Die Google-Suche ist kaputt und keiner merkt es: Das war mein Befund im August 2023. Er basierte auf der Tatsache, dass im Firefox-Browser nur wenige Suchresultate zugänglich sind. Meistens umfasst die Liste der Links nur eine einzige Seite. Das sind rund vierzig bis siebzig Treffer in Fällen, bei denen das Web Tausende passender Sites bereithält.
Das ist ein echtes Problem. Wir können nicht davon ausgehen, dass Google so gewichtet, wie wir es tun würden. Es ist möglich und sogar wahrscheinlich, dass ein wichtiges Resultat nicht auf der ersten, sondern erst auf der zweiten, dritten oder fünften Seite zu finden ist. Doch da diese Inhalte nicht aufgeführt werden, können wir sie nicht überprüfen: Google gaukelt uns vor, sie seien inexistent.
Auch die nicht-personalisierten Resultate weisen Unterschiede auf
Hat bei Google irgendjemand diesen Missstand bemerkt? Wurde das Problem in den letzten zwei Jahren eventuell sogar behoben? Anfang Oktober machte ich die Probe aufs Exempel und stellte fest: Nein, keineswegs. Die Sache ist im Gegenteil noch schlimmer – oder sagen wir: dubioser – geworden.
Lasst mich das anhand eines Beispiels erklären. Es bezieht sich auf eine Suche nach meinem Namen¹, zeitlich beschränkt auf die letzten sieben Tage. Google offeriert seit Ende 2024 die Option, die Personalisierung abzuschalten, was ich für mein Experiment natürlich tue. Denn ist die Personalisierung aktiv, fallen die Resultate in verschiedenen Browsern zwangsläufig unterschiedlich aus, da die gespeicherten Nutzerinteressen nicht identisch sind. Mit der neutralen Voreinstellung dürfen wir erwarten, dass Google in Firefox und in Chrome identische Listen liefert.
Ist das der Fall?

Erstaunlicherweise nicht. Wir konstatieren im Gegenteil beträchtliche Unterschiede:
- Es gibt Abweichungen beim Layout. Der Hinweis der Personalisierung erscheint bei Firefox prominenter als bei Chrome.
- Die Bilder werden unterschiedlich platziert.
- Und vor allem zeigt Chrome eine Navigation mit insgesamt vier Trefferseiten. Klickt man auf Weiter, wird bereits die zweite Seite als letzte angegeben; die Seiten drei und vier verschwinden auf mysteriöse Weise. Dennoch gibt uns Chrome zehn weitere Links, die bei Firefox fehlen.
Wir halten fest, dass Chrome mehr als doppelt so viele Resultate bereitstellt wie Firefox. Das ist eine klare, massive Benachteiligung des Konkurrenz-Browsers.
Diskrepanzen sind ferner bei den aufgeführten Links selbst zu beobachten:
- Es gibt sieben Treffer, die übereinstimmend in beiden Listen vorkommen:
meine Website Clickomania mit der Start- und der Autorenseite, mein Facebook- und mein Twitter-Account, meine Alltags-Tipps zur KI beim «Tagesanzeiger» sowie der Artikel zur ChatGPT-Kindersicherung aus dem «Tagi». - Zwei Treffer sind nur in der Liste von Firefox enthalten:
die KI-Alltags-Tipps bei der «Berner Zeitung» und eine Veranstaltung der Kirche Marburg, in der ein Namensvetter von mir erwähnt wird. - Zwei andere Treffer tauchen nur bei Chrome auf:
die Kindersicherung von ChatGPT in der «Berner Zeitung» und ein KI-FAQ von Kollega Zeier.
Was Google treibt, ist unfair und undurchsichtig
Sind diese Abweichungen von Bedeutung? Darüber kann man geteilter Meinung sein. Qualitativ halte ich die Resultate für vergleichbar. Müsste ich mich entscheiden, würde ich einen leichten Vorteil bei Firefox orten: Die Artikel in dieser Liste stehen in engerem Bezug zu meinem Namen (bzw. zu dem meines Namensvetters), während Chrome zwei Treffer auf Artikel liefert, in denen ich lediglich bei den Verweisen auf ähnliche Artikel am Ende der jeweiligen Veröffentlichungen vorkomme.
