Person hält ein Smartphone mit einer Podcast-App, die «The Daily» zeigt. Thema: «The Democrats' Big Shutdown Gamble». Hintergrund unscharf mit Grünpflanzen.

Ein echter Mehrwert für die Podcasts

In Pocket Casts werden sämt­liche Pod­cast-Fol­gen rou­ti­ne­mäs­sig trans­kri­biert: nütz­lich für Re­cher­chen und In­for­ma­tions­be­schaf­fung. Bei den De­tails gibt es noch Raum für Ver­bes­se­rungen.

Seit zwei Jahren bezahle ich für die Podcast-App Pocket Casts (iPhone und Android). Meine ursprüngliche Rechtfertigung war die Apple Watch: Das Premium-Abo überträgt Podcasts auf die Uhr. Praktisch, um ohne Smartphone auf die Joggingrunde zu gehen.

Nur ist dieses Argument für mich nicht mehr relevant. Trotzdem halte ich das Abo aufrecht. Denn ein Feature ist dazugekommen, das sich im Alltag als extrem nützlich entpuppt: die Transkriptionen.

Die Verschriftlichung gibt es seit einem halben Jahr. Und anders als gewisse Konkurrenzprodukte – ja, ich meine die Podcast-App von Apple, in der nur grosse Produktionen erschlossen werden – gibt es bei Pocket Casts den Text für alle. Sogar bei einem Nischenangebot wie unserem Nerdfunk erscheint der Text. Das Transkript lässt sich durchsuchen und in ganzer Länge kopieren.

Aus dem Podcatcher in die Informationssammlung

Das ist eine bedeutende Verbesserung für Leute (wie mich), die Podcasts nicht nur zur Unterhaltung, sondern auch als Informationsquelle nutzen. Es kommt oft vor, dass ich in Podcasts Dinge höre, die ich in Artikeln oder Blogposts aufgreifen oder als Hintergrundinformationen in mein Archiv einspeisen möchte. Gelegentlich habe ich früher den Podcast heruntergeladen und von Macwhisper durch die Mangel drehen lassen. Der Aufwand ist aber so gross, dass er sich nur für konkrete Recherchen rechtfertigt. Doch mit Pocket Casts lässt sich das Transkript auch präventiv archivieren.

So funktioniert das konkret:

  • Das Transkript ist in der Details-Ansicht zu einer Podcast-Folge oberhalb der Shownotes zugänglich.
  • In der Wiedergabe-Ansicht (im Player) tippen wir rechts unten aufs Menü und wählen Transkript aus dem Menü.
Screenshot einer Textnachricht. Einleitung zu einer Radio- oder Podcast-Sendung namens «Nerdfunk». Thema ist eine kürzliche Abstimmung zur E-ID in der Schweiz. Enthält Prozentzahlen und politische Kommentare.
Fast perfekt – abgesehen davon, dass der Mann nicht «Schiessler» heisst.

In der Transkript-Ansicht finden wir am oberen Rand Knöpfe für Suche und Teilen. Letzterer bringt das Sharesheet zum Vorschein und kopiert den gesamten Text, ohne dass wir ihn auswählen müssten. Es ist auch möglich, nur eine Passage auszuwählen und sie über das Pop-up-Menü in die Zwischenablage zu verfrachten.

Das wäre super für die Navigation

So weit, so praktisch. Ein offensichtliches Manko gibt es: Es ist leider nicht möglich, eine Passage auszuwählen und die Wiedergabe ab der entsprechenden Stelle zu starten. Das wäre toll für ungeduldige Nutzerinnen und Nutzer: Via Transkript könnten sie das Vorgeplänkel überspringen und direkt den Teil ansteuern, in dem es zur Sache geht. Mit der Snipd-App ist genau das möglich. Die hilft sogar dabei, die Werbeblöcke zu überspringen – theoretisch zumindest; bei meinem Test vor anderthalb Jahren hat das nicht zuverlässig geklappt. Jedenfalls wäre es toll, wenn der Entwickler (seit 2021 ist das die Word­press-Mutter Automattic) diese Möglichkeit nachrüsten würde.

Und wo wir bei den Verbesserungsvorschlägen sind: Wie wäre es mit einer Suchfunktion über sämtliche Podcasts hinweg? Am liebsten natürlich nicht nur die, die wir selbst abonniert haben, sondern im Katalog zu finden sind?

Kapitelübersicht eines Audioprogramms mit sechs Kapiteln, jeweils mit Titel und Dauer. Hervorgehobenes Kapitel: «1» mit 24 Sekunden. Kapitel umfassen Themen wie Musik, Technik und Politik.
Die Kapitel: nur dann zu sehen, wenn kein Umlaut vorhanden ist?

Abschliessend ein Detail am Rand: Seit einigen Folgen liefern wir unseren Podcast mit Kapiteln aus. Diese werden automatisch von Auphonic erzeugt. Diesen Clouddienst für die Postproduktion nutzen wir seit 2013. Die Transkription gibt es seit 2016 und neuerdings dient sie auch als Basis für die automatische Gliederung einer Folge. Im Nerdfunk haben wir die Kapitel-Erzeugung seit einigen Folgen aktiviert. In VLC werden sie für die M4A-Variante tadellos angezeigt (über den Menübefehl Wiedergabe > Kapitel). In Pocket Casts erscheinen die Kapitel manchmal – meistens aber nicht. Ein eindeutiges Muster erkenne ich nicht, aber es besteht der Verdacht, dass Umlaute in den Kapiteln schuld sein könnten. Es wäre nett, wenn dieser «Bug» bald behoben würde.

Ein Kommentar zu «Ein echter Mehrwert für die Podcasts»:

  1. Die KI-generierten Kapitel von Auphonic finde ich inhaltlich einigermassen lieblos. Ferner gibt es fast immer hörbare Artefakte. Ich weiss nicht, ob es in anderen Sprachen besser funktioniert, aber Whisper kämpft ja immer noch sichtbar mit Schweizerdeutsch – und in der Folge auch Auphonic bei den KI-Funktionen, die sprachbezogen sind.

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