Schwarz-Weiss-Foto einer Strassenlaterne mit mehreren Plakaten. Eines trägt den Text «BIG DATA IS WATCHING YOU», unscharfer Hintergrund mit Lichtern.

Es gibt kein Entrinnen vor Google und Microsoft

Die Alter­na­ti­ven zu den gros­sen Such­ma­schi­nen sind gar keine: Denn Duck Duck Go, Qwant, Swiss­cows und Qwant verwenden die Indizes der gros­sen Konzerne. Lohnt es sich da über­haupt, sie zu be­nutzen?

KI-Antworten statt klassischer Suchresultate: Ist das ein Grund, Google zu boykottieren? Selbstverständlich ist das eine persönliche Entscheidung, auch wenn es triftige Gründe für eine Neuorientierung gibt. Als Reaktion auf meine Ausführungen zum Thema gab es eine interessante Reaktion auf Mastodon: Es bringe nichts, auf Bing oder Duck Duck Go umzusteigen, weil man damit – ich paraphrasiere – den Teufel mit dem Beelzebub austreibe.

Denn in der Tat: Viele der kleinen Suchmaschinen sind nur vermeintlich eine Alternative zum Marktführer. Denn sie funktionieren nicht eigenständig, sondern greifen ebenfalls auf den Google-Index zu. Ein Phänomen, das wir von den Browsern kennen. Die meisten Drittprogramme basieren wie Chrome auf dem von Google entwickelten Open-Source-Browser Chromium: Microsoft Edge, Opera, Vivaldi, Brave, Comet und Arc, um nur einige zu nennen.

Die Abhängigkeiten werden komplizierter, aber kaum kleiner

Das heisst: Leute, die sich einem dieser Produkte zuwenden, um ihre Unabhängigkeit von Google zu verringern, verfehlen ihr Ziel. Zwar bestimmt ein zwischengeschaltetes Unternehmen den Funktionsumfang des Programms. Doch die Marschrichtung wählt noch immer Google. Das zeigt sich bei weitreichenden Eingriffen wie beispielsweise den Schnittstellen, die den Browser-Erweiterungen zur Verfügung stehen.

Zwischenbemerkung: Allein deswegen ist es bedauerlich, dass Richter Amit Mehta am Bezirksgericht des Districts of Columbia Google neulich nicht zwang, Chrome und Android zu verkaufen.

Die interessante Frage ist an diesem Punkt: Wie viel Google handeln wir uns bei der Verwendung einer bestimmten alternativen Suchmaschine ein? Das ist nicht einfach zu bestimmen, da die Betreiber kein Interesse haben, das offenzulegen. Diese Information passt schlecht zum Bemühen, sich als Auswahlmöglichkeit zu präsentieren.

Bing dominiert bei den Google-Alternativen

Bei der besagten Diskussion auf Mastodon machte mich Raoul René auf einen interessanten Blogpost aufmerksam: Er schlüsselt auf, welcher Index bei den jeweiligen Suchanbietern zum Zug kommt.

Der Blogpost erwähnt, dass die russische Suchmaschine Yandex teilweise Resultate für Duck Duck Go geliefert habe, diese Zusammenarbeit derzeit jedoch auf Eis liege. Und ergänzt sei, dass die gern empfohlene Suchmaschine Kagi.com zwar eigene Crawler verwendet, aber auf Bing nicht verzichten kann.

Wir fragen uns an dieser Stelle bang, ob es kein Entrinnen vor Google und Microsoft gibt. Und in der Tat, scheint das unglücklicherweise so zu sein:

Suchmaschinenergebnisseite von Mojeek, zeigt Artikel zu «Google is evil» von verschiedenen Quellen wie The Atlantic, WIRED und Wikipedia.
Mojeek betreibt einen eigenen Idex

Es gibt zwar Anbieter, die eigene Indizes betreiben. Doch die können kaum mit den ganz Grossen mithalten. Als echte, unabhängige Alternativen dürfen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – diese Suchmaschinen gelten:

Gut zu wissen – aber wir müssten sehr hart gesotten sein, um uns zuzutrauen, mit diesen vier Rechercheinstrumenten über die Runden zu kommen. Sollten wir uns entscheiden wollen, nichts mehr mit Big Tech zu tun haben zu wollen, dann hätten wir allerdings gar keine andere Wahl.

Bleibt nur, zum Aussteiger zu werden?

Wir kommen zur Einsicht, dass uns das moderne Leben nicht erlaubt, alle unsere Überzeugungen konsequent durchzusetzen: nie mehr fliegen, nur noch vegan oder gar frutan essen, CO₂-neutral wohnen und Konsum rein nach Kriterien der Nachhaltigkeit, Fairness und Umweltverträglichkeit – dieser Aussteiger-Lifestyle ist unvereinbar mit einem normalen Erwerbs- und Sozialleben. Wir kommen um eine pragmatische Haltung nicht herum. Das heisst: Keine komplette Abnabelung von Microsoft und Google, aber eine Reduktion, mit der wir den Schutz unserer persönlichen Daten merklich verbessern und unsere Abhängigkeit bewusst verringern. Schon das ist gut für uns selbst und ein Zeichen gegen die digitale Monokultur.

Beitragsbild: Das ist nicht übertrieben (ev, Unsplash-Lizenz).

Kommentar verfassen