Trotzdem beurteile ich diesen Befund kritisch. Ich führe grundsätzliche Überlegungen ins Feld: Es kann nicht angehen, dass Firefox-Nutzerinnen und -Nutzer bei der Menge der Resultate benachteiligt werden. Es ist inakzeptabel, dass dieses Problem nach zwei Jahren nicht beseitigt wurde. Nebenbei rufe ich in Erinnerung, dass Google bei den mobilen Browsern offensiv versucht, die Firefox-User aus dem Browser in die eigene App abzuwerben.
Die Forderung ist einfach: Gleiche Resultate in allen Browsern
Dass sich die Resultate unterscheiden, werte ich als Anzeichen für eine weitergehende Ungleichbehandlung. Was Google mit ihr bezweckt und wie schlimm sie ist, lässt sich anhand dieses Tests hier nicht erhärten. Aber bekanntlich hat Google eine Vorgeschichte und eine angeschlagene Reputation: Der Konzern halte bei der Websuche eine Monopolstellung und habe diese auf illegale Weise ausgenutzt, urteilte ein US-Gericht im letzten Jahr. Anfang September brummte die EU-Kommission Google eine Milliardenbusse auf.

Bei dieser Strafe geht es zwar um das Werbegeschäft und nicht um die Suchmaschine. Dennoch drängt sich mir die Frage auf, ob im Licht dieser Geschäftspraktiken die vorliegenden Beobachtungen nicht als Indiz für weitere Verfehlungen zu werten sind. Wie auch immer: An Sundar Pichais Stelle nähme ich die klare Haltung der Justiz zum Anlass, vorsichtiger zu agieren und den Entscheid von Nutzerinnen und Nutzern für einen alternativen Browser zu respektieren.
Fussnoten
1) Ich verwende dieses Beispiel nicht aus Egomanie, sondern weil ich Treffer über mich besser beurteilen kann als zu einem anderen Thema, bei dem ich weniger gut über die laufenden Aktivitäten im Bilde bin. ↩
Beitragsbild: Bei Google klarzusehen, ist schwierig bis unmöglich (Maik Winnecke, Unsplash-Lizenz).
Can’t confirm. Ich arbeite permanent mit SERPs in diversen Browsern und würde mich recht sicher auf die These festlegen, dass du mit der Chrome- bzw. Firefox-Session schlicht bei zwei verschiedenen Rechenzentren rausgekommen bist, die mit zeitlichem Versatz unterwegs sind und deswegen unterschiedlich Seiten in „waren in den letzten 7 Tagen neu“ einschließen. Du analysierst keine Ungleichbehandlung von Browsern, sondern ein schlichtes Artefakt durch zwei Endpunkte. Die Zeitfilter sind schon immer eher hakelig. Dass Google mehr Seiten listet, als es Treffer gibt, ist seit Ewigkeiten so. Mit Personalisierung/Nichtpersonalisierung hat das alles auch nichts zu tun. Die führt ggf. zu einem unterschiedlichen Ranking von Seiten zu einem Suchbegriff, weil G. weiß, dass du, genau du, nie auf einen Link zu $anbieter klickt. Aber nicht, dass unpersonalisiert bei 14 passenden Resultaten nur 10 angezeigt werden.
Man kann (und muss) Google vieles mit guten Gründen vorwerfen. Ein „FF kriegt andere SERPs“ nicht.
Ich bin nicht überzeugt von der Theorie der unterschiedlichen Rechenzentren. Ich habe probeweise den Versuch mit dem gleichen Suchbegriff, aber nicht für die letzten sieben Tage, sondern mit dem Parameter
wiederholt – gut elf Monate müssten für den Abgleich reichen. Resultat: Wieder unterschiedlich. Chrome zeigt einen Maps-Eintrag, der bei Firefox fehlt, dafür kommt dort ein Link zu Facebook, den Chrome nicht bietet.
Du bist Journalist, stellst eine These auf und bist in der Beleg- und Prüfpflicht, bevor du wirre Verschwörungstheorien verbreitest. Die Suchergebnisse variieren *immer*. Ich krieg mit FF und Chrome gleiche Ergebnisse. Wenn ich statt meinem Provider über freifunk ins Netz gehe, kriege ich leicht andere Ergebnisse auch bei Chrome Heimnetz vs. Freifunk, . Es ist vollkommen easy zu testen, wo überall Varianz herkommen kann, und du machsts nicht, sondern haust eben mal bizarre Anschuldigungen raus. I call bullshit.
