In der KI-Zeitrechnung ist diese Neuerung inzwischen ungefähr so alt wie die Erzählung von Noah und seiner Arche: Sie wurde Mitte Januar angekündigt. Einige Medien nahmen sie wohlwollend auf: «T3n» schrieb, der Chatbot würde «zum persönlichen Assistenten». Andere waren zurückhaltender und sprachen davon, dass die künstliche Intelligenz neu mit Erinnerungen und Pendenzenlisten umgehen könne.

Gemeint sind die ChatGPT Tasks: Mit denen können wir dem Chatbot Aufträge erteilen, die er zu einer bestimmten Uhrzeit und mit der vorgegebenen Regelmässigkeit erledigt. Die Tasks werden in den Einstellungen bei Zeitpläne via Verwalten eingerichtet und modifiziert. Es geht auch direkt über die URL chatgpt.com/schedules. Es braucht ein Pro-Abo für die regelmässige Nutzung.
Eine Lösung auf der Suche nach einem Problem?
Die Beispiele, die OpenAI selbst für dieses Feature nennt, sind die folgenden:
- «Kannst du mir jeden Nachmittag eine Zusammenfassung der Neuigkeiten über die KI geben?»
- «Übe täglich mit mir Französisch.»
- «Erinnere mich an den Geburtstag meiner Mutter.»
Ich fragte mich damals, ob es dafür eine KI braucht. Für die Neuigkeiten zu bestimmten Themen verwenden wir Google Alerts. Fürs Französischüben richten wir eine Erinnerung in unserer Sprach-Lern-App ein. Damit wir rechtzeitig ein Geschenk für Mama parat haben, kommt eine Kalender-App (z. B. die oder die hier) zum Zug. Wir kämen, nebenbei bemerkt, mit einer Papier-Agenda über die Runden. Schnippisch formuliert, könnte man sagen, dass die Menschheit schon im Vor-KI-Zeitalter in der Lage war, diese Herausforderungen zu bewältigen.
Also eine Lösung auf der Suche nach einem Problem? Als wohlwollender Softwaretester liess ich nichts unversucht, eine sinnvolle Einsatzmöglichkeit für die Tasks zu finden, die ich hier präsentieren kann – ganz im Sinn dieses Blogs, nicht nur Kritik zu üben und Einordnung zu ermöglichen, sondern vor allem praktische Hilfestellung zu leisten.
Wie ChatGPT mir den Start in die Woche versüssen sollte
Nebst einigen komplett gescheiterten Experimenten versuchte ich mich am Projekt «Tech-Briefing». Jeden Montagmorgen um neun vermittelt mir ChatGPT eine Übersicht der Newslage: bedeutsame Berichte von in- und ausländischen Medien zu den wichtigen Themen der digitalen Welt wie KI, Hardware, Smartphone, Betriebssystemen und Internet sowie zu den massgeblichen Unternehmen wie Apple, Microsoft, Google, Meta und Amazon. Ausserdem soll er mir eine Auswahl an interessanten Service-Stücken aus dieser Sphäre liefern, die an der Aktualität anknüpfen oder Tipps und Tricks zu Gadgets, Software, Apps und Unterhaltungselektronik enthalten, die man nicht schon hundertmal gelesen hat.

Schliesslich lautet der Auftrag an ChatGPT, mich auf ungewöhnliche Zugänge zu diesen Themen hinzuweisen, bei denen technische Sachverhalte auf originelle Weise vermittelt werden.
An dieser Stelle ahnt der eine oder andere vermutlich, worauf das hinauslaufen sollte: Klar, die Absicht war, mir meine Arbeit und den Start in die Woche zu erleichtern. Ein solches Briefing würde mir, zumal in fundierter Ausprägung, sofort aufzeigen, was Sache ist – und mir im Idealfall handfeste Ideen für Artikel und Blogposts liefern.
Aber so sehr ich mich am Prompt abmühte, ihn verfeinerte und mit Beispielen operierte, so wenig kam ich auf einen grünen Zweig. ChatGPT lieferte mir jeweils die Themen, die ich längst auf dem Schirm oder selbst bereits bearbeitet hatte. Die Auswahl war und ist langweilig, oberflächlich, lückenhaft oder veraltet.
Das könnte daran liegen, dass ChatGPT zu wenig gute Quellen zur Verfügung hat. Vielleicht schürft die künstliche Intelligenz nicht tief genug? Die schmeichelhafteste Erklärung wäre die, dass die geübte Nase des erfahrenen Tech-Journalisten so überlegen ist, dass die KI einpacken kann.
Ein Flop (bis jetzt)
Jedenfalls komme ich nach gut zehn Monaten zum Schluss, dass die Tasks derzeit für mich keinen erkennbaren Mehrwert bieten.
Das könnte sich bald ändern. Nämlich dann, wenn wir nicht nur Informationen anfordern, sondern auch Aktionen in Gang setzen können. Dann wird ChatGPT jeden Freitagabend ohne mein Zutun meine Website backuppen, mir berichten, was sich auf meinen Bankkonten getan hat, beim Arbeitgeber das Stundenblatt ausfüllen und sich mit den KI-Bots meiner Frau und meiner Tochter darauf einigen, was wir am Wochenende kochen werden. Dafür benötigt die KI agentische Fähigkeiten und natürlich Zugriff auf alle persönlichen Informationen. Dass nicht nur OpenAI, sondern alle anderen Tech-Unternehmen ebenso darauf hinarbeiten, steht ausser Frage.

Zum Beispiel Google: Noch während dieser Blogpost auf Halde lag, tauchten in Worspace die Flows auf. Das ist ein Agent, der Mails zusammenfasst, die Agenda beackert und Licht in die dunklen Ecken von Google Drive bringt. Wie es hier um die Nützlichkeit bestellt ist, werde ich demnächst berichten.
Beitragsbild: Das Briefing mit ChatGPT – so ergiebig wie viele andere Sitzungen am Montagmorgen auch (Tetiana Shyshkina, Unsplash-Lizenz).
Für gute Quellen ist mir RSS eingefallen. Da ChatGPT nicht Artikel von verschiedenen Feeds abrufen und zwischenspeichern kann, geht es nicht direkt mit GPT Actions, sondern es muss ein Dienst dazwischen geschaltet werden.
Es gibt das GPT „Chat Feed Sync“, bei welchem man per Chat Feeds abonnieren und sich Zusammenfassungen davon geben lassen kann. Das sollte sich als Aufgabe einplanen lassen. Gefiltert vielleicht nach Nachrichten, über die viele Feeds berichten, oder genau solchen, die noch nicht weit bekannt sind.
Für komplexere Workflows wurde mir n8n empfohlen. Dessen Community Edition ist kostenlos und lässt sich über Docker selbst hosten. Damit kann man etwa die E-Mails von Gmail abrufen, durch ChatGPT zusammenfassen und sich die Zusammenfassung zusenden lassen. Da die Workflow-Engine lokal läuft, muss man ChatGPT keinen Zugriff auf Gmail geben. Ein Bekannter lässt damit seine E-Mails auf Einladungen für Veranstaltungen durchsuchen und diese provisorisch in seinen Kalender eintragen. Wenn ein Kontakt ihm mehrere Terminvorschläge macht, prüft ChatGPT, ob ein Termin passt, trägt diesen in den Kalender ein und entwirft eine Antwort.
Ein WordPress-Backup sollte sich damit auch ohne ChatGPT umsetzen lassen. 😉