Ein Laptop im Zug zeigt einen Blogartikel mit dem Titel «Der erste Auftritt des Bildschirmschreibers in der Schweiz» und daneben ein Textfeld zur Erstellung von Beiträgen für soziale Medien.

Der Comet-Browser von Perplexity im Test

Das KI-Unter­neh­men ent­wickelt ein Surf­pro­gramm, bei dem das hau­sei­ge­ne Sprach­mo­dell direkt in­te­griert ist. Das ist nicht ver­kehrt, aber bis dato noch kein Grund, Chrome und Fire­fox in die Wüste zu schicken.

Der Browserkrieg ist neu entflammt – und der Brandbeschleuniger ist die künstliche Intelligenz. Denn eine direkt in die Software integrierte KI kann uns direkt bei unserer täglichen Arbeit unterstützen. Sie erledigt Aufgaben, statt nur Fragen zu beantworten und Informationen zusammenzutragen, wie wir es uns bisher gewohnt sind. Keine Frage, dass hier ein Potenzial lauert, unsere Arbeitsweise nachhaltig zu verändern. Der Softwarehersteller, der uns dieses Potenzial am besten erschliesst, wird sich beträchtliche Marktanteile sichern können.

Vor einem Monat habe ich mit Opera den ersten «KI-Browser» getestet. Fazit damals: Da ist noch Luft nach oben. Der nächste Kandidat ist Comet. Dieser Browser stammt von Perplexity, also einem der hochkarätigen Mitspieler in der Arena der LLMs. Natürlich sind die Erwartungen entsprechend höher: Denn während bei Opera die Browser-Spezialisten zu finden sind, ist bei Perplexity jene Expertise vorhanden, die in erster Linie gefragt ist. Der Browser selbst ist eine Quantité négligeable: Comet ist eine Abspaltung von Google Chrome.

Screenshot einer Wikipedia-Seite über Axolotl mit Bild des Tieres. Rechts ist ein Assistenten-Tool geöffnet, das veraltete Informationen auf der Seite erkennt und aktualisiert.
Bei Wikipedia findet Perplexity sofort Verbesserungspotenzial – doch selbst Hand anlegen will die KI nicht.

Die Ruck-Zuck-Übersetzung

Die KI-Funktionen finden sich am rechten Rand der Adressleiste:

  • Es gibt einen Knopf, der angeklickt ohne weitere Aufforderungen eine Zusammenfassung der gerade geöffneten Website liefert. Leider erfolgt dieses Resümee auf Englisch, obwohl der Browser selbst auf Deutsch eingestellt ist.
  • Der Assistent erlaubt individuelle Interaktionen.

Prompt-Eingaben werden direkt in Bezug auf die geöffnete Website interpretiert. Auf die Frage «Gibt es falsche oder veraltete Informationen, die dringend korrigiert oder aktualisiert werden müssten?» bei einer Wikipedia-Website findet Perplexity tatsächlich einige Dinge, die korrigiert werden könnten. Aber tut die KI das in Eigenregie?

Nein. Die Frage «Kannst du diese Korrektur gleich selbst vornehmen?» beantwortet Perplexity wie folgt:

Eine direkte Bearbeitung der Wikipedia-Seite ist hier nicht möglich, aber es kann eine präzise Änderungsempfehlung mit Quellen formuliert werden, die sich leicht auf der Artikeldiskussionsseite oder im Bearbeitungsformular einfügen lässt.

Nein, danke.

Die unbeanworteten Mails findet Perplexity leider nicht

Bei manchen Websites schlägt Perplexity von sich aus Aktionen vor. Bei Gmail erscheinen folgende Optionen:

  • Was sind meine bevorstehenden Reisen?
  • Wichtige unbeantwortete E-Mails finden
  • Hilf beim Verfassen einer Antwort
  • Aktuellen Bestellstatus überprüfen

Besonders nützlich wäre die zweite Tätigkeit, nämlich die wichtigen unbeantworteten Mails ans Tageslicht zu befördern. Doch statt das direkt zu tun, teilt mir Perplexity mit:

In Gmail lassen sich wichtige, unbeantwortete E‑Mails am schnellsten mit einer Kombination aus Suche und Filtern finden, etwa mit der Suche is:inbox is:unread OR -from:me -has:userlabels und anschliessendem Anpinnen/Markieren für spätere Übersicht.