Sämtliche Beobachtungen sind dokumentiert und ich schreibe klar, dass sich daraus keine erhärteten Vorwürfe auf Manipulationsversuche ableiten lassen. Das Verdachtsmoment leitet sich aus der Tatsache ab, dass viele Fälle belegt sind, in denen Google Selbstbevorzugung betreibt. Wenn du darüber sachlich diskutieren willst, gern. Aber Kommentare mit aggressivem Vokabular wie «wirre Verschwörungstheorien» und «Bullshit» werde ich hier nicht mehr veröffentlichen.
Nun ja, aber nein. „Klar schreiben…“ in Sachen nicht erhärteter Vorwürfe und starke Ansagen der Art, ich zitiere:
„In Firefox liefert die Suchmaschine nicht so viele Resultate wie im Chrome-Browser. Und noch schlimmer…“
„Wir halten fest, dass Chrome mehr als doppelt so viele Resultate bereitstellt wie Firefox. Das ist eine klare, massive Benachteiligung des Konkurrenz-Browsers.“
„Es kann nicht angehen, dass Firefox-Nutzerinnen und -Nutzer bei der Menge der Resultate benachteiligt werden. Es ist inakzeptabel, dass dieses Problem nach zwei Jahren nicht beseitigt wurde.“
…das geht nicht zusammen, da wirst du dich entscheiden müssen. Und das Problem ist, dass deine Vorwürfe halt jegliche Grundlage entbehren, weil Varianzen *immer* auftauchen und mit dem Browser nichts zu tun haben. Im ersten Post hab ich dich drauf hingewiesen und dann kann man natürlich mal etwas ernsthafter prüfen, ob man sich vielleicht nicht selber verrannt hat, und wenn du das dann nicht oder allenfalls genauso oberflächlich tust wie bereits schon geschehen, ist halt schlechtes Handwerk, vor allem angesichts der doch eher drastischen Vorwürfe, die du erhebst.
Ich sags nochmals: Die Vorwürfe sind alle belegt. Meine kritische Haltung mag dir nicht passen – warum auch immer –, aber so sehe ich meine Aufgabe als Blogger und Journalist. Falls Google mir die technischen Hintergründe einleuchtend erklärt und meine Bedenken zerstreut, werde ich noch so gern darüber berichten. Meine Erfahrung mit vielen Presseanfragen ist allerdings, dass das berechtigte Transparenzanspruch der Öffentlichkeit Google 0 kümmert.
Es gibt keine technischen Hintergründe einer Browser-Ungleichbehandlung, weils keine Browser-Ungleichbehandlung gibt. Die SERPs variieren immer. Ums nochmal zu verdeutlichen: wenn ich ChatGPT in Chrome frage, wer du bist, krieg ich ne andere Antwort, als wenn ich in Firefox frage. *extrem* andere Antworten. Du darfst jetzt natürlich diese belegten Vorwürfe bei OpenAI reinwerfen und anschließend beklagen, wie dort nicht reagiert wird, wenn du auf erschreckende Ungleichbehandlungen hinweist und dir für deine kritische Haltung auf die Schulter klopfen, aber dadurch wirds eben nicht ernstzunehmend.
Der Vergleich mit ChatGPT taugt nichts. Du kannst ein deterministisches System nicht mit einem generativen vergleichen. Und du kannst nur wissen, dass keine Ungleichbehandlung stattfindet, wenn du bei Google arbeitest. Arbeitest du bei Google?
Was bringt dich auf das schmale Brett, dass Google ein deterministisches System sein soll? Das ists seit Everflux nicht mehr, und wann war das? Ich überlass das dir zur Recherche. Und wenn du behauptest, es gebe eine *Browser-Ungleichbehandlung*, dann bist du in der Beweispflicht und solltest allermindestens ausschließen, dass es eine kontinuierliche Ungleichbehandlung jeder einzelnen Suchanfrage gibt.
Btw, meine Qualifikationen und Arbeitsstätten sind *extrem* leicht recherchierbar.
Everflux oder nicht, wenn Resultate nicht personalisiert sind, dann müssen sie identisch sein, wenn zur gleichen Zeit die gleichen Suche durchgeführt wird. Dass das nicht der Fall ist, habe ich belegt. Die Ungleichbehandlung durch weniger Suchresultate in Firefox ist eine Tatsache und ebenfalls bewiesen. Damit ist diese Diskussion hier abgeschlossen.
Eine Bemerkung noch: Ich sehe hier im Backend deine Mailadresse. Die anderen Leserinnen und Leser sehen sie nicht und kommen womöglich zum Schluss, dass dein Alias wörtlich zu verstehen ist.