Bei den Suchmaschinen gibt es kein Entrinnen vor Google und Microsoft. Auch viele der vermeintlichen Konkurrenten greifen im Hintergrund auf die Indizes der beiden Tech-Giganten zu. Nur wenige Suchmaschinen sind unabhängig.
Eine davon ist Brave Search. Sie stammt vom Hersteller des gleichnamigen Browsers, der seit bald zehn Jahren als datenschutzfreundliche Alternative zu Google Chrome antritt¹. Sie verwendet einen eigenen Index, der lediglich unter gewissen Umständen durch Resultate von Google ergänzt wird.

Das macht Brave zu einem Kronfavoriten für Leute, die ihre Abhängigkeit von Google reduzieren möchten. Eine Einschränkung vorneweg: Unsere Abhängigkeit vom Technologiestandort USA reduzieren wir mit Brave nicht. Das Unternehmen ist in San Francisco domiziliert. Falls unser Ziel ist, uns auf den europäischen Standort auszurichten, müssten wir uns mit Qwant anfreunden (hier getestet) – aber dummerweise ist die französische Suchmaschine eng mit Bing von Microsoft verbandelt.
Doch jegliche Abnabelungsversuche stehen und fallen mit den Suchresultaten: Wie also schneidet Brave Search im Vergleich ab? Mein Testverfahren ist gezwungenermassen hemdsärmlig². Doch es taugt dazu, einen ersten Eindruck zu vermitteln. Und es erlaubt einen Vergleich mit anderen Suchmaschinen. Übrigens: Auch Brave entwickelt einen KI-Modus à la Google AI Mode. Hier im Test geht es jedoch ausschliesslich um die klassische Websuche.
1) Suchbegriff «nerdfunk»
Bei diesem Suchbegriff möchte ich auf unseren Podcast verwiesen werden, der eine eigene Website hat und der bei Wikipedia erwähnt ist. Doch Brave liefert elf Treffer, die allesamt das Wort «Nerdfunk» nicht enthalten. Eine Suche mit Anführungszeichen ("nerdfunk") liefert keine Resultate. Auch die Option Lokale Ergebnisse ändert daran nichts.
Dieser Test allein beweist, dass der Brave-Index mit der Konkurrenz (auch Duck Duck Go, Qwant und Swisscows) nicht mithalten kann. Auch der erwähnte Google-Fallback kommt nicht zum Zug.
2) «verschwthdw»
Auch das ist ein exotischer Suchbegriff, der darauf ausgelegt ist, die Grenzen des Index auszuloten. Es handelt sich um ein Kürzel, das für meinen verblichenen Podcast «Verschwörungstheorie der Woche» steht. Google findet ihn zweimal hier in diesem Blog.
Randbemerkung: Duck Duck Go schlägt Google um Längen und liefert zehn Treffer, u.a. auch zu archive.org und auf einigen Podcast-Verzeichnissen.
Brave Search muss sich ein zweites Mal geschlagen geben.
3) Schüssler

Bei diesem Suchbegriff interessiert mich, wie die Resultate gewichtet werden: Dominieren die gleichnamigen Salze die Ergebnisse? Oder wird in einer sinnvollen Weise darauf hingewiesen, dass das ein Familienname ist?
Bei meinem Test vor sieben Jahren überzeugte bei diesem Test nur Qwant ansatzweise. Brave hingegen brilliert: Er liefert am Anfang eine KI-generierte Antwort, die erklärt, dass es sich um einen Familiennamen handelt. Erwähnt werden Wilhelm Heinrich Schüssler als Erfinder der «biochemischen Heilweise», bei der die erwähnten Salze eine zentrale Rolle spielen. Erwähnt werden auch die Theologin Elisabeth Schüssler Fiorenza, sowie Hans Schüssler.
Letzterer war ein Pionier auf dem Gebiet der Ionenfallenphysik, von dem ich überhaupt erst durch Brave erfahren habe. Das beweist eindrücklich, dass selbst Google als Suchmaschinen-Primus es nicht immer schafft, die Bandbreite eines Themas abzubilden.