Danke, aber dafür brauche ich keine KI. Ich navigiere zur Plugins-Seite meiner WordPress-Installation und gebe Perplexity folgenden Auftrag: «Überprüfe die installierten Plug-ins und deaktiviere diejenigen, die seit mehr als sechs Monaten nicht mehr aktualisiert worden sind.»

«Screenshot des WordPress-Plugins-Bereichs. Links eine Liste installierter Plugins, rechts ein Assistenz-Tool mit Anweisungen zur Plugin-Verwaltung.»
Perplexity ist leider ausserstande, hier ein bisschen aufzuräumen.

Comet lässt mich ins Leere laufen und sagt, ohne direkten Backend-Zugriff könne diese Änderung nicht vorgenommen werden. Spätestens hier ist klar: Comet ist (bislang) kein Agent, der direkt mit den angezeigten Inhalten interagieren könnte – zumindest nicht bei mir. Andere berichten (namentlich Oliver), dass sie den Browser zur Interaktion mit Gmail bewegen konnten. Ich werde daher dranbleiben und nachdoppeln, falls sich neue Erkenntnisse ergeben.

Nach dem Test des Agentenmodus von ChatGPT hätte ich sehr gern einen vielseitigen und engagierten Browser-Helfer getestet. Vorerst waren meine Erwartungen zu hochfliegend. Es steht aber ausser Frage, dass ein solcher, direkt integrierter Agent nicht mehr lange auf sich wird warten lassen – und er sehr hilfreich sein wird.

Bis jetzt kein «Gamechanger»

Fazit: Comets KI-Integration ist nach dem aktuellen Stand der Dinge solide, aber nicht revolutionär. Für mich gibt es keinen Grund, den Browser zu wechseln. Und ich bleibe meiner Überzeugung treu, dass ich es bevorzuge, wenn KI und Software nicht verschmolzen werden, sondern die Verbindung über Schnittstellen erfolgt – sodass wir Nutzerinnen und Nutzer uns entscheiden können, welche Kombination von Browser und Sprachmodell uns am besten taugt.

4 Kommentare zu «Der Comet-Browser von Perplexity im Test»

  1. Interessant, bei mir konnte Comet direkt mit Gmail interagieren und auch neue Tabs öffnen. Beim Übertragen von Daten von Gmail zu Google Spreadsheet hat er alles korrekt gemacht – bis auf die Daten, die hat er frei halluziniert.

  2. Ich fand Comet sehr enttäuschend. Z. B. konnte er nicht direkt auf die Website zugreife (auf der ich mich befand) und mir Informatioenn dazu liefern, anstatt griff er immer auf andere Quellen zurück. Die Bitte dies zu lassen, ignorierte er. Am Ende teilte er mit, dass er nur auf die Website zugreifen könne, wenn ich im die URL gebe. Dies getan … gab er mir den Inhalt einer anderen Website aus meinem (ich schätze) Cache wieder, aber nicht die gewünschte. Beim nächsten Test mit URL gab er mir die komplett falschen Angaben wieder, hier beim zweiten Versuch gab er immerhin zu, nicht auf die Seite zugreifen zu können … also alles in allem: mehr Arbeitsbeschaffung als Erleichterung. Schade. Klang gut, ist es aber nicht.

  3. Einen Teufel werde ich tun, irgend eine KI in meinen Emails rumhantiern zu lassen! Hat die Userwelt noch immer nicht begriffen, wie stark der Datenklau fortgeschritten ist?

    Unglaublich.

  4. Eben eine spannende Funktion von Comet entdeckt.
    Die Anweisung „Finde auf der Flixbus Webseite alle Verbindungen ab Zürich ohne umsteigen bis zu einer Endstation. Inkl. Fahrrad-Transport“ bringt nach etwas Feintuning tatsächlich die gewünschten Resultate. „Von Hand“ wäre diese Abfrage äusserst aufwändig, wie man wunderbar in Comet live mitverfolgen kann.
    Ich kann mir gut vorstellen, dass sowas auch auf der SBB-Webseite oder so funktioniert.

    Für einmal echt nützlich, finde ich.

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