Apps für die Garmin-Uhren

Der Connect IQ-Store im Augen­schein: Das Angebot ist viel­fältig und erweitert die Möglich­keiten der smarten Uhr beträcht­lich. In Sachen Ele­ganz muss Garmin aber hinter Apple zurück­stecken.

Neulich habe die unzähligen Funktionen und Konfigurationsmöglichkeiten beschrieben, die es bei Garmin-Apps gibt. Als ob das nicht ausreichen würde, existiert zusätzlich die Möglichkeit, Module von Drittherstellern zu installieren. Zwingend ist diese Möglichkeit nicht, aber wünschenswert. Denn ein App-Store gehört auch bei den Wearables zum guten Ton, zumal das auch eines der Merkmale der Apple Watch ist.

Aber was taugt der Store? Das habe ich mir angesehen.

Um Apps auf die Garmin-Uhr, z.B. eine Fenix der Serie 7 zu bringen, kommt nicht die normale Connect-App zum Einsatz. Stattdessen verwendet man die Connect IQ-App, die es fürs iPhone und für Android gibt.

Die hat vier Bereiche: den Shop, die Suche, Face-It für eigene Ziffernblätter und den Verwaltungsbereich namens Mein Gerät.

Sport, Unterhaltung, Alltag

Die Startseite des Garmin Connect IQ-Stores.

Der Shop, der auch via Browser zugänglich ist, hält Ziffernblätter, Module mit zusätzlichen Funktionen, Datenfelder für spezifischen Anzeigen während des Rennens oder Velofahrens bereit. Auch Extra-Sensoren können ihre Daten über ein Datenfeld an die Uhr liefern. Zum Beispiel die Datenbrillen von Tooz, die ich womöglich separat besprechen müsste.

Die Auswahl ist eindrücklich – und sie zeugt davon, dass Garmin im Sportbereich einiges zu bieten hat. Es finden sich die üblichen Verdächtigen: Navigation und Routen-Aufzeichnungen für die (hier auch schon vorgestellten) Communitys Komoot und Wikiloc Trails. In dieser Kategorie findet sich auch die Swiss Grid-App für die hierzulande verwendete Kartenprojektion. Ebenfalls einen Download wert scheint mir Cacher – zumindest, wenn man Geocaching betreibt.

Für die Unterhaltung während des Rennens gibt es Spotify und Deezer. Das ist eine spannende Sache, zumal die Streamingdienste den Umgang mit Musik vereinfachen. Von Haus aus muss man die Audiodateien per USB-Kabel auf die Uhr übertragen, um sie offline zu hören, aber über die Streamingdienste lädt man sie via WLAN fürs Offline-Hören auf die Uhr. Ausserdem eröffnet Spotify auch den Zugriff auf Hörbücher und Podcasts. Das ist Möglichkeit, die ich bei der Apple Watch schätze. Wie gut oder schlecht das klappt, ist mir einen eigenen Blogpost wert – mehr dazu unter Mit der Garmin-Uhr Spotify hören.

Wie man sich sein Bier verdient

Ein weiteres Feld in Garmins App-Store sind die sogenannten Trainingsberechnungen. Sie offerieren Tracking-Möglichkeiten für Sportarten bzw. Tätigkeiten, die von Haus aus nicht gezählt werden: Jumps (Seilspringer), Walker (Walking) und Beers earned – naja, die gibt an, wie viele Biere man sich durch seine Trainings verdient hat.

Bei «Mein Gerät» werden die Apps verwaltet.

Einige der Apps sind nicht für den Sport gedacht, sondern für den «normalen» Alltag. Zu denen gehört Hydration Tracking, mit der man seinen Wasserkonsum verfolgt. Ich nutze zu diesem Zweck die iPhone-App Water  Minder, die auch in einer brauchbaren Variante für die Appe Watch existiert. Mit der kann Garmin nicht mithalten: Das Erfassen des Wasserverbrauchs ist umständlich, und es gibt keine Möglichkeit, mehrere Getränkarten (Wasser, Tee, Fruchtsaft, Bier) zu unterscheiden.

Wie erwähnt, hält der Store auch Ziffernblätter bereit. Die sind im Vergleich zur Apple Watch weniger auf Eleganz, sondern vielmehr auf eine hohe Informationsdichte getrimmt. Sie wirken oft technoid; Beispiele dafür sind Data Lover und Glance Watch. Es gibt aber vereinzelte Exemplare, die den Stil in den Vordergrund stellen: Infinite Geometry, Aurora und Circus Panda 1 sind diesbezüglich meine Favoriten.

Eine eigene Uhrenoberfläche gestalten

Bei «Face it» bastelt man ein (mehr oder weniger hübsches) Ziffernblatt.

Fürs individuelle Ziffernblatt gibt es in der Connect IQ-App den Bereich Face it. Er ist dazu da, eigene Watchfaces zu gestalten.

Für diesen Zweck selektiert man erst ein Foto aus der Mediathek oder fotografiert ein passendes Motiv. Dann hat man die Auswahl aus einer Anzeige mit Zeigern oder Ziffern und mit einigen wenigen Datenfeldern. Ausserdem darf man Zeiger bzw. Ziffern die Lieblingsfarbe zuweisen und dieses Werk an die Uhr übertragen.

Das ist nicht so elegant wie das Porträts-Zifferblatt von Apple, erfüllt aber den Zweck, wenn man seine Lieblingsmenschen auf der Uhr sehen möchte.

Installieren, aktualisieren, deinstallieren

Bei «Mein Gerät» werden Apps installiert und ggf. wieder gelöscht.

Noch kurz zum Bereich Mein Gerät: Hier verwaltet man die installierten Apps, legt fest, ob Updates automatisch installiert werden oder nicht. Und natürlich besteht die Möglichkeit, in Ungnade gefallene Dritthersteller-Module wieder zu entfernen. Dazu wählt man es aus der passenden Kategorie (Meine Uhrenoberflächen, Meine Geräteapps, Meine Datenfelder bzw. Meine Musik) aus, tippt es an und betätigt dann die Schaltfläche Deinstallieren.

Fazit: Der App Store von Garmin ist nicht ganz so elegant wie der von Apple, und nicht so nahtlos integriert. Aber der Store erfüllt seinen Zweck. Das Angebot ist reichhaltig und vielfältig – und anders als bei Apple gibt es bei Garmin auch Ziffernblätter von Drittherstellern.

Beitragsbild: Die Garmin Fenix 7-Smartwatch mit dem Ziffernblatt «Circus Panda 1».

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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