Fazit: Ein widersprüchliches Resultat
Siehe da: Fast hätte ich Brave abgeschrieben. Doch dann verschaffte mir die alternative Suchmaschine einen echten Aha-Moment, den ich ihr hoch anrechne.
Daraus ergeben sich gleich mehrere Erkenntnisse:
- Google ist und bleibt die Nummer eins.
Die Anzeichen deuten darauf hin, dass Google die grösste Datenbasis zur Verfügung hat. Das rechtfertigt den Status als Branchenführer und ist ein triftiger Grund, Google auch weiterhin als erste Anlaufstelle für Webrecherchen zu benutzen. - Aber: Google ist nicht unschlagbar.
Bei einem meiner exotischen Suchbegriffe ist Duck Duck Go informativer. Leider ist für uns Nutzerinnen und Nutzer nicht vorhersehbar, in welchen Fällen es sich lohnt, eine Zweitmeinung einzuholen. Mein Tipp lautet, das immer dann zu tun, wenn Googles Resultate ein uneinheitliches Bild ergeben – und wenn wir nicht an den kleinen und exotischen Websites interessiert sind, die bei den Konkurrenz-Suchmaschinen typischerweise durch die Maschen fallen. - Die grosse Chance für die Konkurrenz ist die Gewichtung.
Google kennt am meisten Websites. Aber der legendäre Pagerank sortiert sie nicht immer in die optimale Reihenfolge. In einigen Fällen macht eine andere Gewichtung den Unterschied. Wenn ich spekulieren darf, dann liegt das im Fall meines Nachnamens daran, dass sich Brave mehr an den informationsvermittelnden Websites wie Wikipedia und weniger an kommerziellen Quellen orientiert.
Nach diesem Test ist klar, dass Brave Search nicht zu meiner Haupt-Suchmaschine wird und ich auch niemandem empfehle, Google durch Brave zu ersetzen. Aber ich rate mit Nachdruck dazu, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wann es sinnvoll sein könnte, einen Konkurrenten zurate zu ziehen: Brave, Duck Duck Go und gern auch Qwant. Genau wie bei den Sprachmodellen erweitert das den Horizont und sorgt für überraschendere, vielseitigere Einsichten.
Fussnoten
1) Die Meinungen bei dieser Frage gehen auseinander, aber was mich angeht, hat es Brave nicht geschafft, mich von Firefox wegzulocken. Trotz jüngster Vorbehalte finde ich Firefox generell und auch bezüglich Datenschutz überzeugender, weil dieser Browser nicht auf dem von Google kontrollierten Chromium-Projekt basiert. Ich ziehe das Stiftungsmodell von Mozilla dem weniger transparenten Geschäftsmodell des Brave-Herstellers vor. Und auch wenn Brave von Haus aus einen starken Datenschutz aufweist, lässt sich Firefox diesbezüglich hervorragend anpassen – und ich empfehle als Ergänzung gern die NextDNS-Firewall. ↩
2) Jeder, der es schon einmal probiert hat, weiss, wie schwierig es ist, Suchresultate objektiv zu vergleichen: Wir alle führen Dutzende oder Hunderte Suchen pro Woche durch, die jeweils ihrerseits Dutzende oder Hunderte Resultate produzieren. Für ein faires Urteil müssten die aufgezeichnet, verglichen und bewertet werden: eine Arbeit, die weder berufliche noch private Anwenderinnen und Anwender leisten können – und leider auch ich als Hobby-Blogger nicht. Darum verlassen sich viele aufs Bauchgefühl. Bei dem gewinnt typischerweise Google – obwohl ich mir nicht sicher bin, ob das daran liegt, dass die Liste tatsächlich besser ist oder der Faktor der grösseren Vertrautheit den Ausschlag gibt. ↩
Beitragsbild: Nicht so viel Erfahrung wie der Champion – aber der Ehrgeiz ist unverkennbar (My Profit Tutor, Unsplash-Lizenz).