Rote Flaschendeckel mit weissem «Coca-Cola»-Schriftzug auf schwarzem Hintergrund, unregelmässig gestapelt.

Die App für USA-Boykotte

Die De­trumpify Your­self-App zeigt an, ob ein Pro­dukt aus den Ver­ei­nig­ten Staaten stammt oder nicht. Ein prak­ti­sches Hilfs­mit­tel für Leute, die den Wunsch ver­spüren, ihren Un­mut gegen Trumps Po­li­tik durch ent­spre­chen­de Kauf­ent­schei­de aus­zu­drücken.

Was für eine Woche! Sie hat jegliche Zweifel darüber ausgeräumt, dass die US-Amerikaner nicht unsere Freunde sind. Zumindest, solange die derzeitige Regierung ihren Kurs des Zoll-Irrsinns beibehält.

Was tun? Sich ärgern und abwarten, bis es besser wird? Oder stattdessen versuchen, die Superkraft anzuwenden, die uns als Mitglieder der vereinigten Konsumentenschaft zur Verfügung steht – nämlich, unsere Stimmung durch unsere Kaufentscheide auszudrücken?

Falls wir uns für den zweiten Weg entscheiden, dann finden wir Unterstützung in der Detrumpify Yourself-App. Im französischen Original heisst sie Détrumpez-vous!, und sie ist kostenlos fürs iPhone und für Android erhältlich. Via Kamera des Smartphones liest sie den Strichcode von Produkten und informiert darüber, ob der Hersteller in den USA sitzt oder nicht. Als mündige Shopping-Queens und -Kings entscheiden wir daraufhin, ob wir dieses Produkt in unseren Einkaufskorb legen oder ins Gestell zurückbefördern.

Smartphone-Display zeigt Barcode-Scanner-App mit gescannter grüner Verpackung. Text informiert, dass Produkt nicht aus amerikanischer Produktion stammt. «Mentos» und «Nicht USA» werden angezeigt.
Immerhin: Diese Kaugummis sind noch erlaubt.

Das funktionierte in meinen ersten Tests einwandfrei. Ein Problem scheint die bislang kleine Datenbasis zu sein: Die am 18. März 2025 lancierte App weiss gemäss Herstellerangaben über rund 1500 in Supermärkten vertretene Marken Bescheid. Das dürfte nur ein kleiner Teil sein. Wenn wir Marken ergänzen wollen, dann müssen wir bislang ein E-Mail an contact@detrumpez-vous.com schicken. Das ist etwas umständlich; bei den vorhandenen Einträgen können wir jedoch direkt über die App allenfalls fehlende Informationen ergänzen: Am Ende des Eintrags gibt es dafür einen passenden Link.

Ein symbolisches Zeichen des Protests – oder Widerstand mit Wirkung?

Eine Frage liegt auf der Hand: Lohnt es sich, aktiv einen Bogen um US-Produkte zu machen? Hat das eine Wirkung oder besteht der einzige Effekt darin, dass wir uns nach einem rein symbolischen Akt besser fühlen?

Bildschirm eines digitalen Tools: Informationen zu Apple Inc., politische Beiträge 2024, Alternativen wie HMD und Samsung. Rote und blaue Balkendiagramme für Demokraten und Republikaner.
Falls wir aufs neue iPhone nicht verzichten wollen, reden wir uns das mit Apples Hang zu den Demokraten schön.

Natürlich hängt die Antwort davon ab, wie viele Leute tatsächlich gewillt sind, ihre Konsumgewohnheiten zu ändern und auf Big Mac und Coca-Cola zu verzichten. Denn wie oben angedeutet: Im Kapitalismus gibt es keine mächtigere Instanz als die Gesamtheit aller Leute, die Kaufentscheide treffen oder verweigern. Zwar kann man den Eindruck bekommen, dass politische Erwägungen für die allermeisten Leute beim Geldausgeben eine extrem untergeordnete Rolle spielen. Aber im fraglichen Fall würde es mich nicht wundern, wenn der Unmut so gross wäre, dass sich tatsächlich eine Wirkung entfaltet. Natürlich immer mit der Einschränkung, dass sich – Stichwort Tech-Bereich – die Abhängigkeit nicht von jetzt auf sofort reduzieren lässt.

So macht er America small again

Das soll uns nicht davon abhalten, dort zu verzichten, wo es möglich ist: US-Präsident Trump will, dass die Menschen rund um den Globus Erzeugnisse aus seinem Land kaufen. Er könnte dieses Ziel verfolgen, indem er ideale Bedingungen für maximale Wettbewerbsfähigkeit schafft. Doch das tut er nicht, im Gegenteil: Er vertreibt die Immigranten, die bisher zur Prosperität und Innovationskraft beigetragen haben. Er behindert die Universitäten und die Wissenschaft und er erzeugt ein Klima der Angst und Unsicherheit, das Gift für eine produktive Wirtschaft ist. Nebenbei hat er die Aufsicht über die Märkte so reduziert, dass das Investoren abschrecken dürfte. Es könnte auch Monopole und Oligopole befördern, und die führen nicht zu Fortschritt, sondern zu Stillstand.

Stattdessen sollen wir die US-Produkte kaufen, weil wir sonst einen auf den Deckel kriegen – in Form von Zöllen, die die Handelsbilanz ins Gleichgewicht bringen sollen. Die Detrumpify-App wirkt dieser Idee direkt entgegen: Denn wenn Trump die Exporte in die USA besteuert und damit reduziert, könnte sie zu einer Reduktion der Importe führen. Das wäre eine Art ausgleichender Gerechtigkeit. Zugegeben, darin steckt auch das Potenzial für eine weitere Eskalation. Aber wir haben nicht damit angefangen.

Ein letzter Gedanke: Die App gibt nicht nur die Herkunft eines Produkts an, sondern zeigt auch auf, mit welchen finanziellen Mitteln ein Unternehmen Einfluss auf die Politik nimmt. Das wäre nicht nur im Bezug auf die USA interessant, sondern generell. Zumal uns heute schwant, wie politisch jede einzelne unserer Kaufentscheidungen ist.

Beitragsbild: Ab damit in die Alusammlung! (Couleur, Pixabay-Lizenz)

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