werden.
Sind die Vorarbeiten erledigt, verwenden wir die passenden Parameter:
- Der Parameter -x (bzw. –extract-audio) zieht die Tonspur aus dem Video.
- Und –audio-format gibt das Format vor, in das die Audiospur konvertiert wird. Zur Auswahl stehen aac, alac, flac, m4a, mp3, opus, vorbis und wav.
Das Programm stellt eine riesige Zahl weiterer Parameter zur Verfügung, die es auch für Spezialfälle prädestinieren; eine Übersicht gibt es hier. Im vorliegenden Fall reicht fürs Herunterladen die Tonspur folgender Befehl:
yt-dlp -x --audio-format m4a https://www.youtube.com/watch?v=yp1k8pbc-O8
Damit das inskünftig schneller geht und wir uns den Befehlszeilenbefehl nicht merken müssen, verwenden wir unter Windows eine Batch-Datei³. Die nimmt die URL des Videos entgegen und übergibt sie mit dem passenden Parameter an yt-dlp. Die Batch-Datei legen wir in dem Ordner ab, in dem wir die Audiodatei archivieren wollen. Und voilà, dann braucht es nur einen Klick und die beiden Tasten Ctrl v, um das «Futter» für die Podcast-App heranzuschaffen.
3) Aufs Smartphone oder die Smartwatch übertragen

Auch dafür gibt es mehrere Methoden. Ich verwende die Podcast-App Pocket Casts; wobei für individuelle Dateien (die nicht über einen Feed ausgeliefert werden) das (teure) Premium-Abo notwendig ist. Das hat immerhin den Vorteil, dass die gerippten Audiodateien sogar via Apple Watch zur Verfügung stehen.
Eine Alternative wäre pushpod.net, das kostenlos ausprobiert werden kann und danach einmalig zwanzig US-Dollar kostet. Ähnlich funktioniert Podqueue für fünf US-Dollar oder fünfzig Dollar pro Jahr.
Geht das nicht einfacher – und in einem Rutsch?
Es gibt eine Software, die alle beschriebenen Schritte selbsttätig ausführt: Pigeonpod. Sie hat den Nachteil, dass sie einen Server benötigt, auf dem wir sie selbst betreiben (via Docker). Diese Notwendigkeit soll mit dem angekündigten, bislang jedoch nicht verfügbaren Hosted Pigeonpod-Dienst möglich werden.
Fussnoten
1) Ich habe über die Jahre diverse Methoden vorgestellt. Die bis vor einiger Zeit einfachste war Invidio.us (Hier gibt es Youtube so, wie Youtube sein müsste), ein alternatives Frontend für Youtube. Es stellt eine benutzerfreundlichere Oberfläche zur Verfügung, zu der auch ein Downloadknopf gehörte. Dieser ist, mutmasslich auf Druck von Google, aber verschwunden. Web-Apps für den Download kommen und gehen, ebenso Apps und Browser-Erweiterungen. Oder die Browser-Erweiterungen bleiben, sind aber umständlich zu benutzen oder wollen für Zusatzfunktionen wie die Konvertierung Geld.
Noch immer eine gute Wahl ist die Firefox-Erweiterung Flash- und Video-Download. ↩
2) Ich habe das Programm unter C:\Program Files\yt deponiert. Im Windows-Suchfeld gebe ich Umgebungsvariablen ein und öffne Umgebungsvariablen für dieses Konto bearbeiten. Ich wähle die Variable Path, klicke auf Bearbeiten, dann auf Neu und füge den Pfad hinzu. ↩
3) Das ist der Code für die Batch-Datei, gespeichert als Get-Audio.bat:
@echo off
set /p URL="Bitte geben Sie die Internetadresse (URL) ein: "
echo.
REM Überprüfen, ob eine Eingabe gemacht wurde
if "%URL%"=="" (
echo Es wurde keine Adresse eingegeben. Das Programm wird beendet.
pause
goto :eof
)
echo Starte das Kommandozeilenprogramm mit der Adresse: %URL%
echo.
yt-dlp -x --audio-format m4a %URL%
echo.
echo Programmaufruf abgeschlossen.
pause ↩
Beitragsbild: Nein, er hört keine Musik, sondern einen fünfstündigen, von Youtube heruntergeladenen Vortrag (Vitaly Gariev, Unsplash-Lizenz).
Hallo, für IOS gibt es https://github.com/net00-1/SW-DLT
damit können Videos direkt als Audiodatei (oder Video) auf dem iPhone gespeichert werden.
Das Tool verwendet intern yt-dlp.
Mit freundlichen Grüßen
Für Apple Mac OSX muss die URL in Anführungszeichen gesetzt werden:
yt-dlp „https://www.youtube.com/watch?v=yp1k8pbc-O8“
oder
yt-dlp -x –audio-format m4a „https://www.youtube.com/watch?v=yp1k8pbc-O8“