Wie das Yahoo-Webverzeichnis von damals – bloss selbst gemacht

Mit Urlist.xyz ent­ste­hen sortierte und kura­tierte Kol­lek­tio­nen mit Links aus dem Web, die mit Notizen versehen und geteilt wer­den kön­nen: per­fekt für die On­line-Jäger und -Samm­ler unter uns.

Ich bin auf der Suche nach einem Ersatz für Pocket, meine Später-Lesen. Denn zu meinem Unmut und Bedauern stellte Mozilla die ein¹. Dabei bin ich auf urlist.xyz gestossen. Gleich vorneweg: Als Ersatz für Pocket taugt diese Webanwendung nicht. Aber sie ist wunderbar geeignet, um die Linksammlung mit Notizen zu verbinden. Ich lote im Moment aus, ob Urlist mir die Themensuche erleichtern könnte. Bisher trage ich inspirierende Links in der Simplenote-App ein. Das funktioniert, ist aber eine archaische Methode.

Urlist hat der gegenüber einige wesentliche Vorteile:

  • Die Links erscheinen nicht «nackt», sondern mit einem Textanriss der Original-Website.
  • Bei vielen Artikeln wird auch das Beitragsbild angezeigt, wobei sich das über den Schalter Preview Images ausblenden lässt.
  • Der Titel des Links kann selbst vergeben werden. Falls er leer gelassen wird, übernimmt Urlist den Original-Titel.
Ein individuell sortiertes Linkverzeichnis mit Kommentiermöglichkeit.

«Marginalien» für die Links

Zur Verwaltung der Links gibt es einige Hilfsmittel:

  • Die Links können in separaten Sammlungen organisiert werden, die Listen.
  • Die Listen wiederum lassen sich in Abschnitte (Sections) einteilen.
  • Innerhalb dieser Abschnitte werden sie über einen Anfasser (erkennbar am Symbol mit drei Linien) in die gewünschte Reihenfolge gebracht.
  • Die Listen sind per URL teilbar.
  • Das eigentliche Highlight sind die Sidenotes. Sie erscheinen, wie der Name sagt, am Rand und geben uns sogar eine Formatierungsmöglichkeit per Markdown.

Für mich der ideale Funktionsumfang. Denn natürlich könnte ich meine Themenlisten auch in Notion führen – und das habe ich mir auch überlegt –, doch ich komme immer wieder zum gleichen Schluss: Mit Kanonen auf Spatzen zu schiessen, bringt es nicht. Das heisst, ich mag keine überladenen Apps, die nur schon fürs Aufstarten ewig Zeit benötigen. Darum ist seinerzeit auch Onenote in Ungnade gefallen.

Eine vorbehaltlose Empfehlung – fast

Das Yahoo-Verzeichnis von 1996 (Yahoo/Flickr.com, CC BY 2.0)

Also eine heisse Empfehlung – eigentlich. Vorbehaltlos empfehlen kann ich Urlist bislang leider nicht. Die App ist nämlich ihrerseits manchmal träge, und das Hinzufügen von Links geht mir nicht schnell genug. Natürlich hat das auch mit meiner Ungeduld zu tun – aber so ist es nun mal. Ich hoffe, dass sich die Performance noch verbessern wird – und wünschen würde ich mir auch eine Downloadmöglichkeit, da ich aus Gründen wichtige Daten unbedingt offline speichern möchte. Bis es so weit ist, setze ich (mutmasslich) auf Raindrop.io.

Schliesslich ist Urlist auch ein Beleg dafür, dass das ursprüngliche Internet nicht ganz verschwunden ist.

Urlist sei eine «Ode an das alte Web», schreiben die Macher auf der Startseite, «inspiriert von den Anfängen der Blogrolls und Webportale». Zitiert wird auch Nutzer Eric, der meint, die Sache sei schon ziemlich cool und würde sich anfühlen, wie «sein eigenes privates Yahoo». Das deutet darauf hin, dass Eric etwa ähnlich alt ist wie ich und sich noch bestens ans Yahoo Directory erinnert. Mir geht es genauso – und darum mache ich mir diese Huldigung gern zu eigen.

Fussnoten

1) Das ist ein Dienst zur Führung einer Leseliste. Er ging 2007 unter dem Namen Read It Later an den Start, wurde 2017 von Mozilla übernommen und geht inzwischen seinem Ende entgegen. Im Mai wurde das Ende verkündet, per 8. Juli 2025 wird Pocket abgeschaltet. Bis dahin haben wir Gelegenheit, unsere gesammelten Links herunterzuladen.

Beitragsbild: Wenn ihr hier vorbeikommt, richtet dem Erfinder des Yahoo Directory meine herzlichen Grüsse aus (Yahoo/Flickr.comCC BY 2.0).

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