Fischers Fritzbox fischt keine Fische per IPv6

Aus un­er­find­lichen Gründen ver­bindet mein brand­neuer Router nur über das uralte IPv4-Protokoll und verweigert sich IPv6. Ein unhalt­barer Zustand, der sich zum Glück beheben liess.

Als ich mich neulich mit DNS over HTTPS beschäftigt habe – womit sich die Internetverbindung besser gegen Mithörer und Manipulatoren absichern lässt –, ist mir aufgefallen, dass die Geräte in meinem Netzwerk lediglich mit IPv4 kommunizieren. Dieses Protokoll ist nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Es wurde 1981 entwickelt und krankt daran, dass zu wenige globale Reserven für all die Geräte vorhanden sind, die sich online tummeln – und von denen es allein wegen des Internets der Dinge immer mehr gibt.

Das war schon vor zehn Jahren ein Problem. Am 8. Juni 2012 sollte der «IPv6-Tag» ein Bewusstsein für das Problem schaffen. Der Aktionstag sollte die Leute dazu bringen, sich für das Nachfolge-Protokoll IPv6 zu interessieren und zu engagieren. Mit dem wird das Kapazitätsproblem ein für alle Mal gelöst: Mit ihm hat die vereinigte Intenret-Nutzerschaft statt der läppischen 4,3 Milliarden Adressen, die der Vorgänger aufbieten konnte, einen Raum von geschlagenen 340 Sextillionen (2128) eindeutigen Adressen zur Verfügung. Und das sollte erst einmal reichen, selbst mit einer akuten Vermehrung der Geräte im Bereich des IoT (Internet of things).

Zehn Jahre später hat sich etwas getan

Doch trotz der offensichtlichen Vorteile und dem Aktionstag vom 8. Juni hat sich das neue Protokoll nur schleppend durchgesetzt. 2015 musste ich festgestellen, dass sich bei meinem damaligen Internet Provider UPC in Sachen IPv6 noch gar nichts getan hatte.

Mit meinem Wechsel des Anbieters 2017 änderte sich das auf einen Schlag. Beim Winterthurer ISP Init7 gehörte IPv6-Zeitalter längst zum guten Ton. Und auch wenn man als Nutzer unmittelbar keine Vorteile hat, wenn man IPv6 nutzt – zusätzlich zu IPv4, das so schnell nicht abgeschaltet werden wird –, so habe ich mich doch gefragt, was dieser Rückfall ins düstere UPC-Zeitalter soll.

Als Ursache hatte ich sofort meinen neuen Router im Verdacht. Im Februar habe ich die Fritzbox 5530 gekauft, um auf die WLAN-Tempotube zu drücken. Es lag nahe, die als IPv6-Schwachstelle zu vermuten.

Die Fritzbox verweigert sich

Und mit dieser Vermutung lag ich richtig. In der Konfigurationsumgebung – auf die man gemäss Tipp drei meiner zehn Tipps für die Fritzbox zugreift – findet sich unter Internet bei Zugangsdaten in der Rubrik IPv6 die Option IPv6-Unterstützung aktiv. Nachdem ich diese Option eingeschaltet und mit darunter das Kästchen Native IPv6-Anbindung verwenden angehakt hatte, funktioniert es jetzt genauso wie erwartet.

Hier wird IPv6 bei der Fritzbox eingeschaltet – und, falls es nötig sein sollte, auch deaktiviert.

Bleibt die Frage, warum die Fritzbox standardmässig nur mit IPv4 verbindet. Im Hilfe-Dokument dazu heisst es, die Fritzbox würde eine native IPv4- und eine native IPv6-Internetverbindung herstellen, falls das möglich sei: «Die manuelle Einrichtung von IPv6 ist nur erforderlich, falls die IPv6-Internetverbindung nicht automatisch eingerichtet werden konnte, IPv6 mit einem Tunnelprotokoll an einem IPv4-Internetzugang genutzt oder spezielle Konfigurationen umsetzt werden sollen.»

Da ich keine spezielle Konfiguration haben will, liegt es wohl daran, dass die IPv6-Internetverbindung nicht automatisch eingerichtet werden konnte – warum auch immer.

Schnelle IPv6-Tests

Test-ipv6.com bescheinigt zehn von zehn Punkten.

Klar; im grand scheme of things ist das eine Nebensächlichkeit. Es gibt nur wenige Websites, die nur per IPv6 erreichbar sind: Aufgezählt werden einige davon hier oder hier.

Aber der Nerd-Credibility ist es halt wahnsinnig abträglich, sich der Zukunft auf ignorante Weise zu verschliessen. Ob man eine IPv6-Adresse verwendet, lässt sich in den Netzwerkeinstellungen des Betriebssystems nachsehen. Beim iPhone wird man in den Einstellungen bei WLAN fündig, wenn man beim verbundenen Netzwerk aufs blaue i-Symbol tippt und zum  Abschnitt IPv6-Adresse scrollt. Bei Windows liefert der Eingabeaufforderungs-Befehl ipconfig einen schnellen Hinweis.

Es gibt auch Websites, die mitteilen, mit welchem Protokoll man sie erreicht hat. Das funktioniert kurz und bündig via ipv6test.google.com und ausführlicher über test-ipv6.com.

Beitragsbild: Eben nicht! (Wes Walker, Unsplash-Lizenz)

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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